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Die Frage ist nicht, ob der ökologische Fußabdruck irgendwann nicht mehr weiterwächst, sondern wann und wie.
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Der Hall der Cassandrarufe
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© Craig Morris
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:: Der Hall der Cassandrarufe
Nach 30 Jahren kommt das zweite Update für "Die Grenzen des Wachstums"
Vor mehr als dreißig Jahren erschien aus der Feder von drei Forschern am Massachusetts Institute of Technology "Die Grenzen des Wachstums" im Auftrag des Club of Rome - kurz vor der ersten Ölkrise 1973. Seitdem ist die Weltwirtschaft unglaublich weiter gewachsen, und Skeptiker weisen darauf hin, dass uns das Öl keineswegs ausgegangen ist. Berühmt ist auch die von der ersten Ausgabe angeregte Wette zwischen den Wissenschaftlern Julian Simon und Paul Ehrlich, ob die Preise von 5 Ressourcen zwischen 1980 und 1990 durch Knappheit steigen würden. Ehrlich durfte sich 5 Metalle aussuchen, deren Preise seiner Meinung nach steigen würden. Er verlor in allen fünf Punkten, auch wenn die Kritiker von Simon das nicht als Niederlage für Ehrlich sehen. Nun ist nach der zweiten Ausgabe von 1992 ("Die Neuen Grenzen des Wachstums") die dritte auf englisch im Juni 2004 erschienen - mit dem Untertitel "The 30-Year Update". Reden die Autoren immer noch davon, dass die Welt bald untergehen wird? Wenn ja, warum?
Heutzutage gilt Wachstum als Allheilmittel für alle Wirtschaftprobleme. Wie soll man die mehr als 4 Millionen Arbeitslosen in Deutschland beschäftigen? Dadurch, dass man die Arbeitswoche auf 30 Stunden reduziert und die vorhandene Arbeit auf alle "verteilt"? Nein, davon ist bundespolitisch keine Rede. Stattdessen spricht man sogar davon, die Zahl der Arbeitsstunden zu erhöhen, denn dadurch würden neue Impulse gesetzt: Die Wirtschaft würde wachsen. Verteilungsvorschlägen haftet außerdem ein Beigeschmack von Sozialismus und Planwirtschaft an - und man sieht, wohin das geführt hat.
Kein Wunder denn, dass die Verkünder der frohen Botschaft, die Wirtschaft könne gar nicht ewig weiter wachsen, denn die Erde sei gar nicht endlos groß, auf Skepsis stoßen, untergräbt diese unumstößliche Wahrheit doch das Fundament unseres ökonomischen Glaubens. Doch während die Botschaft selbst an sich theoretisch stimmen mag, bedeutet sie nicht viel, wenn wir noch 100.000 Jahre so wie bisher weiter wachsen können. Die eigentlich Frage lautet deshalb: Wie lange geht es noch? Oder, um die Autoren zu zitieren.
