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:: Rückblick 2011: Energiewende legt Zahn zu
+ 31.12.2011 + Erneuerbare Ressourcen nach Super-GAU in Japan wichtiger - Soziale Medien und mobiles Internet bestimmende globale Trends - Griechenland instabil - Börsenmärkte von extremer Volatilität geprägt.
Rückblick 2011: Energiewende legt Zahn zu
Das Jahr 2011 war schon wieder von Katastrophen geprägt, die Mensch und Natur zugleich ausgelöst haben. Neuseeland wurde von einem Erdbeben überrascht, Thailand und zuletzt die Philippinen von Überflutungen. Die mit Abstand teuerste Katastrophe war am 11. März das Tohoku-Erdbeben mit der Stärke 9,0. Der dabei ausgelöste Tsunami zerstörte Teile von Japans Ostküste und führte im Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi zur Kernschmelze in drei Reaktoren (siehe: Mega-Beben, Tsunami, Super-GAU: Unglücke kommen nie allein). Die langfristigen ökologischen Folgen des Super-GAUs sind noch kaum absehbar, die gesellschaftlich-politischen jedoch bereits enorm.
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Erneuerbare statt Atomstrom
Grundlegend geändert hat Fukushima die Energiepolitik, erwies sich doch das Paradigma des billigen und sicheren Atomstrom endgültig als gescheitert (siehe: Fukushima: Sargnagel für Atomstrom). Tatsächlich ruderte Deutschland bereits im Mai bei seiner erst 2010 beschlossenen AKW-Laufzeitverlängerung zurück, die Schweiz besiegelte im Dezember ihren Atomausstieg und Österreich mit dem neuen Ökostromgesetz das Atomstromimport-Ende (siehe: Photovoltaik: Aufbruchstimmung in Österreich). Wenig gelernt hat die Welt hingegen aus den großen Ölunfällen (siehe: BP-Ölpest: Vertuscht, verzerrt und vergessen).
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Erneuerbare Energien boomen weltweit, allen voran große Wind- und kleine Sonnenstromanlagen. Dabei investieren erstmals China und andere Schwellen- und Entwicklungsländer in Summe mehr in die Zukunftstechnologien als die Industriestaaten (siehe: Globaler Investitionsboom der Erneuerbaren). Auch wenn sich beim Vorreiter Deutschland der Trend zum Kraftwerk am eigenen Dach fortsetzt, wurden auch Rückstände deutlich. So müssen etwa Elektroauto-Hersteller im Sinne ihrer Glaubwürdigkeit stärker auf nachhaltige Stromversorgung achten (siehe: Elektroautos: Fukushima sensibilisiert Branche) oder die Photovoltaik-Branche durch die erstarkende Konkurrenz aus China künftig neue Wege gehen.
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Vergessenes Klima
Der globale Klimaschutz verschwand 2011 allerdings von der Polit-Agenda. Die UN-Staaten gaben ihr ursprüngliches Ziel de facto auf, künftige Klimakatastrophen durch die Beschränkung der Erderwärmung auf zwei Grad zu verhindern, indem sie einen neuen Klimavertrag bis 2020 verschoben. Positiv ist zu vermerken, dass sich bisherige Blockierer wie China, die USA und Indien beteiligen wollen (siehe: Resümee Durban: Klimapolitik gewinnt Dynamik). Wie gefährdet die weltweite Solidarität dennoch ist, zeigt der vorzeitige Ausstieg Kanadas aus dem Kyoto-Vertrag gleich nach der Durban-Klimakonferenz, der weltweit Nachahmer-Debatten auslöste. Zeitgleich lockerte auch Brasilien seinen Urwaldschutz.
