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:: Freiburger Planetariums-Direktor über seine Ausstellung zum Klimawandel
Ich hatte in der Vergangenheit immer das Gefühl, dass bei der ganzen Klimadiskussion noch was fehlte, bis ich vergangenes Jahr darauf kam: Um zu verstehen, was aktuell mit dem Klima geschieht, muss man wissen, welche Klimaveränderungen während der 4,6 Milliarden Jahre langen Erdgeschichte schon vorgekommen sind. Ein Bericht von Otto Wöhrbach.
Auffallend dabei war aber meiner Wahrnehmung nach immer, dass kaum Aussagen oder Forschungsergebnisse zu finden waren, wann sich das Klima eigentlich tatsächlich verändert hat, wodurch, wie schnell und wie stark. Folgerichtig herrscht deshalb auch ein vollständiges Kuddelmuddel bezüglich der verwendeten Bezeichnungen; Warmzeit, Kaltzeit, Eiszeit, Heißzeit, Interglaziale usw. usw..
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Deshalb machte ich mich daran, das alles nun einmal in einem stimmigen Gesamtbild zu beschreiben. Und da stieß ich auf eine große Überraschung: Ich habe keine Gesamtdarstellung der Klimageschichte der Erde gefunden. Ich musste mir also aus vielen verschiedensten Quellen diese Klimageschichte selber zusammen basteln und lernte dabei selber viel Neues über die Erdgeschichte, vor allem Geologie und Klimatologie. Und leider schälte sich dabei ein erschütterndes Fazit heraus, das ich so auch noch nirgendwo in dieser Form gehört oder gelesen hatte: Seit drei Millionen Jahren leben wir in einer generellen Eiszeit.
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Innerhalb dieser Eiszeit traten in regelmäßigen Abschnitten, vermutlich wegen Schwankungen der Erdbahn, immer wieder wärmere Phasen auf, die letzte davon seit rund 12.000 Jahren. Vor der jetzigen Eiszeit gab es eine mindestens 150 Millionen Jahre lange Heißzeit, in der die Erde ein eisfreier Tropenplanet war. Und vor etwa 400 Millionen Jahren gab es ebenfalls eine solche lang anhaltende Heißzeit.
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Diese beiden Heißzeiten gingen vor allem deshalb jeweils zu Ende, weil das zugehörige Kohlendioxid im Erdboden verschwand, nämlich bei der Bildung der Kohle, Erdöl- und Erdgaslager. Und nun holen wir also dieses Kohlendioxid und die mit ihm verbundene Wärmespeicherung wieder aus dem Boden. Das heißt, mit der Verbrennung der fossilen Brennstoffe bewirken wir nicht ähnliche kleine Klimaschwankungen, wie sie während der Eiszeit der vergangenen 3 Millionen Jahre auftraten. Sondern wir holen die beiden davor liegenden Heißzeiten wieder aus dem Boden.
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Auch die Zahlen unterstützen diese These
Kohlendioxidschwankungen während der vergangenen 3 Millionen Jahre zwischen 180 ppm (Kaltphasen) und 280 ppm (Warmphasen), aber immer innerhalb einer Eiszeit mit größeren von Eis und Schnee bedeckten Flächen. Aktueller Wert bekanntlich 383 ppm, das heißt also, dass wir wirklich auf dem Weg sind aus der heutigen Eiszeit heraus zurück in die nächste Heißzeit der Erde. Nur dass das halt dieses Mal mindestens 15 000 Mal schneller geht als während der natürlichen Wechsel von Eiszeiten zu Heißzeiten davor.
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Und wenn erst einmal Rückkopplungseffekte eintreten, noch schneller. Wie schnell ein Übergang von einer Eiszeit in eine Heißzeit gehen kann, zeigt ein solcher Wechsel vor rund 600 Millionen Jahren: Damals war die Erde vor allem aus geologischen Gründen ein Eisplanet, der zum großen Teil, vielleicht sogar vollständig von Eis und Schnee bedeckt war.
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Nachdem aber Kohlendioxid aus Vulkanschlünden die nächste Erwärmung erst einmal eingeleitet hatten, ging selbst nach menschlichen Maßstäben alles schlagartig. Verschiedene Rückkopplungseffekte (die dieses Mal vermutlich früher oder später auch wieder einsetzen dürften) verwandelten den Schneeball Erde innerhalb weniger Jahrhunderte wieder in einen Tropenplaneten, der vollständig eisfrei war.
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