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Artikel 158 von 364
:: Langsam mahlen die Mühlen ... Oder Bali – und was nun?
Das Kyoto-Protokoll für den Klimaschutz ist in zehn Jahren nicht durchgängig ratifiziert worden. Washington sei ernsthaft besorgt, dass das Konferenzergebnis die US-amerikanische Wirtschaft gefährde.
Mühsam wurde nun in Bali verhandelt. Nur wenige Stunden nach Abschluss der UN-Klimakonferenz meldet sich Washington: Ernsthaft besorgt sei man. Nicht etwa darüber, dass der ausgehandelte Kompromiss einmal wieder viel zu vage ausgefallen ist. Nein, vielmehr darüber, dass das Konferenzergebnis die US-amerikanische Wirtschaft gefährde.
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Allein schon der Beschluss, weiter zu verhandeln, ohne direkte Benennung von Zielvorgaben zur Treibhausgasreduktion, gefährdet die mächtigste Wirtschaftsnation der Welt, gefährdet vielleicht auch unsere Volkswirtschaft? Nein, massiv gefährdet ist die weltwirtschaftliche Entwicklung durch den Klimawandel selbst, sicher nicht durch allzu zaghafte Versuche, ihn einzudämmen.
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Demokratische Prozesse brauchen Zeit. Erst recht die Schaffung von zwischenstaatlichem Recht ist noch einmal weit komplizierter. Einfach weil es nicht EINE souveräne Macht gibt, die solches Recht setzen und durchsetzen könnte. Und äußerst selten hat es auf diesem Feld Durchbrüche gegeben, die nicht Reaktionen auf Verheerungen kontinentalen oder globalen Ausmaßes waren. Eine bloß drohende Katastrophe genügt hier wohl nicht, selbst wenn inzwischen verlässliche Prognosen der Klimaforscher und plausible Abschätzungen der ökonomischen Folgekosten von Klimaerwärmungen um zwei, drei, vier oder mehr Grad vorliegen.
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Müssen wir den internationalen Vertrags- und Rechtsfindungsprozessen die Zeit einräumen, die sie nun einmal brauchen, und dabei ihr keineswegs unwahrscheinliches völliges Scheitern einkalkulieren? Das können wir nicht. Die Zeit haben wir nicht. Der Klimawandel schreitet zu schnell voran.
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Hat der Schriftsteller Botho Strauß recht, wenn er in seinem neuen Buch den Zweckoptimisten unter den Klimaschützern vorhielt: Die Kraft der Menschheit liege nun einmal nicht im Verhindern von Katastrophen, sondern im Fertigwerden mit Katastrophen, nachdem sie eingetreten sind? Nach Erfahrungen wie mit der Bali-Konferenz ist eine solche Resignation naheliegend genug. Und doch ist solcher Pessimismus zynisch – und überdies unnötig.
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Der EINE, machtvolle Souverän, der das Nötige durchsetzen könnte: Das ist zum Glück zur Zeit eine unrealistische Vorstellung. Denn es ist eine Horrorvision wie jeder Ruf nach Einheit, Stärke und nach einer Hypermacht, die unsere pluralistische, politisch-diplomatische Struktur von Staaten, Weltöffentlichkeit, Weltwirtschaft, Gesellschaften, Institutionen, NGOs zerschlagen müsste, die so viel mit Zerstörung und brutalem Niederhalten der Gegengewalten beschäftigt wäre, dass gerade das Gegenteil von Völkerrecht und Vernunft herrschen würde, nämlich Unrecht und Weltbürgerkrieg. Diese Macht gibt es nicht, es darf sie auch nicht geben, und gäbe es sie, würde die Klimakatastrophe nicht verhindert, sondern vielmehr um eine weltpolitische Apokalypse noch vermehrt.
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Es ist leicht, mit den Kompromissen von Bali zu hadern. Leicht für George Bush, leicht aber auch für einen Klimaaktivisten. Dass George Bush zur Lösung beiträgt, hat niemand ernsthaft erwartet. Die Erwartungen an diejenigen, die seit Jahrzehnten an Nachhaltigkeitslösungen arbeiten, müssen höher gesteckt werden. Der Druck muss erhöht werden, damit die Richtlinien – wie sehr in der Ratifizierung dann wiederum verschleppt, wie sehr kompromisshaft auch immer – bei den anstehenden Verhandlungen zum Kyoto-Nachfolge-Protokoll sich der einzig vernünftigen Zielsetzung so weit wie irgend möglich annähern. Eine vernünftige Zielsetzung kann nur heißen: 100% Regenerative Energien.
