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Artikel 702 von 1961

:: Das KLIMA-MAGAZIN greift den Energie-Riesen Vattenfall an

+ 20.10.2009 + In seiner neuesten Ausgabe wirft das in Hamburg erscheinende Magazin den Schweden "Täuschungs-Tricks" vor.

Zeitgleich kündigt „Greenpeace" im KLlMA-MAGAZIN eine Beschwerde gegen den Konzern bei der nationalen Kontaktstelle für die Einhaltung der OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen im Bundeswirtschaftsministerium an.

 

„Vattenfall ist Deutschlands klimaschädlichster Stromanbieter. Kein anderer Energiekonzern stößt bei der Stromerzeugung pro erzeugter Kilowattstunde Strom soviel CO2 aus wie Vattenfall. Der schwedische Staatskonzern ist verantwortlich für rund 100 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr, - das ist doppelt soviel wie der schwedische Staat insgesamt ausstößt", kritisiert der Greenpeace-Energieexperte Karsten Smid in einem Interview mit dem KLIMA-MAGAZIN den Stromkonzern. „Gegen diese doppelten Standards - in Schweden hui, in Deutschland pfui - hat Greenpeace Beschwerde im Wirtschaftsministerium nach den OECD - Leitsätzen für multinationale Unternehmen eingereicht. Wir wollen Vattenfalls Greenwashing entlarven und den Energiekonzern zu verantwortlichem Handeln im Klimaschutz bewegen."

 

Unter der Headline „Keiner liebt das Krümmel-Monster" veröffentlich das Klima-Magazin jetzt die jüngsten Recherchen  der renommierten  Buch-Autorin Susanne Commerell (Schwarzbuch Vattenfall) über den schwedischen Energie-Konzern.  Danach ist der Konzern nicht nur wegen der jüngsten Vorfälle im Atommeiler Krümmel unter Beschuss geraten.

 

Während Vattenfall in Schweden seinen Strom etwa hälftig aus Atomenergie und Wasserkraft erzeuge, bestehe der Vattenfall-Strommix laut Stromkennzeichnung in Deutschland zu 80 Prozent aus der Nutzung fossiler Energiequellen, vorrangig Kohle, zu 14 Prozent aus Atomstrom und nur zu gut 6 Prozent aus erneuerbaren Energien. Nach Berechnungen der Umweltorganisation Greenpeace entstanden 2008 bei der Vattenfall-Stromproduktion in Schweden gerade einmal 1,24 Gramm Kohlendioxid (CO2)  pro Kilowattstunde, in Deutschland (inklusive Polen) sind es 983 Gramm.

 

Deshalb sei der fünftgrößte Energie-Versorger sogar bei der eigenen Regierung unter Beschuss geraten. Vattenfall müsse mehr in erneuerbare Energien investieren, habe Wirtschaftsministerin Maud Oloffsson befunden und angekündigt: „Wir werden die Richtlinien für den Konzern verschärfen, da die jetzigen nicht gut funktionieren." Auch Andreas Carlgren, Umweltminister der bürgerlichen Regierung, habe  Vattenfall kritisiert. Schweden strebe den schnellstmöglichen Ausstieg aus fossilen Energiequellen an. „Es ist wünschenswert, dass das auch in den Aktivitäten von Vattenfall mehr als bisher zum Ausdruck kommt." Die Kritik habe Bedeutung vor allem für den deutschen Markt, denn drei Viertel der fossilen Kraftwerkskapazitäten von Vattenfall stehen in Deutschland.

 

In Schweden wolle man mit der dreckigen Energie aus Kohle lieber nichts zu tun haben. Die dortige liberal-konservative Vierparteienkoalition wolle die Erderwärmung mit dem Ausbau der Atomkraft hinauszögern. Erst im Februar dieses Jahres habe die Regierung den Ausstieg aus dem Ausstieg und die Zulassung von atomaren Neubauprojekten beschlossen. Doch auch diese Strategie drohe Vattenfall nach zahlreichen Störfällen in seinen deutschen und schwedischen Atomkraftwerken zu durchkreuzen  - und kratze damit heftig am Saubermann-Image der Skandinavier. In Frage stehe  die Zuverlässigkeit des Konzerns als Betreiber von Atomkraftwerken.

 

Bis tief hinein in die eigentlich atomfreundliche CDU erstreckte sich der Unmut. Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust drohte „Vattenfall muss wissen: Es ist Schluss mit lustig. Wenn das Kraftwerk nicht sicher betrieben werden könne, müsse die Betriebserlaubnis entzogen werden." Er sei „stinksauer", habe Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen nach einem Treffen mit dem Vorstandschef von Vattenfall Europe erklärt, Tuomo Hatakka. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel ginge auf Distanz: „Es kann einem schon der Zorn ins Gesicht steigen, wenn man sieht, was dort passiert ist."Nach der Pannenserie in Krümmel habe sie Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit der Betreiberfirma.

 

Scharfe Töne seien auch von den anderen deutschen Atomkraftwerkbetreibern E.ON, RWE und EnBW gekommen. In einem gemeinsamen Schreiben von Ende Juli hätten sie die Kommunikationspolitik Vattenfalls nach der erneuten Krümmel-Panne scharf kritisiert und das Management aufgefordert, in der Debatte während des Bundestagswahlkampfs Stellung zu beziehen.

 

Die Branche siehe offenbar ihre Chancen gefährdet, mit einer neuen Bundesregierung über längere Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke zu verhandeln. Schon direkt nach dem Störfall im Kernkraftwerk Krümmel habe E.ON-Chef Wulf Bernotat einen geharnischten Brief an den Vattenfall-Vorstand in Stockholm geschrieben, in dem er sich „entsetzt" über den Umgang mit den Sicherheitsanforderungen im Kraftwerk geäußert habe. E.ON verliert als Mitbetreiber durch den Stillstand von Krümmel jeden Monat etwa 20 Millionen Euro.

 

Wie Vattenfall die eigenen Kunden  und unsere Politiker täuscht – im neuen Klima-Magazin. Ausgabe Oktober/November jetzt am Kiosk.

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