Eine Welt
NAGASAKI Denkmal
© franz alt
Weitere Informationen
Mayors for peace - dtsch
Bürgermeister für den Frieden
Mehr zum Thema Atom auf der Sonnenseite:
|
Artikel 229 von 369
:: Hiroshima und Nagasaki: Vom Atomzeitalter ins Solarzeitalter
Ende Oktober hatten mich die beiden japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki zu Vorträgen eingeladen. Ich sollte zum Thema sprechen: "Vom Atomzeitalter ins Solarzeitalter."
Wichtigere Orte zu diesem Thema als diese beiden 1945 von zwei US-Atombomben betroffenen Städte gibt es wohl nicht. Vor 61 Jahren, am 6. und 9. August 1945, hatte es in Hiroshima über 140.000 Sofort-Tote und in Nagasaki knapp 73.000 gegeben. Bis heute sind über 400.000 Menschen an den Folgen atomarer Verstrahlung in Südjapan gestorben.
Â
Am meisten erschüttert hat mich jedoch eine Zahl, die der Oberbürgermeister von Hiroshima nannte: Jedes Jahr sterben heute noch über 3.000 Menschen an den Folgen atomarer Verstrahlung aus dem Jahr 1945. Kurz vor meinem Vortrag in Nagasaki schob mir der stellvertretende Oberbürgermeister noch einen handgeschriebenem Zettel zu, auf dem er die aktuelle Zahl der in seiner Stadt bisher durch atomare Verstrahlung getötete Menschen geschrieben hatte: 140.144! Der Physiker Ernest Sternglas, ein Schüler von Albert Einstein, hat errechnet, dass sich nach Hiroshima und Nagasaki die Krebsraten in ganz Japan verändert haben.
Â
61 Jahre danach liegen Hiroshima und Nagasaki nicht nur hinter uns, sondern noch immer vor uns. Wir wissen durch die aktuelle Diskussion um die Atombombe für Nordkorea und eventuell auch für den Iran um den engen Zusammenhang zwischen der so genannten friedlichen Nutzung der Atomkraft und dem Bau der Atombombe. In AKWs wird der Stoff für die Bombe produziert. Ohne Atomkraftwerke gibt es - auch für den Iran und für Nordkorea - keine Atombombe. Solange auf der Welt 450 AKWs laufen, werden skrupellose Machtpolitiker weiterhin versuchen, Atombomben zu bauen. Wir müssen damit rechnen, dass Atombomben eines Tages auch in die Hände von Terroristen gelangen, wenn wir das Atomzeitalter nicht hinter uns lassen.
Â
Die Katastrophe von Tschernobyl liegt erst 20 Jahre zurück. Die Internationale Organisation "Ärzte gegen Atomkrieg" schätzt, dass durch Tschernobyl bis heute 80.000 Menschen gestorben sind. Aber: In Tschernobyl wurde etwa 50-Mal mehr Radioaktivität freigesetzt als in Hiroshima und Nagasaki zusammen. Das heißt: Auch Tschernobyl liegt nicht hinter uns, sondern vor uns!
Â
In Deutschland laufen zur Zeit noch 17 AKWs, in Japan sind es 40. Aber in beiden von den Atombomben betroffenen Städte Hiroshima und Nagasaki sind über 80 Prozent der Bevölkerung - ähnlich wie in Deutschland - gegen Atomenergie.
Â
Ich konnte in Japan - und danach in Südkorea und China - in meinen Vorträgen auf die Erfolge mit erneuerbaren Energien bei uns in Deutschland hinweisen. Südkorea und China haben inzwischen das deutsche erneuerbare Energiengesetz übernommen und können ebenfalls erste Erfolge vorweisen. Und in Japan boomt die Solarbranche. Große Konzerne wie Mitsubishi, Sanyo, Sony und Sharp sind Weltspitze bei der Produktion von Photovoltaik und China ist Weltmeister beim Produzieren und Installieren von Sonnenkollektoren. Das Riesenreich produziert mehr Sonnenkollektoren als die ganz übrige Welt zusammen. 35 Millionen chinesische Häuser beziehen ihre Wärme bereits aus der Sonnenkraft. Und in Südkorea durfte ich den größten Windpark des Landes mit 49 Windrädern einweihen.150.000 Menschen werden allein aus diesem neuen Windpark künftig umweltfreundlichen Strom beziehen.
