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:: "Solidarität, die ankommt"

"Die Welt braucht mehr Engagement und Zusammenarbeit. Leider hören wir viel zu oft, man kann nicht helfen, weil die Mittel sowieso nicht beim Adressaten ankommen. Diese Position ist von vornherein problematisch. Man sollte auch dann helfen, wenn nicht alle Mittel die Adressaten erreichen." Das Vorwort von Prof. Franz Josef Radermacher zu "Solidarität, die ankommt!"
Die Global Marshall Plan – Planetary Contract Initiative arbeitet an einem integrierten Design für die Bewältigung von globalen Herausforderungen, die unsere Zukunft bedrohen. Dabei besteht eine besondere Schwierigkeit darin, dass punktuelle Aktionen langfristig die Probleme nicht lösen. Vielmehr müssen wie in einem Puzzle verschiedene Designelemente passend miteinander verknüpft werden, um dauerhaft positive Effekte auszulösen.
 
Eine echte Partnerschaft, eine mittel- und langfristige Zielvorstellung, ein entsprechender Finanzrahmen, eine geeignete Art der Aufbringung benötigter Mittel und ein passendes institutionelles Design sind entscheidend. Dabei müssen der Missbrauch von Mitteln verhindert und Anreize und Belastungen in einem fairen Miteinander richtig verknüpft werden. Nur ein abgestimmtes Wechselspiel geeigneter Komponenten eröffnet dabei die Chance für einen Konsens über ein wirkungsvolles Gesamtpaket und ermöglicht erfolgsversprechende Formen der Umsetzung. Dem letzten Thema kommt dabei eine große Bedeutung zu.
 
Die heutige Entwicklungszusammenarbeit hat durchaus Erfolge zu verzeichnen. Sie folgt aber einer spezifischen Logik. Sie berücksichtigt insbesondere die Interessen der jeweiligen Geberländer und ist auf bestimmte Strukturen auf der Partnerseite angewiesen, wenn sie erfolgreich sein will. In der Öffentlichkeit werden diese Ansätze oft kritisch gesehen. Dies betrifft Fragen der Effizienz und Zielorientierung, vor allem aber das Thema der Korruption und der Selbstbereicherung von Eliten. Die Global Marshall Plan Initiative ist nicht primär mit einer Analyse heutiger Entwicklungshilfe beschäftigt. Sie erkennt an, dass dies ein schwieriger Bereich mit einer eigenen Logik ist. Sie fordert aber für die neuen Mittel, die im Rahmen des neuen Designs allokiert werden sollen, eine spezifische Logik der Umsetzung, die sich ausschließlich auf besonders bewährte bzw. geeignete neue Formen der Umsetzung stützt und vor allem den Gedanken einer echten Partnerschaft betont.
 
Es geht dabei um Standards, um Zielerreichung und Zielgruppenorientierung, und es geht konkret um Hilfe zur Selbsthilfe. Unabhängig davon, wie weit dabei der staatliche Sektor eingebunden wird, geht es immer und vor allem um die Menschen vor Ort, die das Zentrum aller Anstrengungen bilden müssen. Exemplarisch genannt seien folgende bewährte Ansätze moderner Entwicklungszusammenarbeit: (1) Kleinkredite, ausgehend von den Erfahrungen der Grameen Bank in Bangladesh, (2) die Entwicklungshelferzusammenarbeit, die insbesondere die Umsetzung von Projekten mit kleineren Budgets ermöglicht, sowie schließlich (3) die auf de Soto zurückgehende Konzentration auf die Formalisierung von Eigentumsrechten der ärmeren Bevölkerungsteile zur Unterstützung von Unternehmertum von unten.
 
Angesichts der Bedeutung der Thematik „Mitteleinsatz und Entwicklung“ hat die Global Marshall Plan Initiative eine eigene Arbeitsgruppe mit erfahrenen Praktikern eingesetzt, die sich dieses Themas annimmt. Die Federführung hat Herr Konsul Hesse von der Peter-Hesse-Foundation unter Mitwirkung von Frau Dr. Petra C. Gruber vom Institut für Umwelt-Friede-Entwicklung übernommen. Herr Konsul Hesse ist der Global Marshall Plan Initiative eng verbunden, ist Träger des „Change the World“-Award des Club of Budapest und ist mit der Peter-Hesse-Stiftung seit 1981 in der Bildungsarbeit in sich entwickelnden Ländern, vor allem auf Haiti, aktiv. Er hat das „Partnerschafts- Helfer“-Konzept entwickelt, das heute offizieller Bestandteil der deutschen Entwicklungspolitik ist.
 
