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:: Gangsterwirtschaft: Wie uns die organisierte Kriminalität aufkauft

Geldwäscher, Ratingagenturen und andere Gangster. In einem neuen empfehlenswerten Buch von Jürgen Roth. Von Rupert Neudeck

Haben Sie schon mal die Abkürzung PEP gehört? Das sind so erfahren wir in diesem hilfreichen Buch von Jürgen Roth – „politisch exponierte Personen“: Für Finanzinstitute und Banken werden Geschäfte ohne persönliche Kontakte bei der Identifizierung – z.B. Geschäftsbeziehungen mit solchen PEPs – als Geschäfte mit hohem Geldwäscherisiko definiert. PEPs sind Vertragspartner von Finanzinstituten, die ein hohes politisches Amt innehaben oder es bekleideten.

 

Die Begründung bei dem neuen „Geldwäsche Ergänzungsgesetz“: Jeder Bürger kann verdächtigt werden, dass er kriminell erwirtschaftetes Geld in den Markt einschleust, aber nicht deutsche Politiker.

 

Das Buch enthält mehr als man in einer Rezension auch nur andeuten kann. Fast zu viel, denn die Hauptteile müssten eigentlich eigene ausführliche Bücher sein. Im ersten großen Teil geht es dem Autor darum, zu beschreiben, wie weit es der Mafia gelungen ist, Deutschland aufzukaufen. Da geht es um den Fall Opel, über die Komplizenschaft mit kriminellen Systemen am Beispiel Kasachstan, über die Werften, die russischen Investoren und die Lufthansa, die Fraport AG und etwas undurchsichtige Partner.

 

Dass Jürgen Roth das alles so schreiben kann, ohne gleich von allen Gerichten und Staatsanwälten belangt zu werden, hat mit seinem lebenslangen Kampf gegen diese organisierte kapitalistische Kriminalität zu tun. Ein Autor, der auch nur mit Zahlen und Fußnoten schlabbert, bekommt gleich Prozesse an den Hals.

 

Der zweite große Teil beschreibt die Kriminalität im Kreis der internationalen Wirtschaftskrisen. Finden die Methoden der kriminellen Energie Eingang ins Repertoire der normalen Wirtschaft?

 

Das Buch ist eine wichtige Ergänzung der täglichen Hyper-Aktualität oder auch des Aktualitätsterrors. Man erfährt z.B. über eine Staatsanwältin Margit Lichtinghagen etwas ganz anderes, als was ich in der Tagesschau gesehen oder in meinem Generalanzeiger gelesen hatte. Das war eine verdammt mutige Frau, die es dazu brachte, sine ira et PEP den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutsche Postbank AG vor den Kadi zu bringen. Und das höchstpersönlich.

 

Ihr wurde vorgeworfen, dass sie das für das eigene Image getan und dazu auch noch das Fernsehen eingeschaltet hätte. Nun ist das ja erstens nicht schlimm, wenn man dabei groß herauskommt, indem man den Verbrechern das Handwerk legt. Zum anderen wurden die ZDF Journalisten, die die Staatsanwältin am 14. Februar 2008 bei der Hausdurchsuchung und beim Abführen von Zumwinkel vor dessen Villa filmten, nicht durch die Staatsanwältin, sondern durch den Bundesnachrichtendienst auf diesen Fall aufmerksam gemacht.

 

Roth: „Ermittlungen gegen einen Mann wie Zumwinkel, der in Deutschland bestens vernetzt ist, führen zu nervösen Zuckjungen bei der politischen Elite und willfährigen Spitzenbeamten.“ Selbst die „Süddeutsche Zeitung“ hatte damals kommentiert: Eine Staatsanwältin sei nicht „der weibliche Robin Hood, der den Reichen das Geld abnehmen soll“. Sie hat ihren Job mittlerweile verloren. Da sie auch noch völlig legal versucht hat, in Absprache mit den zuständigen Richtern, Bußgelder an gemeinnützige Einrichtungen zu vergeben, kam sie ins Kreuzfeuer.

 

Da sie auch Witten-Herdecke bedacht hatte, wo ihre Tochter gerade studierte, kam es zu einer Hetzjagd und Margit Lichtenhagen gab auf, sie nahm das Angebot an, künftig als Richterin bei einem Amtsgericht zu arbeiten. Weil sie nicht mehr konnte, wie eine Journalistin in Emma schrieb. Margit Lichtenhagen beschäftigt sich künftig mit Verkehrsordnungswidrigkeiten.

 

Das ist ein fall von ganz vielen, die der fleißige und immer noch zur Empörung fähige Autor aufspießt. Er durchleuchtet die Praxis der international mächtigen Ratingagenturen, die es schaffen, in der zeit von Bundeskanzler Schröder den Bundestag zu animieren, das Afghanistanmandat der Bundeswehr auszuweiten. Er zitiert dazu den berühmten Reporter der NEW York Times, Thomas Friedman, der verlautbarte, es gäbe zwei Supermächte auf der Welt: „Zum einen die USA, zum anderen die Ratingagenturen. Und glauben Sie mir, es ist keinesfalls sicher, wer die Mächtigere von beiden ist.“

 

Roth enthüllt, wie unter Kanzler Gerhard Schröder, der später selbst Berater der Investmentbank Rothschild wurde, alle Schleusen für Investmentbanker und Hedgefonds geöffnet wurden. Zumal durch das Investmentmodernisierungsgesetz, das Kritiker als Einladung für Geldwäscher und Kriminelle bezeichnet haben.

 

„Das Tor der Geldwäsche  für organisierte Wirtschaftskriminalität öffneten Politiker der rot-grünen Regierung am 7. November 2003 durch das Investmentmodernisierungsgesetzt. Der Vorsitzende des Bundesverbandes Alternative Investment, Achim Pütz jubelte: „Diese Regelungen bringen Deutschland auf Schweizer Niveau, wo Hegdefonds seit langem zum öffentlichen Vertrieb zugelassen sind. Auch die liberalen Gesetze Irlands und Luxemburgs bleiben hinter dem deutschen zurück“.

 

Wollen Sie noch mehr Proben aus diesem sensationell wichtigen Buch? Ich würde sagen: Lesen Sie es lieber ganz.

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