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:: Die Top 10 der vernachlässigten Themen 2006
Die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) stellte soeben in Bonn die Top 10 der vernachlässigten Themen des Jahres 2006 vor und forderte Journalisten auf, die vergessenen und verdrängten Themen bekannt zu machen.
Auf Platz 1 wählte die mit Wissenschaftlern und Journalisten besetzte Jury das Thema „Fehlende Therapieplätze für Medikamentenabhängige“. In der Regel wird nur über Therapien für Abhängige von Alkohol oder den so genannten harten Drogen berichtet. Gleichwohl sind in Deutschland schätzungsweise 1,4 Millionen Menschen medikamentabhängig.
Das Thema „Über eine Million politische Gefangene in China – unmenschliche Haftbedingungen und Organhandel?“ belegt Platz 2 der Rangliste. So ist es zwar weithin bekannt, dass es in China zu Menschenrechtsverletzungen kommt. Kaum bekannt ist allerdings das Ausmaß: Die Zahl der politischen Gefangenen in China liegt nach Schätzungen der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte deutlich über einer Million – eine Zahl, die von Wirtschaftsmeldungen oder der Vorfreude auf die olympischen Spiele 2008 in Peking verdrängt wird. Zudem nehmen Hinweise zu, dass Hingerichteten die Organe entnommen werden, um sie anschließend zu verkaufen.
Aus dem Bereich der Computertechnologie kommt das Thema auf Platz 3: „Stromfresser Internet“. Während Energiesparen zu Hause längst populär geworden ist, ist dies in vielen Rechenzentren kaum ein Thema: Riesige Serverfarmen sind Tag und Nacht in Betrieb und verbrauchen dabei enorme Mengen an Strom. Bereits im Jahre 2010 werden dafür – wenn die Energieeffizienz nicht steigt – voraussichtlich drei Atomkraftwerke laufen müssen.
Zu den weiteren Themen gehören Biowaffen aus dem Internet, der schwere Stand von Whistleblowern in Deutschland, das vergessene Volk der Sahrauis, die umstrittene Politikberatung im Fall des Raketen-Abwehrsystems MEADS, die vertagte Diskussion der EU-Agrarsubventionen, die subversiven Aktionen der US-amerikanischen Öl-Industrie gegen die Klimaschutzpolitik sowie pauschale Bonitätsprüfungen.
Auch in diesem Jahr konnte die INA mit einer namhaften Jury aufwarten. Neu an Bord: die Fernsehjournalistin Sonia Mikich (Monitor, die story), der Kölner Journalist Günter Wallraff sowie die Journalisten und Buchautoren Toralf Staud und Hersch Fischler.
Das Thema „Über eine Million politische Gefangene in China – unmenschliche Haftbedingungen und Organhandel?“ belegt Platz 2 der Rangliste. So ist es zwar weithin bekannt, dass es in China zu Menschenrechtsverletzungen kommt. Kaum bekannt ist allerdings das Ausmaß: Die Zahl der politischen Gefangenen in China liegt nach Schätzungen der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte deutlich über einer Million – eine Zahl, die von Wirtschaftsmeldungen oder der Vorfreude auf die olympischen Spiele 2008 in Peking verdrängt wird. Zudem nehmen Hinweise zu, dass Hingerichteten die Organe entnommen werden, um sie anschließend zu verkaufen.
Aus dem Bereich der Computertechnologie kommt das Thema auf Platz 3: „Stromfresser Internet“. Während Energiesparen zu Hause längst populär geworden ist, ist dies in vielen Rechenzentren kaum ein Thema: Riesige Serverfarmen sind Tag und Nacht in Betrieb und verbrauchen dabei enorme Mengen an Strom. Bereits im Jahre 2010 werden dafür – wenn die Energieeffizienz nicht steigt – voraussichtlich drei Atomkraftwerke laufen müssen.
Zu den weiteren Themen gehören Biowaffen aus dem Internet, der schwere Stand von Whistleblowern in Deutschland, das vergessene Volk der Sahrauis, die umstrittene Politikberatung im Fall des Raketen-Abwehrsystems MEADS, die vertagte Diskussion der EU-Agrarsubventionen, die subversiven Aktionen der US-amerikanischen Öl-Industrie gegen die Klimaschutzpolitik sowie pauschale Bonitätsprüfungen.
Auch in diesem Jahr konnte die INA mit einer namhaften Jury aufwarten. Neu an Bord: die Fernsehjournalistin Sonia Mikich (Monitor, die story), der Kölner Journalist Günter Wallraff sowie die Journalisten und Buchautoren Toralf Staud und Hersch Fischler.
Die Top 10 der vernachlässigten Themen 2006:
Platz 1: Fehlende Therapieplätze für Medikamentenabhängige
1,4 Millionen Menschen in Deutschland sind von Medikamenten abhängig. Therapieplätze gibt es jedoch nur für die rund 1,7 Millionen Alkoholkranken und die knapp 300.000 Menschen, die von illegalen Drogen abhängig sind. Auch sind die Therapieangebote nicht auf die Bedürfnisse der von psychotropen Medikamenten Abhängigen zugeschnitten: Sie werden meist im Alkoholentzug therapiert, der nicht auf ihre besonderen Probleme ausgerichtet ist. Obwohl der Suchtbericht 2006 der Bundesregierung die Versäumnisse benennt, fehlen in der Berichterstattung Hinweise auf das völlig unzureichende Angebot an Therapieplätzen und die möglichen Ursachen dafür.
Platz 2: Über eine Million politische Gefangene in China – unmenschliche Haftbedingungen und Organhandel?
