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:: Ist Politik nur noch mit Humor zu ertragen?

Wer sich diese Frage stellt, sollte sich einmal die beiden Neuerscheinungen von Professor Joseph Dehler näher anschauen.

Da wäre einmal die Polit-Satire "Nasentanz" und zum zweiten "Senator Zimmermann außer Rand und Band", eine köstliche Satire die vom Machterhaltungstrieb eines Politikers erzählt, der trotz mit allen Wassern gewaschen, seinen Rivalen inclusive der kompletten Seilschaft im Poker um Macht und Posten nicht durchschaut. Joseph Dehler hat Senator Zimmermann auf diesem nervtötendem Weg begleitet.

 

Dehler hatte schon vor fünf Jahren beschlossen keine Sach- und Fachbücher mehr zu schreiben und auch keine Fachvorträge mehr zu halten, weil sich bei ihm zunehmend der Eindruck verstärkte, dass viele seiner Vorschläge nahezu ausschließlich in fachwissenschaftlichen und - politischen Zusammenhängen, und damit basisfern, kursierten.

 

Zudem sei ihm über die Jahre, nicht zuletzt aufgrund eigener Erfahrungen, bewusster geworden, dass der erschreckend große Stillstand in Politik und Verwaltung (gemessen an den dringlich zu lösenden existenziellen Problemen dieser Zeit) nur zu einem geringen Teil an fehlenden Strategien und Konzepten liegt, so Joseph Dehler gegenüber fuldainfo zur Motivation die Bücher zu verfassen.

 

Inhaltsfernes Zuständigkeits- und Statusgehabe

Es gibt ganz entscheidende Bremsklötze für eine zukunftsgerichtete Politik, so Joseph Dehler. In der, in weiten Teilen unvernünftig gegeneinander agierenden, immer mehr vor allem der Karrieresicherung dienenden Parteienlandschaft, in der Profilierungssucht, Machterhaltung, mangelnden Aufrichtigkeit und Glaubwürdigkeit von Politikern sowie ihren oft fehlenden lebenspraktischen Erfahrungen und der darin angelegten Realitätsferne (die zu steigen droht, je weiter sie sich – von den Menschen und konkreten Problemen weg – in die "hohe Politik" bewegen), im inhaltsfernen Zuständigkeits- und Statusgehabe sowie dem hierarchischen Monstrum der Verwaltung, ihrer hohen Eigenbefindlichkeit und Selbstbeschäftigungsquote sowie der weithin fehlenden problembezogenen Organisation von Verwaltungsprozessen, in der kaum vorhandenen Bereitschaft, vorhandene menschliche und technische Ressourcen effektiv zu bündeln und auf diese Weise Mittel für wegweisende Projekte freizusetzen, in der häufig defizitären bzw. einseitig juristisch geprägten Qualifikation des leitenden bürokratischen Personals, und vor allem auch in der unsäglichen Einflussnahme von Lobbyisten auf Programme und politische Entscheidungsprozesse, erläutert der Autor.

 

Senator Zimmermann ausser Rand und Band

In Beham steht die Bürgerschaftswahl vor der Tür. Die Prognosen für die Deutsche Hoffnungsträger Partei stehen gut. Jedoch. der glücklose 56-jährige Senator für Sport und Kunst, Harrv Zimmermann, hat eine Heidenangst, von seiner Partei nicht mehr nominiert zu werden. Während er das Kunstressort locker beherrscht, bekommt er im publikumsträchtigen Sportbereich kein Bein auf den Boden. Nun ist er fest entschlossen, sich bei den Behamer Bürgern in einer von ihm erfundenen, weltweit einzigartigen Disziplin Respekt zu verschaffen. Kurz vor dem Ziel gerät der von Ehrgeiz gequälte Senator in die Sackgasse. - Ausgerechnet durch seinen Lieblingsreferatsleiter.

 

Nasentanz

In Nasentanz kriecht der Autor durch die Schlüssellöcher von Büros, Dienstwagen und Behausungen selbstgerechter Politiker und artiger Staatsdiener. Hierbei trifft er auf eine Clique verantwortungsferner Wichtigtuer, Streber, Jasager und Angsthasen, Jedoch auch auf Bockbeinige - im Garten der Macht gerne "Querulanten" genannt. Um die unsägliche Allianz zwischen irregeleiteten Machtpolitikern und ihren Helfershelfern ans Licht zu bringen, nistet sich Joseph Dehler in die Hirnwindungen der Protagonisten ein. In den Geschichten liegen Fassungslosigkeit, Verachtung und Spott nahe beieinander. Für den Nasentanz auf dem politischen Parkett braucht der Leser nicht nur Humor, sondern auch ein gerüttelt Maß an Leidensfähigkeit.

 

Stimmen zu Nasentanz

"Mit Nasentanz ermöglicht der Autor einen Blick hinter die Kulissen von Politik und Regierungsadministration. Was dort gelegentlich lächerlich erscheint, ist leider allzu oft bittere Realität. Die Wirklichkeit ist nicht selten grausamer als die Satire. Joseph Dehler beschreibt in kritischer Distanz die Rituale der Macht, die seltsam inhaltliche Leere und von Hochmut gezeichnete, selbstgerechte Geschäftigkeit von abgedrifteten Politkern und ihren bürokratischen Handlangern. In der öffentlichen Diskussion über Wahlabstinenz und Politikverdrossenheit kommen diese Aspekte leider zu kurz. Für eine breite kritische Debatte zur Verbesserung von Politik und individueller Meinungsbildung ist Nasentanz deshalb ein besonderer Beitrag", sagt Günther Vieser, einst persönlicher Referent von Willy Brandt über das Buch.

 

Schriftstellerin Gudrun Pausewang  über Nasentanz: Joseph Dehler kennt sich in den Etagen der politischen Macht aus. In dem Buch gelingt es ihm meisterhaft, die Schwächen der mehr oder minder Mächtigen sichtbar zu machen. Aber er will mehr: Er ermutigt die Kleinen und Schwachen, sich zu wehren, und dämpft die Machtgelüste von Amtsträgern in den Spitzen der Hierarchien. Mit anderen Worten: Er pflegt die Tugend Zivilcourage. Tun wir's ihm nach.

 

Fazit

Die beiden Bände beschäftigen sich mehr oder weniger mit den aufgezeigten Defiziten. Absicht des Autors ist es, den Leser mit satirischem Witz und der dazu gehörenden Bissigkeit in die Denkmaschinerie der Bürokratien und Hirnwindungen von abgedrifteten Akteuren, die zwar großartig auftreten, aber letztlich immer wieder auf den weichen Bettvorlegern der Macht landen, blicken zu lassen. Dabei sind folgsame Staatsdiener für skrupellose Machtpolitiker ein gefundenes Fressen. Auch wenn sie sich im anpassen und beherrschen voneinander unterscheiden, - beide sind sie unfähig, auf sich zu selbst stehen, unabhängig zu sein und die ihnen geschenkte Freiheit zu ertragen. Machthunger, Profilneurosen und Karrieresucht, aber auch Gewissenlosigkeit und Selbstbedienungsmentalität sind das Ergebnis eines unsäglichen Gleichklangs von Eigennutz und Ja sagen. Die damit einhergehende Unglaubwürdigkeit und Niveaulosigkeit bringt nicht nur Politik und Verwaltung in Verruf, sondern endet unausweichlich in der Politikverdrossenheit. Am Ende ist sie das todbringende Gift für die politische Demokratie.

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