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:: Albert Schweitzer - Genie der Menschlichkeit

Ein neuer Blick auf den Pilgervater aller Helfer: Albert Schweitzer. Zu einem Buch von Friedrich Schorlemmer. Von Rupert Neudeck

Das ist der bestechendste und konsequenteste Hörer des Wortes von Jesus Christus, der zum Täter wird: Albert Schweitzer. Als er sich dazu entschließt, ist es das Gleichnis vom reichen Mann und vom armen Lazarus, das ihn beschäftigt.

 

„Die unermeßlichen Vorteile dieses Reichtums nehmen wir als etwas Selbstverständliches hin. Draußen in den Kolonien aber sitzt der arme Lazarus, das Volk der Farbigen, das der Krankheit und dem Schmerz ebenso wie wir, ja noch mehr als wir unterworfen ist und kein Mittel besitzt um ihnen zu begegnen.“ Es sind Berichte von Missionaren, die ihn 1896 erreichen, die Schweitzer nach der Theologie erst zum Medizinstudium veranlassen.

 

Die Biographie von Friedrich Schorlemmer enthält nicht viel Neues, aber sie schaufelt den Zugang zu den religiösen, den christlichen Wurzeln des Urwalddoktors frei. Als er das Studium der Medizin und dann noch die Spezialisierung der Tropenmedizin aufnimmt, 1912, wird ihm das zur Gewißheit: „Endlich durfte ich mir die Kenntnisse erwerben, deren ich bedrufte, um in der Philosophie den Boden unter den Füßen zu haben.“

 

Albert Schweitzer hat den vielen neunmalklugen Consultants und Helfern sehr viel zu sagen. Er war schon damals der Ansicht, dass die eingeborenen Afrikaner den Wert des Krankenhauses besser schätzen würden, wenn sie selber nach Kräften zu seinem Unterhalt beitragen müssten, als wenn sie einfach alles umsonst geboten bekommen“. Er konnte nicht Geld oder Bezahlung erwarten, aber er empfahl, „Dankbarkeit für die empfangene Hilfe durch die Tat zu bekunden“.

 

Schweitzer hat damals schon die ganze kulturell andere Welt erleben können. Die andere Vorstellung von Freundschaft z..B. Im Begriffe, das Krankenhaus als Geheilter zu verlassen, verlangten sie ein Geschenk von ihm, weil „ich nun ihr Freund geworden wäre“.

 

Wie schwierig das einfache Übertragen von medizinischen Methoden war, erfuhr er auch sehr früh. Man musste eben auf Amputationen damals verzichten, „wo sie in Europa aus Rücksicht auf das bedrohte Leben der Patienten als selbstverständlich vorgenommen wird.- Sonst würde es bis in die fernsten Gegenden heißen, der Doktor in Lambarene schneide den Leuten Arme und Beine ab, was gar viele abschrecken würde, hier Hilfe zu suchen.

 

Immer wieder wurde Schweitzer, anfangs mit seiner Frau, aus dem Hospital herausgerissen. Das erste Mal wurde er interniert, weil der Erste Weltkrieg begonnen hatte. Dann kam er 1925 wieder und baute das Hospital mit Hilfe eines Kredits der Pariser Mission wieder auf. Schweitzer suchte den Kontakt zu den Medizinmännern. Die Medizinmänner konnte die Malaria sogar mittraditionellen Natursäften ausheilen.

