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:: Präsident des Welt-Wasser-Rates: "Wasser ist gefährdet, und mit ihm wir alle"

Das Weltwasserforum in Mexiko-Stadt ist mit Appellen für eine saubere Wasserversorgung auch für die arme Bevölkerung in den Elendsvierteln der Welt eröffnet worden. Der mexikanische Präsident Vicente Fox bezeichnete Wasser in seiner Eröffnungsrede am Donnerstag als ein öffentliches Gut, das alle Regierungen ihrer Bevölkerung garantieren müssten.
Bezahlbares Wasser
Der Präsident des Welt-Wasser-Rates, Louis Fauchon, sagte, für arme Menschen sei es schwer an sauberes und bezahlbares Wasser zu kommen. "Wir müssen mit den Versuchen aufhören, das Problem der Wasserversorgung mit makro-ökonomischen Theorien, abstrakten mathematischen Modellen oder unmenschlichen Umstrukturierungen zu lösen", sagte der Leiter der Nichtregierungsorganisation. Erforderlich seien Ansätze mit "Gefühl und Solidarität". Reiche Länder sollten einen großen Investitionsfonds auflegen, um die Wasserversorgung in den 50 ärmsten Ländern und den 20 ärmsten Mega-Städten zu finanzieren. "Wasser ist gefährdet, und mit ihm wir alle", sagte Fauchon.

 
Schleichende Privatisierung
Die Teilnehmer diskutierten über eine schleichende Privatisierung der Wasserversorgung: Gerade auch in Entwicklungsländern nimmt der Verkauf von in Flaschen abgefülltem Wasser zu und bringt multinationalen Konzernen wie Coca-Cola, PepsiCo und Nestlé weltweit jährlich Einnahmen von 100 Milliarden Dollar (83,5 Milliarden Euro). In Mexiko leben beispielsweise rund 40 Prozent der 103 Millionen Einwohner in Armut: das mittelamerikanische Land ist im Volumen aber bereits der größte Verbraucher von Flaschenwasser nach den USA. Experten erklärten, ähnliche Trends in China, Indien, Indonesien seien Folge der schlechten Qualität der öffentlichen Wasserversorgung. Die wiederum liege im Argen, weil viele Verbraucher nicht bereit seien, für Leitungswasser kostendeckende Preise zu zahlen. In manchen Megastädten, deren Slums ohne ausreichende Wasserversorgung sind, müssen die Ärmsten 10 mal soviel fürs Wasser bezahlen wie die Mittelschichten und die Reichen, deren Wohnungen problemlos mit sauberen Wasser versorgt werden. Der japanische Prinz Naruhito räumte ein, dass bisherige Anstrengungen nicht viel gebracht hätten.

Der Zugang zum Wasser muss frei und vor den Multis geschützt bleiben, sagt das Alternative Weltwasser-Forum. "Wir müssen uns dafür einsetzen, dass das Wasser ein öffentliches Gut bleibt, so wie die Luft, die wir einatmen. Denn weder Luft noch Wasser können durch etwas anderes ersetzt werden", fasst Rosemarie Bär von der Arbeitsgemeinschaft der Schweizer Hilfswerke die Sorgen der Globalisierungsgegner zusammen.
 

Keine Privatisierung
Seit Beginn kritisieren die Nichtregierungs-Organisationen (NGO), dass den internationalen Konzernen zu viel Platz innerhalb des offiziellen Weltwasserforums zugestanden werde. Dessen Vizepräsident vertrete beispielsweise die französische Suez-Gruppe. Diese ist weltweit führend in der Verteilung von Trinkwasser.

Eine Privatisierung lehnt das Alternative Weltwasser-Foruum (Fame), das sich als "Gegengipfel" versteht, strikt ab. Wasser müsse ein öffentliches Gut bleiben, das vom Staat oder von öffentlichen Institutionen kontrolliert werde.

"Eine staatliche Behörde wird dem Bürger einen Kostenpreis verrechnen", sagt Velasco. "Ein Privatunternehmen muss demgegenüber Gewinne ausweisen, und falls es börsenkotiert ist, auch Anteile an seine Aktionäre ausschütten."

Nur eine klare Absage des Volkes könne sicherstellen, dass die Länder sich einer Privatisierung des Wassers widersetzen, glaubt das Fame. In Uruguay und Bolivien hätten der Druck der Strasse und das Wahlverhalten zu einer Gesetzgebung geführt, die den Wassersektor vor einer Liberalisierung bewahre.

Zur Zeit hat ein Drittel der Menschheit keinen Zugang zu Trinkwasser. Sollte sich in den nächsten 25 Jahren nichts ändern, wird der Anteil nach Schätzungen des Alternativen Weltwasserforums in Genf auf zwei Drittel ansteigen.

"Der Druck zur Privatisierung des Wassers ist enorm", sagte der Präsident des Organisations-Komitees und Genfer Grossrat, Alberto Velasco. Doch Wasser sei ein allgemeines Gut der Menschheit und keine Handelsware.

 
UNO-Konvention gefordert
Jean Ziegler, der UNO-Berichterstatter für das Recht auf Nahrung, sagte, dass mehr als 9000 Kinder jeden Tag wegen des Mangels an sauberem Wasser stürben. Schmutziges Wasser sei ausserdem der Grund für zahlreiche Krankheiten.

Ziegler verurteilte die USA, weil sie sich gegen eine UNO- Konvention für das Recht auf Wasser wehrten. Die Umweltorganisation Green Cross International von Michail Gorbatschow startet am Weltwassertag vom kommenden Dienstag ihre Kampagne für eine UNO-Wasserkonvention.
Quelle:
derStandard.at 2006
swissinfo - Marc-André Miserez 2006
(Übertragung aus dem Französischen von Alexander Künzle)
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