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:: Ein viertes Dorf für die GRÜNHELME in Pakistan

Pakistan neun Monate nach der Jahrhundertflut, die im September 2010 wahrscheinlich nicht nur hunderttausende, wahrscheinlich über zwei Millionen Menschen aus Ihren Dörfern vertrieb. Heute im April 2011 sind die meisten, nicht alle Menschen in Ihre Dörfer zurück gekehrt, nachdem sich die Flut seit Ende Oktober langsam aber sicher verzog. Es sind viele Menschen aus den ländlichen Gebieten in den Vororten der Großstädte hängengeblieben, da sie sich davon eine Besserung ihrer Lebensverhältnisse erwarten.

Die Menschen im ländlichen Bereich habe bisher nichts von der Unabhängigkeit, nichts von irgendeiner der Regierungen Pakistans gehabt. Sie leben auch wie in den Romanen über das Mittelalter in Europa. Es sind dienstbare abhängige Leibeigene, für die das Wort Bürger Pakistans nur bedingt gilt. Sie müssen ihren Landlords eine ganze Menge, die Hälfte des Ertrags des Bodens abliefern. Um aus dieser wirtschaftlichen Enge herauszukommen, war es für viele eine gute Gelegenheit, die Flucht dazu zu nutzen, in der säkularen und egalitären Hauptstadt zubleiben.

 

Das Land hat durch die Flut viel gelernt. Die klarste Botschaft für die Opfer der Flut war: Wir können von der eigenen Regierung nichts erwarten. Alles was an Wiederaufbau der Dörfer und Wohnungen für die Flutopfer geschah, geschah nicht von der pakistanischen Regierung – die war eher verschwunden, als die Katastrophe sich auswuchs. Die Internationale Gemeinschaft, die Nicht-Regierungenorganisationen waren zuständig dafür, dass die Menschen wieder Nahrung und auch ein Dach über den Kopf bekamen.

 

Die Grünhelme waren seit dem September 2010 unterwegs im Lande,  im Süden in der Provinz Sindh. Wir hatten uns entschlossen, unter dem Dach unserer Partnerorganisation zu arbeiten, der „Marie Adelaide Leprosy Centre Organisation“ der erfahrenen (seit 50 Jahren hier arbeitenden) deutschen Ärztin Dr. Ruth Pfau, der es schon vor 20 Jahren gelungen ist, die Lepra in Pakistan auszurotten.

Wir sind sofort an den Aufbau von Dächern und Häusern gegangen. In dem Dorf Skikane Ali Khoso finden wir an, setzten die Arbeit in dem Dorf Perat Jaal fort, um dann nach  Darya Khan   zu gehen.

 

Jetzt am 8. April zogen die Grünhelme noch einmal um in ein größeres Dorf, das von der Flut wie gestern geschlagen und zertrümmert wirkt. Es heißt Gula Mustafa Jarwar, hat 237 Familien und geschätzt eine Bevölkerung von mehr als 1500 Menschen. Dort versuchen wir in den nächsten drei Monaten noch 40 bis 50 Häuser (wieder zum Preis von ca. 1000.- Euro!) zu bauen, um diesem Ort wieder eine Struktur zu geben.

 

Die Lage der Schulbildung in ganz Pakistan ist beklagenswert. Es gibt keine Schulpflicht, was dazu führt, dass der Staat sich aus einer der vornehmsten Aufgaben eines Staates zurückgezogen hat: der Erziehung und Schulbildung.

 

Die Folge: Pakistan liegt in diesem Fall hinter Afrikanischen Ländern weit zurück. Dort in Afrika erleben wir, dass Eltern ihre Kinder über eine Stunde hin und zurücklaufen lassen, nur weil ihnen bewusst ist, dass Schulbildung die einzige Kredit für die Zukunft der Kinder ist. Auch in Afghanistan, wo die Grünhelme über 30 Schulen in der Provinz Herat gebaut haben, ist das der Fall. In Pakistan sagt mir in Shikane Ali Khoso, für seine Kinder sei es viel zu weit zur Schule, denn dann müssten die zweimal 20 Minuten laufen.

 

Die Organisationen wuseln im Land herum, viele UN-Organisationen geben wie gehabt wieder viel zu lange Nahrungsmittelhilfe. Andere Organisationen haben sich spezialisiert. IRC, International Rescue Committee hat ein Budget für Toiletten bekommen und baut überall in den Dörfern Toiletten.

 

Wir haben uns auf diese vier Dörfer konzentriert. Es ist schön zu sehen, wie diese fleißigen Bauern sich jetzt wieder auf die Felder begeben, um die erste große Weizenernte einzufahren. Danach werden sie Reis einsäen und im Juni Juli August, die erst große Reisernte bekommen.

 

Wir sind dankbar für die Spende von mehreren Rotary Clubs aus dem Westerwald (Wissen/Sieg), in Höhe von 10.000 Euro. So konnten wir hier wieder zehn Häuser mehr planen.

 

Die Bevölkerung hätte schon lange eine bessere Regierung verdient, die die sozialen Verhältnisse einigermaßen erträglich macht, zwischen Stadt und Land, zwischen Arm und Reich, zwischen Eliten und Kasten. So muss man Sorgen haben, dass da noch Rattenfänger kommen. Die die Unfähigkeit der Regierung und die mangelnde Fürsorge des Staates durch ihre Art der Fürsorge beheben, die wir schon aus den Ländern der Hamas und der Hisbollah kennengelernt haben.

 

So etwas kann Pakistan blühen, wo jüngst der säkulare Gouverneur der Provinz Punjab Salman Taseer  auf offener Straße von seiner eigenen Leibgarde nur deshalb erschossen wurde, weil er sich dem Blasphemiegesetz nicht beugen wollte, das sich extrem gegen die Christen in Pakistan wendet und sie mit der Todesstrafe bedroht. Das letzte prominente Opfer war der Minister für Religionsfragen, Shabaz Bhatti, der einzige Christ in der Regierung des Landes, der ebenfalls wegen seiner Ablehnung des religiösen Extremismus ermordet wurde.

 

Das Land Pakistan hat seit 1947 seine Tradition, ein multiethnisches und multireligiöses zu sein. Nur als solches wird es eine blühende Zukunft haben.

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