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Das wird mit Sicherheit so nicht in dem Nachfolgeprotokoll verbrieft werden. Das sei utopisch, wird man zu hören bekommen, wenn man 100% fordert, wo selbst 20% kaum verhandelbar sind. Nun gehört die Utopie zum Denken der Apokalypse als ihre Umspiegelung, so wie der Kompromiss zum vernünftigen demokratischen Prozess gehört: zu Verhandlungen, die auf das bessere Argument setzen, auch wenn zugleich die Irrationalität von Macht und Interessen mit am Runden Tisch sitzt, ohne die wiederum nichts durchzusetzen ist. Die Apokalypsen der Klimaforscher lässt man sich inzwischen gefallen, weil sie nur zu realistisch sind. Mit Utopien jedoch hat das 20. Jahrhundert schlechte Erfahrungen gemacht, weswegen das Ende des „Prinzips Hoffnung“ verkündet wurde. Wenn die vernünftige Verhandlungskultur sich als zu schwach erweist, stehen die Feinde dieser Kultur Gewehr bei Fuß, und die Apokalypsen verwirklichen sich.
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100% -Â Das ist eine regulative Idee
Solche regulativen Ideen können die Vernunft von Aushandlungsprozessen stark machen. Als Wunschtraum, als schlechte Utopie von grünen Neo-Fundis (die es ohnehin nur in den Zerrbildern der Verhinderer gibt) taugt eine solche Forderung freilich nichts. Es kann nicht noch einmal um „bloße Utopien“ gehen. Aber greifen wir als regulativen Impuls fünf gehaltvolle Aspekte des utopisch-apokalyptischen Denkens auf, ganz nüchtern, kritisch und realistisch, ohne totalitäre Horizonte, fünf Aspekte, wie sie seit 3.000 Jahren immer wieder auftauchen, weil sie unverzichtbar sind: Frist – Wende – Machbarkeit – Phantasie – Begeisterung.
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Wir haben nur noch begrenzt Zeit, auf den Klimawandel zu reagieren
Die Entscheidungen müssen jetzt fallen und umgesetzt werden. Zu verhindern ist der Klimawandel nicht mehr. Einschränken können wir ihn noch. Dafür müssen wir zweitens massiv umschalten von fossil-atomaren auf Erneuerbare Energien. Das ist nicht einfach ein Austausch von Energieträgern, sondern schon jetzt mit einem Strukturwandel verbunden. Die Sonne ist zwar unser Zentralgestirn, aber auf der Erde scheint sie überall und kann am besten dezentral genutzt werden. Wo das als Chance begriffen wird, entstehen Innovationen und Arbeitsplätze. Zudem bleibt tendenziell das Geld, das für Energie ausgegeben wird, vermehrt am Ort der Nutzung. Die Energiewende leitet einen neuen Wirtschaftszyklus ein – mit enormen Chancen.
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Wir können das! Die technischen Möglichkeiten sind da
Sie müssen weiterentwickelt werden, aber das, was schon jetzt zur Hand ist, genügt, um massiv umzusteuern. Dafür müssen Investitionen in diese zukunftsträchtigen Bereiche umgelenkt werden. Dieser Prozess ist bereits im Gange – und zwar, weil damit Geld zu verdienen ist. Und darauf wird die internationale Politik reagieren müssen. Mit dem vermeintlichen „Ende der Utopien“ ist (viertens) unsere politische Phantasie noch lange nicht aufgezehrt. Von der unvermeidbaren Zähigkeit der Verhandlungen darf man sich nicht beirren lassen. Schaut man nur auf die Abfolge der Konferenzen des vergangenen Jahres zurück, ist ja zugleich augenfällig genug: Es ist Dampf im Kessel. Hunderte von Ideen werden tatsächlich verhandelt, auf allen Ebenen. Der nächste Landtagswahlkampf zum Beispiel, in Hessen, wird mit weitgehenden, kreativen Vorschlägen zur Umweltpolitik bestritten werden. Wie immer das ausgeht: Das ist erst einmal gut so.
