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:: Solare Leuchtturmprojekte in Lateinamerika
Die konsequente und frühe Förderung der erneuerbaren Energien in Deutschland hat dazu geführt, dass die Branche heute international zu den richtungsweisenden gehört. Nicht nur national, sondern auch international konnten deutsche Technologieanbieter bei der Realisierung von Projekten frühzeitig wertvolle Erfahrungen sammeln und ihr Know-how für die Entwicklung maßgeschneiderter Lösungen weiter ausbauen. „renewables - Made in Germany“ haben sich bereits in vielen ausländischen Märkten als innovative und leistungsfähige Technologien etablieren können. Auch in Entwicklungs- und Schwellenländern können sie einen Beitrag zu einer zukunftsfähigen Energieversorgung leisten. Von Claudia Vogel
Auch in Entwicklungs- und Schwellenländern können sie einen Beitrag zu einer zukunftsfähigen Energieversorgung leisten. Die breite Einführung innovativer Lösungen hängt immer von den geltenden politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Um den notwendigen Umbau der Energiesysteme in Staaten voranzubringen, muss die gezielte Beratung politischer Entscheidungsträger eine Schlüsselrolle einnehmen.
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Lateinamerika gehört zu den am stärksten von Ölimporten abhängigen Erdteilen. Die Regierungen suchen nach Alternativen zum „schwarzen Gold“. Das natürliche Potenzial für die Nutzung regenerativer Energieträger ist groß. Leuchtturmprojekte, wie sie die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) im Rahmen ihres Solardachprogramms realisiert, tragen dazu bei, das Wissen über Vorteile und Anwendungsmöglichkeiten international zu verbreiten und die Technologie erfahrbar zu machen.
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Energiepolitik im Wandel
Der Wandel der Energiepolitik macht sich unter anderem in Chile bemerkbar. Das südamerikanische Land importiert einen Großteil der Primärenergieträger. Unzuverlässige Erdgaslieferungen aus Argentinien, steigende Erdgaspreise sowie Dürreperioden und die damit einhergehende fehlende Auslastung der großen Wasserkraftwerke verschärfen die Situation und führten in der Vergangenheit zu Versorgungsengpässen. Experten rechnen für die kommenden zehn Jahre mit einer Verdopplung des Stromverbrauchs.
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Um die chilenische Energiematrix zu diversifizieren, hat die chilenische Regierung im Frühjahr des vergangenen Jahres eine Quotenregelung eingeführt, die die Energieversorger verpflichtet, einen bestimmten Anteil ihres Stromangebots aus den sogenannten „energÃas renovables no convencionales“ – die große Wasserkraft zählt nicht zu dieser Kategorie - zu erzeugen. So verpflichtet das Gesetz Ley 20.257 Stromerzeuger, einen Anteil von 5% bis 2014 durch die Nutzung von Biomasse, Geothermie, Solar-, Wind- und Wellenenergie sowie kleiner Wasserkraft zu erreichen. Ab 2014 erhöht sich dieser Prozentsatz jährlich um 0,5% auf 10% im Jahr 2024.
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In jüngster Vergangenheit ist insbesondere der chilenische Windenergiesektor in Bewegung geraten. Derzeit sind rund 20 MW installiert, Prognosen gehen davon aus, dass alleine im Jahr 2009  über 160 MW zusätzlich ans Netz gehen werden.
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Auch in Mittelamerika zählen viele Staaten zu den Vorreitern einer nachhaltigen Energieversorgung. Insbesondere in Costa Rica machen regenerative Energien bereits heute einen Großteil am Energiemix aus. 2007 betrug ihr Anteil an der gesamten Energiebereitstellung 52,6%. Bei der Stromerzeugung entfallen weit über 90% auf erneuerbare Energien. Dabei nimmt die Nutzung der Wasserkraft und der Geothermie eine wichtige Stellung ein. Auch der Windsektor entwickelt sich: Derzeit sind rund 92 MW am Netz, im laufenden Jahr sollen rund 49 MW dazukommen.
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Der aktuelle Energieplan des Ministerio de Ambiente y EnergÃa, MINAE, sieht vor, bis 2025 eine Unabhängigkeit von Stromimporten zu erreichen. Bis 2010 sollen Kapazitäten von insgesamt 500 MW zugebaut werden. Dabei entfallen 360 MW auf neue Wasserkraftprojekte und 50 MW auf Windprojekte. Eine Entscheidung über den genauen Kapazitätszubau in den einzelnen Technologiebereichen für den Zeitraum 2010 bis 2025 steht derzeit noch aus.
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Die Vorteile innovativer Technologien international kommunizieren
Neben Entscheidungen auf politischer Ebene ist auch lokales Handeln wichtig, um weitere Zielgruppen zu erreichen. Versteht man Innovation als die Durchsetzung einer technischen Neuerung, so wird deutlich, dass auch die Produzenten und Konsumenten als Akteure aus dem Wirtschaftssystem von den Vorteilen, die der Einsatz regenerativer Energiesysteme mit sich bringt, überzeugt werden müssen. Erst wenn sich die Bevölkerung des Mehrwerts der neuen Technologien bewusst ist, können diese sich am Markt durchsetzen.
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Insbesondere im Energiebereich besteht die Herausforderung darin, die Vorteile der erneuerbaren Energien im Kontext der bisherigen Formen der Energieversorgung darzustellen. In vielen Ländern existiert nur wenig Wissen über das Potenzial der neuen Technologien. Neben den vom Staat geschaffenen Bedingungen stellt aber gerade dieses Wissen eine zentrale Voraussetzung dafür dar, die nachhaltige Diffusion innovativer Technologien zu erreichen.
