Eine Welt
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Artikel 254 von 364
:: Freiwillige Nullrunden für die Zehntausend Reichsten in der Welt
Allenthalben besteht Einigkeit darüber, dass im Rahmen der Globalisierung im weitesten Sinne die Entfernung vernichtet, also die Welt stetig kleiner wird. Man kann inzwischen schon von uneingeschränkter Nachbarschaft aller Erdenbewohner sprechen. Gastkommentar von Huschmand Sabet.
Obschon aufgrund der Errungenschaften der Wissenschaft und Technik die Prosperität in der Welt zunimmt, sterben weltweit Tag für Tag 100 000 Kinder, Frauen und Männer an Unterernährung, mangelnder Hygiene und den Begleiterscheinungen der Armut . Seriöse Berechnungen seitens der Vereinten Nationen, der Weltgesundheitsorganisation, der Globaler Marshallplan Initiative u.a. beziffern die erforderlichen Mittel zur Abhilfe mit einer Billion Dollar.
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Bei der großen Zahl der an Armut leidenden Menschen und ihrer dramatischen Schicksale sind wohl alle übrigen Bürger der Welt im höchsten Maße gefordert. Im folgenden werden kurz die Personenkreise und Institutionen, die Abhilfe schaffen könnten, mit Bezug auf die Größenordnung ihrer Möglichkeiten zur Sprache gebracht.
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Über 80 % der Menschheit führt alles in allem ein relativ kümmerliches Dasein mit weniger als vier Dollar pro Tag zum Leben. Die Beiträge dieser Gruppe bei der angesprochenen erforderlichen Größenordnung zur Armutsbeseitigung sind praktisch vernachlässigbar.
Der Weltmittelstand, im Wesentlichen aus den Bewohnern der nördlichen Hemisphäre bestehend, bemüht sich auf vielfältigste Art um die Problembewältigung. Über die Hilfswerke, (Nicht – Regierungsorganisationen mit mehr als 5000 an Zahl)werden monetäre und praktische Hilfe vor Ort organisiert und geleistet. Dies gilt auch für eine Vielzahl an Privatinitiativen, sowie Stiftungen aller Art. Wenn man aber die Summen zusammenrechnet, stellt sich das Endergebnis wie ein Tropfen auf den heißen Stein dar. Beispielsweise ist die erforderliche eine Billion Dollar achttausendmal so viel wie das Gesamtbudget der drei bedeutendsten Hilfswerke in Deutschland zusammen. Terre des Hommes ( humanistisch ) Brot für die Welt ( evangelisch ), Misereor (katholisch).
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Eine Vielzahl der Menschen erhofft sich von den Vereinten Nationen und ihren Unterabteilungen Abhilfe bei der Armutsbekämpfung. Leider nehmen sich auch hier die Größenordnungen äußerst bescheiden aus. Die UNO mit ihrem Jahresbudget von knapp zwei Milliarden Dollar hat Hunderte Arten von dringenden Aufgaben zu bewältigen. Selbst wenn das Gesamtbudget der Armutsbekämpfung gewidmet würde, stellte es lediglich zwei Promille des Erforderlichen dar.
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Auch die Erwartung, dass die bestehenden Entwicklungshilfen der Staaten das Potenzial haben, die weltweite Armut zu beseitigen, hat sich in den letzten Jahrzehnten als Trugschluss erwiesen. Als Beispiel kann die jährliche Entwicklungshilfe Deutschlands mit drei Milliarden Dollar dienen, die lediglich drei Promille der benötigten Summe abdeckt. Zusätzlich muss berücksichtigt werden, dass die Entwicklungshilfe nicht allein auf Armutsbekämpfung fokussiert ist. Sie soll insbesondere im Rahmen der technischen Zusammenarbeit die Gesamtentwicklung des Nehmerlandes fördern. Erwähnenswert ist auch, dass inzwischen Arbeitslosigkeit und relative Armut ständig in den reichen Ländern zunehmen, sodass auch die gutwilligsten Politiker die wachsenden inländischen Bedürfnisse zugunsten der Armutsbekämpfung in der Dritten Welt nicht vernachlässigen können.
