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:: Revolte im Web 2.0
Zu den Themen Klimakatastrophe, Finanz- und Wirtschaftskrise wurde mittlerweile fast alles gesagt und geschrieben, nur noch nicht von jedem. Um im Literaturangebot dennoch aufzufallen, bedarf es eines Titels, der einem „Blockbuster“ in nichts nachsteht. Das Autorengespann Claus Leggewie (Politikwissenschaftler, Jahrgang 1950) und Harald Welzer (Soziologe und Sozialpsychologe, Jahrgang 1958) entleiht den Buchtitel „Das Ende der Welt, wie wir sie kannten“ einem Song der Popgruppe R.E.M.. Eine Buchrezension von Thomas Wardenbach.
Leggewie und Welzer beschreiben den aktuellen sozialen, ökonomischen und ökologischen Krisenzustand Deutschlands und kommen zum Schluss, dass im Grunde alle Rettungsmaßnahmen von Politik und Wirtschaft falsch sind. Ein Jahr nach der Lehman-Brothers-Pleite laufen auch die Geschäfte von Banken und Börsen allmählich in gewohnten Bahnen. Die Verantwortlichen sind aus der Krise nicht klug geworden, weil sie genau mit dem weitermachen, was in die Krise geführt hat.
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Die Chance auf die „Dritte Industrielle Revolution“ ist nicht nur angesichts der Abwrackprämie, einem Beispiel für Investition in gestrige Technologien, sondern wegen der erneut auf Wachstum setzenden Konjunkturprogramme vertan worden. Claus Leggewie weiß, wovon er schreibt, denn er ist schließlich seit Dezember 2008 Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen.
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Die Autoren empfehlen angesichts des drohenden gesellschaftlichen „tipping point“ jetzt endlich Abschied zu nehmen von der Welt (in Deutschland!), wie wir sie kannten. Denn “It’s the End of the World as We Know It – And I Feel Fine“, so heißt es schließlich bei R.E.M.! Leggewie und Welzer sehen die Demokratie in Gefahr, wenn wir nicht alle von uns aus Schluss machen mit dem Leben im Überfluss. Ohne Verzicht auf liebgewonnene Wohlstandssünden blüht uns möglicherweise sogar eine „Öko-Diktatur“!
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Die im Buch aufgeführten Aspekte sollen ermutigen, deshalb für ein besseres Klima zu kämpfen. Dieser „Klimawandel“ ist dabei im Sinne einer „Renaissance des Gemeinwesens“ gemeint, die als Schlüssel zu einem tiefgreifend besseren Lebensstil dienen soll.
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Eine immer stärker wachsende Gruppe von Gleichgesinnten nutzt heute das Web 2.0 und dort formiert sich eine neue soziale Bewegung, die sogenannte APO 2.0. Die neue Version der Außerparlamentarischen Opposition twittert und bloggt sich ihr Leid von der Seele, dass die Server nur so rauchen. Internetseiten wie campact.de oder utopia.de werden von den Autoren angepriesen.
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Bei letzterer geht es überwiegend ums Konsumieren – aber natürlich ökologisch und sozial unbedenklich, denn hier verkehren immerhin „ökorrekte Gutmenschen“ wie Brad Pitt und George Clooney – zwei Idole für ein neues „Wir-Gefühl“!
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Übrigens: Eine einzige Anfrage bei Google braucht so viel Energie wie eine Energiesparlampe in einer Stunde. Der Stromverbrauch des Internets verursacht genau so viel CO2, wie der weltweite Flugverkehr*.
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Wahrscheinlich kennen sich die beiden Autoren ganz gut aus, wenn sie über Verschwendung und Wohlstand schreiben? Schnäppchenjagd im Elektronikmarkt, Billigflüge nutzen, mit dem sattelitennavigierten Geländewagen durch die Stadt fahren oder mit dem Cabrio durch die Alpen tuckern ist jetzt unmoralisch – ach was!
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Im Buch findet sich als Zugabe ein (Auto-?)Aufkleber: „APO 2.0 CHANGE AGENT“ steht drauf! Wie schön bunt ist doch der Aufbruch in die gute neue Welt, aber viel Mut macht (mir) das wirklich nicht.
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* Michael Müller & Kai Niebert: Epochenwechsel – Plädoyer für einen grünen New Deal, München 2009 mehr
Beratung und Pressebüro für
Geowissenschaften & Agrarwirtschaft, Köln
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