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:: „Wir schmelzen in der Sonne“
Über einen Rassismus gegen Schwarzafrikaner in Nord-Afrika. Von Rupert Neudeck
Wenn wir dieses Buch des Kameruners Fabien Didier Yeni Ernst nehmen würden, müßten wir unsere Politik ändern, die Politik der EU, Deutschlands, der Schweiz Italiens, Spaniens usw. Nicht, dass wir schon genau wüssten, wie diese Politik nach so vielen Jahrhunderten und Jahrzehnten der Vernachlässigung Afrikas auszusehen häte, aber das Schluß sein müßte mit der Vernachlässigung Afikas.
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Es ist ein Leben ohne alle Rechte, es gibt keine Gerechtigkeit, aber auch nicht mal Rechte, die der junge Afrikaner Didier Yene beanspruchen kann. Die ganze wahnsinnige Reise, durch die Hitze und klirrende Kälte (in der Nacht) der Wüste, das jeweilige Ankommen und im Ghetto landen, das alles geschieht ohne Rechte und ohne die geringste Aussicht auf Rechte. Einen gefälschten Pass zu bekommen, das ist das Entscheidende, aber sonst gibt es nur Entbehrungen.
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Es ist das bisher eindrucksvollste Stück afrikanischer Migrationsgeschichten, weil es ganz nackt und von innen erlebt daherkommt.
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Wo überall sich Didier Yene von Kamerun kommend durchschlägt, in Afrika gibt es keine Arbeit. Da ist ja das, was er sucht. Und auf dem Wege bis nach Libyen, Algerien, Marokko und dann auch noch bis Ceuta erlebt er das Gewerbe der Schlepper, die immer brutaler werden. Wo immer er ankommt, muss er weiter zahlen. „Ich diskutiere nicht mit Dir“, sagt der Polizist bei der Ankunft in Agadez: “Mit Visum zahlst du nur 5000 Francs, sonst durchsuche ich Dich und du zahlst mehr!“
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Als Deutscher liest man das Buch schockiert. Es gibt in den Transitländern überall Ghettos, es gibt Ghettogebühren und den Menschen wird durch eine Polizeirazzia alles über dem Kopf weggebrannt und geplündert.
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Didier Yene nennt den Platz, wohin immer er kommt ob in Agadez, in Tamarasset, in Ghat, in Ghardaja immer das „Ghetto der Kameruner“: „Das Ghetto befand sich auf einem großen felsigen Hügel. Noch eine Überraschung für den Neuankömmling, der ein Haus erwartet hatte, egal in welchem Zustand“. Wie konnten sie auf Steinen schlafen?
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Ihnen bliebt der Mund offen stehen, als sie den Zustand ihrer Landsleute sahen: „ausgemergelt, bärtig, schmutzig. Sie machten den Eindruck als hätten sie nicht mehr lange zu leben“.
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Er wird Zeuge des Rassismus der Araber in Nordafrika gegen die Schwarzafrikaner. Die  Schwarzafrikaner (der Autor nennt sie Subsaharier) wurden aus zwei Gründen nicht akzeptiert. Einmal weil alle Libyer den großen Führer fürchten, den Präsidenten Gaddafi, der die Afrikaner nicht im Land haben will. Der zweite Grund ist, dass der Glaube vorherrsche, „die Schwarzen seien unterwürfiger als Kamele oder Esel“.
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In Folge dessen werden die Subsaharier ausgenutzt als billigste Arbeiter, um das Land aufzubauen und gegen die Wüste zu kämpfen. Muss man noch erzählen, dass die Prostitution allgegenwärtig und grausam ist?
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Seit Agadez hatten sie nichts mehr gegessen, sie schmilzen in der Sonne dahin. Der Autor sagt zu seinem Bruder Gerard: „Gerard, die Sonne setzt dir übel zu, du schmilzt!“
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Und er antwortet: „So wie Du und alle anderen! Ich habe es nur nicht gesagt, wie das normal ist. Seit Agadez essen wir nur Tapioca und Milch, das ist zu wenig für einen Mann und wir schmelzen in der Sonne dahin!“
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Der Autor macht seine letzten Versuche, die Mauer in Europa zu überwinden, die vorgelagert, wie bei Israel / Palästina auf Afrikanischem Boden liegt, er versucht die Mauer in Mellila zu überwinden von der Seeseite und wird Zeuge wie die Uardia Civil Leute einholen und einen Senegalesen, der nicht schwimmen kann ins Wasser werfen. Man legte den senegalesen auf eine Bahre und übergab ihn den marokkanischen Gendarmen. Der Senegalese war tot. Der junge Kameruner ist einer von den Intellektuellen, die wir ernst nehmen sollten.
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Fabien kämpft jetzt in Rabat an der Seite marokkanischer Menschenrechtsorganisationen für die Reisefreiheit aller Personen. Auch der dreckigen und in der Sonne schmilzenden Afrikaner.
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Leseprobe/Aus dem Inhalt
Früh am nächsten Morgen fand ihn ein Schäfer und zeigte ihm die Straße, die durch den Wald zum „Dorf der Afrikaner“ führt, wie der Ort von den Bewohnern genannt wurde. Von hier war es nicht weit zum Drahtgeflecht, das die spanische Enklave von Marokko abtrennt. Unterwegs stieß er auf eine Gruppe Subsaharier, die aus dem Wald in Richtung Stadt rannten und ihm zuriefen, dass die Polizei ihnen auf den Fersen sei. Er rannte hinter ihnen her bis zu einem Ort, der „Tranquillo“ genannt wurde. Dort blieb er fast zwei Stunden versteckt und war schon bald eingeschlafen. Als er nach der Razzia aufwachte, war er allein und wusste nicht, wohin er gehen sollte, fand aber schließlich zurück auf den Weg zum Wald. Die erste Gruppe, die er antraf, waren Kameruner, die rund um ein Lagerfeuer saßen. Alle waren schockiert, dass er zu Fuß den ganzen Weg von Fnideq über Rabat bis hierher gekommen war. Ein Landsmann anerbot sich, die Ghettogebühr für ihn zu bezahlen. Sie wiesen ihm den Schlafplatz eines Mannes zu, dem es am Vortag gelungen war, nach Ceuta hineinzukommen. Fabien verbrachte vier Tage ohne aufstehen zu können. Als er wieder bei Kräften war, machte er mit allen seinen Landsleuten Bekanntschaft.Die Ghettos erstreckten sich über den Abhang eines Hügels mit wechselförmigem Relief. Die Nigerianer waren ganz oben, dann kamen die Kameruner und die Kongolesen. Etwas weiter unten die Guineer und ein Teil der malischen Gemeinschaft, getrennt vom Rest dieser großen Gemeinschaft, die sich über den ganzen anderen Flanke des Hügels ausdehnte. Es war eine regelrechte Zufluchtsstadt junger Afrikaner.
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Fabien Didier Yene, geboren in der Ortschaft Ekombitié, Kamerun. Schulabschluss mit Matura in der Hauptstadt Yaoundé. Nach seiner Auswanderung, die ihn durch zahlreiche afrikanische Länder geführt hat, lebt er heute in Marokko, wo er im März 2008 zum Obmann der Kameruner Emigranten-Gemeinschaft gewählt wurde und sich im Rahmen verschiedener Menschenrechts-Organisationen, darunter das Netzwerk Euro-afrikanisches Manifest, für die Rechte von MigrantInnen und das Recht auf Bewegungsfreiheit einsetzt. Bis an die Grenzen ist sein erstes Buch, es erschien 2010 in Frankreich unter dem Titel Migrant au pied du mur.
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