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Der "Jahrhundertsturm" Sandy trifft auf die Küste der USA. © NASA Goddard Photo and Video/flickr.com
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:: Klimapolitik nach "Sandy"

Überflutete Straßen und U-Bahn-Tunnel nach einer über vier Meter hohen Flutwelle, Hochwasseralarm in US-Atommeilern, zerstörte Gebäude, explodierende Trafo-Stationen und nicht zuletzt der tragische Tod von Menschen: Die Nachrichten und Bilder aus New York und umliegenden Gegenden verdeutlichen die schreckliche Verwüstung und die Kräfte des "Monstersturms" Sandy, der als größter tropischer Sturm der Geschichte gewertet wird. Jetzt endlich wird in manchen US-Medien die Frage erörtert, warum das Thema Klimawandel im Wahlkampf bisher keine Rolle gespielt hat.

Wieder einmal zeigt sich – nicht nur für die USA – dass es tragischerweise vor allem Wetterkatastrophen sind, die das Klima-Thema auf die Agenda setzen.

 

Klimawandel führt zu mehr Extremereignissen wie Sandy

Wir werden in den nächsten Jahren mehr Gelegenheit haben, über den Klimawandel nachzudenken, denn viele Zusammenhänge zwischen extremen Wetterereignissen und dem Klimawandel sind klar belegt – Hintergründe lieferte Klimaexperte Stefan Rahmstorf gestern noch einmal in der KlimaLounge. Steigende Wassertemperaturen führen zu einer höheren Wahrscheinlichkeit von Stürmen wie Sandy – und der steigende Meeresspiegel wird Sturmfluten verschlimmern. Andere Faktoren, wie die Einflüsse der sommerlichen Eisschmelze in der Arktis auf die Hochdrucklage in Grönland und die daraus folgenden seltsamen Pfade von Stürmen wie den jetzigen in den USA werden gerade erforscht. Eines ist klar: dass mit zunehmendem Klimawandel sich auch extreme Wetterereignisse häufen werden.

 

Klimawandel erstmals seit 1988 nicht in Präsidentschafts-Debatten erwähnt

Doch Präsident Barack Obama von den Demokraten und sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney haben das Thema Klimawandel bewusst aus dem politischen Kampf um das Weiße Haus herausgehalten. Klimaschutz gilt bei den US-Wahlstrategen als ein vote loser. Meines Erachtens ist das nicht nur traurig, sondern auch noch falsch. Denn die Mehrheit der US-Amerikaner ist von der Realität des Klimawandels überzeugt und verknüpft dies, wie Umfragen zeigen, mit persönlichen Erfahrungen von extremen Wetterereignissen. Und dies selbst in einer Situation, in der viele große Konzerne und eine starke politische Kraft wie die Tea-Party-Bewegung alles tun, um die Wahrheit über den menschlichen Einfluss auf das Klima zu verschleiern und sogar die Frage danach zu tabuisieren. Aber eines muss doch festgestellt werden: Selbst wenn es zuträfe, dass der Klimawandel kein Gewinnerthema wäre – es wäre dennoch verantwortungslos, nicht darüber zu reden. Denn Politik bedeutet Führung – auch dann, wenn es unbequem ist.

 

Klimaschutz ist auch in Deutschland zu wenig präsent

Dass dem Klimawandel im US-Präsidentschaftswahlkampf keine Aufmerksamkeit zukommt, ist natürlich deshalb besonders tragisch, weil die USA als der größte Klimasünder eigentlich eine besonders herausgehobene Rolle im internationalen Klimaschutz zu spielen hätten – weshalb die gesamte Klimagemeinde seit mehr als 20 Jahren darauf wartet, dass die Vereinigten Staaten ihren Teil der Verantwortung wahrnehmen (...ich selbst allerdings nicht mehr, weshalb wir eine Strategie der unterschiedlichen Geschwindigkeiten verfolgen, in der eine internationale Vorreiterallianz vorangeht und die anderen durch Erfolg mitzieht).

 

Aber machen wir es denn in Deutschland besser? Warum eiert die "Energiewende" seit Monaten so hilflos herum? Weil die Bundesregierung das Ziel "Klimaschutz" aus den Augen verloren hat. Auch bei uns werden unbequeme Wahrheiten nicht ausgesprochen – dass es nämlich nicht nur steigende Rohstoffpreise sind, die eine Energierevolution notwendig machen, sondern das vitale Interesse, auch zukünftigen Generationen einen menschenfreundlichen Planeten zu hinterlassen. Dieses Interesse rechtfertigt massive Investitionen jetzt – in Erneuerbare, in Stromspeicher, in Verteilungsnetze.

 

Stattdessen treiben auch in Deutschland Klimaskeptiker ihr Spiel – wie mit dem in der letzten Woche vorgestellten Positionspapier der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften (Acatech). Lobbyverbände und Vertreter der schwarz-gelben Koalition machen immer stärker Stimmung gegen die Energiewende und Klimaschutz in Deutschland. Deshalb muss der Klimaschutz auch in Deutschland wieder mehr zum Thema werden. Denn nur mit klaren Zielen hat die Energiewende auch einen Kompass: Eine sichere Energieversorgung ohne Atom und fossile Brennstoffe. Dafür lohnt es sich, zu kämpfen, dafür müssen wir uns jetzt einsetzen – ohne auf weitere ultimative Wetterextreme zu warten!

 

Hermann E. Ott ist Bundestagsabgeordneter der Bündnisgrünen, ihr klimapolitischer Sprecher und Mitglied der Enquete-Kommission "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität". Zuvor war er Wissenschaftler am Wuppertal- Institut für Klima, Umwelt, Energie.

 

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