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:: Das Solarzeitalter in Palästina beginnt!
Auf dem Berg Daher richten die deutschen GRÜNHELME die erste SOLARanlage in Palästina ein.
Kommt man von Israel nach Palästina und bewegt sich auf dem Patriarchenweg in Richtung der großen Stadt Hebron, kommt man nach Newe Daniel, einer israelischen Siedlung in Palästina. Da glaubt man, die Mahnung des US-Präsidenten Barack Oabama an die Regierung in Israel, mit dem Bauen der Siedlungen aufzuhören werde strikt durchgezogen: Der Baustopp nämlich. Allerdings wird er umgekehrt durchgeführt als es wohl Obama gemeint hat. Der Baustopp wird von der Israelischen Besatzungsbehörde gegen die Palästinenser durchgezogen, nicht etwa gegen die Israelischen Siedler! Hat sich, reibt man sich die Augen, der mächtige US-Präsident vertan? Wollte Barack Obama sagen, die Palästinenser sollen erst mal aufhören zu bauen, bis ich – Obama - Israel dazu überredet habe, auf den weiteren Ausbau illegaler Siedlungen zu verzichten?!
Wir biegen links auf eine kleine Piste zum nächsten Berg ab, auf den Weinberg Daher. Der einzige Weg führt stracks zu einem riesengroßen Steinblock, der den Zugang mit dem Auto zum Weinberg blockiert. Will man zu dem Berg mit dem Auto, muss man sich einen großen Umweg genehmigen. Dort geht es dann zum Schluß noch mal ganz steil hoch. Dann kommt man zu dem Berg, auf dem ein junger starker Palästinenser Daoud Nassar ein Begegnungszentrum („Tent of Nations“) aufbaut.
Der Berg ist ein riesengroßes paradiesisch freies Feld mit Blick bis nach Hebron, Ramallah, Thalita Kumi. Von hier konnte man bei guter Sicht die massiven Bombeneinschläge während des Gaza Krieges im Januar 2009 nicht nur hören, sondern in der Ferne auch sehen. Dort hat Daoud Nassar drei Großzelte errichtet, in dem junge Leute leben und wohnen können für 20 US Dollar pro Nacht und Vollverpflegung. Es gibt hier sechs Naturhöhlen, denn die Menschen haben früher in der Gegend von Hebron zumal im Sommer bei der Hitze in kühlen Höhlen gelebt. Es gibt zwei Gebäude, einen Toiletten und Duschtrakt, ein kleines Amphitheater.
Der Berg gehört der Familie des Daoud Nassar seit 1916. Er ist auch bis heute ein Familienunternehmen, die Mutter arbeitet und kocht hier, ein Bruder ist ständig dabei, die anfallenden Arbeiten zu verrichten. Er arbeitet mit dem jungen Leipziger Thomas Just daran, den Untersatz des Daches zu verstärken, auf dem die 14 Solarpanels so angeschraubt werden, dass sie für die nächsten 50 Jahre auf dem Berg Strom bringen. Die Grünhelme haben zwei ganze Jahre gebraucht, hierhin eine 4,6 KW Solaranlage hier heraufzuschaffen.
Das ist hier das C-Gebiet von Palästina/Westbank: Im Oslo Abkommen wurde 1993 die Westbank in die Zone A (palästinensische Kontrolle), B (gemischte Kontrolle) und die größte Zone C aufgeteilt (israelische Kontrolle). C liegt weiter ganz unter israelischer Besatzungsmacht. Die Deutschen können hier nichts direkt hinbringen, selbst wenn uns eine deutsche Firma die Anlage schenken würde. Wir mussten die Anlage von einer israelischen Firma importieren lassen, die zugleich den Willen hat, dass es bei den Palastinensern eine solche Anlage geben soll. Wir fanden sie in der wunderbaren Firma SHIRASOL (deutsch „Gesang der Sonne“), die die Anlage nach Israel importierte und dann sich verpflichtete gegen die Summe von 10 Prozent des Kaufpreises über die Mauer und auf den Berg zu schaffen.
Doch so gut, so friedlich, so Gandhihaft versöhnlich alles auf dem Berg des Projekts „Tent of Nations“ ist, es ist alles gefährdet durch den umgedrehten Baustopp. Nicht Obama, der mächtige US-Präsident setzt sich mit dem Baustopp durch, sondern die Siedler, die die Regierung fest im Griff haben. Es sind mittlerweile 520.000 Siedler, die Israel keine vernünftige Politik mehr machen lassen.
Der Berg ist immer wieder durch Enteignungsabsichten der vier Siedlungen drumherum gefährdet. Daoud Nassar bzw. seine Familie muss dauernd Prozesse führen zur Abwehr solcher Enteignungsgelüste. Über eine Schweizer Organisation bekommt er immer wieder Geld nur für diese Prozesse.
Außerdem: Daoud darf nichts bauen. Von den Berg-Siedlungen wird er aufmerksam beobachtet. Und da der Anti-Obama Baustopp gilt, bekam er eine Aufforderung, sieben Bauten sofort selbst zu zerstören, andernfalls ein Bulldozer angedroht wird, diese Bauten kaputt zu fahren.
