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:: Mensch, was nun? Die Ökokrise und ihre psychischen Auswirkungen
"Ich kann daran ja nichts ändern." – Ständige Meldungen zu ökologischen Problemen wie Klimawandel oder Ölverknappung führen häufig zu Frust und Lähmung. Der Therapeut Andreas Meißner zeigt anschaulich, auf welchen Wegen wir in die aktuelle Situation geraten sind, und was uns daran hindert, sie effektiv zu bewältigen. Fazit: eine positive Haltung zur voranschreitenden ökologischen Krise ist möglich!
Das Erschrecken angesichts der atemberaubenden Dimensionen der globalen Krise lähmt und führt zu widersprüchlichem Verhalten. Für viele stellt sich die Frage, was denn der eigene kleine Beitrag nützt bei derart umfassenden Problemen. Fast jeder ist für Umweltschutz, aber nur wenige tun etwas dafür, wie Umfragen ergeben. Über die Ausgangsituation wissen viele Menschen gut Bescheid, und doch weigern wir uns, die Konsequenzen dieses Wissens zu begreifen.
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Dabei wirksame psychologische Faktoren erläutert der Münchner Psychotherapeut Andreas Meißner anschaulich in einem soeben erschienenen Buch. So sind die Folgen unseres Handelns noch zu weit weg, sie bleiben unkonkret und unpersönlich. Evolutionäre Aspekte kommen hinzu: über Millionen von Jahren kam es für den einzelnen Menschen und die Gruppe um ihn herum, nur darauf an, nahe Räume zu überblicken und allenfalls den nächsten Winter zu bedenken. Wir verleugnen die realen Gefahren – und auftauchende innere Konflikte, etwa bei dem Wunsch, trotz Ökokrise in die Ferne zu fliegen, drücken wir weg, indem wir verharmlosen („wird schon nicht so schlimm sein“) oder Schuldgefühle nach außen projizieren („die anderen tun ja auch nichts“).
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Doch die gefühlte Ohnmacht kann überwunden werden. Meißner zeigt auf, wie jeder Einzelne durch Besinnung auf existenzielle Begebenheiten wie die Begrenztheit unseres Lebens wie auch des Planeten in eigener Verantwortung aktiv werden kann, und damit nicht mehr so hohe Erwartungen an Politik, Technik und Wirtschaft richten muss, die diese nicht erfüllen können. Verzicht wird nötig sein – auf menschen- und umweltfeindliche Lebensbedingungen oder ungesunde Lebensmittel, weiteren Flächenverbrauch, Autolärm, Hektik und Rastlosigkeit. So kann aus Verzicht Gewinn werden.
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"Wichtig erscheinen mir die Überlegungen, wie man die gefühlte Ohnmacht im Angesicht der permanenten Krise überwinden kann. Noch zu wenig geäußert erscheint mir in diesen Zeiten auch der wertvolle Hinweis, dass, auch wenn die Welt schlecht aussieht, man sich die Lebensfreude nicht verderben lassen muss, weil der Einzelne nicht für alles verantwortlich sein kann."
Dr. Daniele Ganser, Historiker an der Universität Basel"
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Ein unverzichtbares Buch für alle, die ihren persönlichen Ausweg aus der ökologischen Krise suchen und zu einem Leben in wahrem Wohlstand nach dem Grundsatz ›weniger haben und trotzdem gut leben‹ unabhängig von materiellem Besitz finden wollen. Dem Kant‘schen Imperativ folgend wird das wissenschaftlich fundierte Buch dabei unversehens von einem Ratgeber für den Einzelnen zu einem wichtigen Beitrag für die Entwicklung hin zu einer nachhaltigen öko-sozialen Gesellschaft."
Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)
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Anmerkung des Autors zum Buch
Beginnt man das Buch zu lesen, stellt sich einem rasch die Frage: schon wieder all die Fakten zur Ökokrise, zu Klimawandel, Artensterben, Wasserknappheit, Peak Oil und all den anderen Katastrophen, kennt man das alles nicht schon zu Genüge?
