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:: EHEC: Verschwinden von alleine wäre Katastrophe

+ 09.06.2011 + "Deutschland bekommt den EHEC-Keim deshalb so schwer in den Griff, da die genauen Wege der Nahrungszulieferung kaum bekannt sind."

Das behauptet Stephen Eubank, Simulationswissenschafter an der University of Texas in Austin

 

Der Experte befürchtet schlimme Folgen, falls die Quelle des Bakteriums nicht identifiziert wird. Er fordert auch mehr Kontrolle über die Infrastruktur, da die Gesellschaft ohne dieser auseinanderzubrechen droht.

 

Vertrauen steht auf dem Spiel

Auch zweieinhalb Wochen nach dem Ausbruch der Epidemie kann man das Risiko kaum einschätzen, da weder die Zahl der Infizierten feststeht noch die Verbreitungswege. Das sei fatal angesichts des hohen Drucks von allen Seiten, erklärt Eubank.

 

"Egal ob man Ergebnisse zu früh oder zu spät verbreitet, gibt es dabei immer ökonomische oder gesundheitliche Risiken und entsprechende Kritik." Die hohe Aufmerksamkeit in den Medien sei durch das derart emotional besetzte Thema Nahrung nur verständlich.

 

Die meisten Sorgen bereitet dem Experten der Gedanke, dass das EHEC-Bakterium wieder von selbst verschwinden könnte, ohne dass dessen Quelle ermittelt wird.

 

"Findet man die Ursache nicht, würde dies das Vertrauen der Menschen in die Versorgungskette erschüttern, die ja damit auch weiterhin potenziell anfällig bleibt."

 

Achillesferse der Gesellschaft

Der pathogene Escherichia coli-Bakterienstamm decke einen wunden Punkt auf, so Eubank. "Wir verstehen die Prinzipien unserer eigenen Erfindungen nicht mehr. Jeder Gesellschaftsbereich ist heute hochkomplex mit vielen anderen verknüpft. Je schlechter wir ein Ereignis zurückverfolgen können, desto schwieriger wird es, Vorhersagen zu treffen und entsprechend vorzubeugen."

 

Häufigere Zwischenfälle im Alltagsleben seien die Folge, wofür der Forscher Verkehrsstaus, Trinkwasser-Knappheiten oder eben Seuchen als Beispiele nennt.

 

"Gebot der Stunde ist daher die verstärkte Erforschung der Infrastruktur, bevor sie auseinanderbricht", betont der US-Forscher. Dabei müsse die Wissenschaft interdisziplinär arbeiten, jedoch auch mit der Praxis kooperieren, da reine Modellsimulationen oft zu realitätsfern seien.

 

Einen Vorschlag dafür hat zuletzt eine EU-Forschergruppe unter Führung der ETH Zürich mit ihrem "Living Earth Simulator" präsentiert (Forscher tüfteln an der Welterklärungs-Maschine).

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