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Selbst die religiösen Institutionen, beispielsweise die Kirchen, die in Wort und Tat um Abhilfe bemüht sind, haben bei sinkenden eigenen Einnahmen einerseits und zunehmendem Bedarf an Mittel für den Schutz des religiösen und kulturellen Erbes andererseits, kaum Spielräume, um die benötigten Mittel in entsprechender Größenordnung bereitzustellen.
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Ein ganz anderes Bild ergibt sich allerdings, wenn wir das Vermögen und seine Mehrung weltweit bei den Obersten Zehntausend ins Visier nehmen. Diese haben jeweils im Durchschnitt hundert Millionen Dollar an jährlichem Vermögenszuwachs zu verzeichnen. Dieses steigert sich in Extremfällen sogar über das Einhundertachtzigfache von den durchschnittlichen einhundert Millionen Dollar: Also, auf über achtzehn Milliarden Dollar. Würde diese Gruppe unter Beibehaltung der gesamten Vermögenssubstanz auf einen Zuwachs verzichten, so könnten die gesamten benötigten Mittel von einer Billion Dollar in einem einzigen Jahr aufgebracht werden.
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Der häufige Einwand, bei den armen Ländern handele es sich um ein Fass ohne Boden, sodass jegliche Hilfe vergeblich sei, berücksichtigt die Tatsache nicht, dass seit Jahrzehnten und auch heute noch, die reichen an die armen Länder, mit einer Hand eins gegeben und mit der anderen das Mehrfache genommen haben. Einem Schuldenerlass von drei Milliarden Dollar beispielsweise, den man den ärmsten Ländern neulich zugestanden hat, steht die Schuld des Nordens von über fünfzig Billionen Dollar, also deren 17.000fache gegenüber. ( Vergleiche hierzu die Daten aus dem Buch „ Die Schuld des Nordens“ von Hafez Sabet)
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Dort, wo die Freiheit des Handels dem Norden nutzt, wird sie als Ideologie hoch gelobt und gar erzwungen. Wo aber die Dritte Welt Chancen besitzt, beispielsweise im Agrar-Bereich, verteidigt der Norden mit Zähnen und Krallen ihre „ legitimen nationalen Interessen“ .Im Ergebnis wurden , wie die neutralen Beobachter feststellen mussten, bei fast allen internationalen Gesprächsrunden die Delegierten des Südens über den Tisch gezogen. Auch das Verhalten der Warlords und die extrem korrupten Verhältnisse in der Dritten Welt sind zu einem guten Teil Resultat eines totalen Wirtschaftskrieges, der mit der Kolonisierung und im Gefolge mit der Sprachlosigkeit dieser Völker begann und bis heute, weicher im Ton, aber genauso hart in der Sache, andauert. In unseren Tagen beispielsweise durch Erwerb der Ressourcen und Produkte dieser armen Länder seitens Industriestaaten fast zum Nulltarif.
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Wenn nun eine Stunde Arbeit im Norden gegen hundert bis zweitausend Stunden im Süden getauscht werden, dann kann doch wohl kaum von einem fairen internationalen Wettbewerb gesprochen werden.
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Es gibt weltweit gute Ansätze mit großem Potenzial zur Armutsbekämpfung. Zu ihnen gehören Tobin-Steuer, eine Abgabe auf alle internationalen Finanztransaktionen oder Terra – Abgabe auf alle Exporte der armen Länder, wie Kaffee, Bananen und Textilien, die in der Form der Hilfe zur Selbsthilfe in die armen Länder zurückfließen sollen.
Der Vorteil der freiwilligen Nullrunde der Superreichen besteht darin, dass zu ihrer Verwirklichung im weitesten Sinne kaum ein Staat benötigt wird. Ein Weltstaat, der Terra- und Tobin -Abgabe verabschieden und durchsetzen könnte, existiert noch nicht. Die bestehenden Staaten, aus welchen Gründen auch immer, scheuen sich, irgendwelche heiße Eisen anzupacken. Diese Erfahrung hat der Verfasser in den neunziger Jahren in Bezug auf Terra-Abgabe, sowohl mit nationalen, aber auch europäischen Gremien, in Brüssel machen müssen. Obwohl die Teppichbranche bereit war, im Rahmen von Care & Fair die Last der zweiprozentigen Terra Abgabe zwecks Beseitigung der Armut und Kinderarbeit in den Knüpfländern zu tragen, konnte ein entsprechender Beschluss weder national noch kontinental bewirkt werden.
