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:: Greift Bush Iran an?

Ex-Außenminister Joschka Fischer warnt in dieser Woche in der "Süddeutschen Zeitung" vor einem US-Militärangriff gegen den Iran. George W. Bush könnte den Fehler seines Irak-Krieges dadurch zu beheben versuchen, dass er denselben Fehler jetzt im Iran wiederholt. Bushs "neue Strategie", von der er soeben sprach, könnte seine alte sein.
Auch die US-Friedensbewegung mobilisiert gegen die Kriegspläne ihres Präsidenten im Iran. Auf der großen Friedensdemo am Wochenende waren in Washington nicht nur Plakate gegen den Krieg in Irak, sondern auch auffallend viele Plakate gegen einen geplanten Krieg in Iran zu sehen. Die Pläne für diesen Krieg liegen in den Schubladen des Pentagons und des Weißen Hauses.
 
Daniel Ellsberg, der vor 35 Jahren als Mitarbeiter im Pentagon Geheimpapiere über den Vietnamkrieg veröffentlichte und deshalb lebenslange Gefängnisstrafe riskierte, schreibt in "Publik-Forum" (Nr. 2,2007): US-Präsident George W. Bush und Vizepräsident Richard Cheney "haben ihre Militärstäbe insgeheim angewiesen, mögliche Atomangriffe auf unterirdische Atomenergieanlagen in Iran zu planen ebenso wie umfassende konventionelle Luftangriffe auf überirdische militärische Energieanlagen und Kommandoposten."
 
Der ehemalige CIA-Mitarbeiter Philip Giraldi hat schon vor einem Jahr in dem Magazin "American Conservative" behauptet, dass die US-Regierung Pläne für einen "Luftangriff im großen Maßstab auf den Iran sowohl mit konventionellen wie auch mit taktischen Nuklearwaffen in Auftrag gegeben" habe.
 
Ähnliche Berichte veröffentlichte später der renommierte Journalist Seymour Hersh. Im Apparat der US-Regierung, aber auch in der demokratischen Opposition, sind viele davon überzeugt, dass Bush vor dem Ende seiner Amtszeit im Iran zuzuschlagen beabsichtige, um vom Desaster im Irak ab zu lenken. Der Wiederholungszwang des Präsidenten könnte stärker sein als seine Lernfähigkeit - trotz aller katastrophalen Folgen für die ganze Welt.
 
Dass der Präsident bis jetzt immer noch nicht lernfähig ist, beweist sein fester Wille, die Anzahl der US-Soldaten im Irak noch zu erhöhen. Bush hat soeben in seinem Bericht zur Lage der Nation klargemacht, dass er noch immer an einen "Sieg im Irak" glaube und diesen mit allen Mitteln wolle. Über 100.000 Tote, die dieser Krieg bisher forderte, nimmt er bewusst in Kauf - und noch viele mehr.
 
Es wäre nicht das erste Mal, dass ein erfolgloser Oberbefehlshaber weiter zu den Mitteln des Krieges greift, wenn er vor einer militärischen Niederlage steht. Bush möchte als erfolgreicher Kriegspräsident in die Geschichte eingehen. Er ist ein fanatischer Fundamentalist, der glaubt, seine politischen Ziele auch mit Gewalt durchsetzen zu können.
 
Militärische Fachleute schätzen, dass ein US-Angriff auf den Iran zwei Millionen Menschen das Leben kosten würde. Daniel Ellsberg: "Über zwei Millionen Zivilisten würden durch den Fall-out von nur drei bunkerbrechenden Atombomben sterben."
 
Weltweit sind die Friedensbewegungen sowie Journalisten, die ihren Beruf wirklich als Aufklärung verstehen, und friedenswillige Politiker gefordert, eine globale Krise zu verhindern. Diese Weltkrise wäre die logische Folge einer US-Politik, die militärisch in die Defensive geraten ist und nun in den ihr verbleibenden zwei Jahren einen "Befreiungsschlag" sucht.
 
Die Wortwahl der Bush-Regierung gegenüber dem Iran gleicht sich in den letzten Wochen immer mehr der Wortwahl an, welche dieselbe Regierung vor dem Irak-Krieg gegen Saddam Hussein pflegte. Je mehr die Kriegsgefahr wächst, desto wichtiger wird der weltweite Widerstand.
 
Droht also die Irakisierung des Iran?
Dazu noch einmal Ex-Außenminister Joschka Fischer: "Leider ist diese Befürchtung alles andere als irreal." Es wäre die Strategie der Unbelehrbaren.
 
Ein weiterer Bombenkrieg würde den Nahen Osten nicht sicherer machen, aber die ganze Welt unsicherer. Die Friedensaussichten wären noch unwahrscheinlicher. Wer einen falschen Krieg noch ausdehnt, machte ihn nicht richtiger. Das war bereits die Lehre des Vietnamkrieges.
Quelle:
Franz Alt 2007
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