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:: Wohin geht der Solarmarkt?

+ 06.04.2012 + PHOTON-Konferenz diskutiert Konsolidierung in der Solarbranche.

In einer Phase der Konsolidierung, die noch deutlich an Fahrt aufnehmen wird, bereiten sich die Firmen auf weitere Kostensenkungen und eine starke Differenzierung in sich schnell fragmentierende Solarmärkte vor.

 

Siliziumkapazitäten reichen für die nächsten vier Jahre

Die gigantischen Produktionsüberkapazitäten in der Siliziumbranche war das Thema von „PHOTON's 10th Solar Silicon Conference“. Führende Akteure der Branche waren sich einig, dass der Angebotsüberhang auch in diesem Jahr zunehmen und die Preise auf das Niveau der Produktionskosten drücken wird. Die größten Hersteller werden nach Einschätzung von Martin Meyers (PHOTON Consulting) weiterhin genug Kapazitäten haben, um die Nachfrage der nächsten vier Jahre zu bedienen. „Allerdings dürften nur wenige Unternehmen die Konsolidierung überleben“, so Meyers. Seiner Ansicht nach werden im Jahr 2013 nur noch rund elf Hersteller existieren, darunter nur diejenigen, welche für weniger als 30 Dollar pro Kilogramm produzieren können.

 

Henning Wicht, Analyst von IHS iSuppli, erwartet mit Spotmarktpreisen von 22 Dollar pro Kilogramm für die Jahre 2012 und 2013 einen weiteren Preisverfall. Nach Meyers Einschätzung wird es im nächsten Jahr rund 25 Prozent der Kapazitäten der Siliziumproduktion des Jahres 2012 nicht mehr geben. Dementsprechend fällt der Ausblick von Meyers und Wicht nüchtern aus: Die massiven Expansionspläne der größten Unternehmen wie Hemlock Semiconductor, Wacker Chemie und OCI werden teils aufgeschoben, teils gestrichen.

 

Solarwechselrichter: neue Materialien kommen

Auf der „PHOTON's 4th PV Inverter Conference“ wurde über die Veränderungen bei Solarwechselrichtern diskutiert. Während deren Hersteller die Geräte aufgrund sinkender Einspeisevergütungen zu immer günstigeren Preisen anbieten müssen, werden gleichzeitig die Bedingungen für den Anschluss ans Stromnetz rigider: Wirkungsgrade müssen zwischen 98 und 99 Prozent liegen, Kommunikationsschnittstellen werden zur Pflicht. Als Lösungsmöglichkeit bieten sich kundenspezifische Halbleiterbausteine an, sagte Andrea Vezzini von der Fachhochschule Bern.

 

Dazu zählen sowohl Galliumnitrid-Halbleiterbauteile, die sehr effiziente Wechselrichter mit nur wenigen Bauteilen ermöglichen. Besonders hohe Effizienz ermöglichen auch Transistoren auf Basis des Halbleiters Siliziumkarbid. Nachdem der Marktführer SMA Solar Technology AG im vergangenen Jahr ein erstes Seriengerät mit Siliziumkarbid-Transistoren vorgestellt hatte, werden nach Ansicht der Experten in diesem Jahr weitere Hersteller nachziehen.

 

Die noch relativ neuen Komponenten ermöglichen auch eine Erhöhung der maximalen Systemspannung von 1.000 Volt auf 1.500 Volt. Dadurch lassen sich insbesondere große Photovoltaikanlagen kostengünstiger bauen.

 

Brandrisiko bei Photovoltaik wird minimiert

Wie das Brandrisiko von Photovoltaikanlagen minimiert werden kann, stand im Mittelpunkt von „PHOTON's 4th PV Safety Conference“. Die Solarindustrie arbeitet an verschiedenen Ansätzen zur frühzeitigen Erkennung von Gefahren: Der Zell- und Modulhersteller Q-Cells SE bemüht sich darum, dass erst gar kein Modul die Produktion verlässt, das zu Kurzschlüssen neigt und damit Feuer auslösen könnte. Das Unternehmen hat mit dem VDE einen Test entwickelt, der zwei- bis dreimal so hart ist wie der IEC-Standard zur Zertifizierung für Module. Dieser soll neben den Sicherheitsaspekten auch sicherstellen, dass die Module 25 Jahre gute Erträge liefern. Um möglicherweise dennoch vorhandene Schwächen in Modulen auszuschließen, bieten die Tigo Energy GmbH und mehrere andere Hersteller sogenannte Leistungsoptimierer. Die Geräte dienen dazu, mit nicht optimal ausgerichteten Anlagen die höchsten Erträge zu erzielen, ferner zur Überwachung und frühzeitigen Fehlererkennung.