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Dabei bleibt die Beweisführung der Klimafolgen erdrückend: Der CO2-Ausstoß erreichte nach der Wirtschaftskrisen-Pause wieder ein Rekordhoch, das sommerliche Arktiseis war klein wie nie (siehe: Arktiseis so klein wie nie) und Wetterextreme wie Trockenheiten, Taifune und Überflutungen nahmen zu (siehe: Klimawandel bringt nie dagewesene Extremhitze). Neue Weltkarten zeigen, dass die Opfer des Klimawandels jene sind, die ihn am wenigsten verursacht haben und sich zugleich am wenigsten anpassen können (siehe: Weltkarte zeigt die Klimawandel-Opfer).
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Hunger, Frust und sieben Milliarden
Wie verheerend Extremwetter sind, wenn sie mit politischem Versagen und Armut gepaart sind, zeigt die Dürrekatastrophe am Horn von Afrika. Somalia, Kenia und Äthiopien erlebten die größte Hungersnot seit sechs Jahrzehnten (siehe: Hunger in Ostafrika: Nothilfe ist zu wenig). Der Höhepunkt ist noch immer nicht erreicht, doch die dringend nötige internationale Hilfe kommt dem globalen Kurzzeitgedächtnis unter die Räder. Ähnlich ergeht es Haiti, wo eine von UN-Soldaten aus Nepal eingeschleppte Cholera-Epidemie (siehe Haiti: Cholera zweimal schlimmer als befürchtet) mittlerweile zwar im Griff ist, die Erholung vom Beben 2010 jedoch noch in weiter Ferne liegt.
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Die Geburt des siebenmilliardsten Menschen gab der Ressourcendebatte zusätzlich Antrieb. Biodiesel-Produktion und Spekulationen entpuppen sich als Hungrigmacher (siehe: Biodiesel und Spekulation schüren Hunger), wobei sich der Biolandbau zunehmend als Alternative für die Ernährungsfrage präsentiert (siehe: Food Crash: Keine Alternative zu Biolandbau). Sichtungen von EHEC-Keimen im Gemüse sorgten auch hierzulande für Ernteverluste und erschütterten das Vertrauen in die Lebensmittelversorgung (siehe: EHEC: Verschwinden von alleine wäre Katastrophe).
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Weltweit haben Jugendliche 2011 in vielen Kontexten Frust und fehlende Perspektiven ausgedrückt. Hauptmotive waren hohe Jugendarbeitslosigkeit - etwa für die spanischen "Indignados"-Bewegung, die Praxis der Finanzmärkte - wie bei den "Occupy"-Bewegungen in den USA und Europa, Wut auf verfehlte Bildungs- (Chile) sowie Sozialpolitik (England, siehe: Englische Randalierer haben nichts zu verlieren), sowie in Russland Mängel der Demokratie. In arabischen Ländern führten Proteste gegen autokratische Herrscher und Sozialprobleme zu Revolutionen (Tunesien, Ägypten) und Bürgerkriegen (Libyen, Syrien). Viele der Konflikte dauern noch fort.
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Rückblick 2011: Euro-Schuldenkrise spitzt sich zu
2011 war ein Ausnahmejahr im negativen Sinne: Die Verschärfung der Staatsschuldenkrise in Europa, aber auch in den USA, die Refinanzierung von Griechenland und Italien, die Natur- und Atomkatastrophe in Japan sowie Inflationssorgen in den Emerging Markets waren die dominierenden Themen. Die vergangenen zwölf Monate waren jedenfalls die schwierigste Zeit für die Eurozone seit ihrer Gründung 1999. Diese Ereignisse hatten freilich unmittelbare Auswirkungen auf die Börsenmärkte, die von einer extremen Volatilität geprägt waren und sind.
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Schon wieder Griechenland
Griechenland hat auch dieses Jahr für negative Schlagzeilen gesorgt. Im Krisenstaat ist Anfang August ein besonders perfider Fall von Sozialbetrug ans Tageslicht gekommen: 600 Bewohner einer griechischen Insel beziehen wegen einer angeblichen Behinderung staatliche Unterstützung (siehe: Hunderte "Blinde" belasten Griechenland). Erst im Juni ist bekannt geworden, dass für Tausende tote Griechen Rente gezahlt worden ist. So haben allein 4.500 inzwischen verstorbene Angestellte im öffentlichen Dienst noch Geld erhalten. Viele Staatsbürger haben einen Teil ihres Kapitals in Sicherheit gebracht und bis zu 200 Mrd. Euro in Schweizer Banken gebunkert (siehe: Griechen: 200 Mrd. Euro in der Schweiz gebunkert).
