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Kenianische Waisenkinder im Haus der "Warriors" in Nairobi freuen sich, dass sie bald aus dem Slum herauskommen. © carenalt@sonnenseite.com
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:: Kenia: Aufruhr der Armen

In dieser Woche wurden hunderte Kenianer ermordet, Kirchen angezündet, Hütten in Slums eingeäschert und Tausende verletzt. Über 100.000 Menschen sind auf der Flucht - Menschenjagd in Ostafrika. Ein Bürgerkrieg droht, denn die Opposition fühlt sich um ihren Wahlsieg betrogen.
Die Wahlfälschung des Regierungslagers ist offensichtlich – der Wahlleiter persönlich hat sie bestätigt. In wenigen Tagen ist aus einem der bisher stabilsten Länder Afrikas eine politische Chaosregion geworden. Noch-Präsident Kibaki klebt an seinem Regierungssessel trotz offensichtlicher Wahlniederlage und die Opposition unter dem wahrscheinlichen Wahlsieger Odinga  will ihn wegdemonstrieren.
 
Beiden Seiten, so sagen unabhängige Beobachter, geht es freilich eher um ihre Machtbedürfnisse als um die Bedürfnisse der 38 Millionen Menschen in Kenia, von denen zwei Drittel in unvorstellbarer Armut und Verelendung leben. Die Kämpfe in Kenia sind nicht nur ethnisch bedingt, sie sind auch ein Aufstand der Armen gegen die Raffgier der Mächtigen und Korrupten im Land.
 
Demokratie lernen, also Macht nur auf Zeit ausüben und sie dann in die Hände der bisherigen Opposition übergeben, ist schwer. Der Lernprozess  hat auch in Europa Jahrhunderte gedauert und musste auch hier erkämpft werden. Der Völkermord in Ruanda, die Anarchie in Somalia, der Bürgerkrieg im Sudan und jetzt der Aufstand der Armen in Kenia zeigen, dass es für die Lösung der Konflikte im heutigen Afrika keine politischen Patentrezepte gibt.
 
Dass alle diese Konflikte auch mit Waffen aus demokratischen Ländern geführt werden, zeigt die Mitschuld des reichen Westens am Elend des armen Afrika. Der einzig wirkliche Ausweg aus dem aktuellen Dilemma heißt: neu wählen oder nochmals zählen – falls nicht zu viele Stimmen inzwischen verschwunden sind. Dabei geht es nicht ohne verstärkte internationale Aufsicht. Nicht einzelne Länder, der Westen muss dafür geschlossen Druck auf die Regierung in Nairobi ausüben. Gefragt ist aber in erster Linie die Afrikanische Union. In dieser Staaten-Familie ist Kenia zunächst zu Hause. Die jetzige kenianische Regierung sollte als erstes vom afrikanischen Gipfel Ende Januar ausgeschlossen werden. Und die EU sollte klar machen, dass der sogenannte Wahlsieger nirgendwo in Europa als Gast erwünscht ist.
 
In diesen Tagen gibt es aber auch Zeichen der Hoffnung aus Kenia. Unsere Tochter Caren arbeitet seit zwei Jahren mit einer kenianischen jungen Selbsthilfegruppe, den „Warriors“, zusammen. Am Telefon erzählen die jungen Kenianer in diesen Tagen: „Das ganze Wahltheater interessiert uns nicht. Das sind die üblichen Machtspiele der Politiker. Wir Menschen in Kenia wollen einfach in Frieden leben.

Wir organisieren jetzt Nachtwachen für die Slumbewohner, damit die Ärmsten in diesen Terrorzeiten wenigstens ruhig schlafen können. Und wir beschützen unsere Waisenkinder.“ In einem Slum in Nairobi haben die Jugendlichen ein Waisenhaus für 20 Kinder aufgebaut. Jetzt wollen sie mit „ihren“ Kindern raus aus dem gefährlichen Slum Korogocho an einen sicheren Ort im Osten Kenias, nach Kosele. Dort sind die Kinder in Sicherheit und können zur Schule gehen.

Damit dieser überlebensnotwendige Umzug klappt, können auch Sie mit einer Spende helfen: NEIA e.V. VR Bank Dormagen BLZ 305 605 48, Konto 4610 9100 12. Wichtig: Stichwort “Warriors“.

Junge Afrikaner wollen beweisen, dass sie ihre Probleme selber lösen können. Aber sie benötigen Hilfe zur Selbsthilfe – von demokratischen Politikern ebenso wie von engagierten Bürgern.
Quelle:
Franz Alt 2008
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