 

„Das Managementsystem kennt die Spannung und Temperatur jedes Moduls“, sagte Bernd Neuner von Tigo. Weist ein Modul ein Risiko für einen Kurzschluss auf, aus dem sich ein Lichtbogen entwickeln kann, ist selbst in Megawattparks das betroffene Modul genau zu bestimmen. In den USA öffnet sich für solch intelligente Photovoltaiksysteme gerade ein großer Markt: Ab 2014 tritt dort ein neuer Netzcode in Kraft und dann müssen Solarstromsysteme Lichtbögen erkennen und sich sofort abschalten können. In der Diskussion sagte Karl Heinz Küsters von Q-Cells, er erwarte, dass der Trend zu intelligenter Modultechnik auch nach Europa schwappen werde.

 

Derzeit Sonnenfinsternis bei Herstellern

Nach Einschätzung der Teilnehmer von „PHOTON's 7th Solar Investors Conference“ profitieren Investoren und aufstrebende Solarmärkte weiterhin von den Schnäppchenpreisen der Photovoltaik, während Hersteller mindestens ein weiteres Jahr schwerwiegender Geschäftsverluste durchhalten müssen, da das Überangebot sich bis in das Jahr 2013 ausdehnen wird. Martin Meyers, PHOTON Consulting, schätzt, dass ungefähr die Hälfte der derzeit rund 120 größeren Modulhersteller im Jahr 2013 nicht mehr existieren werden. Diese Anzahl wird sich im Jahr 2014 nochmals halbieren, und nach Meyers Worten werden es nicht unbedingt die heutigen Marktführer sein, die überleben. „Mindestens vier der größten zehn Hersteller produzieren nicht die Qualität, die künftig erforderlich sein wird“, sagte Peter Fath, Technologiechef von Centrotherm Photovoltaics. Die PV-Produktion ist zwar weiterhin profitabel, das Potenzial liege jedoch weiter unten im Herstellungsprozess. Unternehmen, die sich über die pure Produktion hinaus diversifiziert haben, sind in einer sehr viel besseren Position, um die schwierige Zeit zu überwinden“, meint Meyers.

 

PV-Maschinenbau unter Innovationsdruck

Das halsbrecherische Tempo der Kostenreduktion in der PV-Herstellung wird sich in den kommenden Jahren fortsetzen, sagten die Hersteller von PV-Produktionsanlagen auf „PHOTON's 7th PV Production Equipment Conference“. Die Maschinenbauer stehen unter extremem Druck, günstig Innovationen zu liefern, um neue Aufträge zu gewinnen.

 

Wolfgang Herbst von Centrotherm sagte, die Hersteller hätten vier Hebel, um die Kosten zu reduzieren: Werkzeugentwicklung, Verbesserung der Technologie, Materialkosten und sinkende Stückkosten aufgrund höherer Produktionszahlen („economy of scale“). Nach Angaben von Centrotherm kann das Unternehmen bereits integrierte Linien anbieten, die Module für 63 Cent pro Watt produzieren. Centrotherm rät überdies den Herstellern, sie sollten erwägen, Materialien wie metallurgisches Silizium selbst herzustellen, anstatt es zu kaufen. Im Jahr 2014 will Centrotherm in der Lage sein, schlüsselfertige Produktionslinien zu liefern, die 276-Watt-Module mit einem Wirkungsgrad von 20 Prozent zu Kosten von 54 Cent pro Watt produzieren; sollten die Kosten für das Ausgangsmaterial schneller sinken, lägen die Produktionskosten bei 45 Cent.

 

Ideen für 100 Prozent erneuerbare Energien

Vertreter der Energiewirtschaft erörterten auf „PHOTON's 8th Solar Electric Utility Conference“, vor welche Herausforderungen das Stromversorgungssystem in Deutschland und Europa im Zuge der Energiewende gestellt wird und welche Lösungsansätze es gibt. Die Redner stellten fest, dass von den gravierenden Veränderungen durch den wachsenden Zubau von Solar- und Windanlagen vom Energieversorger über den Netzbetreiber bis hin zum Stromkunden alle Marktteilnehmer betroffen sind. Weil Solar- und Windkraftwerke die Börsenpreise zu bestimmten Tageszeiten nach unten drücken, seien die Margen zum Betrieb konventioneller Kraftwerke kleiner geworden, hieß es. Um mit dem schwankenden Angebot umgehen zu können, seien neben Stromspeichern vor allem steuerbare Lasten notwendig.

 

Auf der Konferenz wurden überdies neue Geschäftsmodelle für Vertrieb, Bau und Betrieb von Solarstromanlagen erörtert: So könne es für Stadtwerke und deren Kunden gleichermaßen attraktiv sein, zusammen mit Partnern kleine Solaranlagen auf den Kundendächern zu errichten.

 

Der asiatische Teil der „Solar Terawatt-hours Conference Series 2012“ findet im Mai in Shanghai/China als Partnerevent zur SNEC-Messe statt.

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