Dass es Menschenrechtsverletzungen in China gibt, ist in der Öffentlichkeit bekannt. Kaum bekannt ist das Ausmaß: Die Zahl der politischen Gefangenen in China liegt nach Schätzungen der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte deutlich über einer Million – eine Zahl, die von Wirtschaftsmeldungen oder der Vorfreude auf die olympischen Spiele 2008 in Peking verdrängt wird. Zunehmend gelangen Berichte in den Westen, dass Proteste blutig unterdrückt werden sollen. Auch nehmen Meldungen zu, nach denen Hingerichteten die Organe entnommen und diese dann verkauft worden sein sollen. Die chinesische Pressezensur hat bislang notwendige weitere Recherchen massiv erschwert.
Platz 3: Stromfresser Internet
Klick für Klick, Mail für Mail verbraucht das Internet gewaltige Mengen Strom. Bereits im Jahre 2010 werden dafür – wenn die Energieeffizienz nicht steigt, voraussichtlich drei Atomkraftwerke laufen müssen. Während Energiesparen zu Hause längst populär geworden ist, ist dies in vielen Rechenzentren kaum ein Thema. Verbraucher machen keinen Druck für energiesparende Serverfarmen, weil deutsche Medien darüber kaum berichten.
Platz 4: Biowaffen aus dem Internet
Gefährliche Krankheitserreger lassen sich aus frei über das Internet erhältlichen Gen-Sequenzen zusammensetzen. Dieser Versandhandel unterliegt keiner wirkungsvollen Überwachung. Terroristische Organisationen mit entsprechender Kenntnis und Ausrüstung könnten so zum Beispiel in den Besitz des Pocken-Virus gelangen, gegen den es keinen ausreichenden Impfschutz mehr gibt. Eine internationale Biologen-Konferenz hat bereits im Mai 2006 vor der Gefahr eines Missbrauchs gewarnt. Die Berichterstattung über dieses Thema ist im Vergleich zu seiner Brisanz gering.
Platz 5:Â Wenn Insider Alarm schlagen - Whistleblower haben in Deutschland einen schweren Stand
Von Korruption bis zum Gammelfleisch: Missstände in Unternehmen werden oft erst dadurch bekannt, dass Mitarbeiter sich an die Öffentlichkeit wenden. Im internationalen Vergleich haben es so genannte Whistleblower in Deutschland jedoch schwer. Sie werden nicht nur als Denunzianten hingestellt, sondern haben auch – anders als etwa in den USA oder in Großbritannien - keinen besonderen Rechtsschutz. Medien berichten vereinzelt über firmeninterne Maßnahmen wie Korruptions-Hotlines, nicht aber über die prekäre Rechtslage.
Platz 6: Keine Zukunft für die Sahrauis
Die Sahrauis leben seit mehr als dreißig Jahren in Flüchtlingslagern in der Westsahara. Marokko blockiert jede Bemühung, den Konflikt mit der Befreiungsbewegung Polisario öffentlich werden zu lassen. Die UNO versucht vergeblich die Konflikt-Parteien zu einer Lösung zu führen. Hilfsorganisationen wie Medico International ziehen sich zurück. Das Schicksal der Sahrauis stand 2002 stellvertretend für vergessene Kriege an der Spitze der vernachlässigten Themen der Initiative Nachrichtenaufklärung. Heute können die Sahrauis als das vergessene Volk bezeichnet werden.
Platz 7: MEADS: Auf welche Berater verließ sich die Bundesregierung?
Laut einem WDR-Fernsehbeitrag hat die rot-grüne Regierung vor ihrer Entscheidung, das umstrittene Raketen-Abwehrsystem MEADS mitzufinanzieren, drei Politikberater konsultiert, die Verbindungen zum beteiligten EADS-Konzern hatten. Die anteiligen Entwicklungskosten für MEADS belaufen sich für Deutschland auf voraussichtlich eine Milliarde Euro. 2008 steht die Entscheidung über die Beschaffung an. Die Verbindungen wurden nur in einem Bericht des WDR-Magazins Monitor aufgedeckt. Eine weiter gehende Berichterstattung, eine Überprüfung der vorgelegten Analysen oder eine breite öffentliche Diskussion über die Notwendigkeit des Rüstungsprojekts stehen aus.
Platz 8: Agrarsubventionen: EU verhindert rechtzeitige öffentliche Debatte
Obwohl im Herbst letzten Jahres die Offenlegung aller Informationen über EU-Agrarsubventionen auf europäischer Ebene für 2007 beschlossen wurde, werden der deutschen Öffentlichkeit Informationen über Agrarsubventionen weiterhin vorenthalten. Von den Medien weitgehend unbemerkt, hat die EU auf Druck einiger Mitgliedsstaaten mittlerweile die Pflicht zur Veröffentlichung der Agrarbeihilfen auf das Jahr 2009 verschoben, obwohl im Jahr 2008 eine Neuverhandlung des EU-Haushalts und der Agrarsubventionen geplant ist. Offenbar möchte man verhindern, dass Informationen bereits vor der Neuaushandlung des EU-Agrarhaushalts ans Licht kommen.
Platz 9: Öl-Konzern hintertreibt Klimaschutzpolitik
Exxon Mobil betreibt intensive Lobbyarbeit in Brüssel und in Deutschland, um eine Lockerung der Klimaschutzprotokolle zu erreichen. Deutsche Medien haben darüber kaum berichtet.
Platz 10: Pauschale Bonitätsprüfung
Kreditinstitute bewerten Kunden zunehmend mit undurchsichtigen Scoring-Verfahren. Pauschale Kriterien wie die Wohngegend und das Alter bestimmen mit über die Kreditwürdigkeit eines Kunden. Dabei bleibt die tatsächliche Zahlungsfähigkeit des Kunden unberücksichtigt. Diese Praxis ist dem Publikum kaum bekannt, da Medien darüber wenig berichten.
Quelle:
Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) 2007
Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) 2007
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