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Nicht nur mit Blick auf Bali ist der fünfte Punkt der wichtigste in unserer apokalyptisch-utopischen, humanen, 3.000jährigen Erbmasse: Die Beschwörung von möglichen Untergängen, gepaart mit Machbarkeitsphantasien, das kann zu unschönen, unproduktiven und unmenschlichen Folgerungen verleiten, wo der Geist fehlt. Es gibt eine gefährliche Spielart apokalyptischen Denkens, das bloß am „Aufhalten“ orientiert ist, das sich bloß aus Angst speist, das bloße Desillusion als harten Realismus verkauft, das aus Chancen der Technik bloß technoide Folgerungen zieht. Eigentlich ist dieses Denken anti-apokalyptisch: Es verhindert die „Offenbarung“, es will die Verhältnisse gerade nicht ändern, sondern beschwört die Gefahren, in die es insgeheim verliebt ist, um alles zu erhalten, wie es ist.
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Das sind die großen „Aufhalter“, die sich ein wenig um die Eisbären und um Alaska sorgen – und für Unsummen Krieg um Öl führen, während die Gesellschaft und die Ökonomie im eigenen Land längst viel, viel weiter sind.
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Es wäre zu billig, nur wieder Bush-bashing zu betreiben, denn wieder ist das Problem ein strukturelles, und auch die „Klima-Avantgarde“ muss „höllisch“ Acht geben, dass sie sich nicht in ihren Gefahren-Szenarien verfängt und nicht beim Denken des „Aufhaltens“ stehen bleibt. Das ist aber auch gar nicht nötig. Denn es kann begeistern, sich der zu recht beschworenen Herausforderung zu stellen. So vieles kann umgesetzt werden, kann ganz anders werden.
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Ein Haus, das mehr Energie erzeugt als es verbraucht, dabei ausschließlich mit Regenerativen Energien arbeitet, ist ein realisiertes 100%-Szenario. 10.000 solcher Häuser in Deutschland wären 10.000 reale 100%-Szenarien – und ein einziger großartiger Impuls und Beweis für die Machbarkeit der Wende. Ähnliches ist auf vielen Gebieten möglich.
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Der Druck im politischen Kessel muss erhöht werden, damit die anstehenden Verhandlungen auch nur überhaupt Ergebnisse zeitigen. Durch Aufhalte-Mentalität, selbst durch den ernsthaften Willen zum Aufhalten des Klimawandels ist nicht mehr viel zu gewinnen – nicht einmal eine Wahl. Sondern durch den Funken, der überspringt, wenn man zeigt, wie es gehen kann. Erst mit einem begeisternden Ensemble von bereits vollendeten Tatsachen, technisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich, die „von unten“ geschaffen werden, schlägt der Funke in die politischen Superstrukturen ein.
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Allein schon der Beschluss, weiter zu verhandeln, ohne direkte Benennung von Zielvorgaben zur Treibhausgasreduktion, gefährdet die mächtigste Wirtschaftsnation der Welt, gefährdet vielleicht auch unsere Volkswirtschaft? Nein, massiv gefährdet ist die weltwirtschaftliche Entwicklung durch den Klimawandel selbst, sicher nicht durch allzu zaghafte Versuche, ihn einzudämmen.
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Demokratische Prozesse brauchen Zeit. Erst recht die Schaffung von zwischenstaatlichem Recht ist noch einmal weit komplizierter. Einfach weil es nicht EINE souveräne Macht gibt, die solches Recht setzen und durchsetzen könnte. Und äußerst selten hat es auf diesem Feld Durchbrüche gegeben, die nicht Reaktionen auf Verheerungen kontinentalen oder globalen Ausmaßes waren. Eine bloß drohende Katastrophe genügt hier wohl nicht, selbst wenn inzwischen verlässliche Prognosen der Klimaforscher und plausible Abschätzungen der ökonomischen Folgekosten von Klimaerwärmungen um zwei, drei, vier oder mehr Grad vorliegen.
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Müssen wir den internationalen Vertrags- und Rechtsfindungsprozessen die Zeit einräumen, die sie nun einmal brauchen, und dabei ihr keineswegs unwahrscheinliches völliges Scheitern einkalkulieren? Das können wir nicht. Die Zeit haben wir nicht. Der Klimawandel schreitet zu schnell voran.
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Hat der Schriftsteller Botho Strauß recht, wenn er in seinem neuen Buch den Zweckoptimisten unter den Klimaschützern vorhielt: Die Kraft der Menschheit liege nun einmal nicht im Verhindern von Katastrophen, sondern im Fertigwerden mit Katastrophen, nachdem sie eingetreten sind? Nach Erfahrungen wie mit der Bali-Konferenz ist eine solche Resignation naheliegend genug. Und doch ist solcher Pessimismus zynisch – und überdies unnötig.