Â
China will bis 2020 mindestens 16 Prozent seiner Energie aus erneuerbaren Energien gewinnen. Im Vergleich dazu: Nur vier Prozent über Atomkraft.
Â
Auch die Gesellschaften in Ostasien lernen zurzeit, dass es gute Alternativen zur Atomkraft gibt und diese durch erneuerbare Energien ersetzt werden kann. Allein die Sonne schickt uns jeden Tag 15.000-mal mehr Energie als alle Menschen verbrauchen. Hinzu kommen Windkraft, Wasserkraft, Bioenergie und Erdwärme. Der 100-prozentigen Umstieg auf erneuerbare Energien ist in allen Ländern der Welt bis 2050 möglich. Die ganze Welt kann sich auf den Weg vom Atomzeitalter ins Solarzeitalter machen.
Â
Die Energiefrage ist die Schicksalsfrage der Menschheit im 21. Jahrhundert. Angela Merkel will 2007 während ihrer EU-Führerschaft und beim nächsten G8-Gipfel die Energiefrage zum Thema Nummer eins der Weltpolitik machen. Wie gut, dass die deutschen Bundeskanzlerin einmal Umweltministerin war. Sie kann und will dadurch deutlich machen: Die Welt ist erneuerbar. Meine ostasiatischen Freunde und Gesprächspartner in Politik, Wirtschaft und in den Umweltverbänden erwarten 2007 von der deutschen Politik Anstöße für eine zukunftsfähige Energiepolitik weltweit. 2005 wurden weltweit etwa 28 Milliarden US-Dollar in Erneuerbare Energien investiert. Davon allein 25 Prozent in Deutschland. Die erneuerbaren Energien sind ohne Kriege zu haben, ohne Umweltzerstörung, preiswert und für alle Zeit. Welch eine Chance für eine bessere Welt!
Â
Die beiden Oberbürgermeister von Hiroshima und Nagasaki haben die weltweite Aktion "Mayors for peace" ("Bürgermeister für den Frieden") gegründet. Über 1300 Bürgermeister und ihre Städte sind beigetreten. Sie repräsentieren inzwischen über 200 Millionen Menschen. Es ist nicht wahr, dass die Menschheit nicht lernfähig ist. Zumindest durch Katastrophen lernen wir gelegentlich.
Â
Am meisten erschüttert hat mich jedoch eine Zahl, die der Oberbürgermeister von Hiroshima nannte: Jedes Jahr sterben heute noch über 3.000 Menschen an den Folgen atomarer Verstrahlung aus dem Jahr 1945. Kurz vor meinem Vortrag in Nagasaki schob mir der stellvertretende Oberbürgermeister noch einen handgeschriebenem Zettel zu, auf dem er die aktuelle Zahl der in seiner Stadt bisher durch atomare Verstrahlung getötete Menschen geschrieben hatte: 140.144! Der Physiker Ernest Sternglas, ein Schüler von Albert Einstein, hat errechnet, dass sich nach Hiroshima und Nagasaki die Krebsraten in ganz Japan verändert haben.
Â
61 Jahre danach liegen Hiroshima und Nagasaki nicht nur hinter uns, sondern noch immer vor uns. Wir wissen durch die aktuelle Diskussion um die Atombombe für Nordkorea und eventuell auch für den Iran um den engen Zusammenhang zwischen der so genannten friedlichen Nutzung der Atomkraft und dem Bau der Atombombe. In AKWs wird der Stoff für die Bombe produziert. Ohne Atomkraftwerke gibt es - auch für den Iran und für Nordkorea - keine Atombombe. Solange auf der Welt 450 AKWs laufen, werden skrupellose Machtpolitiker weiterhin versuchen, Atombomben zu bauen. Wir müssen damit rechnen, dass Atombomben eines Tages auch in die Hände von Terroristen gelangen, wenn wir das Atomzeitalter nicht hinter uns lassen.
