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:: Barack Obama: "Frieden bedeutet Freiheit von Not"
Barack Obamas Nobelpreis-Rede in Oslo. "Ich kann angesichts der Bedrohung des amerikanischen Volkes nicht tatenlos bleiben." - "I cannot stand idle in the face of threats to the American people." Barack Obama
US-Präsident Barack Obama ist am 10. Dezember in Oslo mit dem Friedensnobelpreis 2009 ausgezeichnet worden. Er erhielt die Urkunde und eine Medaille vom Vorsitzenden des Nobel-Komitees, Thorbjörn Jagland. Obama sagte, er nehme den Preis mit Dankbarkeit und Demut an. Krieg sei manchmal notwendig, um das Böse in der Welt zu bekämpfen, sagte er in seiner Rede (Rede im Wortlaut - englisch). Eine Kritik der Friedensbewegung an der Nobelpreisverleihung an Obama können Sie hier lesen: Friedenspreis für Kriegspräsidenten?
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"Frieden bedeutet Freiheit von Not"
Auszüge aus der Rede Obamas in deutscher Übersetzung
Im Folgenden dokumentieren wir Auszüge aus der Nobelpreis-Rede Obamas in einer inoffiziellen Übersetzung der Nachrichtenagentur AP. Wenn die deutsche Fassung der vollständigen Rede vorliegt, werden wir sie an dieser Stelle veröffentlichen.
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"Ich nehme diesen Preis in tiefer Dankbarkeit und Demut entgegen. Es ist ein Preis, der das höchste Streben der Menschheit anspricht - dass wir trotz aller Grausamkeit und Härten in der Welt nicht einfach nur Gefangene des Schicksals sind. Unsere Taten zählen, und sie können den Verlauf der Geschichte auf den Weg der Gerechtigkeit umlenken.
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Und doch kann ich nicht außer Acht lassen, dass diese großzügige Entscheidung zu meinen Gunsten eine beachtliche Kontroverse ausgelöst hat. ... Der wohl kritischste Punkt ... ist die Tatsache, dass ich der Oberkommandierende eines Landes bin, das sich mitten in zwei Kriegen befindet. Einer dieser Kriege kommt langsam zum Ende. Der andere ist ein Konflikt, ... an dem 43 weitere Länder beteiligt sind, einschließlich Norwegens, auf dass wir uns selbst sowie die ganze Welt gegen neuerliche Angriffe verteidigen.
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Wie dem auch sei - wir befinden uns im Krieg, und ich bin verantwortlich für die Entsendung von tausenden jungen Amerikanern zum Kampf in einem fernen Land. Einige von ihnen werden töten. Einige werden getötet werden. Und so stehe ich hier im vollen Bewusstsein, welchen Preis ein bewaffneter Konflikt verlangt - und ich stehe vor der schwierigen Frage über das Verhältnis zwischen Krieg und Frieden und unsere Bemühungen, den einen Zustand durch den anderen zu ersetzen. ...
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Im Laufe der Geschichte wurden Verträge geschlossen, um die zerstörerische Gewalt von Kriegen in Grenzen zu halten, und darum bemühten sich auch Philosophen, Geistliche und Politiker. Es entstand das Konzept eines «gerechten Krieges», wonach ein Krieg nur dann gerechtfertigt ist, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind; wenn dieser Krieg das letzte Mittel darstellt oder wenn er der Selbstverteidigung gilt; wenn nur angemessene Gewalt benutzt wird; wenn die Zivilbevölkerung, wenn immer möglich, verschont bleibt. Fast nie in der Geschichte ist dieses Konzept eines gerechten Krieges eingehalten worden. ...
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Die Welt mag heute nicht mehr vor der Gefahr eines Krieges zwischen zwei nuklear bewaffneten Supermächten erschaudern, aber die Weiterverbreitung (von Atomwaffen) könnte das Risiko einer Katastrophe erhöhen. Terrorismus ist schon seit langem eine Kampfestaktik, doch die moderne Technik ermöglicht es einer Handvoll unbedeutender Männer mit überproportionalem Hass Unschuldige in einem erschreckenden Umfang zu ermorden.
