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:: Im Filz der Gen-Lobby

+ 03.04.2011 + Genmanipulierte Nahrung gefährdet Wachstum, Immunsystem und Fruchtbarkeit, sagt der prominente Biochemiker Árpád Pusztai - und wirft der Branche vor, sie leugne ihre Risiken.

Meiden Sie Genprodukte, wo es nur geht!

Professor Árpád Pusztai, geboren am 8.9.1930 in Ungarn, ist Biochemiker und weltweit einer der führenden Experten für Pflanzenlektine - spezielle Proteine, die für Stoffwechsel und Immunsystem wichtig sind. Er arbeitete 30 Jahre am Rowett Research Institute, einer staatlichen Lebensmittelbehörde an der schottischen Universität Aberdeen, bis er 1998 infolge eines Kurzinterviews fürs Fernsehen gefeuert wurde: Er hatte über seine Studie berichtet, die zeigte, dass die Genmanipulation von Zutaten für Lebensmittel als solche problematisch ist und ihre Nebeneffekte genauer untersucht werden müssten. Seither gilt er der Gentech-Industrie als persona non grata, für Gentechnikgegner ist er ein Held. Über seinen Fall sind inzwischen mehrere Dokumentarfilme erschienen.

 

Herr Pusztai, würden Sie Lebensmittel mit genmodifizierten Zutaten essen?

Bestimmt nicht. Man sollte sehr vorsichtig sein, die Etiketten ganz genau lesen. Und alles, was Gensoja oder -mais enthält, würde ich nicht kaufen.

 

Warum?

Einfach um sicherzugehen. Für Gensoja etwa gibt es deutliche Hinweise auf Gesundheitsgefahren, und für Mais ebenso. Und darum versuchen meine Frau und ich, diese Zutaten zu meiden, wo es nur geht.

 

Welche Hinweise sind das?

Da gibt es zum Beispiel Studienergebnisse aus Argentinien, die zeigen, dass Gensoja das Hormonsystem durcheinanderbringt und so die Fruchtbarkeit beeinträchtigt.

 

Sie selbst haben bereits 1998 nach einer eigenen dreijährigen Studie in Großbritannien vor möglichen Gesundheitsschäden durch genmanipulierte Lebensmittel gewarnt. Industrie und Politik liefen Sturm und sorgten dafür, dass Sie Ihren Job verloren ...

Ich war der Erste, der öffentlich aussprach, dass genmanipulierte Zutaten von Lebensmitteln nicht ausreichend auf mögliche Gesundheitsschäden erforscht und getestet werden. Bis heute gehen Industrie und Politik einfach davon aus, dass etwa Gensoja genauso sicher ist wie herkömmliches, weil es die gleichen Proteine, Vitamine und sonstigen Nährstoffe enthalte. Aber unsere Studie damals offenbarte: Wenn man ein Transgen einschleust, stört dies das Genom des Wirtes. Mit diesem einen fremden Gen verändert man die Funktion von ein- bis zweitausend, vielleicht sogar dreitausend Genen.

 

Das sind dann also unerwünschte Nebeneffekte, die mit dem eigentlich beabsichtigten Ziel der Manipulation nichts zu tun haben?

Genau. Und diese Nebeneffekte wurden nie gründlich untersucht, ihre Folgen sind bis heute völlig unbekannt. Aber laut Gesetz muss man sie auch nicht untersuchen, weil die Gentechnologie als "neutral" angesehen wird.

 

Bedeutet dies, dass eine mögliche Gefahr nicht unbedingt von dem einzelnen Gen ausgeht, das da eingesetzt wird, sondern dass die Methode als solche problematisch ist?

Sie haben es erfasst. Genau das ist der Grund, warum unsere Ergebnisse so unbequem sind: Sie stellen den ganzen Technologiezweig in Frage.

 

Was genau haben Sie in Ihrer Studie eigentlich gemacht?

Wir haben Ratten mit drei verschiedenen Futtersorten gefüttert. Eine bestand aus normalen Kartoffeln, eine aus transgenen Kartoffeln, und eine aus Kartoffeln, bei denen das Transgen nur einfach hinzugegeben worden war wie Zucker oder Salz. Laut Industrie hätten alle drei Sorten die gleiche Wirkung haben sollen. Aber so war es nicht.

 

Sondern?

Nur die transgene Kartoffel verursachte Probleme: Wachstum, Immunabwehr und Organentwicklung wurden gestört. Die Tatsache, dass die Kartoffel mit beigemengtem Transgen keine Wirkung zeigte, weist darauf hin, dass es nicht das Transgen selbst ist, das die Probleme verursacht, sondern das Einbauen ins Genom. Und dies wird natürlich nicht nur bei Kartoffeln gemacht, die Methode ist überall dieselbe. Als wir das damals in einer Studie in dem Fachmagazin Lancet ausführlich beschrieben haben, konnte dies den Unternehmen natürlich nicht gefallen.

 

Es war aber damals nicht erst die Studie in Lancet, die so viel Aufruhr verursachte, sondern ein Fernsehinterview, dass Sie vorab gaben ...

Richtig, es dauerte ganze 130 Sekunden. Wir dachten, unsere Ergebnisse seien so wichtig, dass man damit sofort an die Öffentlichkeit gehen musste. In den ersten zwei Tagen danach zeigte sich das Institut, an dem ich arbeitete, auch sehr stolz auf die Ergebnisse und die Publicity ...

 

INTERVIEW: JAN BERNDORFF (Weiter lesen können Sie in der April-Ausgabe von natur+kosmsos.) Hier können Sie die April -Ausgabe bestellen

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