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:: Afrika im Klimastress

König Fußball macht es möglich: Die ganze Welt schaut nach Afrika. Einen ganzen Monat lang bestimmt ab 11. Juni das runde Leder den Takt der Welt –  und die Zeiten, in denen der Ball mal ruht, werden garantiert mit Reportagen oder Interviews aus dem Alltagsleben überbrückt. Afrika einmal nicht als Katastrophe, sondern als stolzer, selbstbewusster Gastgeber. Von Nick Reimer/wir-klimaretter.de

Auch wir schauen nach Afrika: In einer Serie betrachten wir den Kontinent im Klimawandel. Denn der Fußballzirkus wird bald weiter ziehen. Aber die Klimaprobleme bleiben. Keine anderer Region der Welt hat so unter der Erderwärmung zu leiden - und das ist erst der Anfang.

 

50 Prozent aller Binnenflüchtlinge dieser Welt leben in Afrika. Zwar lässt sich nicht eindeutig sagen, dass die Erderwärmung Schuld an ihrem Schicksal ist. Wissenschafftler kommen aber zu dem Schluss, dass steigende Temperaturen und ausbleibender Regen oft Ausgangspunkt von Konflikt und Vertreibung sind.

 

Wenn am 11. Juni das Eröffnungsspiel Südafrika gegen Mexiko angepfiffen ist, wird die Welt gebannt ans Kap der Guten Hoffnung schauen. Ausgerechnet Mexiko versus Südafrika eröffnen die Fußball-WM 2010: Im Dezember findet im mexikanischen Cancún die nächste Klimakonferenz statt, auf der es aber wohl noch keinen Durchbruch geben werde, wie UN-Chefklimadiplomat Yvo de Boer bremst. Der Durchbruch solle dann erst auf dem nächsten Gipfel 2011 erzielt werden - in Johannesburg, Südafrika. Also 1:0 im Eröffnungsspiel?

 

Führend jedenfalls sind die Afrikaner schon jetzt bei der Zahl der Flüchtlinge. Obwohl nur zwölf Prozent der Weltbevölkerung Afrikaner sind, leben hier 28 Prozent der weltweiten Flüchtlinge und sogar 50 Prozent der Binnenflüchtlinge. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Universität Hannover und der United Nations University in Bonn im"International Journal of Global Warming".

 

Sie konnten zeigen, dass Migration in dieser Region besonders dann in großem Maßstab stattfindet, wenn sich der Boden etwa durch Wasserknappheit oder Verschmutzung verschlechtert und andere Faktoren wie politischer Druck, bewaffnete Zwischenfälle, ethnische Spannungen oder Armut einwirken.

Der naheliegendste Fluchtgrund ist die Armut; 34 der 50 wenigsten entwickelten Ländern der Welt sind in Afrika zu finden. Vier von zehn Bewohnern südlich der Sahara leben in extremer Armut, 300 Millionen leben mit Wasserknappheit. Jeder Dritte Afrikaner ist unterernährt. Zudem gab es zwischen 1993 und 2002 in 27 der 53 afrikanischen Länder Gewaltkonflikte.

 

Untersucht man aber die Ursache von Konflikten und Armut, kommt die Umwelt ins Spiel. So lassen in Ghana häufige Dürrekatastrophen die Menschen in den Süden des eigenen Landes migrieren und auch in Mosambik führt der Wassermangel die Menschen an die südlichen Küstenregionen und in die Städte. Viele Bewohner Nigers und Senegals wandern hingegen in andere Staaten der Region, im ersten Fall wegen der Ausweitung der Sahel-Wüste, im zweiten aufgrund des Klimawandelsim sogenannten "Peanut Basin".

 

Empierische Evidenz

Es ist natürlich schwierig, Ursache und Folge genau zu verifizieren. "Einfach so zu sagen, Umweltprobleme führen zu mehr Migration - das ist nicht zulässig", sagt Prof. Ulrike Grote, die als Umweltökonomin und Agrarspezialistin an der Uni Hannover arbeitet. Würde man die Migranten in Afrika befragen, bekäme man nicht Umweltaspekte, sondern ökonomische Aspekte als Fluchtgrund genannt. "Wir haben aber sehr wohl für die Arbeit eine empierische Evidenz zwischen Umweltproblemen und Migration nachgewiesen", erklärt Prof. Grote gegenüber wir-klimaretter.de. Für ihre Arbeit nutzte sie Daten von UNO, Weltbank und sämtlichen Flüchlingsorganisationen.

 

Zudem sorge Migration automatisch für die nächsten Umweltprobleme: "Verlassene Böden erliegen häufiger der Gefahr von Erosion, Versalzung, Zerstörung als bewirtschaftete Böden". Andererseits sorgen die Flüchtlinge in ihrem Migrations-Zielregionen  häufig zu neuen Konflikten um Land und Wasser. "Beide Ressourcen werden oft noch intensiver genutzt, wenn die Bevölkerung und damit die Konkurrenz unter Nutzern steigen. Das ist wiederum schlecht für die Umwelt."

 

Kampf gegen Armut hilft der Umwelt

Zur Eindämmung der Migration setzt die Entwicklungszusammenarbeit der EU schon bisher auf mehrere Strategien. "Nachhaltige Landwirtschaft kann Böden verbessern, weshalb Migranten Mittel und Informationen zu dieser Bewirtschaftung brauchen. Dazu gehören im südlichen Afrika etwa der Zugang zu Dünger, Kleinstkrediten und Versicherungen, die sich etwa auch auf Dürrekatastrophen beziehen", erklärt die Expertin.

 

Ein aktuelles Forschungsprojekt untersucht in Tansania, wie weit Bioenergie-Erzeugung aus Jatropha die lokale Versorgung verbessern kann. "Vielleicht reduziert sich dadurch der Druck auf Wälder, da weniger Holz für die Energiegewinnung geschlagen werden muss. Das wäre eine Strategie zur Verbesserung der Umwelt", erklärt Grote. Zielführend seien aber letztlich alle Maßnahmen, die Armut verringern. "Arme sehen sich kurzfristig zur Abholzung von Wäldern gezwungen, selbst wenn sie wissen sollten, dass sie damit mittel- bis langfristig ihre eigene Lebensgrundlage zerstören."

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