Â
Die Katastrophe von Tschernobyl liegt erst 20 Jahre zurück. Die Internationale Organisation "Ärzte gegen Atomkrieg" schätzt, dass durch Tschernobyl bis heute 80.000 Menschen gestorben sind. Aber: In Tschernobyl wurde etwa 50-Mal mehr Radioaktivität freigesetzt als in Hiroshima und Nagasaki zusammen. Das heißt: Auch Tschernobyl liegt nicht hinter uns, sondern vor uns!
Â
In Deutschland laufen zur Zeit noch 17 AKWs, in Japan sind es 40. Aber in beiden von den Atombomben betroffenen Städte Hiroshima und Nagasaki sind über 80 Prozent der Bevölkerung - ähnlich wie in Deutschland - gegen Atomenergie.
Â
Ich konnte in Japan - und danach in Südkorea und China - in meinen Vorträgen auf die Erfolge mit erneuerbaren Energien bei uns in Deutschland hinweisen. Südkorea und China haben inzwischen das deutsche erneuerbare Energiengesetz übernommen und können ebenfalls erste Erfolge vorweisen. Und in Japan boomt die Solarbranche. Große Konzerne wie Mitsubishi, Sanyo, Sony und Sharp sind Weltspitze bei der Produktion von Photovoltaik und China ist Weltmeister beim Produzieren und Installieren von Sonnenkollektoren. Das Riesenreich produziert mehr Sonnenkollektoren als die ganz übrige Welt zusammen. 35 Millionen chinesische Häuser beziehen ihre Wärme bereits aus der Sonnenkraft. Und in Südkorea durfte ich den größten Windpark des Landes mit 49 Windrädern einweihen.150.000 Menschen werden allein aus diesem neuen Windpark künftig umweltfreundlichen Strom beziehen.
Â
China will bis 2020 mindestens 16 Prozent seiner Energie aus erneuerbaren Energien gewinnen. Im Vergleich dazu: Nur vier Prozent über Atomkraft.
Â
Auch die Gesellschaften in Ostasien lernen zurzeit, dass es gute Alternativen zur Atomkraft gibt und diese durch erneuerbare Energien ersetzt werden kann. Allein die Sonne schickt uns jeden Tag 15.000-mal mehr Energie als alle Menschen verbrauchen. Hinzu kommen Windkraft, Wasserkraft, Bioenergie und Erdwärme. Der 100-prozentigen Umstieg auf erneuerbare Energien ist in allen Ländern der Welt bis 2050 möglich. Die ganze Welt kann sich auf den Weg vom Atomzeitalter ins Solarzeitalter machen.
Â
Die Energiefrage ist die Schicksalsfrage der Menschheit im 21. Jahrhundert. Angela Merkel will 2007 während ihrer EU-Führerschaft und beim nächsten G8-Gipfel die Energiefrage zum Thema Nummer eins der Weltpolitik machen. Wie gut, dass die deutschen Bundeskanzlerin einmal Umweltministerin war. Sie kann und will dadurch deutlich machen: Die Welt ist erneuerbar. Meine ostasiatischen Freunde und Gesprächspartner in Politik, Wirtschaft und in den Umweltverbänden erwarten 2007 von der deutschen Politik Anstöße für eine zukunftsfähige Energiepolitik weltweit. 2005 wurden weltweit etwa 28 Milliarden US-Dollar in Erneuerbare Energien investiert. Davon allein 25 Prozent in Deutschland. Die erneuerbaren Energien sind ohne Kriege zu haben, ohne Umweltzerstörung, preiswert und für alle Zeit. Welch eine Chance für eine bessere Welt!
Â
Die beiden Oberbürgermeister von Hiroshima und Nagasaki haben die weltweite Aktion "Mayors for peace" ("Bürgermeister für den Frieden") gegründet. Über 1300 Bürgermeister und ihre Städte sind beigetreten. Sie repräsentieren inzwischen über 200 Millionen Menschen. Es ist nicht wahr, dass die Menschheit nicht lernfähig ist. Zumindest durch Katastrophen lernen wir gelegentlich.
Quelle:
Franz Alt 2006
Franz Alt 2006
|
Artikel 229 von 369
















