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:: Die Ringparabel und Ihre Bedeutung für die deutsche Gesellschaft 2011
Vor der Islam-Konferenz zu lesen! Eigentlich sollte zweierlei geschehen: Entweder sollte der neue Bundesinnenminister dieses Buch lesen, bevor er zu der neuen Islam-Konferenz einlädt. Oder er sollte den Professor für Theologie der Kultur und des interreligiösen Dialogs in Tübingen, Karl-Josef Kuschel einladen, seine Vorlesung über Lessings Natahn der Weisen, eine Herausforderung der Religionen vor Beginn der Konferenzverhandlungen zu halten. Denn nur im „Ringen um den Wahren RING“ wird eine solche Konferenz Erfolg haben. Von Rupert Neudeck
Es wäre im Sinne des großen Gnade und Toleranzphilosophen Lessing nötig, die Konferenz von vornherein auf die drei abrahamitischen Religionen auszuweiten, denn nur im Gesamt dieser drei vernetzten Religionen wird es zur großen Religionstoleranz kommen.
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Dieses Buch ist zum ersten Mal in seinem Grundkontext 2004 herausgekommen, jetzt hat der Verlag aufgrund der aktuellen Ereignisse eine ergänzte Auflage herausgebracht. Sie beginnt mit dem Hinweis auf drei sensationelle Weltdokumente, die ganz im Sinne Lessings die Ringparabel für die Geschicke der Menschheit fortschreiben. Im Oktober 2007 schrieben 138 muslimische Würdenträger ein sensationelles Dokument. Eine Einladung an alle christlichen Kirchen.
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Man appelliert an die Kirchen, endlich zu einem Dialog zu kommen auf der Basis des Doppelgebots der Gottes- und Menschenliebe und mit Berufung auf den Koran Sure 5,48: Ein Text, der an der Stirnwand geschrieben sein sollte jedes Raumes, in dem solche Konferenzen stattfinden wie der Islamkonferenz: „Lasset uns nur in Rechtschaffenheit und guten Werken wettstreiten. Lasset uns einander respektieren, fair, gerecht und freundlich miteinander in ehrlichem Frieden, in Harmonie und gegenseitiges Wohlwollen leben.“
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Das sei ein „beispielloser Vorgang“ gewesen. Dass Muslime gegen diese Botschaft verstoßen, sei doch keine Widerlegung: „Seit wann leben alle Christen auf dieser Welt nach der Bergpredigt?“ Am 2. Mai 2008 wurde im Vatikan eine „Gemeinsame Erklärung“ veröffentlicht, die nach Beratungen von Katholiken mit Schiiten in Teheran herauskam. Darin heißt es: „Glaube und Vernunft sind nicht in sich gewalttätig. Weder Vernunft noch Glaube sollten für Gewalt gebraucht werden.“
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Und im Juli 2009 publizierte der Internationale Rat der Christen und Juden einen „Aufruf an christliche und jüdische Gemeinden in der ganzen Welt“, indem die Gläubigen beider Religionen aufgefordert werden, gemeinsames gesellschaftliches Handeln beim Verfolgen gemeinsamer Werte zu unterstützen“. Es gab nach dem 11. September 2001 allein auf deutschsprachigen Bühnen 24 „Nathan“-Inszenierungen.
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Die Welt war aufgewacht. Am 20. Oktober 2002 wurde „Nathan the wise“ am Pearl Theater in New York aufgeführt. Und Kuschel zitiert die Motive, die auch die Neuausgabe seines Buches motivieren: Zeitlosigkeit, sei gut, habe der Rezensent der NYT geschrieben, „but timeliness is better“, aber Zeitgemäßheit sei besser.
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Die Intellektuellen, die ins Theater gehen und die bürgerliche Oberschicht sind nicht eigentlich die „Adressaten des Stücks“. Denn diese Theaterbesucher sind nicht die, die die Todesstrafe unterstützen oder die Enthauptung von Abtrünnigen propagieren. Überall aber, zumal in der islamisch dominierten Welt ist das Stück aufgeführt worden.
