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:: Einen Ausweg aus der Krise – Wer wüsste den nicht gern?
Franz Alt und Peter Spiegel haben ein Buch geschrieben mit dem Titel: „Gute Geschäfte – HUMANE MARKTWIRTSCHAFT ALS AUSWEG AUS DER KRISE“. Aber wenn man das Buch liest, stellt man fest: Der Ausweg lässt sich erst finden, wenn einige Voraussetzungen erfüllt sind.
Diese Voraussetzungen wurden am 2. November 2008 beim 2. Vision Summit in Berlin von vielen Menschen mit Visionen zusammengetragen und in der Berliner Erklärung für die Social-business-Idee zusammengefasst. Darin sind vier Innovationsfelder aufgelistet. Diese ergeben sich aus der Forderung, dass ein Drittel bis zur Hälfte der staatlichen Garantien zur Bewältigung der Bankenkrise nur in Investitionen für sozial und ökologisch verträgliche Entwicklung eingesetzt werden dürfen.
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In den letzten Jahrzehnten haben sich alle Wirtschaftsaktivitäten unter dem Druck der „Geiz-Ist-Geil-Mentalität“ auf die Gewinnmaximierung konzentriert, während früher viele andere Aspekte, auch das Wohlergehen der Mitarbeiter, zu den Aufgaben eines Managers gehörten. Das eigentlich revolutionäre an der Sozial-Business-Idee ist die Tatsache, dass die Vielfalt menschlichen Handelns auch in der Wirtschaftswelt verwirklicht werden soll. – Daher der Titel: „Gute Geschäfte“, gut in dem Sinn, dass nicht nur der Gewinn maximiert wird, sondern auch die Beziehungen zu Lieferanten, Abnehmern, Mitarbeitern gut sind und die natürlichen Ressourcen erhalten bleiben.
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Das Ergebnis der Social-Business-Ökonomie sind soziale und ökologische Gewinne bei hoher ökonomischer Vernunft. Darin zeigen sich die Potentiale dieser neuen Denkweise:
- Dadurch, dass Arme von der Grameen Bank als kreditwürdig anerkannt wurden, haben schon 130 Millionen „Kreditunwürdige“ in Bangladesh und vielen anderen Ländern die Chance erhalten, Kleinstunternehmer zu werden und sich aus der Armut herauszuarbeiten: Hierin liegt die finanzpolitische Innovationskraft.
- Solarenergie galt als unerschwinglich, aber die Armen in Bangladesh brauchten schon immer Elektrizität, aus Batterien zum Nachladen oder von Dieselgeneratoren, weil es in diesem armen, von Flussarmen durchzogenen Land kein Elektrizitätsnetz gab und gibt. Gegenüber dieser umständlichen teuren und wegen der Nachfüllnotwendigkeit mit Säure gefährlichen Art der Energiebeschaffung ist die Solarstromgewinnung preiswert und bequem: ökologisch innovativ.
- In den übersättigten Märkten der Industrieländer lässt sich kein ausreichendes wirtschaftliches Wachstum mehr gewinnbringend organisieren. Das haben mittelständische und grosse Unternehmen erkannt und haben mit Investitionen in Entwicklungs- und Schwellenländern begonnen: weltwirtschaftliche Innovationen.
- Immer mehr Unternehmen erweisen sich als erfolgreich, die ihre Mitarbeiter besser behandeln als ihre Konkurrenten. – Bei den zu gewährenden Krediten und Bürgschaften des Konjunkturpakets sollten die erwähnten finanzpolitischen, ökologischen, weltwirtschaftlichen und innerbetrieblichen Kriterien zunehmend berücksichtigt werden.
Das Problem ist nur: Die Geiz-ist-geil-Mentalität ist nicht so leicht zu überwinden, weil zu viele darin verstrickt sind. Denn der Wunsch, reich zu werden, geht bis hin in die Gewinnspiele. Dafür steht am Anfang des Buches die Geschichte des Cowboys, der den ersten Schritt zum Wohlstand dadurch tut, dass er ein totes Pferd verlost.
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Das sehr ideenreiche und unterhaltsam geschriebene Buch mit 262 Seiten ist im Aufbau Verlag, Berlin erschienen und im Buchhandel erhältlich oder online bei "amazon.de"
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Leseproben:
Abschnitt 11. Geld regiert die Welt – aber wer regiert das Geld?
