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Buch-Tipp 272 von 911

:: Die kalte Sonne: Warum die Klimakatastrophe nicht stattfindet

Mit dem Buch eröffnen die beiden Autoren einen heftigen Kampf gegen den UN-Klimarat IPCC. Der habe nicht annähernd begriffen, wie die aktuellen und mittelfristigen Klimaveränderungen zustande kommen. Der Weltklimarat sei so eigentlich ein Verräter an wissenschaftlichen Einsichten.

Das ist der durchgehaltene Grundton in dem Buch. Vahrenholt und Lüning lassen sich bei diesem Versuch einer Aufdeckung der Verschwörung gegen die Natur, die Wissenschaft, die gewaltige Rolle der Sonne noch begleiten von einigen Kapazitäten der gegenwärtigen Welt-Klimawissenschaften: von dem Professor an der Hebrew University in Jerusalem, Nir J. Shaviv, von dem Prof. Nicola Scafetta an der Duke University in North Carolina, von dem dänischen Professor Henrik Svensmark vom Danish Space Shuttle Institute und von dem deutschen Professor Werner Weber von der Technischen Universität Dortmund.

 

Das dicke Buch gibt sich wissenschaftlich, es hat einen enormen Apparat, zitiert Studien, Wissenschaftler weltweit. Die Autoren meinen und belegen, der Weltklimarat habe sich partiell geirrt, er habe die Rolle des anthropogenen Klimakrisen-Verursachers Co2  über-, die der Sonnenaktivität unter-schätzt. Er steckt in einer fatalen Sackgasse. Der eine Autor, Fritz Vahrenholt, hat bei einer Studie des Weltklimarates über erneuerbare Energien schon 293 Fehler in einem 1000 Seiten starken Bericht gefunden. Und wenn das schon in einer vergleichsweise weniger wichtigen Studie zu erneuerbaren Energien so ist: „könnte es sein, dass im Kernbereich des Klimaschutzes in ähnlicher Weise oberflächlich und fehlerhaft gearbeitet wurde?“ Wie tief lässt das blicken in Bezug auf die Ungenauigkeit der Welt-Klima-Prognosen und Untersuchungen.

 

Dabei war der Autor Jahrzehnte durch sein Leben gegangen und hatte die Ergebnisse der Klimastudien unbesehen übernommen.  Jetzt aber erlebte er, dass gemogelt wurde, ja geradezu eine Verschwörung entstand. Das Wort benutzten die Autoren nicht, aber sie geben das Gefühl von einer mächtigen Verschwörung. Dabei sind die abwertenden Begriffe nicht immer so stark. An einer Stelle heißt es, Man habe „in den vergangenen Jahren immer wieder prominente Fehlleistungen in den IPCC_Berichten entdeckt“. Man? Dann begütigend- väterlich: Fehler seien menschlich und sollten dem Weltklimarat zugebilligt werden, insbesondere bei den datenintensiven Mammutwerken wie den Berichten des IPCC.

 

Das klingt mir etwas von oben herab, wie der Professor in einem Proseminar. „Es verwundere nur, dass die Fehler alle in eine Richtung gehen, hin bis zur Dramatisierung der realen Situation“. Dann wird es schon heftiger, keine menschlichen Fehler mehr. IPCC habe geschrieben, 55 Prozent der Niederlande würden unter dem Meeresspiegel liegen. Falsch, richtig sei: 26 Prozent. Weitere Patzer seien die Prognosen, dass die Anchovisfischerei um 50 Prozent in Westafrika zurückgehen werde, 40 Prozent des Amazonas Urwald bedroht und die landwirtschaftlichen Erträge bis zu 50 Prozent zurückgehen würden. Aber wie soll man bei diesen Prognosen schon jetzt sagen: Falsch??