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In Pakistan wurde der Nathan aufgeführt, und der Regisseur und Schauspieler Khalid Ahmad schrieb dazu: Wenn er heute ein Stück schreiben und den islamischen Klerus kritisieren würde, wie Lessing das vor 200 Jahren in Deutschland tat, dann wäre die Parallele, dass Nathan ein Ahmadi wäre.
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„Die christliche Kirche würde ich durch eine Moschee ersetzen, und der Patriarch wäre ein muslimischer Fanatiker“. Es wurde in Addis Abeba 1993/94 aufgeführt. In Äthiopien wird sich viel entscheiden, weil dort Christentum und Islam nebeneinander und miteinander gelebt haben: Orthodoxe Kirche 40 % und die islamische Gemeinschaft 45-50%.
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Der Autor schließt mit der Forderung viele „Nathan“ Institute zu schaffen. Auch um gegen die Einschätzung vorzugehen, der Nathan sei überholt, denn er sei allzu sehr das Produkt des „Optimismus der Aufklärung des 18. Jahrhunderts“.
- Der erste Buchteil gilt dem „Schwierigen Weg zum ‚Nathan’“ da kommt Autor Kuschel schon auf die Vorgänger des Toleranzgedankens, J.F. Cronegk, Voltaire, Torquato Tasso.
- Im zweiten Teil geht es gegen die „Tragödien in Sachen Religion“.
- Im Dritten Teil dann entfaltet Kuschel das „pro-muslimische Stück“ als das er den Nathan und die Parabel enttarnt. Saladin sei als Muslim ein „kritischer Spiegel für die Christen und den Derwisch Al-Hafi als den Sprecher der Toleranz im Geiste der islamischen Mystik.
- Der vierte Teil widmet sich dem „Modell eines Miteinander von Juden, Christen und Muslimen“ in den Ringgeschichten. Der Autor beschreibt die literarischen Vorläufer der Lessingschen Ringparabel, die es im Christentum, in der jüdischen Literatur wie im Islam gegeben hat. Er schließt mit der „Basis des Miteinander von Juden, Christen und Muslimen“: Mit dem Wetteifer um das Gute, der Ergebenheit in Gott und der „Alltäglichkeit des Wunderbaren“.
Der Autor weist darauf hin, dass der „Nathan“ ein proislamisches Buch ist. Die Feindschaft gegen den Islam und die Türken war ja eine Leitlinie der europäischen Geschichte. Mit Blick auf Geerd Wilders und Thilo Sarrazin u.a. möchte man sagen, bis heute. 1683 standen die muslimischen Türken vor Wien und „blutrünstige, Angst erregende Muslime waren ein kulturelles Klischee“. Lessings „Nathan“ sei – ähnlich wie 1782 Mozarts „Entführung aus dem Serail“ - ein Zeugnis der Wende, die gewiss auf das Nachlassen der Türkengefahr im 18. Jahrhundert zurückgeht.
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Die Islam-Konferenz in den nächsten Monaten müsste beginnen wie mit einem gebet mit den Sätzen, die Lessing seinem Muslim Saladin über dessen Freund, den Juden Nathan in den Mund legt – zur Abwehr des Fanatismus eines Christen:
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„Indes, er ist mein Freund, und meiner Freunde
Muss einer mit dem anderen hadern.
Gieb ihn nicht sofort den Schwärmern deines Pöbels preis!
Sei keinem Juden, keinem Muselmane
Zum Trotz ein Christ!“
Und aus dem Dritten Akt diese zeitgemäße Aufforderung:
„Du hast doch deine sonderbaren Begriffe: ‚Sein, sein Gott! Für den er kämpft!
Wem eignet Gott? Was ist das für ein Gott,
der einem Menschen eignet? Der für sich
Muss kämpfen lassen?“ (III/1)
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