Das entscheidende Kriterium einer modernen Ökonomie ist nachhaltiges und qualitatives Wachstum. Eine internationale ökosoziale Marktwirtschaft hat Zukunft, wenn es gelingt, die internationale Finanz- und Wirtschaftsordnung so sozial verträglich zu gestalten wie etwa die der alten Bundesrepublik und mit den Erkenntnissen der Ökologie zu verbinden.
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Vielleicht hilft die aktuelle Krise der Politik, ihren ordnungspolitischen Dornröschenschlaf zu überwinden. Folgende fünf Prinzipien sollten als ökonomische Mindeststandards verankert sein – Forderungen, die auch Bundespräsident Köhler in seiner Rede am 24. März 2009 gestellt hat:
1.  eine internationale Bankenaufsicht
2.  eine gemeinsame Zinspolitik
3.  eine internationale Spekulationssteuer
4.  eine internationale ökologische Steuerreform
5.  massvolle Gehälter und Bonuszahlungen an Topmanager.
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Das Superwahljahr 2009 … bietet die Chance, diese Vorschläge zu thematisieren und die Politik und die Volksparteien zu revitalisieren.
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Zu einer wirksamen Demokratiereform gehören freilich auch Reformen der politischen Institutionen. Vor allem die internationalen Institutionen müssen entschieden demokratischer werden:
- Die Welthandelsorganisation (WTO) ist faktisch ein globaler Gesetzgeber, aber ohne demokratische Kontrolle. Sie erlaubt den Anbau gentechnisch veränderter Produkte, jedoch gegen den Mehrheitswillen der Bevölkerung.
- Das Europäische Parlament ist als demokratisches Kontrollorgan der europäischen Exekutive viel zu schwach.
- Über eine demokratischere UNO wird seit Jahrzehnten diskutiert, allerdings sind wir Lichtjahre davon entfernt.
- Wir alle können von Politikern und Parteien, die unsere Stimmen wollen, verlangen, dass sie mit demselben Eifer und mit derselben Eile, mit der sie die Banken gerettet haben, die Bildungsausgaben und die Entwicklungshilfe erhöhen. Vielleicht war die Rettung der Banken wichtig. Aber sind die Rettung der Erde und die Überwindung des Hungers weniger wichtig?Â
Kapitel 3
Das Kapital des Vertrauens – Basis des Globalen ökosozialen Wirtschaftswunders - Abschnitt 1. Die Weichen werden jetzt gestellt!
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Die grossen Weichen in der Geschichte der Menschheit wurden immer in Zeiten der Krise gestellt. Wir befinden uns gegenwärtig in Krisenzeiten. Also ist es auch eine Zeit für Chancen oder genauer: eine doppelte Stellzeit – Zeit, die entscheidenden Weichen in unserer Gesellschaft auf lohnende und motivierende Ziele auszurichten, und Zeit, uns den mit den neuen Chancen verbundenen Herausforderungen zu stellen.
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Dabei lauten die entscheidenden Fragen: Wer stellt die Weichen neu? Tun wir es selbst – oder überlassen wir es erneut den Lobbyisten von Sonderinteressen? Sind wir das Volk oder nur die Folgsamen? Und zweitens: In welche Richtung führt der eingeschlagene Weg? …
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Vor uns kann ein weltweites Wirtschaftswunder liegen, das alles bisher Dagewesene weit in den Schatten stellt. Die technischen Voraussetzungen sind gegeben. Nie gab es mehr technischen Erfindungsreichtum und mehr Handlungsoptionen für die Menschheit. Wir können diese überaus wohlbringend einsetzen, wenn wir klare Entscheidungen treffen. Die ökonomischen und finanziellen Voraussetzungen sind ebenfalls gegeben. …
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Erinnern wir uns an die Situation nach dem Zweiten Weltkrieg. … Deutschland lag danieder. … Nachdem die ersten Aufräumarbeiten erledigt waren, formulierte Ludwig Erhard für den westlichen Teil das Leitbild vom „Wohlstand für alle“ und entwickelte als Weg dorthin die Rahmenordnung einer sozialen Marktwirtschaft. Die ausserordentliche Leistung des Wiederaufbaus wurde verstetigt durch die Perspektive und die Erfahrung, dass der Aufbau wirklich allen zugute kommt. … Für mehrere Jahrzehnte war die gesamte Gesellschaft von dieser Vision des Wirtschaftswunders begeistert. …
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Die soziale Marktwirtschaft erwies sich schliesslich dem Sozialismus in dessen selbst zugeschriebener Schlüsselkompetenz des Sozialen als überlegen … so dass letzterer mangels Wohlstandsperspektive … vor zwanzig Jahren Konkurs anmelden musste.
