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:: Photovoltaik: Überzogene Qualitätsansprüche kosten unnötig Geld

+ 12.09.2012 + Kontroverse Diskussionen auf „Quality for Photovoltaics“-Workshop

Trotz hohen Kostendrucks soll sich die Qualität in der Photovoltaik Branche verbessern. Diese Herausforderung wurde auf dem Workshop „Quality for Photovoltaics - The key driver for sustainable growth” diskutiert, der am 6. September in Berlin stattfand. Dabei ging es zum einen darum, wo die Industrie besser werden muss und zum anderen, wo überzogene Qualitätsansprüche unnötig Geld kosten.

 

Generell komme es in der Branche in Zukunft auf eine differenziertere Betrachtung an, machte Karl-Heinz Remmers, Vorstandsvorsitzender des Veranstalters Solarpraxis AG, deutlich. „Warum sollte man teurer bauen, als es technisch sinnvoll ist“, erklärte er. So werden beispielsweise an Freilandanlagen dieselben Anforderungen wie an Anlagen im Hochbau gestellt.

 

Bei ersteren bestehe ein geringeres Gefährdungspotenzial, weshalb hier gegebenenfalls günstigere Komponenten verwendet werden können.  Remmers sprach von einem „kontrollierten Downgrading nach einer intensiven Risikobetrachtung“. Auch andere Teilnehmer, wie Christof Körner von Siemens, betonten die Notwendigkeit zur Differenzierung. Die Normen müssten spezifischer werden, erklärte er. So mache es beispielsweise wenig Sinn, für Regionen Vorgaben für die Auslegung einer Anlage auf Schneelast zu machen, in denen kein Schnee fällt.

 

Die Frage, was sich Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette Qualität kosten lassen, wurde kontrovers diskutiert. So erläuterte Stefan Müller vom Betreiber Enerparc, dass mittlerweile aus finanziellen Gründen vermehrt auf Qualität geachtet werde, da nachträgliche Reparaturen sehr teuer wären. Er betonte jedoch auch, dass es nicht nur auf qualitativ hochwertige Module ankomme, sondern auf eine gute Qualitätssicherung insgesamt. „Es hilft mir nichts, ein gutes Modul zu haben, wenn man nicht weiß, wo ein Wechselrichter ausfällt. Es ist wichtig, dass die komplette Anlage gut läuft“, so Müller.

 

Felix Holz von der Deutschen Bank meinte zum Thema: „Wir bezahlen Qualität nicht. Wir verlangen sie einfach.“. Er sieht für die Solarbranche einen ähnlichen Finanzierungseinbruch aufgrund des verstärkten Vetos der Risikoabteilungen der Banken voraus wie er in der Windbranche bereits stattgefunden hat und erklärte, dass die Solarbranche von anderen Branchen noch viel lernen könne. „Die Solarbranche sieht Qualität immer noch als Problem des Käufers und nicht des Herstellers.“, meinte Holz.

 

Auch Willi Vaaßen vom TÜV Rheinland monierte, dass nicht an allen Stellen genug für die Qualitätssicherung getan werde. Es müsse mehr Professionalität einkehren. Einen wichtigen Grund für mangelnde Qualität sah er in der fehlerhaften Installation von Anlagen. Deshalb forderte er, dass nur zertifizierte Fachbetriebe installieren dürften, dass es eine Anlagenabnahme durch akkreditierte Unternehmen geben solle sowie die Pflicht zu regelmäßigen Wartungen und Prüfungen. Auch sprach er die Problematik von Langzeitschäden, die durch Transport- und Handlingbelastung auftreten, an. Die Transportkette müsse optimiert werden, und zwar explizit im Hinblick darauf, dass die Module am wenigsten geschädigt werden.

 

An verschiedenen Stellen wurde während des Workshops die Notwendigkeit zur kontrollierten Anlagen- und Betriebsführung betont, die zu Kosteneinsparungen führen könne. Jan Wecke von ASG Engineering erklärte, dass ohne Betriebsführungs- und Wartungsvertrag nicht auffiele, ob eine Anlage gut oder schlecht laufe. Überhaupt gäbe es in der Branche sehr wenig Standardisierung und schlechte Dokumentationsanforderungen. Hier hätte die Branche viel Potenzial, um zu lernen.

 

Auch Gerd Rosanowske von rosa Photovoltaik PV Versicherungen forderte dringend Standards ein. Er ging davon aus, dass sich im Versicherungsbereich für Photovoltaik in Zukunft einiges tun werde. „Die Chancen für günstige Beiträge schwinden“, meinte er. Gegebenenfalls werde sich die Eigenbeteiligung erhöhen, auch die Kündigung des Versicherungsschutzes bei Altbeständen sei möglich. Wenn die Qualität nicht verbessert werde, rechne er mit einer Erhöhung der Beiträge bei Gefahren- und Ertragsversicherungen von 30 bis 35 Prozent.

 

Das Thema Qualität stieß auf großes Interesse. Trotz der angespannten Marktlage kamen mit 130 Teilnehmern nur unwesentlich weniger Besucher als im Jahr zuvor nach Berlin. Die engagierten Diskussionen zeigten, dass aktuell viel Klärungsbedarf in der Branche herrscht, die sich an einem Wendepunkt befindet. Um auf den Kostendruck zu reagieren, muss sie nicht nur immer wieder neue Qualitätsforderungen aufstellen, sondern bei manchen Punkten auch darüber nachdenken, wo die Qualitätsansprüche vielleicht unnötig sind.

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