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:: Keine Energierevolution mit Schiefergas in Europa

+ 25.11.2012 + Studien: Fördermengen und Einfluss auf Erdgaspreise stark übertrieben.

Trotz aller Beteuerungen laufen große Bemühungen der Energiekonzerne, Schiefergas in Europa salonfähig zu machen. Als großes Vorbild werden die USA dargestellt. Gleichzeitig wird das Gespenst der drohenden geringeren Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie heraufbeschworen. Das Ziel der Energiekonzerne sind aber Subventionen, denn ohne diese rechnet sich die Schiefergasförderung in Europa zurzeit nicht.

 

Studien der Deutschen Bank sowie Ernst & Young und die ersten Erfahrungen in Polen zeigen, dass in Europa nicht mit einer Schiefergas-Revolution zu rechnen ist. Vielmehr stellen sich die Schätzungen der Vorkommen der Energiekonzerne immer mehr als Blase heraus. Der einzige Weg Europas kann nur ein sofortiger Umbau des Energiesystems in Richtung erneuerbare Energien sein, ist der Österreichische Biomasse-Verband überzeugt.

 

US-Preise in Europa nicht realisierbar

Die Deutsche Bank UK sieht im Spezialreport "A First Look At EU Shale Gas Prospects" bei den tatsächlich förderbaren Schiefergasmengen, der Produktionsrate und der Ablehnung der Bevölkerung die größten Schwierigkeiten einer Schiefergasförderung. Auch der Einfluss von Schiefergas auf die Erdgaspreise werde nicht annähernd so groß sein, wie in den USA.

 

Dies sei insbesondere auf die höheren Kosten in Europa zurückzuführen - der Break-Even-Punkt sei per Kubikmeter Gas doppelt so hoch. Hinzu komme die Konkurrenz zu den Pipelines aus Russland beziehungsweise in naher Zukunft eventuell auch aus Zentralasien, heißt es im Bericht von Ernst & Young.

 

Ein weiterer Punkt ist die Bevölkerungsdichte und Akzeptanz. Während in den USA 34 Menschen pro km2 leben, sind es in Europa 75, in Österreich 100. Die vielen notwenigen Bohrungen führen automatisch zu größeren Konflikten mit der Bevölkerung. Ferner gehören in den USA die Ressourcen, die auf seinem Land gefunden werden dem Grundbesitzer. Dies ist ein Grund, warum in den USA die Exploration so schnell vonstatten geht.

 

Auch die Behauptung der Wettbewerbsfähigkeit ist nicht nachvollziehbar. Obwohl die US-Erdgaspreise unter den Gestehungskosten für Schiefergas liegen (heuriger Tiefststand unter 2 US-$/MMBtu), kommt die US-Wirtschaft nicht in Schwung. Die meisten texanischen "Schiefergas-Unternehmen" schreiben zurzeit Verluste.

 

Schiefergas verstärkt Abhängigkeit

Auch die Ressourcenverteilung würde enorme Investitionen in das europäische fossile Energiesystem erfordern: Nur 10% der zurzeit weltweit geschätzten Vorkommen liegen in Europa und davon wiederum die Hälfte in Polen und Frankreich. Die Importabhängigkeit von Erdgaslieferungen von Ländern außerhalb der EU wird durch die europäischen Schiefergasvorkommen nicht beseitigt werden.

 

Die konventionellen Quellen versiegen und Experten aus der Mineralölbranche gehen davon aus, dass 90% der künftigen europäischen Erdgas-Förderung aus unkonventionellen Quellen stammen müssen - dennoch werde die Importabhängigkeit bestehen bleiben. Neue Subventionen in das Erdgas-System führen aber automatisch zur stärkeren Abhängigkeit Europas vom fossilen Energiesystem.

 

Fördermenge erheblich überschätzt

Polen ist der Schiefergas-Vorreiter Europas - in keinem Land Europas wurden so viele Bohrungen durchgeführt und die Methode derart angepriesen, wie in Polen. Die tatsächlich gefundenen Gasmengen haben sich bisher allerdings nicht als wirtschaftlich förderbar herausgestellt.

 

Konservativere Schätzungen gehen momentan um etwa 80% geringen Mengen aus, die technisch und wirtschaftlich förderbar sind. Der ehemalige polnische Ministerpräsident Wlodzimierz Cimoszewicz bezweifelte sogar in einem Radio-Interview, ob es überhaupt Schiefergasvorkommen in Polen gibt. Er sprach von einem Kommafehler bei den Berechnungen der Prognosen.

 

Das Polnische Geologische Institut revidierte kürzlich die US-Schätzung für Polen von 5,3 Billionen m3 auf 350 bis 750 Milliarden m3. Zum Vergleich verbraucht Europa rund 500 Milliarden m3 im Jahr. Ähnliches kann aus anderen EU-Ländern berichtet werden.

 

Risiken für die lokale Umwelt und den globalen Klimawandel bestehen natürlich außerdem.

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