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Doch just in diesem Augenblick erlebten wir den Beginn eines fatalen Missverständnisses und einer Fehlentwicklung, die sowohl der sozialen Marktwirtschaft wie auch der Umweltbewegung erheblich zu schaffen machten. Angelsächsische Thinktanks rissen die Deutungshoheit über den Zusammenbruch des sozialistischen Systems an sich und erklärten dieses Ereignis schlicht zum finalen Sieg des Kapitalismus. …
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Selbst die soziale Marktwirtschaft war – dem radikalen Verständnis vom Kapitalismus zufolge – nur eine etwas abgemilderte Form der Sozialismus und damit ebenso Abräummasse einer gescheiterten Gedankenverirrung. … Dabei warnten durchaus einige vor dieser Entwicklung. Lester C. Thurow, einer der bekanntesten Ökonomen der USA von der weltberühmten Denkfabrik MIT …, sah sogar die Demokratie gefährdet, sollte der „freie“ Kapitalismus sich überall Bahn brechen: …
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„Der Kapitalismus glaubt, dass es Aufgabe der wirtschaftlich Fähigen ist, den Unfähigen aus dem Geschäft zu drängen. Das ist politischer Kannibalismus, und der hat mit demokratischen Idealen wenig zu tun.
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In dieser historischen Situation haben die Sachwalter der sozialen Marktwirtschaft sträflich versagt. Die Folge war eine zutiefst unsoziale Phase der Marktwirtschaft, eine historisch einmalige tiefe Spaltung der Weltgesellschaft und eine … einmalige Vernichtung von ethischen Werten wie letztlich auch von Vermögenswerten: Nie zuvor hatte sich die Kluft zwischen Arm und Reich in der Welt so schnell und so radikal vergrössert wie in den 1990er Jahren. Geiz und Gier wurden zu den positivsten Werten einer „freien“ Marktwirtschaft erklärt, und infolge einer historisch einmaligen Privatisierungswelle konzentrierten sich gigantische Vermögenswerte in den Händen von wenigen – plötzlich besass ein globaler Minizirkel von 350 Superreichen so viel wie die Hälfte der Weltbevölkerung. Und am Ende dieser Phase stand dann die „Sozialisierung“ von Billionenverlusten.
Warum hatte es dieses einseitige neoliberale Denken zu Beginn der 1990er Jahre so leicht, sich … gegen das Leitbild einer sozialen Marktwirtschaft durchzusetzen? Die überlegene politische Macht der USA, ihre Interessen und Interpretationen im Sinne eines „Kapitalismus pur“ durchzusetzen, ist vielleicht der entscheidende, aber keineswegs der einzige Grund.
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Der Sozialstaat hatte im eigenen Erfolgsrausch der 1950 bis 1980er Jahre manche Patina angelegt. Während viele soziale Errungenschaften der sozialen Marktwirtschaft in den ersten Jahrzehnten zu besserer Bildung, besseren Arbeitsbedingungen und besseren Chancen für alle beitrugen, entwickelte sich der Sozialstaat mit der Zeit immer mehr in Richtung schwerfälliger Bürokratie und Anspruchsdenken auf Seiten der von ihm Begünstigten. Was einst als Leistungsanreiz funktionierte, verwandelte sich, zumindest für einen Teil der Gesellschaft, immer mehr zu persönlichem wie auch gemeinschaftlichem Antriebsverlust.
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Eine über das Ziel hinausschiessende Regelungswut schuf ferner einen immer dichteren Bürokratiedschungel, der sowohl bürgerschaftlicher wie auch unternehmerischer Kreativität und Initiative, ohne die keine soziale Gesellschaft und auch keine soziale Marktwirtschaft funktionieren kann, immer festere Zügel anlegte.
Erstveröffentlichung:
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