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Darüber hinaus sind Kriege zwischen Staaten zunehmend Kriegen innerhalb eines Staates gewichen. ... In heutigen Kriegen werden sehr viel mehr Zivilpersonen getötet als Soldaten. Damit wird die Saat für künftige Konflikte ausgestreut, die Wirtschaft wird zerstört, die Zivilgesellschaft auseinandergerissen; es gibt Massen von Flüchtlingen, und Kinder sind für den Rest ihres Lebens vom Krieg gezeichnet.
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Ich kann heute keine Patentlösung für das Kriegsproblem vorlegen. Ich weiß aber, ... dass wir neu nachdenken müssen über das Konzept eines gerechten Kriegs sowie auch eines gerechten Friedens.
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Wir müssen die harte Wahrheit akzeptieren, dass wir gewaltsame Konflikte zu unseren Lebzeiten nicht aus der Welt schaffen werden. Es wird Zeiten geben, zu denen Staaten - ob einzeln oder im Verbund mit anderen - die Anwendung von Gewalt nicht nur als notwendig, sondern als moralisch gerechtfertigt betrachten werden.
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Ich treffe diese Aussagen im Gedenken, an was Martin Luther King vor einigen Jahren bei derselben Zeremonie gesagt hat: 'Gewalt bringt niemals einen dauerhaften Frieden. Sie löst keine sozialen Probleme, sie schafft nur neue und noch kompliziertere.' Ich stehe hier als unmittelbarer Nutznießer des Lebenswerks von Dr. King und bin damit lebendiges Zeugnis für die moralische Macht der Gewaltfreiheit. Ich weiß, dass es in der Überzeugung und der Lebensweise von Gandhi und King keine Schwachpunkte, keine Passivität und keine Naivität gibt.
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Aber als Staatschef, der zum Schutz und zur Verteidigung seines Landes verpflichtet ist, kann ich mich nicht allein von ihrem Beispiel leiten lassen. Ich muss die Welt sehen, wie sie ist, und ich kann angesichts der Bedrohung des amerikanischen Volkes nicht tatenlos bleiben. Machen wir uns nichts vor: Das Böse existiert in der Welt. Eine gewaltfreie Bewegung hätte Hitlers Wehrmacht nicht aufhalten können. Verhandlungen können die Anführer von Al Kaida nicht dazu bringen, ihre Waffen niederzulegen. Die Feststellung, dass Gewalt manchmal notwendig ist, ist kein Aufruf zum Zynismus - sie ergibt sich aus der Beobachtung der Geschichte, der Unzulänglichkeiten des Menschen und der Grenzen der Vernunft. ...
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Wenn wir einen dauerhaften Frieden in der Welt wollen, dann muss das Wort der internationalen Staatengemeinschaft Gewicht haben. Regime, die die Regeln verletzen, müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Sanktionen müssen wirken. Bei Unnachgiebigkeit muss der Druck verstärkt werden - und dieser Druck existiert nur, wenn die Welt vereint dahinter steht.
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Ein dringliches Beispiel dafür sind die Bemühungen, die Weiterverbreitung von Atomwaffen zu verhindern und solche Waffen letztlich zu verbannen. ... Des weiteren müssen wir uns über die Art von Frieden im klaren werden, den wir anstreben. Denn Frieden ist nicht nur die Abwesenheit von sichtbaren Konflikten. Nur ein gerechter Friede, der sich auf die Grundrechte und die Würde eines jeden Einzelnen gründet, kann wirklich nachhaltig sein. ... Ein gerechter Friede umfasst auch nicht nur Bürgerrechte und politische Rechte - er muss zudem wirtschaftliche Sicherheit und Chancen bieten. Denn ein wahrer Friede bedeutet nicht nur Freiheit von Angst, er bedeutet auch Freiheit von Not." ..
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