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:: „Der Tod ist nicht das letzte Wort“

Ist die Ostererfahrung wiederholbar? Wo endete die Himmelfahrt Jesu? Was kommt nach dem Tod?

Unter dem Titel „Der Tod ist nicht das letzte Wort“ hat die STIFTUNG HAUS der action 365 ein Buch mit Meditationen des bekannten Neutestamentlers Gerhard Lohfink, Jahrgang 1934, herausgegeben – und damit eine wichtige Lücke geschlossen.   Denn so klar und unverstellt, so offen und zugleich einfühlsam hat selten jemand die christliche Botschaft von Tod und Auferstehung dargestellt. In drei Kapiteln, die als Meditationsgrundlagen in der Gruppe oder allein dienen können, entwirft Lohfink eine stringente, nachvollziehbare Linie. Er möchte die christliche Botschaft nicht gegen atheistische Argumentationen verteidigen. Dies hat der Professor Emeritus der Universität Tübingen in seiner Publikation „Welche Argumente hat der neue Atheismus“ aus dem Jahr 2008 bereits getan.

 

„Der Tod ist nicht das letzte Wort“ soll allen Interessierten praktische Hilfestellung dabei geben, sich mit dem Unvermeidlichen auseinander zu setzen. Mit Verweisen auf das Alte und Neue Testament, Bezügen zur Antike und zur deutschen Literatur, stellt der Autor verblüffend logische Zusammenhänge her. Und er findet eine direkte Sprache, die auch Leser, die sich jeglichen Glaubens fern fühlen, ansprechen sollte.

 

Kaum zu glauben, dass der Verfasser auf gut 60 Seiten einen gesamten Kosmos zum Thema der Begegnung mit Gott im Tod entwirft und sich zugleich nie in für Laien nicht nachvollziehbare theologische Höhen versteigt. Es ist, als hätte sich der Neutestamentler der Sprache seines Forschungsgegenstandes, der Sprache des Neuen Testaments, angenommen. „Tag für Tag sterben wir, und Tag für Tag kommen wir neu zum Leben“, so heißt es im Vorwort, mit dem Hinweis, dass es in dem vorliegenden Buch ausschließlich um das Erlebnis der Begegnung mit Gott im Tod gehe. Durch diese Konfrontation des Lebens mit der Absolutheit des Todes entsteht eine Spannung, die den Leser bis zur letzten Seite in den Bann zieht.

 

Und so begibt man sich in Teil 1 unter dem Titel „Ostererfahrung auch heute?“

mit den ahnungslosen Jüngern auf den Weg nach Emmaus und entdeckt in der Bitte der Jünger an ihren noch unerkannten Herrn und Begleiter eine tiefe Sehnsucht des menschlichen Seins nach Geborgenheit: „Bleibe bei uns, denn es wird Abend und der Tag hat sich schon gelegt“.

 

Heute, so stellt Lohfink fest, haben wir zwar keine solche Ostererscheinungen mehr. Aber die Erfahrungen, die hinter den Ostergeschichten der Evangelien stehen, sind auch dem Menschen in der Moderne nicht verschlossen. „Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?“ Solch erschütternde und alles verändernde Erfahrungen mit ähnlichen Symptomen sind auch den heutigen Menschen nicht fremd. Und man wisse, so Lohfink, „dass keine Psychologie die Erfahrung der Freude, der Gewissheit und der Sinnhaftigkeit, die man in der verborgenen Begegnung mit Jesus und mit Gott gemacht hat, je hinreichend erklären kann.“

 

Die zweite Meditation stellt die Frage „Wo endet die Himmelfahrt Jesu“?

Lohfink legt den religionsgeschichtlichen Zusammenhang zwischen Erzählungen aus der Antike, die das Lebensende einer bedeutenden Person schildern, und der Himmelfahrt Jesu aus dem Lukas Evangelium dar: beide Erzählformen folgen ähnlichen Mustern, beide beschreiben eine Wirklichkeit, die anders nur schwer ausgesagt werden kann, mit den gleichen Chiffren und Symbolen. Wer sich allerdings heute noch die Frage stelle, ob sich wirklich alles im Einzelnen so ereignet habe, der verstehe immer noch nicht, um was es gehe, so der Autor. „Es geht um die Frage: Hat unser Leben ein letztes Ziel oder nicht? Hat es einen letzten, alles tragenden Sinn oder nicht?“ Diese Entscheidung liegt allein bei uns selbst.

 

„Was kommt nach dem Tod?“ fragt der dritte und umfassendste Teil des Buches. Die Frage nach den Grenzen des Lebens gehöre zum Menschsein unabdingbar dazu: „Dass er ein Fragender ist, unterscheidet ihn gerade vom Tier, und wenn er nur schweigt und sich bescheidet und seine Fragen nicht immer wieder neu hinausschreit in der Hoffnung auf Antwort, dann verwirklicht er noch nicht sein ganzes Menschsein“.

 

Die Antwort auf diese Fragen kann allerdings nur der Glaube geben, der, wie die selbstlose Liebe, unergründlich ist. Auf jeden Fall werde die Begegnung mit Gott aber nicht die ewige Ruhe sein, sondern ein „ungeheures, atemberaubendes Leben“. Und dieses Leben werde nicht in der Trennung von Leib und Seele stattfinden, sondern in untrennbarer Einheit. Mit dem Tod eines Menschen endet eine einmalige Welt, die im Jenseits in der Begegnung mit Jesus Christus in Gott unabhängig von den Kategorien Raum und Zeit weiter existiert.

 

„Der Tod ist nicht das letzte Wort“ ein tröstliches Buch, das Trauernden helfen kann, aber auch Menschen, die auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens sind. Die Meditationen bieten Gelegenheit, zur Ruhe zu kommen und sich mit dem Ende des Lebens auseinander zu setzen. Und Dankbarkeit zu empfinden für jeden neuen Tag. (Rezension: Ulrike Maria Haak)

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