Worum es sich handelt? Man kann es kaum glauben: Ein Ziegenstall, die drei Zelte, die auf dem Boden angeschlossen sind, gelten als Bauten, die einbetonierte neue Zisterne, ein Vordach zu dem bereits existierenden Haus, der Dusch- und Toilettentrakt. „Müssen junge Leute nicht irgendwo auf so einem Berg ihre Notdurft verrichten?“ fragt mich Daoud Nassar lachend. Aber er hat weiter Angst, wenn die deutschen GRÜNHELME jetzt die 14 schweren Solar-Panels auf dem Dach in die richtige Richtung zur Sonne bringen, ob er dann nicht auch gleich wieder einen Strafzettel der Besatzungsmacht bekommt, die im Zweifelsfall nicht lange fackelt?
Daoud Nassar, der unverwüstlich weiter als christlicher Palästinenser auf Mahatma Gandhi setzt, möchte gern auf seinem Berg jungen arbeitslosen Palästinensern eine Berufsausbildung geben. Aviva Konforty, die Chefin der Israel Firma Shirasol meint, er solle hier ein großes Recycling Zentrum machen und das wertvolle Metall aus dem Technologie- und Elektronik- Müll herausholen, der hier überall herumliegt. Das könnte der Berg gut verkaufen. Aber, Daoud Nassar muss dafür Lehrwerkstätten bauen dürfen. Wenn er das beantragt, bekommt er es nicht bewilligt. Es sei denn es gibt Druck, Druck auf die Regierung in Israel von einem Partnerland. Daoud Nassar wedelt mit dem Brief aus dem deutschen Kanzleramt.
Der Außenpolitik-Berater der Kanzlerin Dr. Christoph Heusgen hat auf die Einladung zur Eröffnung der Solaranlage auf den Berg an die Bundeskanzlerin in deren Auftrag am 14. April 2009 an Rupert Neudeck geschrieben: „Das Projekt ist beeindruckend und zeigt einmal mehr, wie wichtig zivilgesellschaftliches Engagement in Krisenregionen und dessen breite Unterstützung ist. Wie Sie wissen, liegen der Bundeskanzlerin die Fortschritte des Nahostfriedensprozesses und insbesondere auch bei der Verbesserung der Lebensbedingungen der Palästinenser vor Ort am Herzen.“
Der Berg ist umgeben von vier wachsenden Siedlungen. Jedes Mal, wenn ich mich auf dem Berg aufhalte, sehe ich, wie diese Siedlungen wachsen mit ihrer gewaltigen Beton und Straßenstruktur. Die größte ist auf dem östlichen Berg Betar Illit, die mittlerweile 35.000 Einwohner hat, eine Schlafstadt, denn die Bewohner machen sich morgens auf den Weg zu ihrem Arbeitsplatz in Jerusalem, Tel Aviv, Haifa auf Straßen, auf denen Palästinenser nicht fahren dürfen.
Daneben taucht auf dem nächsten Hügel Alon Shvout auf, daran schließt sich der „illegale illegale“ Außenposten Elizar an. Zur Verwirrung der Weltöffentlichkeit und Obamas unterscheidet Israel „legale“ Siedlungen und „illegale“ Outposts. Natürlich sind alle illegal. Im Süden dann noch die ebenfalls schnell wachsende Siedlung Newe Daniel.
Es kam jüngst einmal eine Israelische Siedlerin von New Daniel auf den Berg, sie ganz verwirrt war, weil sie über ihre palästinensischen Nachbarn nichts wusste. Sie wusste auch nicht, dass diese Nachbarn eine extreme Wasserknappheit haben. Und dabei, so erzählte sie, hätten ganz viele Häuser in New Daniel eigene Swimming Pools mit Wasser. Kurz, sie war umso mehr verwirrt, als ihr die Bewohner des Berges ganz freundlich entgegenkamen.
Um diesen Berg noch weiter in seiner segensreichen Existenz für die jungen Palästinenser zu verstärken, muss der Druck erhöht werden. Die Solaranlage wird noch in diesem Juli fertiggestellt und wird Licht in alle Höhlen bringen, auf alle Plätze, in die Zelte, auch in die Küche (Frigidaire) und wird Licht auch die Kapellenhöhle bringen. Daoud denkt daran, hierher mal einen deutschen Bischof einzuladen, der im August September das Solar und Sonnenzeitalter in Palästina feiert und begeht.
Auf diesem Berg haben alle einen Platz und sind alle willkommen, neben drei Ziwis, der Japanerin Megumi Miyata, dem Deutschen Lars, der jungen Studentin aus Schottland Ruth Cape, arbeiten an Wochenenden auch der israelische Architekt Sharon Havel und der Bauingenieur Alon Rosenberg an einer wunderschönen Trockentoilette, auch um Wasserverbrauch auf dem Berg zu senken. Als ich jüngst dort auf dem Berg war, besuchten uns die beiden Chefs der Israelischen Firma SHIRASOL, Avia Konforty und ihr Mann Nissim. Sie waren von den großen Bemühungen der Initiatoren begeistert. Und sie waren zu Tränen gerührt als wir ihnen den Wappenspruch für dieses Zentrum zeigten, das auf einem Stein in Englisch und deutsch eingraviert ist: „WE REFUSE TO BE ENNEMIES.” - „Wir lehnen es ab, Feinde zu sein.“
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