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Seit 1996 hat sich der Begriff des "ökologische Fußabdrucks" von Mathis Wackernagel etabliert. Er bezeichnet den Raum, den eine Gruppe von Menschen bräuchte, um ihren Lebensstandard dauerhaft aufrechtzuerhalten. Wie man dieser Graphik entnehmen kann, dürfte niemand außerhalb von Berlin zwischen etwa Hamburg/Prag/Posen/Nordsee wohnen, wenn Berlin alles aus seiner Umgebung nehmen müsste. Im Moment lebt Europa von importierten Ressourcen. Weltweit schätzt Wackernagel , dass die Menschheit mittlerweile 35% über die Tragfähigkeit (carrying capacity) der Erde lebt. Quelle für die Grafik
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Den drei Autoren vom MIT wird manchmal nachgesagt, sie hätten schon 1972 behauptet, in 30 Jahren wäre die Welt am Ende - kein Öl mehr, zu viele Menschen, usw. Da man seit Jahren sehen konnte, dass uns kein solcher Weltuntergang unmittelbar bevorsteht, gilt "Die Grenzen des Wachstums" in manchen Krisen - zu den Kritikern gehören unter anderem Björn Lomborg , Autor von "Apocalypse No!" - als bestes Beispiel der Weltfremdheit von Umweltschützern, die gegen jeden Fortschritt sind und uns am liebsten alle nur zurück in die Steinzeit schicken würden. Dabei legen die Befürworter des Wachstums manchmal eine unglaubliche Technikgläubigkeit an den Tag:
-Technology exists now to produce in virtually inexhaustible quantities just about all the products made by nature--foodstuffs, oil, even pearls and diamonds--and make them cheaper in most cases than the cost of gathering them in their natural state. Julian L. Simon, 1995
Die MIT-Autoren fühlen sich jedoch missverstanden, denn sie hätten überhaupt nichts vorhergesagt, schon gar keinen Weltuntergang in 30 Jahren oder das Ende des Erdöls in 30 Jahren (letztere Zahl stammte übrigens von den Ölmultis selbst und bezeichnete deren "Reserven". Stattdessen hätten die Autoren verschiedene Parameter in ihrem Computerprogramm verändert, um zu sehen, wie die Welt sich verändern würde, wenn z.B. bis 2020 die Welt 8 Milliarden Menschen zählt und viele von ihnen in schnell wachsenden asiatischen Ländern statt alle in Afrika auf die Welt kommen. Es gab also mehrere Szenarien. Eine Mitautorin, die mittlerweile verstorbene Donella Meadows, verteidigte sich vor einigen Jahren mit den Worten:
Die zwei noch lebenden Autoren weisen im Vorwort des 30-jährigen Updates außerdem darauf hin, dass sie 1992 sogar viel pessimistischer als 1972 waren. In dieser dritten Ausgabe geht es den zwei Autoren vorrangig darum, Missverständnissen vorzubeugen und klarzustellen, dass sie nichts vorhersagen. Das dürfte ihnen wieder misslingen, denn die neun Szenarien weichen zwar voneinander ab, aber nur eine von ihnen könnte man als leicht optimistisch betrachten. In nur einem anderen Szenario wäre die Welt akzeptabel, wenn auch ärmer; in allen anderen sieben geht es nur darum, ob der Kollaps vor oder nach 2050 eintrifft. In allen neun passiert ein "overshoot" - ein Begriff, der in deutschen in Fachtexten mittlerweile häufig nicht mehr übersetzt wird, manchmal aber als Grenzüberziehung.
The Limits to Growth: The 30-Year Update
von Donella H. Meadows, Dennis Meadows, Jorgen Randers
ISBN: 193149858X - EUR 20,00
Heutzutage gilt Wachstum als Allheilmittel für alle Wirtschaftprobleme. Wie soll man die mehr als 4 Millionen Arbeitslosen in Deutschland beschäftigen? Dadurch, dass man die Arbeitswoche auf 30 Stunden reduziert und die vorhandene Arbeit auf alle "verteilt"? Nein, davon ist bundespolitisch keine Rede. Stattdessen spricht man sogar davon, die Zahl der Arbeitsstunden zu erhöhen, denn dadurch würden neue Impulse gesetzt: Die Wirtschaft würde wachsen. Verteilungsvorschlägen haftet außerdem ein Beigeschmack von Sozialismus und Planwirtschaft an - und man sieht, wohin das geführt hat.
Kein Wunder denn, dass die Verkünder der frohen Botschaft, die Wirtschaft könne gar nicht ewig weiter wachsen, denn die Erde sei gar nicht endlos groß, auf Skepsis stoßen, untergräbt diese unumstößliche Wahrheit doch das Fundament unseres ökonomischen Glaubens. Doch während die Botschaft selbst an sich theoretisch stimmen mag, bedeutet sie nicht viel, wenn wir noch 100.000 Jahre so wie bisher weiter wachsen können. Die eigentlich Frage lautet deshalb: Wie lange geht es noch? Oder, um die Autoren zu zitieren.