Er ist Unternehmer und mit dem Thema Umsetzung seit 25 Jahren vor Ort beschäftigt. Frau Dr. Gruber hat eine ähnlich klare Orientierung bezüglich der Thematik. Sie ist Geschäftsführerin des Instituts für Umwelt-Friede-Entwicklung mit Sitz in Wien und in der Nord-Süd-Zusammenarbeit und in der Thematik „Nachhaltige Entwicklung“ aktiv.
 
Der vorliegende Text gibt den Bericht der Arbeitsgruppe zum Thema wieder. Eine Vielzahl von aktiven Mitstreitern der Global Marshall Plan Initiative hat an der Zusammenführung der Überlegungen und Ergebnisse mitgewirkt.Wir sind als Global Marshall Plan Initiative froh, dass dieser Text heute vorliegt, und hoffen, dass er es vielen Menschen erleichtert, Zeit und Geld in diese Thematik zu investieren. Die Welt braucht mehr Engagement und Zusammenarbeit. Leider hören wir viel zu oft, man kann nicht helfen, weil die Mittel sowieso nicht beim Adressaten ankommen. Diese Position ist von vornherein problematisch. Man sollte auch dann helfen, wenn nicht alle Mittel die Adressaten erreichen.
 
Man sollte dabei nicht vergessen, dass auch in unseren normalen legalen ökonomischen Prozessen in reichen Ländern vieles verkehrt läuft und viel Geld an der falschen Stelle ankommt.Transparency International legt dazu jedes Jahr einen aufschlussreichen Bericht vor. Die Machtverhältnisse sind jeweils so, wie sie sind, und allenfalls über lange Zeiträume zu verändern. Dass entsprechende Probleme in den armen Ländern noch stärker ausgeprägt sind als bei uns, überrascht nicht. Und dass viele Eliten im Norden mit Eliten im Süden „Deals“ machen ist bekannt – dass beide Seiten zu Lasten einer armen Bevölkerung profitieren, auch.
 
Der Hinweis, dass Hilfe bei den Armen nicht ankommt, ist deshalb oft nur eine Taktik, um sicherzustellen, dass alles so bleibt, wie es ist, und viel zu viele sind für jedes Argument dankbar, nicht helfen zu müssen. Man sollte sich also durch Hinweise auf Korruption nicht von Hilfe abbringen lassen. Dennoch sollten wir in den entwickelten Ländern natürlich alles tun, damit soviel wie möglich von der ohnehin begrenzten Hilfe an der richtigen Stelle ankommt, dass so wenig Missbrauch wie möglich stattfindet, um so die Effizienz der Aktivitäten zu erhöhen und mehr aus dem eingesetzten Geld zu machen. Wobei gerade dies auch wieder die Bereitschaft zu Hilfe und Engagement vergrößern wird. Genau so sehen und verfolgen wir das Thema innerhalb der Global Marshall Plan Initiative, wobei für uns der Gedanke einer fairen Partnerschaft zentral ist.
 
Wir hoffen, immer mehr Menschen motivieren zu können mitzumachen, und wissen, dass es bei dieser Thematik noch viel zu lernen gibt. Wir glauben, dass die in dem vorliegenden Band gegebenen Ausführungen in diesem Sinne hilfreich sind und bedanken uns ganz besonders bei unserer Arbeitsgruppe, im Besonderen bei Herrn Hesse und Frau Gruber für ihre Initiative und ihren Einsatz in dieser Angelegenheit. Wir freuen uns zugleich, dass beide mit ihrer Arbeitsgruppe das Thema auch über die Publikation des vorliegenden Buches hinaus weiterverfolgen werden – es ist ein wichtiges Thema!
Quelle:
Prof. Franz Josef Radermacher 2006
Global Marshall Plan Initiative 2006
ist Leiter des Forschungsinstitutes für anwendungsorientierte
Wissensverarbeitung/n(FAW/n) Ulm. Er ist Mitglied im
Club of Rome und im Deutschen Nationalkomitee der
UNESCO für die Weltdekade Bildung für Nachhaltige Entwicklung.
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