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Der EINE, machtvolle Souverän, der das Nötige durchsetzen könnte: Das ist zum Glück zur Zeit eine unrealistische Vorstellung. Denn es ist eine Horrorvision wie jeder Ruf nach Einheit, Stärke und nach einer Hypermacht, die unsere pluralistische, politisch-diplomatische Struktur von Staaten, Weltöffentlichkeit, Weltwirtschaft, Gesellschaften, Institutionen, NGOs zerschlagen müsste, die so viel mit Zerstörung und brutalem Niederhalten der Gegengewalten beschäftigt wäre, dass gerade das Gegenteil von Völkerrecht und Vernunft herrschen würde, nämlich Unrecht und Weltbürgerkrieg. Diese Macht gibt es nicht, es darf sie auch nicht geben, und gäbe es sie, würde die Klimakatastrophe nicht verhindert, sondern vielmehr um eine weltpolitische Apokalypse noch vermehrt.
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Es ist leicht, mit den Kompromissen von Bali zu hadern. Leicht für George Bush, leicht aber auch für einen Klimaaktivisten. Dass George Bush zur Lösung beiträgt, hat niemand ernsthaft erwartet. Die Erwartungen an diejenigen, die seit Jahrzehnten an Nachhaltigkeitslösungen arbeiten, müssen höher gesteckt werden. Der Druck muss erhöht werden, damit die Richtlinien – wie sehr in der Ratifizierung dann wiederum verschleppt, wie sehr kompromisshaft auch immer – bei den anstehenden Verhandlungen zum Kyoto-Nachfolge-Protokoll sich der einzig vernünftigen Zielsetzung so weit wie irgend möglich annähern. Eine vernünftige Zielsetzung kann nur heißen: 100% Regenerative Energien.
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Das wird mit Sicherheit so nicht in dem Nachfolgeprotokoll verbrieft werden. Das sei utopisch, wird man zu hören bekommen, wenn man 100% fordert, wo selbst 20% kaum verhandelbar sind. Nun gehört die Utopie zum Denken der Apokalypse als ihre Umspiegelung, so wie der Kompromiss zum vernünftigen demokratischen Prozess gehört: zu Verhandlungen, die auf das bessere Argument setzen, auch wenn zugleich die Irrationalität von Macht und Interessen mit am Runden Tisch sitzt, ohne die wiederum nichts durchzusetzen ist. Die Apokalypsen der Klimaforscher lässt man sich inzwischen gefallen, weil sie nur zu realistisch sind. Mit Utopien jedoch hat das 20. Jahrhundert schlechte Erfahrungen gemacht, weswegen das Ende des „Prinzips Hoffnung“ verkündet wurde. Wenn die vernünftige Verhandlungskultur sich als zu schwach erweist, stehen die Feinde dieser Kultur Gewehr bei Fuß, und die Apokalypsen verwirklichen sich.
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100% -Â Das ist eine regulative Idee
Solche regulativen Ideen können die Vernunft von Aushandlungsprozessen stark machen. Als Wunschtraum, als schlechte Utopie von grünen Neo-Fundis (die es ohnehin nur in den Zerrbildern der Verhinderer gibt) taugt eine solche Forderung freilich nichts. Es kann nicht noch einmal um „bloße Utopien“ gehen. Aber greifen wir als regulativen Impuls fünf gehaltvolle Aspekte des utopisch-apokalyptischen Denkens auf, ganz nüchtern, kritisch und realistisch, ohne totalitäre Horizonte, fünf Aspekte, wie sie seit 3.000 Jahren immer wieder auftauchen, weil sie unverzichtbar sind: Frist – Wende – Machbarkeit – Phantasie – Begeisterung.
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Wir haben nur noch begrenzt Zeit, auf den Klimawandel zu reagieren
Die Entscheidungen müssen jetzt fallen und umgesetzt werden. Zu verhindern ist der Klimawandel nicht mehr. Einschränken können wir ihn noch. Dafür müssen wir zweitens massiv umschalten von fossil-atomaren auf Erneuerbare Energien. Das ist nicht einfach ein Austausch von Energieträgern, sondern schon jetzt mit einem Strukturwandel verbunden. Die Sonne ist zwar unser Zentralgestirn, aber auf der Erde scheint sie überall und kann am besten dezentral genutzt werden. Wo das als Chance begriffen wird, entstehen Innovationen und Arbeitsplätze. Zudem bleibt tendenziell das Geld, das für Energie ausgegeben wird, vermehrt am Ort der Nutzung. Die Energiewende leitet einen neuen Wirtschaftszyklus ein – mit enormen Chancen.
