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Der Waschbär (Procyon lotor) ist ursprünglich in Nordamerika heimisch. Ausgesetzt oder aus Gehegen entkommen, breitet er sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts als Neozoon auch in Europa, Japan und dem Kaukasus aus. Das nachtaktive Raubtier lebt bevorzugt in gewässerreichen Laub- und Mischwäldern. Dank seiner Anpassungsfähigkeit fühlt er sich zunehmend in urbanen Gebieten wohl. Seinen Namen verdankt der Waschbär der englischen Bezeichnung raccoon, was so viel wie "der mit seinen Händen reibt, schrubbt und kratzt" bedeutet. © André Künzelmann/UFZ

Die Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia) stammt ursprünglich aus Nordamerika und hat sich bereits in weiten Teilen Europas ausgebreitet. Ihre Pollen zählen zu den aggressivsten Allergie-Auslösern. © fotolia.com | womue
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:: Globalisierung belastet kommende Generationen mit biologischen Invasionen

Wie beim Klimawandel zeigen sich auch bei biologischen Invasionen die Folgen mitunter erst ein Jahrhundert später Washington/Wien/Leipzig. Die Langzeitwirkungen von gebietsfremden Tier- und Pflanzenarten auf die biologische Vielfalt und die Wirtschaft könnten größer sein als bisher angenommen. Das schließt ein internationales Wissenschaftlerteam aus dem Vergleich der Verbreitung invasiver Arten mit der sozialen und ökonomischen Entwicklung in Europa.

Daten von 1900 waren für die Vorhersage, ob sich gebietsfremde Arten invasionsartig ausbreiten und zu einem Problem werden können, geeigneter als Daten von 2000. Dabei waren die meisten der problematischen Arten in Europa erst in den letzten Jahrzehnten eingeführt worden. Offenbar werden die ökologischen Folgen der Globalisierung - ähnlich wie beim Klimawandel - erst ein Jahrhundert später deutlich.

 

Die EU-Strategie zur Bekämpfung biologischer Invasionen müsse daher nicht nur jene Arten umfassen, die bereits in Europa zum Problem geworden sind, sondern auch die künftige Einschleppung solcher Arten verhindern, die sich auf anderen Kontinenten invasionsartig ausbreiten, schreiben die Forscher im Fachblatt PNAS.

 

Bereits vor einem halben Jahr hatten die Forscher im selben Fachblatt eine Studie veröffentlicht (Reichtum ist ein größeres Risiko als der Klimawandel), wonach der gestiegene Wohlstand und eine gewachsene Bevölkerung, die zu einem Anstieg des internationalen Handels geführt haben, die stärksten Triebkräfte für die Ausbreitung gebietsfremder Tier- und Pflanzenarten in Europa sind. Solche invasive Arten können Ökosysteme stören und verschiedenste Schäden in Natur und Landwirtschaft hervorrufen.

 

Die Kosten der durch die Globalisierung verbreiteten Arten lassen sich bisher nur ansatzweise abschätzen: In Europa verursachen gebietsfremde Tier- und Pflanzenarten jährliche Kosten von mindestens 12 Milliarden Euro. Die Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia), eine Allergien auslösende Pflanze, verlängert beispielsweise die Pollensaison und kostet damit das Gesundheitssystem in Deutschland jährlich 1300 bis 2100 Euro pro Pollenallergiepatient, so Ergebnisse aus dem INVASIONS-Projekt von 2010. 

 

Für die jüngste Studie hatten die Forscher Daten der DAISIE-Datenbank über gebietsfremde Tier- und Pflanzenarten in Europa ausgewertet. Über 200 Forscher hatten im EU-Projekt DAISIE (Delivering Alien Invasive Species Inventories for Europe; www.europe-aliens.org) in den vergangenen Jahren zum ersten Mal für die Länder Europas alle bekannten gebietsfremden Arten erfasst.

 

Über 11.000 Arten wurden dabei insgesamt in Europa erfasst. Am Projekt waren Forschungseinrichtungen und Organisationen aus 15 Nationen beteiligt, darunter auch das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). Für die jetzt publizierte Studie wurden nur Arten ausgewertet, die nach 1500 eingeführt und sich in Europa eingebürgert haben.

 

Die starken politischen Veränderungen des 20. Jahrhunderts führten dazu, dass es an historischen sozio-ökonomischen Daten mangelt. Die Forscher haben sich daher auf 28 Länder wie z.B. Deutschland, Österreich und die Schweiz beschränkt, die jedoch repräsentativ für ganz Europa sind. "Wir haben für die Studie den Beginn und das Ende des 20. Jahrhunderts ausgewählt, weil sie in Europa eine Periode markieren, die von Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und wirtschaftlicher Globalisierung geprägt ist und die den Handel revolutioniert hat", erklärt Doz. Dr. Stefan Dullinger von der Universität Wien.

 

"Der Entwicklungsgrad eines Landes beeinflusst nicht nur, wie stark gebietsfremde Arten durch den Welthandel in das Land kommen, sondern auch wie rasch sie sich dort ausbreiten können. Straßen, zerstörte oder zerschnittene Lebensräume sowie eine intensive Landwirtschaft fördern die Ausbreitung invasiver Arten", erläutert Dr. Franz Essl vom Umweltbundesamt in Wien.

 

"Offenbar reagiert die Natur mit deutlicher Verzögerung und unser Handeln heute hat Auswirkungen auf biologische Invasionen auch in 50 bis 100 Jahren", interpretiert Dr. Ingolf Kühn die Ergebnisse. Der UFZ-Biologe war an der Analyse der Daten beteiligt.

 

"Damit würden wir selbst bei sofortigem effizientem Management invasiver Arten noch für Jahrzehnte eine Zunahme der Invasionen zu erwarten haben. Wir sollten deshalb möglichst schnell anfangen, dieses Problem anzugehen."

 

Die neuen Erkenntnisse deuten also daraufhin, dass das Langzeitrisiko von biologischen Invasionen bisher unterschätzt wurde.

 

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Publikation

Franz Essl, Stefan Dullinger, Wolfgang Rabitsch, Philip E. Hulme, Karl Hülber, Vojtech Jarošík, Ingrid Kleinbauer, Fridolin Krausmann, Ingolf Kühn, Wolfgang Nentwig, Montserrat Vilà, Piero Genovesi, Francesca Gherardi, Anne-Marie-Laure Desprez-Loustau, Alain Roques, and Petr Pyšek (2010):Socioeconomic legacy yields an invasion debt. - Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS), published online early on December 20, 2010

www.pnas.org/content/early/recent

www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1011728108

 

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