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:: Die neue Wohlstandsformel
„Wir müssen einen Diskurs in unserer Gesellschaft in Gang setzten mit dem Ziel, dass die Menschen gemeinsam überlegen, wo der Ökonomie Grenzen zu setzen sind.“ Hans Diefenbacher/Roland Zieschank
Was hat es mit gesellschaftlichem Wohlstand zu tun, wenn das Bruttoinlandsprodukt der USA nach dem Wirbelsturm „Katrina“ durch die erforderlichen Wiederaufbauarbeiten um ein Viertel ansteigt? Absurde Ergebnisse wie dieses heizen die Kritik am einseitigen Messinstrument Bruttoinlandsprodukt an.
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Seit Jahrzehnten gilt es weltweit als Schlüsselindikator für wirtschaftliche Entwicklung und gesellschaftlichen Fortschritt eines Landes. Doch der Ruf nach einem alternativen, aussagekräftigen Wohlstandsmaßstab, der auch die sozialen und ökologischen Dimensionen berücksichtigt, wird immer lauter: nach der Stiglitz-Kommission der französischen Regierung soll nun ab Mitte Januar eine Enquetekommission der deutschen Bundesregierung einen neuen Fortschrittsindikator entwickeln.
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Denn ein steigendes Bruttoinlandsprodukt bedeutet noch lange nicht mehr Wohlstand und Lebensqualität – manchmal sogar das genaue Gegenteil. Der Heidelberger Ökonom Hans Diefenbacher und der Berliner Politologe Roland Zieschank erläutern in ihrem Buch „Woran sich Wohlstand wirklich messen lässt“, das am 8. März im oekom verlag erscheint, warum es Messinstrumente jenseits des Bruttoninlandsprodukts braucht und stellen ihren alternativen Wohlfahrtsindex vor.
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Auf der Suche nach einem neuen Verständnis von Wachstum ermittelten die Autoren Diefenbacher und Zieschank im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamtes den Nationalen Wohlfahrtsindex (NWI) für Deutschland – als viel beachtete, nachhaltige Ergänzung zum Bruttoinlandsprodukt.
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In diesem Modell werden auch Leistungen mit einbezogen, die in bisherigen Berechnungen gar nicht auftauchten und doch den Wert eines gutes Lebens ausmachen – Hausarbeit, Kindererziehung oder ehrenamtliches Engagement, Bildungschancen, Einkommensverteilung und soziale Gerechtigkeit, während gleichzeitig Kosten des Wachstums wie Umweltverschmutzung und Ressourcenverbrauch abgezogen werden. Und die Ergebnisse zeigen: der von den Autoren aufgestellte Wohlfahrtsindex ist seit Jahren rückläufig, während das BIP kontinuierlich steigt.
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Hans Diefenbacher und Roland Zieschank räumen in ihrem Buch mit vorherrschenden Illusionen und Irrtümern auf, die mit dem gegenwärtigen Wachstumsbegriff einhergehen und stellen verschiedene Alternativmodelle vor. Ein Buch zur aktuellen Debatte über eine neue Wohlstandsformel für das 21. Jahrhundert – und ein Anstoß, über gesellschaftlichen Fortschritt, Wohlstand und die Bedeutung von unbegrenztem Wachstum in einer begrenzten Welt nachzudenken.
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Hans Diefenbacher lehrte als Professor für Volkswirtschaftlehre an der Universität Heidelberg und ist stellvertretender Leiter der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) Heidelberg.
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Roland Zieschank arbeitet seit 1990 an der Forschungsstelle für Umweltpolitik an der Freien Universität Berlin. Zu seinem Schwerpunkt gehört die Entwicklung von nationalen Umweltindikatoren sowie Nachhaltigkeitsstrategien.
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