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:: In Freiheit leben, das war lange nur ein Traum

Mutige Frauen erzählen von ihrer Flucht aus Gewalt und moderner Sklaverei. Solwodi und allen geschlagenen und eingesperrten Frauen auf der Welt zu Ehren. Ein Buch zum 25. Geburtstag von Solwodi. Von Rupert Neudeck

Für Menschenrechte eintreten, bedeutet harte Arbeit. Arbeit, die einen nicht unbedingt ins Rampenlicht der prallen Öffentlichkeit bringt. Die Leiterin und Gründerin von dieser immer noch nicht genügend bekannten Organisation Solwodi, Sr. Lea Ackermann, beschreibt das sehr nüchtern: 2009 arbeiten 48 Frauen und kümmern sich um 1465 Frauen in Not. Es gibt 14 Beratungsstellen in Deutschland, 10 in Kenia, eine in Rwanda, seit 2010 auch eine in Rumänien.

 

Das klingt nicht nach sehr viel. Wenn man aber weiß, wie aufwendig diese Arbeit ist und was man alles an Einführungsvermögen und Chuzpe haben muss, um diesen bedrohten Frauen zu helfen, wird man dieser Organisation gratulieren können. Solwodi hat zu Recht einen englischen Titel, es ist die Abkürzung für „Solidarity with women in Distress“.

 

Es ist ein regelrechtes Kompendium, was zum 25.ten Geburtstag der segensreichen Organisation SOLWODI herauskommt.

 

„An Deutschland gefällt mir, dass hier Frauen wie Männer die gleichen Rechte haben. Egal ob man arm oder reich ist, wenn man eine Straftat begeht oder einen Fehler macht, wird gleich behandelt und dafür bestraft“, so sagt es die kurdische Syrerin Ayla in diesem Buch und fügt hinzu: „In Syrien ist das ganz anders“.

 

Aber da steht auch in dem Buch, was sie an Deutschland schlecht findet. Sie findet nicht gut die Altenheime. Sie findet es traurig, „dass man Kinder bekommt, sie großzieht und am Ende von Ihnen ins Altenheim gesteckt wird“. Deswegen arbeite sie auch ehrenamtlich in einem Altenheim.

 

So dramatisch sind alle ausgewählten Geschichten, Fluchtgeschichten allemal, Geschichten von dramatischen, oft unter Folter, Schmerz und Tränen sich ereignenden Flucht aus Gewalt und „moderner Sklaverei“. Zehn Frauen erzählen von ihrem Weg, die beiden Journalistinnen Mary Kreutzer und Alicia Allgäuer haben den jeweils individuellen Weg aufgezeichnet. In jeder Geschichte fügt sich ohne Bruch auch immer eine Geschichte des Herkunftslandes ein.

 

Die erste Geschichte ist neben der der Kurdin Ayla die dramatischste, aber es sind- so sagen es uns die Autorinnen des Buches – alltägliche Geschichten. Kushboo 28 Jahre aus Indien, wurde von Ihrem Ehemann Tanviir immer wieder behandelt wie Dreck, geschlagen, ausgenutzt, eingesperrt. Als sie schwanger wurde, änderte sich sein Verhalten nicht. Als er sie wieder einmal im schwangeren Zustand schwer geschlagen hatte, erlitt sie eine Blutung. Starke Schmerzen waren die Folge, sie bat zum Arzt gehen zu dürfen, aber er brachte sie erst nach zwei Wochen zum Arzt. Der konnte nur noch den Tod des Kindes feststellen. Gegen den Rat des Arztes brachte Tanviir sie nicht ins Krankenhaus.

 

Zu Hause gingen die Prügel weiter, Er schlug so fest, dass sie umkippte, sich verletzte und Blut verlor. Dann wurde sie operiert. Kaum war sie zu Hause, musste sie trotz der furchtbaren Schmerzen mit ihm schlafen. Sie wusste, ihr Leben war nichts mehr wert. „Ich hatte mein Kind verloren, ich war von einem gewalttätigen Ehemann abhängig, ich hatte keine Kraft mehr“.

 

Dann in einem Moment, wo sie auch noch erfuhr, dass der Ehemann sie bei einer Reise nach Indien beim Zwischenstopp profitträchtig in Dubai verkaufen wollte, rannte sie heraus zur Polizei und die brachte sie zu Solwodi.

 

Das Buch berichtet von Ländern, in denen man auf den Genuss der einfachsten Menschenrechte, zumal der Frauenrechte verzichten muss. Das sind Indien, Nigeria, Rumänien, Syrien, Ecuador, Litauen, Türkei, Äthiopien, Afghanistan. Es beschreibt, wie unglaublich feinfühlig die Mitarbeiter dieser Solwodi Stellen sein müssen. Es ist ja weit mehr als Beratung, die diese geschlagenen, oft depressiven, an die Menschheit und ihr eigenes Leben nicht mehr hoffenden Frauen nötig haben. Sie brauchen die Frau, die mit ihnen geht, Schutz bietet und Freiheit lässt. Emel, die kurdische Türkin, sagt:  Was ihr im Schutzhaus am besten gefallen habe: Die Freiheit. Es gäbe dort auch Regeln, aber sie haben das als große Freiheit empfunden. „Den Druck, den ich mein ganzes Leben gespürt habe, war endlich weg.“

 

Solwodi beschreiben die Frauen als Hilfe in allerletzter Instanz und ohne Gegenwert. Für ihre Hilfe haben die Mitarbeiterinnen nie etwas verlangt. Auch nach der Befreiung geht es oft weiter. Diese Frauen können ja ihren Kulturkreis und ihre Sozialisation an der Tür von Solwodi nicht einfach abgeben. Sie haben ihrer Familie, ihren Eltern und Geschwistern oft „große Schuldgefühle“. Emel aus der Türkei ist frei, aber sie muss immer noch geheim kleben. Sie weiß wenn sie das aufgeben würde und ihren Geschwistern erzählen würde, würden ihre Eltern und ihr ältester Bruder es aus ihnen herausprügeln.

 

Sie erzählt die Geschichte, dass sie in den schlimmsten Fieberträumen einen Helfer erträumte, der sie aus den Fängen des Gewalttäters Ehemann retten würde und sah immer den Bollywoodstar Shahrukk Khan vor sich. „Doch statt Shahrukk Khan rettete mich Solwodi _ das fängt auch mit S an!“

 

Ein Buch zur Jubiläumsfeier, das nur ein großes journalistisches Kapitel hat. Es informiert den Leser, dass der Sextourismus nicht nur in Süd-Ostasien tobt, sondern jetzt auch in dem „Geheimtipp Kenia“. Es sind vielleicht zu viele Vorworte dem Buch vorangestellt, dass eine so dramatische Konsistenz hat, dass man auf die Vorworte als Leser eher verzichten kann.

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