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Bei der freiwilligen Nullrunde haben die Superreichen selbst weit größere Gestaltungsmöglichkeiten, mit entsprechendem ihnen zur Verfügung stehendem Intelligenz - und Logistik – Potenzial,  die Aufgabe der Armutsbekämpfung in die Hand zu nehmen. Für einen Laien ist die Größenordnung der wirtschaftlichen Macht und die sie begleitende Kompetenz der Superreichen zur Bündelung der Kräfte, um das gewünschte Ziel zu erreichen, kaum vorstellbar.
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Mancher wird dem Verfasser im Zusammenhang mit der freiwilligen Nullrunde der Superreichen vorwerfen, mit naiven Moralvorstellungen eine Rechnung ohne den Wirt zu machen. Diese Argumentation ist nicht stichhaltig. Wir dürfen keinesfalls an der moralischen Integrität des allergrößten Teils der Superreichen Zweifel hegen. Es sind im Wesentlichen hochkultivierte, gebildete Persönlichkeiten, die durchaus eine stabile Weltordnung einem Versinken der Welt in chaotische Zustände vorziehen.
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Die angesprochenen Nullrunden machen aber auch deshalb Sinn, weil sie als eine Art Versicherungsprämie betrachtet werden könnten. Denn die größten Nutznießer einer von Armut befreiten Welt, werden kurz-, mittel- und langfristig, sowohl wirtschaftlich als auch bezüglich Sicherheit, zuallererst wohl die Vermögendsten sein. Da sie über einen enormen Intelligenzpool an hochqualifizierten Mitarbeitern verfügen, können sie die bestehenden Barrieren in der Dritten Welt besser überwinden helfen.
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Die Sanierung der armen Länder und die Beseitigung der Armut ist aber keineswegs allein eine Frage der Moral.  Sie hat vielmehr in höchstem Maße auch juristische Dimensionen. Deshalb versuchen wir die bereits erwähnten Daten und Fakten einer einfachen juristischen Betrachtung zu unterziehen
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In unserer heutigen Welt sterben, wie bereits erwähnt, täglich einhunderttausend und jährlich über 35 Millionen Menschen an den unmittelbaren Folgen der Armut. Diese Anzahl von 35 Millionen Toten sind mehr als selbst bei dem Zweiten Weltkrieg jährlich an Opfern zu beklagen waren. Noch einmal teilen wir die Menschheit vereinfacht in drei Kategorien:
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Wenn wir aber versuchen, eine Gewichtung der Möglichkeiten der beiden Gruppen vorzunehmen, so stellen wir eine ungeheure Diskrepanz fest. Der Weltmittelstand ist zunehmend einem mörderischen Wettbewerb, nicht zuletzt beim Erhalt des Arbeitsplatzes, ausgesetzt. er verliert auch derzeit alles in allem, Jahr für Jahr, an Realvermögen. Gleichzeitig aber wächst das Realvermögen der Superreichen exorbitant an. Der Weltmittelstand benötigt seine Einkünfte zu über 90 % für den täglichen Konsum. Dieser Anteil macht aber bei der Gruppe c), die im Durchschnitt einen jährlichen Vermögenszuwachs von einhundert Millionen Dollar vorzuweisen haben, nur wenige Prozente aus.
Wenn nun Vermögen verpflichtet, so ist die Verantwortung der Personen aus dem Kreis der Superreichen um mehr als das Hunderttausendfache größer als die eines dem Weltmittelstand Zugehörigen.
