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Der Fluss Cuanza war bislang für Bom Jesus Trinkwasserspender. © Paulo César Santos, Wikimedia Commons
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:: ANGOLA: Sauberes Trinkwasser für Bom Jesus – Kleines Dorf profitiert von Solar-Desinfektionsanlage

Der hell gestrichene Schiffscontainer wirkt in dem kleinen angolanischen Weiler irgendwie deplatziert. Und doch wollen ihn die Menschen in Bom Jesus nicht mehr missen. Denn er soll das Wunder vollbringen, schmutziges Fluss- in sauberes Trinkwasser zu verwandeln. Wie? Mit Hilfe von Solarzellen auf dem Dach der Anlage und einem Filtersystem im Inneren. Von Louise Redvers

Bom Jesus, was übersetzt 'guter Jesus' bedeutet, wurde für ein internationales Pilotprojekt ausgewählt. Sollte sich 'AQUAtap' bewähren, wird die vom kanadischen Technologieunternehmen 'Quest Water Solutions' entwickelte solarbetriebene Wasserdesinfektionsanlage vor Ort in Produktion gehen und afrikaweit vertrieben werden.

 

Mit Hilfe von Solarstrom aus den Dachpanelen, der in riesigen Batterien gespeichert wird, wird das Wasser aus dem 50 Meter entfernten Fluss Kwanza durch Sand und andere Filter gepresst. Dann wird das Wasser durch UV-Strahlen entkeimt, bis es den Qualitätsstandard der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erreicht.

 

Bis zu 20.000 Liter am Tag

"Das Ganze ist völlig unkompliziert", versichert John Balanko von Quest Water Solutions. "Die Anlage mag im Vergleich zu den übrigen Häusern der Ortschaft futuristisch anmuten. Doch das Schöne an ihr ist, dass sie wirklich einfach zu handhaben ist und nur einmal im Monat gewartet werden muss." Seine Firma vermittelt den Menschen vor Ort das technische Know-how, damit sie später das AQUAtap-System selbst am Laufen halten können.

 

Jedes Mal, wenn einer der beiden Hähne an der Vorderfront der Anlage betätigt wird, fließt gut ein Liter Wasser, das sich in Flaschen abfüllen lässt. Insgesamt stehen den Dorfbewohnern täglich bis zu 20.000 Liter Trinkwasser bereit.

 

AQUAtap wurde speziell auf Angolas ländliche Gemeinden zugeschnitten, wo der begrenzte Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäranlagen die Kindersterblichkeitsrate in die Höhe treibt. In Angola erlebt jedes fünfte Kind sein fünftes Lebensjahr nicht.

 

Seit dem Ende des 30-jährigen Bürgerkriegs 2002 hat die Regierung in Luanda Millionen US-Dollar investiert, um die zerstörte Infrastruktur wiederaufzubauen und den 19 Millionen Angolanern Basisleistungen wie den Zugang zu Wasser zu ermöglichen. Als Teil eines Wasser-für-alle-Projekts wurden in Dörfern Wasserleitungen gelegt und Brunnen gebohrt. Doch nach Regierungsangaben ist noch immer der Hälfte der Bevölkerung der Zugang zu sauberem Trinkwasser versperrt.

 

So auch den Menschen in Bom Jesus, das für das Pilotprojekt ausgewählt wurde. Hier hatten die Behörden zwar schon einen Wasseranschluss gelegt, doch der gab vor über einen Jahr seinen Geist auf.

 

Krankheiten ade

Carlos de Costa Gabriel gefällt der Wasserreinigungstank. "Ich mag dieses Projekt sehr", versichert er. "Bisher bezogen wir unser Wasser direkt aus dem Kwanza. Doch der Genuss verursacht Krankheiten wie Erbrechen und Durchfall." Der 25-Jährige hat zwei kleine Töchter im Alter von drei und fünf Jahren und ist zuversichtlich, dass sich ihre Gesundheitsprobleme geben werden.

 

Joaquina Xavier ist Mutter von fünf Kindern. Auch sie freut sich über die Wasserreinigungsanlage. "Wir sind wirklich sehr dankbar", betont die 38-Jährige. "Denn das Wasser, das uns bisher zur Verfügung steht, ist schmutzig und muss mühevoll in Eimern herangeschleppt werden. Es macht unsere Kinder krank, und hat bereits einigen meiner Angehörigen den Tod gebracht."

 

Balanko und sein Kompagnon Peter Miele arbeiten mit dem angolanischen Industrieministerium zusammen, das für den Einkauf des Equipments für das Wasser-für-alle-Projekt zuständig ist. Sie verlangen pro AQUAtap-Einheit 150.000 Dollar und gewähren eine zweijährige Garantie. "Wir geben zu, wie sind kein Non-Profit-Unternehmen", meint dazu Balanko. "Doch die Investition lohnt sich, beziehen die Dorfbewohner 15 bis 20 Jahre lang sauberes Wasser."

 

Das Projekt sei zudem ökologisch nachhaltig und kosteneffektiv, fielen pro 1.000 Liter nur Kosten von umgerechnet 2,30 Dollar an, so der Kanadier. Derzeit müssten die Menschen für diese Menge 30 Dollar aufbringen. Für das Wasser aus der AQUAtap-Anlage sollen sie künftig nichts bezahlen. Das hat die Regierung so beschlossen.

 

Auch wenn die Gefahr des Missbrauchs besteht – etwa der kommerzielle Verkauf des sauberen Gemeinschaftswassers – hoffen die kanadischen Unternehmer darauf, dass die Dorfbewohner derartige Aktivitäten im eigenen Interesse unterbinden. Auch soll ein Wachposten aufgestellt und die Anlage nachts beleuchtet werden.

 

"Wir haben den Dorfbewohnern gesagt: 'Das ist eure Maschine, um die ihr euch kümmern müsst'", so Balanko. "Wir setzen unsere Hoffnung auf die älteren und respektierten Mitglieder der Gemeinde, die die Botschaft verbreiten werden."

 

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