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:: Hunger wird zum zentralen Problem der Weltpolitik

+ 09.09.2010 + Die Landwirtschaft wird zu einer Schlüsselbranche des 21. Jahrhunderts.

Die hohen Preise für Weizen und andere Agrargüter sind Vorbote einer drohenden Welternährungskrise. "Wenn nicht entscheidend gegengesteuert wird, werden die Preise wichtiger Agrargüter in nur wenigen Jahren um 50 bis 100 % über denjenigen liegen, die zu Beginn des letzten Jahrzehnts noch üblich waren," sagt Harald von Witzke, Präsident des Humboldt Forums für Ernährung und Landwirtschaft, einem internationalen Think Tank mit Sitz in Berlin. Dies hätte eine dramatische Zunahme des Hungers in der Welt zur Folge.

 

Der globale Nahrungsbedarf wird sich in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts verdoppeln. Bereits heute sind mehr als eine Milliarde Menschen unzureichend ernährt, und 16.000 Kinder sterben jeden Tag an den Folgen von Unter- und Mangelernährung. Auch nur mäßige Erhöhungen der Agrarpreise würden die Ernährung dieser Menschen dramatisch verschlechtern, denn die Hungernden verfügen über eine Kaufkraft von maximal umgerechnet US$1,25 am Tag oder weniger und müssen oft mehr als 75 % ihres Einkommens für Nahrung ausgeben, um zu überleben.

 

Anhaltend hohe Nahrungsmittelpreise würden nicht nur, wie bereits in den Jahren 2007 und 2008 zu Hungeraufständen in den am wenigsten entwickelten Ländern führen, sondern hätten das Potential, Migrationsströme von erheblichem Ausmaß auszulösen. "Die Landwirtschaft wird damit zu einer Schlüsselbranche des 21. Jahrhunderts. Die Zeit drängt. Die armen und die reichen Länder ebenso wie die internationale Entwicklungshilfe müssen jetzt schnell gegensteuern", so von Witzke.

 

"Es muss endlich Schluss sein mit der Vernachlässigung der Landwirtschaft." Als rasch wirksame Maßnamen empfiehlt von Witzke unter anderem Investitionen in die landwirtschaftliche Infrastruktur und Ausbildung sowie den bessere Zugang zu Mineraldünger, modernem Saatgut und Pflanzenschutz in den Entwicklungsländern. Diese seien durch verstärkte Investitionen in die Agrarforschung zu ergänzen, um Produktionssteigerungen auch längerfristig abzusichern.

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