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:: Internationaler Aktionstag gegen die weibliche Genitalverstümmelung

+ 06.02.2008 + 140 Millionen Frauen weltweit sind das Opfer einer schweren Menschenrechtsverletzung.
Ihre Genitalien wurden grausam verstümmelt. Jedes Jahr trifft es rund drei Millionen Mädchen, hauptsächlich in Afrika. Viele sterben an dem Eingriff, die Überlebenden leiden ein Leben lang an den Folgen.
 
Die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH setzt sich im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) gegen diese grausame Praxis mit dem Ziel ein, die weibliche Genitalverstümmelung zu überwinden. Konkret: Es geht darum, das Tabuthema in den betroffenen Ländern wie zum Beispiel Benin, Burkina Faso, Kenia, Mali oder Mauretanien öffentlich zu machen und in das kollektive Bewusstsein zu rücken.

Aus diesem Grund arbeitet die GTZ auf mehreren Ebenen: Von der GTZ weiter gebildete Lehrer sprechen mit ihren Schülerinnen und Schülern, aber auch deren Eltern, über die Folgen der Genitalverstümmelung, Ärzte und Krankenschwestern mit ihren Patientinnen. Auf Ministerialebene arbeiten GTZ-Experten mit den Behörden an Gesetzesvorlagen und nationalen Aktionsplänen gegen die weibliche Genitalverstümmelung.

Die Genitalverstümmelung ist - oft verbunden mit einem feierlichen Inititationsritus - die Voraussetzung für den gesellschaftlichen Wechsel vom Mädchen zur Frau. Unbeschnittene Mädchen gelten in vielen Regionen als "nicht heiratsfähig": Sie werden nicht als Mitglieder der Gemeinschaft anerkannt, sondern sozial ausgegrenzt und finden keinen Ehemann.

Hinzu kommen medizinische Mythen, etwa dass die Klitoris den Säugling bei der Geburt verletzen könne. Einer der wirksamen Ansätze gegen diese schädliche Praxis ist der Generationendialog, denn gerade junge Männer und Frauen wenden sich zunehmend gegen die grausame Praktik. In Zusammenarbeit mit nationalen Organisationen bildet die GTZ einheimische Moderatoren aus. Unter deren Anleitung finden in Diskussionsrunden Alt und Jung die Möglichkeit, um über das sensible Thema zu sprechen. Kerstin Lisy, Leiterin des Projekts, bekräftigt: "Wir haben schon erlebt, dass sich ein ganzes Dorf durch den von der GTZ moderierten Generationendialog gegen die Beschneidung entschieden hat." Dort finden dann auch nicht-verstümmelte Frauen einen Ehemann. Nur wenn die Ablehnung der Genitalverstümmelung keine gesellschaftliche Ausgrenzung zur Folge hat, kann sie überwunden werden.

Als weltweit tätiges Bundesunternehmen der internationalen Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung unterstützt die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH die Bundesregierung bei der Verwirklichung ihrer entwicklungspolitischen Ziele. Sie bietet zukunftsfähige Lösungen für politische, wirtschaftliche, ökologische und soziale Entwicklungen in einer globalisierten Welt und fördert komplexe Reformen und Veränderungsprozesse auch unter schwierigen Bedingungen. Ihr Ziel ist es, die Lebensbedingungen der Menschen nachhaltig zu verbessern.


TARGET e.V.
Täglich werden 8.000 Mädchen ihrer Genitalien und Würde beraubt. Alle elf Sekunden eins. Weltweit sind davon 150 Millionen Frauen betroffen. Dieses Verbrechen will TARGET beenden - mehr

Aussagen verstümmelter Frauen
„Alle Menschen freuen sich auf die Heirat und die Hochzeitsnacht. Nur nicht die Afar. Für sie ist es der Beginn der Hölle.“

„Meine Öffnung war so klein wie ein Reiskorn. Wenn ich urinieren musste, dauerte das 30 Minuten, meine Regel 14 Tage.“

„Ich konnte mein Kind nicht gebären. Sie schnitten mich quer auf. Ohne Betäubung, mit dem Schwert. Wie immer. Damit ich nicht verblutete, haben sie mein Kind stückchenweise herausschneiden müssen.“

„Als ich meine Regel bekam, floss das Blut nicht ab. Ich wälzte mich wie ein geschlachtetes Schaf auf dem Boden, um den Blutstau zu lösen. Als das nicht half, musste ich mir mein Blut mit einem Stöckchen herauskratzen. Zwei Wochen lang.“

TARGET (Rüdiger Nehberg und Annette Weber)