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:: Andheri-Hilfe Bonn unterstützt den Schutz natürlicher Ressourcen in Indien

Armutsbekämpfung durch Ressourcenschutz und Artenvielfalt. Eines der größten Probleme Indiens ist die jährlich wiederkehrende Dürrezeit. Verantwortlich sind hauptsächlich die durch den Monsun bedingten unregelmäßigen Niederschläge, die in den vergangenen Jahren immer geringer ausfielen. Zudem trägt die ökologische Degradierung dazu bei, dass die Wüstenbildung fortschreitet. Ein Bericht von Georg Witzel
Die Trockenzeit kann von den Bauern oft nicht überbrückt werden. Missernten führen zu immer tieferer Verschuldung und Verarmung der Kleinbauern und die Ernteerträge decken nicht mehr den Nahrungsbedarf. Die landlosen Pächter und die Tagelöhner, die als Erntehelfer arbeiten, finden keine Arbeit und müssen in die Slums der Großstädte abwandern.

Andheri-Hilfe Bonn unterstützt unter anderem zwei Projekte im Bereich des "Wassermanagement" (oder "watershed development") in Orissa. Diese Projekte haben zum Ziel, die Niederschläge so effektiv zu speichern, dass sie ganzjährig genutzt werden können. Zudem soll erreicht werden, dass das ökologische Gleichgewicht der Region wiederhergestellt wird. Langfristig sollen durch eine erhöhte Bodenfruchtbarkeit und größere biologische Vielfalt auch die Ernteerträge wieder gesteigert werden.

Dies ist mit einfachen technischen Maßnahmen zu erreichen, die von der Bevölkerung selbst angelegt werden können. Es werden zum Beispiel lange Stein- oder Erdwälle entlang der Höhenlinien der Hänge angelegt, die die Abflussgeschwindigkeit des Regenwassers vermindern und so die Bodenerosion verhindern. Das Eindringen von Regenwasser wird verbessert, die Bodenfeuchte und Bodenfruchtbarkeit steigt. Kleine Staudämme sollen Regenwasser sammeln, das in der Trockenzeit genutzt werden kann.
Gleichzeitig sichert der ökologische Anbau in Mischkulturen nach traditionellen Methoden die Vielfalt der Nahrungsmittelpflanzen und macht den Einsatz von Kunstdüngern und chemischen Pestiziden überflüssig. Durch die vielfältigen Anbausorten können die Kleinbauern fast das ganze Jahr hindurch ernten. Ihre Ernten sind sehr sicher und stabil, auch wenn keine Rekordernten erzielt werden. Doch die Bauern werden vor großflächigen Missernten verschont und sind nicht abhängig von steigenden Preisen für Saatgut und Kunstdünger, die oft zur Verschuldung und in die Armut führen.

Anpflanzungen von Bäumen und Sträuchern sollen den Boden mit ihrem Wurzelwerk festigen und so Bodenerosion verhindern. Zudem und tragen sie dazu bei, dass sich die Verdunstung der Bodenfeuchte durch Beschattung verringert. Anfallendes Laub erhöht den Anteil an organischem Material und trägt zu einer besseren Bodenfruchtbarkeit bei. Zugleich wird den Bauern Baumaterial, Viehfutter und Brennholz zur Verfügung gestellt. Die Nutzung wird dabei streng kontrolliert, um zu verhindern, dass der Baumbestand übernutzt wird. Das Umherstreunen von Ziegen wird künftig verboten, um die Überweidung zu reduzieren.


Das "watershed committee"
Das besondere an diesem Projekt ist, dass es keine explizite Zielgruppe - wie z.B. in unseren anderen Projekten, die sich zum Teil auf Frauen, Kinder, Blinde etc. konzentrieren- gibt, sondern dass die Maßnahmen allen Dorfbewohnern zu Gute kommen sollen.

Grundvoraussetzung für ein solches Projekt ist daher die Organisation aller Dorfbewohner und ihre Identifikation mit den Maßnahmen bereits vor Projektbeginn. Deshalb wurde in der Vorplanungsphase des Projekts zuerst das sogenannte "watershed committee" gebildet. Dieses Komitee repräsentiert alle sozialen Gruppen der Dörfer und wird demokratisch gewählt. Alle Land- und Wassermanagement-Maßnahmen wurden mit dem Komitee und den Projektmitarbeitern gemeinsam erarbeitet und geplant. Das Komitee ist ferner zusammen mit den Projektmitarbeitern verantwortlich für die Verlaufskontrolle und die Durchführung des Projektes. Außerdem hat das "watershed committee" in einem schriftlich fixierten Vertrag zugesichert, dass es sich nach Abzug des Projektes um die Instandhaltung der Wassermanagementmaßnahmen kümmert und darauf achtet, dass alle Dorfbewohner sich an die selbst aufgestellten Regeln zur nachhaltigen Bewirtschaftung des Gebietes halten.

Außerdem gibt es spezielle Ausgleichmechanismen, um die existierenden ökonomischen Unterschiede innerhalb der Dorfbewohner anzugleichen. So gibt es Bauern, die etwas besser gestellt sind. Ihr Einkommen liegt zwar auch unterhalb der Armutsgrenze, sie sind allerdings immer noch besser gestellt als die Landlosen. Um einen sozialen Ausgleich zu schaffen, ist es geplant, dass die Landlosen im Projekt arbeiten und Lohn erhalten. Darüber hinaus wird ihnen die Nutzung des ungenutzten Brachlandes und der angepflanzten Obstbäume zugesagt. Sie verpflichten sich aber gleichzeitig auch dazu, sich um den Erhalt und den Schutz diese Bäume zu kümmern, was vom "watershed committee" kontrolliert wird.

Normalerweise darf der Besitzer des Stück Landes, auf dem sich die Bewässerungsmaßnahme befindet, über das Wasser verfügen. Da aber in einem "watershed development"-Projekt alle Bewohner des Einzugsgebietes von den Maßnahmen profitieren sollen, ist ein Regelsystem innerhalb des "watershed committees" erstellt worden. So dürfen zum Bespiel Landbesitzer, die ihr Stück Land im oberen Einzugsgebiet haben, die Bewässerung nicht zum Nachteil der Landbesitzer im unteren Einzugsgebiet ausnutzen (d.h. sie dürfen nur soviel Wasser entnehmen, dass der Landbesitzer im unteren Einzugsgebiet auch noch genug Wasser hat). Dies ist schriftlich fixiert und von den Mitgliedern des Komitees unterzeichnet worden. Zudem ist den Landlosen ein Zugang zum Wasser zugesichert. Frauenselbsthilfegruppen dürfen entstehende Teiche zur Fischzucht nutzen.

Die Erfahrungen, die mit bereits durchgeführten watershed development Projekten gemacht wurden, sind überaus positiv. Ehemals trockene Gebiete sind nun wieder grün und es kann zwei Mal im Jahr geerntet werden. Darüber hinaus hat sich in den Dörfern eine soziale Dynamik entfaltet, da die Menschen gelernt haben, sich selbst zu helfen. Auch die benachteiligten Bevölkerungsgruppen haben erfahren, dass sie für das Dorf nutzvolle Dienste leisten können, was ihr Ansehen steigert und die soziale Ungleichheit im Dorf nivelliert.
Quelle:
Georg Witzel 2008
Andheri-Hilfe Bonn e.V. 2008
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