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Neben Griechenland haben vor allem die Länder Italien und Spanien große Sorgen bereitet. Italien gab sich eine neue Regierung, die sich dem Sparen verpflichtet hat. Wesentlicher Unsicherheitsfaktor im Rahmen der europäischen Schuldenkrise ist die ungleiche Entwicklung der einzelnen Mitgliedsstaaten und das stark unterschiedliche Wachstumsgefälle zwischen Nord- und Südeuropa (siehe: Europa: Wirtschaftsraum der zwei Geschwindigkeiten).
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Besonders optimistisch für den alten Kontinent zeigt sich Peter Jankowitsch, Ex-Europa-Staatssekretär und langjähriger Mitarbeiter des ehemaligen österreichischen Bundeskanzlers Bruno Kreisky. Der überzeugte Europäer ist sich sicher, dass die Krise mittelfristig überwunden wird, und dass wir auch in zehn Jahren noch mit dem Euro bezahlen werden (siehe: Peter Jankowitsch spricht sich für Eurobonds aus).
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Auch dieses Jahr stand China im Mittelpunkt: Trotz eines immensen wirtschaftlichen Wachstums im zweistelligen Prozentbereich warnen Experten vor Blasen in einigen Wirtschaftssektoren. Der Immobilienbereich und die Industrie zeigen bereits deutliche Überhitzungsanzeichen. Chinesische Industrieunternehmen haben auf dem Höhepunkt der Krise billige Kredite en masse erhalten, was zu enormer Inflation geführt hat (China für Unternehmen Chance und Risiko zugleich). Der Markt bietet trotz Schwierigkeiten auch Firmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz enorme Chancen (siehe: China hat versteckte Wachstumspotenziale).
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Solarbranche leidet
Auf der Unternehmensseite ergibt sich für 2011 ein differenziertes Bild. Viele Firmen haben seit dem Krisenjahr 2008 ihre Schulden abgebaut und Gewinne erzielt. Kein leichtes Jahr hatten hingegen Solarunternehmen in Deutschland. Besonders das Überangebot billiger Konkurrenzprodukte aus China sowie eine Marktsättigung in Deutschland haben den meisten Gesellschaften zu schaffen gemacht. So verzeichneten die beiden Unternehmen Q-Cells und Solarworld Umsatzrückgänge (siehe: Überangebot: Q-Cells und Solarworld im Minus). Auch Solon kämpfte mit der geringen Nachfrage und musste Mitte Juli eine Gewinnwarnung herausgeben (siehe: Deutliche Verluste: Solon mit Gewinnwarnung). Vor Weihnachten musste der Berliner Solarmodulhersteller Insolvenz anmelden.
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Die Katastrophe von Fukushima (siehe: Fukushima: Kernschmelze in drei Reaktoren) im März führte zu einem Umdenken in der Energiebranche. Deutschland kündigte relativ bald nach dem Atomunfall in Japan seinen Ausstieg aus der Nuklearenenergie bis spätestens 2022 an. Folglich müssen die großen Atomproduzenten wie RWE und E.ON nach Alternativen suchen und setzen dabei auf erneuerbare Energien zurückgreifen. Letztgenannter will bis 2020 über 360 Blockheizkraftwerke in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern installieren (siehe: Atomkraft ade: E.ON setzt auf Blockheizkraftwerke) und forciert andererseits auch ein umfassendes Spar- und Sanierungskonzept. Drei bedeutende Standorte in Deutschland werden aufgegeben, mehrere hundert Arbeitsplätze sind betroffen (siehe: E.ON: Schließungen und Entlassungen drohen). © Dieter N. Unrath 2011
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Rückblick 2011: Teilerfolg für digitale Demokratie
Die wichtigsten Themen des Jahres 2011 haben sich wie schon in den vergangenen Jahren im Umfeld von sozialen Medien und mobilem Internet abgespielt. Auch andere Dauerbrenner-Themen wie Datenschutz, Piraterie und Meinungsfreiheit im Internet haben 2011 nichts von ihrer Aktualität verloren. Die Folgen der technologischen Revolution, die das Internet ausgelöst hat, beschäftigen die Medienbranche ebenfalls noch in vielen Bereichen.