 

Dann geht es weg von den Fehlern, die menschlich seien, jetzt wird dekretiert: „Unsere Überprüfung“ zeige, dass der Weltklimarat „grundlegende Zusammenhänge nicht zur Kenntnis nähme“, also ein total ignorant ist. Und noch massiver: Der größte Fehler sei die „wider jegliche Logik strebende Annahme, dass natürliche Klimaschwankungen heute keine Rolle mehr spielen und CO2 im Verbund mit anderen anthropogenen Treibhausgasen im Klimageschehen langfristig dominiert“. Warum nicht mal ein einziges Zitat aus den Berichten, die diese gegen jegliche Vernunft und Logik arbeitende Weltbehörde dekuvriert und damit in die Schranken weist?

 

Dabei wollen Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning sagen: Es gibt neben den anthropogenen Faktoren, wie der von uns Menschen erzeugten Menge von CO2, auch noch andere Mitverursacher beim Weltklima. Z.B. die Sonne. Sie haben in dem Buch zu Recht die Frage gestellt und auch beantwortet: „Wie konnten die natürlichen Kräfte in der Vergangenheit das Klimageschehen so dominieren, während sie heute nach Auffassung der meisten Klimawissenschaftler nahezu unwirksam sein sollten?“

 

Das Buch macht – wie ich denke mit großem Recht - darauf aufmerksam, dass wir Menschen mit dem CO2 Ausstoß nicht allein das Weltklima beeinflussen. Sondern dass unsere Sonne eine „bedeutendere Rolle auf der Klimabühne spielt“ als in den IPCC Berichten ausgeführt. Das politische Anliegen des Buches: Wir haben mehr Zeit, um das Stabilisierungsniveau von 450ppm CO2 (einschließlich der anderen Treib-hausgase) angestrebte Ziel in der Atmosphäre klar zu erreichen. Aus der Sicht der Autoren ist das Ziel aber nicht in Gefahr. Weil die Sonne es „mit uns gut meint“. Sie gebe uns Zeit, die „Dinge auf vernünftige Weise auf eine nachhaltige Basis zu stellen“. Es gäbe ja schon vernünftige Lösungen, den Ölverbrauch des Autoverkehrs zu reduzieren: „effizientere Diesel und Benzinfahrzeuge, Elektromobilität, Erdgas und Biogas als Kraftstoff“.

 

Das Fazit des Buches: Wir müssen der Hysterie die Zügel anlegen, die bei Fukushima ausgebrochen ist. Das allein setzt voraus, dass es eine Hysterie war/ist und nicht ein begründbarer Schrecken, der mit der Vernunft nicht auf Kriegsfuß steht wie die Hysterie. Wir haben ja weiter Zeit. 40 Jahre, wird gesagt. Vahrenholt gibt zu bedenken, dass die zusätzliche Kraftstoffnachfrage eines halben Jahres in China das Biokraftstoffvolumen in Deutschland mehr als kompensieren würde. Die – so wörtlich die Autoren – „mit Hysterie geführte Klimadebatte muss auf eine rationale Basis zurückgeführt werden“. Noch mal: das halte ich für unnötig für die Beweisführung des Buches und seiner Autoren. Sie können nicht behaupten, dass die Menschheitssorge um die Umweltentwicklung und die Klimakrise - eine Hysterie ist.

 

Zwischendurch entwickeln die Autoren ein latentes Verschwörungsszenario. Interessanterweise sind da überall Hysteriker aus der Küche von „Greenpeace“ an der Arbeit. Hans Joachim Schellnhuber wird mit dem epiteton ornans der „Klima Kassandra“ ausgeschmückt und garniert. Ansonsten finden die Autoren über all hysterische „Greenpeace“ Köpfe an der Arbeit, die uns in eine Sackgasse hineintreiben. Zwar gestehen die beiden Autoren Greenpeace zu, dass die große Umweltorganisation seit 20 Jahren mit spektakulären Aktionen gegen den Einsatz fossiler Energieträger kämpfe. Auch ihr Direktor für erneuerbare Energien, Sven Teske. Der war sogar als Campaigner im Kohleimporthafen Rotterdam mit dem eigenen Greenpeace Schiff Argus hysterisch dabei, die Kräne zu blockieren, um die Entladung von Kohleschiffen zu verhindern. Die Autoren entlarven ihn als Autor des IPCC Sonderberichts 2011 zur Lage der erneuerbaren Energien. Und die erste Zeile in der Presserklärung des IPCC (Weltklimarat) lautet dann: „Fast 80 Prozent der weltweiten Energieversorgung könnten bis zur Mitte des Jahrhunderts aus erneuerbaren Energien stammen – wenn politische Maßnahmen das unterstützen“.