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Kommen wir zurück auf die über 35 Millionen Menschen, die jährlich an den Folgen der Armut in einer immer reicher werdenden Welt sterben. Dieser Fakt ist an sich ein Beleg dafür, dass die bestehende kapitalistische Ideologie keine Lösung zur Überwindung der stetig wachsenden Polarisierung zwischen Reich und Arm anbieten kann. Es ist auch wichtig zu wissen, dass jene Statistiken, die eine Reduzierung der Anzahl der Armen über die Jahre belegen, als „reduktionistisch“ zu bezeichnen sind. Einerseits wird die beachtliche Inflation der Währung, beispielsweise der Dollar und der Verlust seiner Kaufkraft, nicht berücksichtigt. Andererseits wird die hohe Anzahl der armutsbedingten Todesfälle außer Acht gelassen. Zur Erläuterung: Über eine Generation von 30 Jahren summiert sich die Anzahl derer, die aufgrund von Armut, Unterernährung und ihrer Folgen sterben, auf über eine Milliarde „Mitmenschen“. Erst unter Berücksichtigung dieser Fakten wird das eigentliche Ausmaß des Dramas wahrnehmbar.
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Nun sind wir, d. h. alle Erdenbewohner, ein jeder nach seinem Vermögen, ( Vermögen in doppeltem Sinne ) dem Vorwurf der Unterlassenen Hilfeleistung mit Todesfolge in millionenfacher Anzahl ausgesetzt. ( § 323 c des BGB ).
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Die Verfassungen und Gesetzesbücher aller Länder erkennen unterlassene Hilfeleistung mit Todesfolge als einen gravierenden Straftatbestand. Dies umso mehr, wenn eine solche Hilfeleistung nicht mit Gefahren an eigenem Leib und Leben verbunden ist.
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Ein weiser Richter, dem es nicht auf die Bestrafung, sondern darauf ankommt, die Not abzuwenden, wird wohl Nullrunden den Superreichen zur Auflage machen. Nicht nur die Finanzmittel, sondern auch der unvorstellbare große Intelligenzpool der Milliardäre und Multimillionäre ist zwecks rascher Umsetzung der weltweiten Armutsbeseitigung gefordert.
Eine besondere Verantwortung tragen hierzu die Vertreter der Medien als millionenfache Multiplikatoren. Ob sie zur Entstehung eines Weltgewissens zur Beseitigung der Armut beitragen, oder aber sich im Wesentlichen in Schweigen hüllen, wird erfolgsentscheidend sein.
Es sei angemerkt: Wenn wir erfolgreich die Armut und ihre katastrophalen Folgen in der Welt beseitigt haben, erst dann kann von der Unantastbarkeit unserer Menschenwürde gesprochen werden.Â
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Bei der großen Zahl der an Armut leidenden Menschen und ihrer dramatischen Schicksale sind wohl alle übrigen Bürger der Welt im höchsten Maße gefordert. Im folgenden werden kurz die Personenkreise und Institutionen, die Abhilfe schaffen könnten, mit Bezug auf die Größenordnung ihrer Möglichkeiten zur Sprache gebracht.
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Über 80 % der Menschheit führt alles in allem ein relativ kümmerliches Dasein mit weniger als vier Dollar pro Tag zum Leben. Die Beiträge dieser Gruppe bei der angesprochenen erforderlichen Größenordnung zur Armutsbeseitigung sind praktisch vernachlässigbar.
Der Weltmittelstand, im Wesentlichen aus den Bewohnern der nördlichen Hemisphäre bestehend, bemüht sich auf vielfältigste Art um die Problembewältigung. Über die Hilfswerke, (Nicht – Regierungsorganisationen mit mehr als 5000 an Zahl)werden monetäre und praktische Hilfe vor Ort organisiert und geleistet. Dies gilt auch für eine Vielzahl an Privatinitiativen, sowie Stiftungen aller Art. Wenn man aber die Summen zusammenrechnet, stellt sich das Endergebnis wie ein Tropfen auf den heißen Stein dar. Beispielsweise ist die erforderliche eine Billion Dollar achttausendmal so viel wie das Gesamtbudget der drei bedeutendsten Hilfswerke in Deutschland zusammen. Terre des Hommes ( humanistisch ) Brot für die Welt ( evangelisch ), Misereor (katholisch).