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Seit 1996 hat sich der Begriff des "ökologische Fußabdrucks" von Mathis Wackernagel etabliert. Er bezeichnet den Raum, den eine Gruppe von Menschen bräuchte, um ihren Lebensstandard dauerhaft aufrechtzuerhalten. Wie man dieser Graphik entnehmen kann, dürfte niemand außerhalb von Berlin zwischen etwa Hamburg/Prag/Posen/Nordsee wohnen, wenn Berlin alles aus seiner Umgebung nehmen müsste. Im Moment lebt Europa von importierten Ressourcen. Weltweit schätzt Wackernagel , dass die Menschheit mittlerweile 35% über die Tragfähigkeit (carrying capacity) der Erde lebt. Quelle für die Grafik
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Den drei Autoren vom MIT wird manchmal nachgesagt, sie hätten schon 1972 behauptet, in 30 Jahren wäre die Welt am Ende - kein Öl mehr, zu viele Menschen, usw. Da man seit Jahren sehen konnte, dass uns kein solcher Weltuntergang unmittelbar bevorsteht, gilt "Die Grenzen des Wachstums" in manchen Krisen - zu den Kritikern gehören unter anderem Björn Lomborg , Autor von "Apocalypse No!" - als bestes Beispiel der Weltfremdheit von Umweltschützern, die gegen jeden Fortschritt sind und uns am liebsten alle nur zurück in die Steinzeit schicken würden. Dabei legen die Befürworter des Wachstums manchmal eine unglaubliche Technikgläubigkeit an den Tag:
-Technology exists now to produce in virtually inexhaustible quantities just about all the products made by nature--foodstuffs, oil, even pearls and diamonds--and make them cheaper in most cases than the cost of gathering them in their natural state. Julian L. Simon, 1995
Die MIT-Autoren fühlen sich jedoch missverstanden, denn sie hätten überhaupt nichts vorhergesagt, schon gar keinen Weltuntergang in 30 Jahren oder das Ende des Erdöls in 30 Jahren (letztere Zahl stammte übrigens von den Ölmultis selbst und bezeichnete deren "Reserven". Stattdessen hätten die Autoren verschiedene Parameter in ihrem Computerprogramm verändert, um zu sehen, wie die Welt sich verändern würde, wenn z.B. bis 2020 die Welt 8 Milliarden Menschen zählt und viele von ihnen in schnell wachsenden asiatischen Ländern statt alle in Afrika auf die Welt kommen. Es gab also mehrere Szenarien. Eine Mitautorin, die mittlerweile verstorbene Donella Meadows, verteidigte sich vor einigen Jahren mit den Worten:
- “Denial is a sure-fire way to confuse information, defuse political will, and waste time. A growth-obsessed culture that does not want to think about its limits can make up lies about the people who point out those limits.”
- “Meiner persönlichen Meinung nach werden wir im Jahr 2012 mit ernsthaften Engpässen unserer Ressourcen konfrontiert werden.“
Die zwei noch lebenden Autoren weisen im Vorwort des 30-jährigen Updates außerdem darauf hin, dass sie 1992 sogar viel pessimistischer als 1972 waren. In dieser dritten Ausgabe geht es den zwei Autoren vorrangig darum, Missverständnissen vorzubeugen und klarzustellen, dass sie nichts vorhersagen. Das dürfte ihnen wieder misslingen, denn die neun Szenarien weichen zwar voneinander ab, aber nur eine von ihnen könnte man als leicht optimistisch betrachten. In nur einem anderen Szenario wäre die Welt akzeptabel, wenn auch ärmer; in allen anderen sieben geht es nur darum, ob der Kollaps vor oder nach 2050 eintrifft. In allen neun passiert ein "overshoot" - ein Begriff, der in deutschen in Fachtexten mittlerweile häufig nicht mehr übersetzt wird, manchmal aber als Grenzüberziehung.
The Limits to Growth: The 30-Year Update
von Donella H. Meadows, Dennis Meadows, Jorgen Randers
ISBN: 193149858X - EUR 20,00
Quelle:
TELEPOLIS
Craig Morris
übersetzt im Bereich
Energie und Finanzen
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