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:: Die Bundeswehr in Afghanistan

Ein Gastkommentar von Rupert Neudeck.
1. Wenn die Bundes wehr in Afghanistan gute Arbeit leisten will und soll, müssen die Soldaten als bewaffnete DEUTSCHE erkennbar sein. Nicht als Soldaten, die zufällig nicht amerikanisch, sondern deutsch sind.
 
2. Das Multilaterale gewinnt seine Stärke, indem es sich an bestimmten Orten und Ländern von mono-lateralen Kräften vertreten lässt. Da die Deutschen sehr beliebt sind in Afghanistan, ist das Nationale eher zu benutzen als durch das Multilaterale einzudämmen.
 
3. Eine Bundeswehr, die sich in Kabul, Kunduz Fayzabad, Mazar i Sharif einigeln und einmauern muss, ist auf Dauer für die afghanische Zivilbevölkerung gemeingefährlich. Sie verschwimmt und wird verwechselt mit amerikanischen GI’s und anderen. Als hilfreicher Soldat und als deutscher Freund kann man sich gegenüber den Afghanen nur beweisen, in dem man die anderen und den anderen anschaut.
 
4. Der Wohlstand der Soldaten muss in einem Verhältnis zur Armut und Kärglichkeit des Landes stehen. Will sagen: Das Ausspreizen des Lebensstandards (Stichwort: „Leberkäse für Kabul“, Wasser, Tomaten aus Deutschland) auf die Verhältnisse in der Bundesrepublik Deutschland (1:1), ist auf Dauer unmoralisch und kontraproduktiv. Abgesehen davon ist es für den Steuerzahler ein Skandal ist, dass immer noch Wasser in die Operationsgebiete der Bundeswehr hineingeflogen wird.
 
5. Der Aufbau der afghanischen Armee und Polizei könnte nach dem deutschen Vorbild als eine Mischrekrutierung sich ergeben: Die Rekruten, die man zieht, können bei der Armee gleichzeitig auch einen Beruf lernen.
 
6. Die afghanische Polizei ist trotz ihrer zahlenmäßigen Stärke (landesweit ca. 65.000 Polizisten) in einem saumäßigen Zustand. Sie gilt bei weiten teilen der Bevölkerung als die modernen Räuber ohne Uniform. Geflügeltes Wort unter den Afghanen: „Früher hatten wir ordinäre Räuber. Heute haben wir Räuber in Uniform!“ Die Ausbildung und das Erziehen zu der wichtigsten Aufgabe, die das Land zu vergeben hat, muss die Regierung machen. Die Hilfestellungen von Seiten ausländischer Ausbilder sind nur begrenzt tauglich. Zumal dann nicht, wenn – wie man in Herat erleben konnte – deutsche Polizeiausbilder Vorlesungen in „deutschem Verkehrsrecht“ (!!)  halten.
 
7. Die zivilen NGOs dürfen nicht bewaffnet geschützt werden. Das ist gegen das Grundgesetz aller humanitären Arbeit, das in der Roten Kreuz-Konvention niedergelegt wurde. In Somalia wurde dagegen schon einmal gesündigt, sogar vom IKRK. Es scheint, dass daraus ein Kavaliersdelikt wird. Die Bundeswehr soll deutsche NGOs schützen. Dieses Junktim und diese Allianz muss aufgelöst werden. NGOs arbeiten ohne Bewaffnung und ohne bewaffneten Schutz. Oder sie hören an den Plätzen, wo es zu gefährlich ist, mit der Arbeit auf. Tertium non datur.
 
8. Bundeswehrschutz beinhaltet zugleich eine enorme Erhöhung von Bequemlichkeit und Lebensstandard. Die deutschen NGOs und GOs die in Kabul arbeiten, können sich im Camp Warehouse auch mit Bier eindecken.
 
9. Afghanistan wird nur zurückgewonnen, wenn der Schwerpunkt wieder auf der zivilen Zusammenarbeit liegt, zumal im ländlichen Raum. Das Aufgeben der einzigen zivilen Außenstelle der Deutschen Botschaft in Herat war unter diesen Gesichtspunkten ein verheerendes Signal.
 
10. Es wäre eine neue Kraftanstrengung zu begrüßten, wenn die deutschen Bundesländer sich zu einer Partnerschaft für je eine geeignete afghanische Provinz entschliessen könnten. Und zwar nach dem Modell Rheinland-Pfalz/Ruanda: Ein Haus in der Mitte der Provinz ist die Clearingstelle des Bundeslandes, die beratend und helfend für alle kleinen und Kleinst-Initiativen bereitsteht.
 
11. Bundesabgeordnete und Journalisten sollten mal andere Landesteile mit den normalen Airlines im Lande oder anderen Verkehrsbordmitteln besuchen. Der größte Wiederaufbau, den das Land noch nicht erlebt hat wäre der Wiederaufbau und das upgrading der großen Flughäfen: Kabul, Herat, Mazar, Fayzabad. Damit die Anbindung an die Welt ein bisschen einfacher wird. Kaum jemand hat etwas anderes als die Stützpunkte der Bundeswehr gesehen (Ausnahmen: Kasparick, Ulrich, MdB-SPD, Staatssekretär im Verkehrsministerium, Arnold Vaatz und Wolf Bauer, beide MdB CDU) 
 
12. Die Bundeswehr hat eine zu gute Pressestelle, die sogar mit einer eigenen Airlines ausgerüstet ist, mit der alle Journalisten nach Kabul auf bequemem Wege und fast ohne jede Bezahlung zu unseren Jungs (und den wenigen Mädels) in den Bundeswehr-Ghettos geflogen werden. Für die Bundeswehr werden die Ghettos mal ein wenig gelüftet, aber nur für die Journalisten, nicht für die Afghanen.
 
13. Alles wird sich entscheiden daran, ob das Land eine zukunftsträchtige Industrie bekommt. Selbst Mercedes könnte man sich in diesem analphabetischen Volk vorstellen, so fleißig, geschickt und lernbegierig wirken sie, die Afghanen.
Quelle:
Rupert Neudeck 2006
Grünhelme e.V.
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