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Wir können das! Die technischen Möglichkeiten sind da
Sie müssen weiterentwickelt werden, aber das, was schon jetzt zur Hand ist, genügt, um massiv umzusteuern. Dafür müssen Investitionen in diese zukunftsträchtigen Bereiche umgelenkt werden. Dieser Prozess ist bereits im Gange – und zwar, weil damit Geld zu verdienen ist. Und darauf wird die internationale Politik reagieren müssen. Mit dem vermeintlichen „Ende der Utopien“ ist (viertens) unsere politische Phantasie noch lange nicht aufgezehrt. Von der unvermeidbaren Zähigkeit der Verhandlungen darf man sich nicht beirren lassen. Schaut man nur auf die Abfolge der Konferenzen des vergangenen Jahres zurück, ist ja zugleich augenfällig genug: Es ist Dampf im Kessel. Hunderte von Ideen werden tatsächlich verhandelt, auf allen Ebenen. Der nächste Landtagswahlkampf zum Beispiel, in Hessen, wird mit weitgehenden, kreativen Vorschlägen zur Umweltpolitik bestritten werden. Wie immer das ausgeht: Das ist erst einmal gut so.
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Nicht nur mit Blick auf Bali ist der fünfte Punkt der wichtigste in unserer apokalyptisch-utopischen, humanen, 3.000jährigen Erbmasse: Die Beschwörung von möglichen Untergängen, gepaart mit Machbarkeitsphantasien, das kann zu unschönen, unproduktiven und unmenschlichen Folgerungen verleiten, wo der Geist fehlt. Es gibt eine gefährliche Spielart apokalyptischen Denkens, das bloß am „Aufhalten“ orientiert ist, das sich bloß aus Angst speist, das bloße Desillusion als harten Realismus verkauft, das aus Chancen der Technik bloß technoide Folgerungen zieht. Eigentlich ist dieses Denken anti-apokalyptisch: Es verhindert die „Offenbarung“, es will die Verhältnisse gerade nicht ändern, sondern beschwört die Gefahren, in die es insgeheim verliebt ist, um alles zu erhalten, wie es ist.
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Das sind die großen „Aufhalter“, die sich ein wenig um die Eisbären und um Alaska sorgen – und für Unsummen Krieg um Öl führen, während die Gesellschaft und die Ökonomie im eigenen Land längst viel, viel weiter sind.
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Es wäre zu billig, nur wieder Bush-bashing zu betreiben, denn wieder ist das Problem ein strukturelles, und auch die „Klima-Avantgarde“ muss „höllisch“ Acht geben, dass sie sich nicht in ihren Gefahren-Szenarien verfängt und nicht beim Denken des „Aufhaltens“ stehen bleibt. Das ist aber auch gar nicht nötig. Denn es kann begeistern, sich der zu recht beschworenen Herausforderung zu stellen. So vieles kann umgesetzt werden, kann ganz anders werden.
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Ein Haus, das mehr Energie erzeugt als es verbraucht, dabei ausschließlich mit Regenerativen Energien arbeitet, ist ein realisiertes 100%-Szenario. 10.000 solcher Häuser in Deutschland wären 10.000 reale 100%-Szenarien – und ein einziger großartiger Impuls und Beweis für die Machbarkeit der Wende. Ähnliches ist auf vielen Gebieten möglich.
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Der Druck im politischen Kessel muss erhöht werden, damit die anstehenden Verhandlungen auch nur überhaupt Ergebnisse zeitigen. Durch Aufhalte-Mentalität, selbst durch den ernsthaften Willen zum Aufhalten des Klimawandels ist nicht mehr viel zu gewinnen – nicht einmal eine Wahl. Sondern durch den Funken, der überspringt, wenn man zeigt, wie es gehen kann. Erst mit einem begeisternden Ensemble von bereits vollendeten Tatsachen, technisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich, die „von unten“ geschaffen werden, schlägt der Funke in die politischen Superstrukturen ein.
Quelle:
Dr. Tobias Bube 2007
Solarsiedlung 2007
Dr. Tobias Bube 2007
Solarsiedlung 2007
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