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Eine Vielzahl der Menschen erhofft sich von den Vereinten Nationen und ihren Unterabteilungen Abhilfe bei der Armutsbekämpfung. Leider nehmen sich auch hier die Größenordnungen äußerst bescheiden aus. Die UNO mit ihrem Jahresbudget von knapp zwei Milliarden Dollar hat Hunderte Arten von dringenden Aufgaben zu bewältigen. Selbst wenn das Gesamtbudget der Armutsbekämpfung gewidmet würde, stellte es lediglich zwei Promille des Erforderlichen dar.
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Auch die Erwartung, dass die bestehenden Entwicklungshilfen der Staaten das Potenzial haben, die weltweite Armut zu beseitigen, hat sich in den letzten Jahrzehnten als Trugschluss erwiesen. Als Beispiel kann die jährliche Entwicklungshilfe Deutschlands mit drei Milliarden Dollar dienen, die lediglich drei Promille der benötigten Summe abdeckt. Zusätzlich muss berücksichtigt werden, dass die Entwicklungshilfe nicht allein auf Armutsbekämpfung fokussiert ist. Sie soll insbesondere im Rahmen der technischen Zusammenarbeit die Gesamtentwicklung des Nehmerlandes fördern. Erwähnenswert ist auch, dass inzwischen Arbeitslosigkeit und relative Armut ständig in den reichen Ländern zunehmen, sodass auch die gutwilligsten Politiker die wachsenden inländischen Bedürfnisse zugunsten der Armutsbekämpfung in der Dritten Welt nicht vernachlässigen können.
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Selbst die religiösen Institutionen, beispielsweise die Kirchen, die in Wort und Tat um Abhilfe bemüht sind, haben bei sinkenden eigenen Einnahmen einerseits und zunehmendem Bedarf an Mittel für den Schutz des religiösen und kulturellen Erbes andererseits, kaum Spielräume, um die benötigten Mittel in entsprechender Größenordnung bereitzustellen.
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Ein ganz anderes Bild ergibt sich allerdings, wenn wir das Vermögen und seine Mehrung weltweit bei den Obersten Zehntausend ins Visier nehmen. Diese haben jeweils im Durchschnitt hundert Millionen Dollar an jährlichem Vermögenszuwachs zu verzeichnen. Dieses steigert sich in Extremfällen sogar über das Einhundertachtzigfache von den durchschnittlichen einhundert Millionen Dollar: Also, auf über achtzehn Milliarden Dollar. Würde diese Gruppe unter Beibehaltung der gesamten Vermögenssubstanz auf einen Zuwachs verzichten, so könnten die gesamten benötigten Mittel von einer Billion Dollar in einem einzigen Jahr aufgebracht werden.
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Der häufige Einwand, bei den armen Ländern handele es sich um ein Fass ohne Boden, sodass jegliche Hilfe vergeblich sei, berücksichtigt die Tatsache nicht, dass seit Jahrzehnten und auch heute noch, die reichen an die armen Länder, mit einer Hand eins gegeben und mit der anderen das Mehrfache genommen haben. Einem Schuldenerlass von drei Milliarden Dollar beispielsweise, den man den ärmsten Ländern neulich zugestanden hat, steht die Schuld des Nordens von über fünfzig Billionen Dollar, also deren 17.000fache gegenüber. ( Vergleiche hierzu die Daten aus dem Buch „ Die Schuld des Nordens“ von Hafez Sabet)
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Dort, wo die Freiheit des Handels dem Norden nutzt, wird sie als Ideologie hoch gelobt und gar erzwungen. Wo aber die Dritte Welt Chancen besitzt, beispielsweise im Agrar-Bereich, verteidigt der Norden mit Zähnen und Krallen ihre „ legitimen nationalen Interessen“ .Im Ergebnis wurden , wie die neutralen Beobachter feststellen mussten, bei fast allen internationalen Gesprächsrunden die Delegierten des Südens über den Tisch gezogen. Auch das Verhalten der Warlords und die extrem korrupten Verhältnisse in der Dritten Welt sind zu einem guten Teil Resultat eines totalen Wirtschaftskrieges, der mit der Kolonisierung und im Gefolge mit der Sprachlosigkeit dieser Völker begann und bis heute, weicher im Ton, aber genauso hart in der Sache, andauert. In unseren Tagen beispielsweise durch Erwerb der Ressourcen und Produkte dieser armen Länder seitens Industriestaaten fast zum Nulltarif.