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Die Zeitungsbranche beispielsweise sieht den Veränderungen zunehmend gelassen entgegen (siehe:Zeitungen erreichen mehr Menschen als das Web). Die Buchindustrie hingegen steht gerade erst am Anfang eines großen Umbruchs (siehe:US-Büchermarkt vor substanzieller Wende). Im Zentrum der Veränderungen in der Medienwelt stehen momentan die mobilen Anwendungen, die sich im vergangenen Jahr rasend schnell verbreitet haben (siehe:Mediennutzung: Mobile Apps überholen Internet).
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Leseratten satteln um
Die traditionellen Verlagshäuser sehen sich mittlerweile auch in ihrem Kerngeschäft mit neuen Konkurrenten konfrontiert und die Buchhändler beklagen schwindende Einnahmen. Durch die zunehmende Verbreitung von e-Readern und Tablets erlebt dafür das elektronische Buch langsam einen Siegeszug. In den USA ist die Entwicklung wie üblich bereits etwas weiter fortgeschritten.
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Die Umwälzungen in der arabischen Welt und der Einfluss der sozialen Medien waren ebenfalls ein großes Thema. Der Medienhype um das Potenzial der Cyber-Demokratie hat sich aber teilweise als Chimäre entpuppt (siehe: Ägypten: Mundpropaganda organisiert Millionen). Als Werkzeug zur Organisation von Versammlungen haben die sozialen Medien aber definitiv eine Rolle gespielt. Die diesbezüglichen Schlagzeilen waren allerdings nicht immer positiv. Die Occupy-Bewegung, die es meisterhaft versteht, die neuen Medien zu nutzen, wurde von den traditionellen Medien lange mit Schweigen bestraft (siehe: Ägypten: Mundpropaganda organisiert Millionen). Die via Social Media organisierten Krawalle in London erregten sogar den Zorn der Regierung (siehe: Krawalle in London: Verabredung per BlackBerry).
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Medienfreiheit in Gefahr
Nicht nur die britische Regierung hätte die sozialen Medien am liebsten zeitweise abgeschaltet. Auch andere Staaaten haben 2011 versucht, alle möglichen Medien zu zensieren. China zum Beispiel hat seine Medienpolitik auch in diesem Jahr nicht geändert (siehe: China: Internetdienste üben Selbstzensur). Auch andere Länder in Asien haben sich in dieser Hinsicht nicht mit Ruhm bekleckert.
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Auch in Europa gab es einige datenschutzrechtlich bedenkliche Fälle. Im deutschsprachigen Raum sorgten vor allem der Bundestrojaner und die damit verbundene "Zensur-Industrie" für Aufregung (siehe: Online-Überwachung ohne gesetzliche Grundlage). Mit dem Urheberrecht nahmen es Internetnutzer noch nie genau: Trotz enormer Anstrengungen und rechtlichen Schritten ist Musikklau weiterhin ein Kavaliersdelikt (siehe: Kaum jemand hat Skrupel vor Musikklau im Web). Dasselbe gilt auch für den Filmdownload: Zwar wurde die deutsche Video-on-Demand-Seite kino.to nach einer Großrazzia vom Netz genommen und die Betreiber verhaftet (siehe: Kino.to-Mitarbeiter zu drei Jahren Haft verdonnert), doch schossen binnen Wochen mehrere Nachfolgerseiten aus dem Boden und erfreuen sich gleicher Frequenz. © Markus Keßler 2011
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