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Der häufig damit befasste Umwelt- oder Feuilletonjournalist sicher, aber der „normale Leser“ nicht unbedingt. Natürlich hat dieser aus den Medien schon oft genug von der Erderwärmung und der Knappheit der Rohstoffe gehört; gleichzeitig liest er im Wirtschaftsteil von der Finanzkrise, hört von den Streiks der Erzieherinnen, wundert sich über eine erst steigende, dann wieder fallende Inflation und nimmt amüsiert Meldungen zur Kenntnis, dass etwa in der Türkei eine vermehrte Nachfrage nach Eseln die Preise dafür in die Höhe treibt. Zusammenhänge zwischen all diesen Informationssplittern bekommt er dabei nicht dargestellt, sondern erschließt sie sich im besten Falle selbst. Und genau hierfür möchte das Buch mit der ausführlichen Darstellung der Ökokrise, die manche bisher kaum bekannten Details enthält, einen Beitrag leisten.
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Sicher erörtern auch die Ausführungen zu Evolution und Entropie nichts grundlegend Neues. Aber auch hier lohnt es sich, sie einmal im Zusammenhang mit der ökologischen Krise zu betrachten. Man merkt plötzlich, wie sehr auch die eigenen Lebensbereiche von diesen grundsätzlichen Entwicklungen – etwa hin zu mehr Kompliziertheit bei allem Bemühen, doch eigentlich Ordnung zu schaffen – betroffen sind. Die Kapitel sind lesbar gehalten, aufgelockert durch Alltagsbeispiele, die vielen Lesern bekannt sein dürften, und hinführend zu späteren Schlussfolgerungen.
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Was aber in der bisherigen Diskussion zu Nachhaltigkeit und neuen Wirtschaftskonzepten zu kurz gekommen ist, ist die psychische Perspektive. Obwohl gerade in der aktuellen Finanzkrise oft von Vertrauen und psychologischen Faktoren gesprochen wird, wird deren grundsätzliche Bedeutung weiter negiert. Dabei ist wissenschaftlich längst bekannt, dass wir weniger mit der Ratio entscheiden, also unserem Verstand, sondern vielmehr mit unserer Emotion, also mit unserem Bauchgefühl. Dennoch meinte noch kürzlich der Leiter einer Wissenschaftsredaktion, angesprochen auf die grundlegende Bedeutung psychischer Aspekte in der Ökokrise, dass das wohl nun die Perspektive des Psychiaters sei; ein Automechaniker etwa würde technische Probleme von Motoren in den Vordergrund stellen.
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Sicher ist die Psyche nicht das allein entscheidende Faktum. Nicht zuletzt deshalb werden im Buch auch fachübergreifende Zusammenhänge gesucht. Bezug genommen wird auf Erkenntnisse der Evolutionsforschung, der Biologie, der Soziologie, der Ökologie oder auch der Systemwissenschaften, die Möglichkeiten politischer und technischer Veränderungen werden kritisch beleuchtet. Im Vordergrund steht jedoch die „Psychologie des Nichtstuns“, die unsere weit überwiegende Passivität erklärt und den Verleugnungsmechanismus verständlich macht, etwa Warnungen vor möglichen Szenarien in den Bereich des Apokalyptischen abzuschieben. Den gibt es sicher; aber leider auch große Katastrophen, die passiert sind, obwohl davor gewarnt wurde (etwa den Nationalsozialismus).
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Das Buch ist insgesamt kein Fachbuch, auch wenn es teilweise so gesehen wird. Durch unterhaltsame Details und polemische Zuspitzungen wird es zu einem fachlich fundierten Sachbuch mit Streitschriftcharakter. Denn die Schlussfolgerung, dass die ökologische Krise nicht abwendbar ist, wird nicht jeder teilen. Muss auch nicht sein, dann kann man zumindest engagiert darüber diskutieren. Auch wenn man dies nicht so zugespitzt sehen will: die gefühlte Ohnmacht, angesichts der enormen globalen Entwicklungen als Einzelner doch vermeintlich nichts tun zu können, wird sicher vielen Lesern bekannt sein. Und hier lohnt es sich, tiefer zu gehen und Strategien für den Umgang damit zu entwickeln, um die innere Lähmung zu überwinden. Auch das sind bisher im öffentlichen Diskurs noch wenig beachtete Aspekte. Daher will das Buch schließlich einen Anfang der Überlegungen dafür darstellen, wie eine trotzdem auch positive innere Haltung zum Lauf der Welt entwickelt werden kann, auch wenn man tatsächlich im Großen wenig bewirken kann, umso mehr jedoch im Kleinen für sich und um sich herum. Denn diesmal werden wir nicht sagen können, wir hätten von alldem nichts gewusst.
Andreas Meißner, München, im August 2009
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