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Wenn nun eine Stunde Arbeit im Norden gegen hundert bis zweitausend Stunden im Süden getauscht werden, dann kann doch wohl kaum von einem fairen internationalen Wettbewerb gesprochen werden.
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Es gibt weltweit gute Ansätze mit großem Potenzial zur Armutsbekämpfung. Zu ihnen gehören Tobin-Steuer, eine Abgabe auf alle internationalen Finanztransaktionen oder Terra – Abgabe auf alle Exporte der armen Länder, wie Kaffee, Bananen und Textilien, die in der Form der Hilfe zur Selbsthilfe in die armen Länder zurückfließen sollen.
Der Vorteil der freiwilligen Nullrunde der Superreichen besteht darin, dass zu ihrer Verwirklichung im weitesten Sinne kaum ein Staat benötigt wird. Ein Weltstaat, der Terra- und Tobin -Abgabe verabschieden und durchsetzen könnte, existiert noch nicht. Die bestehenden Staaten, aus welchen Gründen auch immer, scheuen sich, irgendwelche heiße Eisen anzupacken. Diese Erfahrung hat der Verfasser in den neunziger Jahren in Bezug auf Terra-Abgabe, sowohl mit nationalen, aber auch europäischen Gremien, in Brüssel machen müssen. Obwohl die Teppichbranche bereit war, im Rahmen von Care & Fair die Last der zweiprozentigen Terra Abgabe zwecks Beseitigung der Armut und Kinderarbeit in den Knüpfländern zu tragen, konnte ein entsprechender Beschluss weder national noch kontinental bewirkt werden.
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Bei der freiwilligen Nullrunde haben die Superreichen selbst weit größere Gestaltungsmöglichkeiten, mit entsprechendem ihnen zur Verfügung stehendem Intelligenz - und Logistik – Potenzial,  die Aufgabe der Armutsbekämpfung in die Hand zu nehmen. Für einen Laien ist die Größenordnung der wirtschaftlichen Macht und die sie begleitende Kompetenz der Superreichen zur Bündelung der Kräfte, um das gewünschte Ziel zu erreichen, kaum vorstellbar.
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Mancher wird dem Verfasser im Zusammenhang mit der freiwilligen Nullrunde der Superreichen vorwerfen, mit naiven Moralvorstellungen eine Rechnung ohne den Wirt zu machen. Diese Argumentation ist nicht stichhaltig. Wir dürfen keinesfalls an der moralischen Integrität des allergrößten Teils der Superreichen Zweifel hegen. Es sind im Wesentlichen hochkultivierte, gebildete Persönlichkeiten, die durchaus eine stabile Weltordnung einem Versinken der Welt in chaotische Zustände vorziehen.
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Die angesprochenen Nullrunden machen aber auch deshalb Sinn, weil sie als eine Art Versicherungsprämie betrachtet werden könnten. Denn die größten Nutznießer einer von Armut befreiten Welt, werden kurz-, mittel- und langfristig, sowohl wirtschaftlich als auch bezüglich Sicherheit, zuallererst wohl die Vermögendsten sein. Da sie über einen enormen Intelligenzpool an hochqualifizierten Mitarbeitern verfügen, können sie die bestehenden Barrieren in der Dritten Welt besser überwinden helfen.
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Die Sanierung der armen Länder und die Beseitigung der Armut ist aber keineswegs allein eine Frage der Moral.  Sie hat vielmehr in höchstem Maße auch juristische Dimensionen. Deshalb versuchen wir die bereits erwähnten Daten und Fakten einer einfachen juristischen Betrachtung zu unterziehen
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In unserer heutigen Welt sterben, wie bereits erwähnt, täglich einhunderttausend und jährlich über 35 Millionen Menschen an den unmittelbaren Folgen der Armut. Diese Anzahl von 35 Millionen Toten sind mehr als selbst bei dem Zweiten Weltkrieg jährlich an Opfern zu beklagen waren. Noch einmal teilen wir die Menschheit vereinfacht in drei Kategorien:
- a) 82 % der Erdenbewohner , die mit weniger als vier Dollar pro Tag oft bei harter Arbeit auskommen müssen.