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Einblick: Best-practice in Chile und Costa Rica
Das dena-Solardachprogramm zur Auslandsmarkterschließung wird im Rahmen der Exportinitiative Erneuerbare Energien als Public-Private-Partnership mit Beteiligung deutscher Solarunternehmen durchgeführt und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ko-finanziert. Es werden Demonstrationsanlagen realisiert, die dazu beitragen, das Potenzial der Technologie in den jeweiligen Ländern bekannt zu machen und so den Technologietransfer nachhaltig zu unterstützen. Bisher wurden 21 Projekte sowohl in Entwicklungs- und Schwellenländern als auch in Industrieländern durchgeführt, drei davon in Lateinamerika: in El Salvador (2005), Chile (2007) und in Costa Rica (2009).
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Zu einem vielbeachteten Projekt gehört das Solardachprojekt der Deutschen Schule in Santiago de Chile, realisiert durch die Schüco International KG. Auf der Sporthalle der Deutschen Schule wurde eine Solarthermieanlage mit 18 Kollektoren und einer Gesamtbruttofläche von knapp 50 Quadratmetern installiert. Sie deckt nahezu den gesamten Warmwasserbedarf der Schule, allein ca. 2500 Liter täglich für die Duschen in der Sporthalle. Parallel zu den Installationsarbeiten wurden Energieeffizienzmaßnahmen wie z.B. Wärmeisolierung der Kollektorenverbindungen, Rohrleitungen und Speicher durchgeführt, um Wärme- und Energieverluste zu mindern. Ein digitales Display im Eingangsbereich der Sporthalle zeigt die aktuellen Ertragsdaten, sowie bisherige CO2-Einsparungen. Schüco geht davon aus, dass mit der Anlage jährlich ca. 2.500 Kubikmeter Erdgas eingespart und dadurch der Ausstoß von ca. 6 Tonnen CO2 vermieden wird.
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Mit einer großen Einweihungsfeier wurde im April 2007 die Solardachanlage offiziell in Betrieb genommen. An der Einweihungszeremonie nahmen auch die Umweltministerin Chiles Ana Lya Uriarte, die Direktorin des Programms „PaÃs Eficiencia Energética“, Nicola Borregaard, und der Präsident des chilenischen Solarenergieverbands "Asociación Chilena de EnergÃa Solar, Acesol“ Franco Dalmazzoder sowie zahlreiche Vertreter deutsch-chilenischer Institutionen teil.
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Ein weiteres Solardachprojekt wurde vor Kurzem in San José, Costa Rica, durchgeführt. Es handelt sich dabei um eine Kooperation zwischen der Steca Elektronik GmbH und der Sunset Energietechnik GmbH. Zwar ist das mittelamerikanische Land für seinen hohen Anteil an der Energieversorgung aus regenerativen Energiequellen bekannt, die Anwendung von Solartechnik findet jedoch noch keine große Verbreitung.
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Im Frühjahr 2009 wurden auf dem Dach der Humboldt-Schule in San José zwei solarthermische Anlagen und eine netzgekoppelte Photovoltaikanlage mit 8,32 kWp sowie ein unterbrechungsfreies System zur Notfallstromversorgung installiert. Des Weiteren  wurden zwei solare Straßenleuchten errichtet, die für zusätzliche, alternative Beleuchtung des Geländes sorgen. Für die Photovoltaikanlage wurden 64 amorphe und 26 polykristalline Solarmodule der Sunset Energietechnik GmbH verwendet, um die unterschiedlichen Wirkungsweisen zu demonstrieren. Eine solarthermische Anlage auf dem Dach der Küche mit einer Kollektorfläche von 4,7 m² dient der Warmwasseraufbereitung. Die Duschen des Sport- und Schwimmbereiches der Humboldt Schule werden ab sofort ebenfalls mit Wasser gespeist, das von der neu installierten solarthermischen Anlage mit einer Kollektorfläche von 11,8 m² erwärmt wird. Die Schüler und Sportler können somit erstmals mit warmem Wasser duschen.
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Zur Absicherung der dezentralen Stromnutzung wurde eine Notstromversorgung für die Verwaltung eingerichtet. Sowohl die Insel- als auch die Netzverbundwechselrichter, die den erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom umformen, stammen von der Steca Elektronik GmbH.
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Mit diesen Anlagen vermindert die Humboldt Schule San José ihre Energiekosten und verbessert wesentlich den Komfort im Schwimmbadbereich. Gleichzeitig dienen die Anlagen als Schulungsobjekte im Rahmen der Umwelterziehung, die auch Fragen der Energieversorgung und des Energieverbrauchs behandeln. Diese Themen werden jetzt anhand der installierten Demonstrationsanlagen am praktischen Beispiel veranschaulicht. Die Schule konzentriert sich seit acht Jahren auf das Thema „Schonender Umgang mit der Umwelt“ und wurde bereits als „Umweltschule in Amerika“ ausgezeichnet.
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Impulse setzen
Solardachprojekte wie in Santiago und San José setzen wichtige Impulse zur Verbreitung der erneuerbaren Energien. Neben den politischen Entscheidern adressieren die Projekte auch die Bevölkerung in den jeweiligen Ländern. Denn nur wenn sowohl die Politik als auch die Bevölkerung die Vorteile der neuen Technologien erkannt haben, kann sich ein lokaler Markt etablieren. Das gilt für Entwicklungs- und Schwellenländer wie für Industriestaaten.
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Weitere Informationen zum Projekt:
Claudia Vogel 2009
Bereichsleiterin Regenerative Energien
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