 

Immer war es das christliche Erbe, das Schweitzer hochhielt. Das war altmodisch aber ehrlich gesagt: Das christlich humanistische Ethos, das Schweitzer seinem Tun und seinen Nachfolgern darlegte und auf das er sie verpflichtete: Ehrfurcht vor dem Leben

 

Es sind bewegende Szenene, die Schorlemmer berichtet. Hermann Baur schrieb: der Doktor lehrte uns Liebe im Alltag, Güte gegen Gewalt, Freude gegen Leid – das Anderssein als die Welt hinter dem Pflug, an der Wetrkbank und der Schreibmaschine. Sterilitätsvorschriften waren nicht so wichtig wie Zuwendung und Geborgenheit für die afrikanischen Patienten. 1959 verließ er Europa für immer. Die letzten sechs Jahre lebte er in Lambarene. Damals wurde er zu dem entschiedensten Gegner der Atombombe und der Atomrüstung. Er war unterrichtet. Er bekam viel Korrespondenz. Schorlemmer erwähnt, dass er den SPIEGEL im gabunesischen Urwald abonniert hatte. Er wurde der Vater der Grünen.

 

Der kategorische Imperativ Kants war ihm Verpflichtung, den Menschen zu helfen, auch gegen die Naturgewalten Er klagte die Natur nicht an, wie das Voltaire 1755 beim Lissabonner Erdbeben tat,. Er war ein Freund dieser wuchernden afrikanischen Natur. Er erlaubte sogar eine Ameisenstrasse zwischen den Bücher-, Brief- und Manuskriptbergen auf seinem Schreibtisch. „Hier im Spital gehört die Ameise mir!“ Das dem Regenwald abgetrotzte Spital war keine Idylle, aber Schweitzer wachte im Garten Eden, dass Tier und Menschen hier friedlich zusammenleben.

 

Er wäre der beste Umweltschützer und Patron aller Ökologen auf der Welt gewesen. Er bekam für 1952 den Friedensnobelpreis für sein Engagement gegen die Atombombe. Schorlemmer versucht mit seinem Buch den Albert Schweitzer zu entdecken, der zwar vom Habitus sehr konservativ erschien, aber immer auf Seiten der Schwachen stand. „Er stünde heute gewiss bei jenen, die die sogenannten Anti-Terror-Kriege ebenso verurteilen wie sie die Weigerung der atomwaffenbesitzenden Mächte, selber grundlegend abzurüsten, geißeln“.

 

Die „Ethik aus Ehrfurcht“ ist die Grundlage, nach der heute nicht nur Politik gemacht werden könnte, sondern dringlich durchgeführt werden müsste. Schweitzer hatte den ganzen modisch-technologischen Schnickschnack nicht, ohne den wir meinen nicht auskommen zu können. Aber vielleicht war er deshalb ein so beständiger Menschenfreund und Menschheitsgönner.

 

Er wurde Freund und Partisan all derer, die damals den Kampf gegen die Atomwaffengefahr aufgenommen haben. Er war in Kontakt mit Walbert Einstein, Mit Bertrand Russel, mit Robert Jungk, mit Jawarhalal Nehru, mit Dag Hammerskjoöld. Im Februar 1955 schrieb ihm Einstein: „Wir erleben unsere fruchtbare Zeit und ängstigen uns miteinander um die Zukunft der Menschheit“.

 

Merkwürdig sei, wie oft ihre Namen in der Öffentlichkeit miteinander genannt werden. „Ich bekomme Briefe, in denen verlangt wird, dass Sie und ich und andere mit uns die Stimme erheben“. Auch das bundesweite Atomkomitee „Kampf dem Atomtod“ berief sich auf Albert Schweitzer. Lebte er noch, er würde nicht dulden, dass der Kämpfer gegen die Atombombe Produktion in Israel Mordechai Vanunu nach 16 Jahren Gefängnis weiter in gebannt unter eingeschränkten Menschenrechten in Israel leben muss.

 

Das Buch enthält leider Fotos, die dem neuen schlechten (viele geschichtliche Halbwahrheiten) Film über das Leben von Albert Schweitzer entnommen sind. Der Kampf gegen die Atom- wie überhaupt gegen die Rüstung, gegen die Waffenexporte, die Afrika zerstört haben bis heute, war seine wichtigste Botschaft, mit der er als der größte Helfer auftrat in Europa und den USA.

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