 

Das gäbe aber – so das Buch von Vahrenholt und Lüning - nur eine von 160 Studien wieder. Anderen Studien zufolge sei bis 2050 nur ein Anteil von 27 Prozent erreichbar. Aber die Schlagzeilen der Medien erreichte nur der Wert von 80 Prozent. Als Leitautor wurde Teske ausgewählt von der Bundesregierung, konkret vom Bundesforschungsministerium.  Die Autoren brüsten sich pikiert: So entstehe Klimapolitik. Sven Teske mutiere zum Hauptautor des wissenschaftlichen Berichts des IPCC, zitiere sich selbst und finde das, was er seit 2006 in vielen Broschüren fixiert als Botschaft des IPCC an die Politik wieder.

 

Noch schlimmer, die Leitautorin für einen Sonderbericht des IPCC zur Kohlendioxidsequestrierung (CCS) und Berichterstatterin des Reports von 2007 war Gabriela von Görne. Sie war 2004 Klimaexpertin von Greenpeace, entlarven die Autoren. Noch einen schritt in der Entlarvung der Greenpeace Verschwörung: Bill Hare, einer der Leitautoren des Berichts von 2007, war seit 2000 Direktor für Klimapolitik bei „Greenpeace“. Also alles Verschwörung: Es sei bemerkenswert, wie es diesen „Greenpeace“ Autoren gelingt, den Eindruck zu erwecken: Das, was wir als richtig erkannt haben, sei Konsens der Wissenschaft.

 

Das mit den 40 Jahren, die wir locker Zeit haben, uns auf etwas anderes einzulassen, hat viele Haken. Und Vahrenholt und Lüning sind sehr wohl der Meinung, dass sich was ändern muss. In ihrem Szenario steigen die jährlichen CO2 Emissionen von ca. 25 Mrd, auf 60 Milliarden Tonnen im Jahr 2050, um dann bis 2100 auf 40 Milliarden Tonnen zurückzufallen.Nur wer den grundlegenden Aktualitätsterror in unserer Öffentlichkeit und Medien und Politik kennt, wer die vier bis fünf Jahre Unterbrechungen jeglicher Politik in unseren Breiten kennt, weiß, das vierzig Jahre für effektive Politik gar nicht vorstellbar sind. 40 jahre sind ein Vertröstungs- und Alibizeit. Da sind vielleicht schon andere Verhältnisse, keine Parteien sondern nur noch Ombudsmänner im Parlament oder die Demokratien haben eine 60 Prozent Nicht-Wähler Partei und was dann?

 

Kurz, Druck muss schon gemacht werden, nicht eigentlich in der Wissenschaft, aber in der Politik. Da spielt sogar ein Prognose-Unterschied  von 27 statt 80 Prozent eine geringere Rolle. Es soll schon richtig sein, aber der Druck darf von der Politik jetzt nicht weggenommen werden. Das Buch will aber genau das erreichen. Es sagt den Politikern und Regierungen viel zu oft und viel zu milde: Dafür ist noch sehr viel Zeit, die Ziele für eine ökologische Veränderung für die erneuerbaren Energien zu erreichen und zu implementieren. Ich habe als Leser meine Befürchtung, dass die Autoren für ihre Ziele das Gegenteil dessen erreichen, was sie erreichen wollten.

Quelle:

Rupert Neudeck 2012

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