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:: Hungern für Biosprit?
Gewaltsame Aufstände wegen massiver Verteuerung der Lebensmittelpreise gehen seit Monaten immer wieder durch die Presse. Die Andheri-Hilfe Bonn hat dieses Thema aufgegriffen. Nun scheint es, dass endlich der Schuldige gefunden wurde: der Biosprit.
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Dieser Artikel ist kein Plädoyer für Biosprit, sondern ein Artikel gegen die Vereinfachung von komplexen Zusammenhängen. Biosprit ist nur eine von vielen Ursachen für die aktuellen Preissteigerungen. Eine Ausweitung der Anbaufläche für Biosprit ist sicherlich aus verschiedenen Gründen kritisch zu sehen. So tragen die in riesigen Monokulturen angebauten Biospritpflanzen dazu bei, dass zu viel Dünger und Pestizide in die Umwelt gelangen und zudem ist die CO2 Bilanz auch eher negativ zu beurteilen. Auch Vertreibungen von Kleinbauern und Ureinwohnern von ihrem angestammten Land, um dort Pflanzen für Biosprit anzubauen, sind scharf zu verurteilen. Doch laut der FAO werden derzeit nur 5% der landwirtschaftlichen Nutzfläche für Biosprit genutzt, und mit der gegenwärtigen Weltproduktion an Nahrungsmitteln könnte die gesamte Weltbevölkerung ernährt werden. Wie erklären sich dann die aktuellen Preissteigerungen?    Â
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Es ist ähnlich wie beim Öl: die hohen Preise sind der Spiegel einer gefühlten weltweiten Knappheit. Diese Knappheit ist bei Agrarprodukten aber auch durch eine falsche Agrarpolitik bedingt, die die Förderung des ländlichen Raumes Jahrzehnte lang vernachlässigt hat. Subventionen haben (exportorientierte) Großbetriebe unterstützt und kleinbäuerliche Strukturen, nicht nur in Europa, zerstört. In manchen Entwicklungsländern wird der Markt mit billigen, oft subventionierten Produkten überschwemmt, so dass die dortigen Kleinbauern nicht mehr wirtschaftlich arbeiten können.      Â
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Aber auch in unseren Ernährungsgewohnheiten liegt eine Ursache. Für die Produktion von 1 kg Fleisch müssen 7 kg Getreide verwendet werden. 60 Prozent der Getreideernte landen deshalb im Futtertrog von Tieren und nicht auf unserem Teller. Zudem spielt die zunehmende Verwendung von patentierten gentechnisch veränderten Pflanzen eine Rolle. Bei Kauf des Saatgutes fließt eine Gebühr für das Patent an den Hersteller. So wird das Saatgut teurer und kann sich zudem noch nicht einmal selbst vermehren.       Â
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Stark bemerkbar macht sich auch der Klimawandel. Immer wiederkehrende Dürrekatastrophen betreffen längst nicht mehr allein Afrika, sondern auch Australien und weite Teile Asiens. Was in vielen Ländern künftig fehlen wird ist Wasser. Daran wird auch die Gentechnik nichts ändern können.     Â
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Der wachsende Hunger in der Welt wird nicht mit dem Einstampfen der Pläne für Biosprit oder mit Lebensmittellieferungen gestillt werden. Hierzu sind andere Maßnahmen notwendig.        Â
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Dazu zählen auch die Förderung des ländlichen Raumes und die angemessene Bezahlung der Bauern für ihre Produkte. Dann können auch Kleinbetriebe und traditionelle Nutzergruppen wieder überleben und die Nahrungsmittelversorgung in ihrer Region sichern.
Andheri-Hilfe Bonn | AH 2008
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