- b) 18 % der Menschheit, die den weltweiten Mittelstand ausmachen, und im Wesentlichen die Bewohner des Nordens des Planeten sind, also Europa, Amerika, Japan u.a.
- c) Die Zehntausend Reichsten - Milliardäre und Multi – Millionäre weltweit.Â
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Wenn wir aber versuchen, eine Gewichtung der Möglichkeiten der beiden Gruppen vorzunehmen, so stellen wir eine ungeheure Diskrepanz fest. Der Weltmittelstand ist zunehmend einem mörderischen Wettbewerb, nicht zuletzt beim Erhalt des Arbeitsplatzes, ausgesetzt. er verliert auch derzeit alles in allem, Jahr für Jahr, an Realvermögen. Gleichzeitig aber wächst das Realvermögen der Superreichen exorbitant an. Der Weltmittelstand benötigt seine Einkünfte zu über 90 % für den täglichen Konsum. Dieser Anteil macht aber bei der Gruppe c), die im Durchschnitt einen jährlichen Vermögenszuwachs von einhundert Millionen Dollar vorzuweisen haben, nur wenige Prozente aus.
Wenn nun Vermögen verpflichtet, so ist die Verantwortung der Personen aus dem Kreis der Superreichen um mehr als das Hunderttausendfache größer als die eines dem Weltmittelstand Zugehörigen.
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Kommen wir zurück auf die über 35 Millionen Menschen, die jährlich an den Folgen der Armut in einer immer reicher werdenden Welt sterben. Dieser Fakt ist an sich ein Beleg dafür, dass die bestehende kapitalistische Ideologie keine Lösung zur Überwindung der stetig wachsenden Polarisierung zwischen Reich und Arm anbieten kann. Es ist auch wichtig zu wissen, dass jene Statistiken, die eine Reduzierung der Anzahl der Armen über die Jahre belegen, als „reduktionistisch“ zu bezeichnen sind. Einerseits wird die beachtliche Inflation der Währung, beispielsweise der Dollar und der Verlust seiner Kaufkraft, nicht berücksichtigt. Andererseits wird die hohe Anzahl der armutsbedingten Todesfälle außer Acht gelassen. Zur Erläuterung: Über eine Generation von 30 Jahren summiert sich die Anzahl derer, die aufgrund von Armut, Unterernährung und ihrer Folgen sterben, auf über eine Milliarde „Mitmenschen“. Erst unter Berücksichtigung dieser Fakten wird das eigentliche Ausmaß des Dramas wahrnehmbar.
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Nun sind wir, d. h. alle Erdenbewohner, ein jeder nach seinem Vermögen, ( Vermögen in doppeltem Sinne ) dem Vorwurf der Unterlassenen Hilfeleistung mit Todesfolge in millionenfacher Anzahl ausgesetzt. ( § 323 c des BGB ).
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Die Verfassungen und Gesetzesbücher aller Länder erkennen unterlassene Hilfeleistung mit Todesfolge als einen gravierenden Straftatbestand. Dies umso mehr, wenn eine solche Hilfeleistung nicht mit Gefahren an eigenem Leib und Leben verbunden ist.
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Ein weiser Richter, dem es nicht auf die Bestrafung, sondern darauf ankommt, die Not abzuwenden, wird wohl Nullrunden den Superreichen zur Auflage machen. Nicht nur die Finanzmittel, sondern auch der unvorstellbare große Intelligenzpool der Milliardäre und Multimillionäre ist zwecks rascher Umsetzung der weltweiten Armutsbeseitigung gefordert.
Eine besondere Verantwortung tragen hierzu die Vertreter der Medien als millionenfache Multiplikatoren. Ob sie zur Entstehung eines Weltgewissens zur Beseitigung der Armut beitragen, oder aber sich im Wesentlichen in Schweigen hüllen, wird erfolgsentscheidend sein.
Es sei angemerkt: Wenn wir erfolgreich die Armut und ihre katastrophalen Folgen in der Welt beseitigt haben, erst dann kann von der Unantastbarkeit unserer Menschenwürde gesprochen werden.Â
Quelle:
Huschmand Sabet 2006
Huschmand Sabet 2006
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