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:: Start der Deutschland-Kampagne "Adopt-A-Minefield" - Franz Alt: "Minen sind Massenvernichtungswaffen"
Franz Alt: "Minen sind Massenvernichtungswaffen". Eine Weltpremiere brachte die Benefiz-Gala für die Opfer von Landminen in Schwung: Erstmals sangen Ex-Beatle Sir Paul McCartney und Cat Stevens, der sich seit seinem Übertritt zum islamischen Glauben Yusuf Islam nennt, im Duett. 650.000 Euro für den guten Zweck konnten McCartney und seine Frau Heather nach der "Adopt-a-Minefield"-Gala in Neuss für den guten Zweck verbuchen. "Wir hoffen, die Welt von Landminen befreien zu können. Abende wie heute bringen Bewusstsein und Geld," sagte McCartney.
Eine Weltpremiere brachte die Benefiz-Gala für die Opfer von Landminen in Schwung: Erstmals sangen Ex-Beatle Sir Paul McCartney und Cat Stevens, der sich seit seinem Übertritt zum islamischen Glauben Yusuf Islam nennt, im Duett. 650.000 Euro für den guten Zweck konnten McCartney und seine Frau Heather nach der "Adopt-a-Minefield"-Gala in Neuss für den guten Zweck verbuchen. "Wir hoffen, die Welt von Landminen befreien zu können. Abende wie heute bringen Bewusstsein und Geld," sagte McCartney.
Zur Eröffnung der neuen Anti-Minen-Kampagne hielt Franz Alt diesen Vortrag: In den letzten 30 Jahren sind etwa eine Million Menschen durch Minen getötet oder verletzt worden. Minen sind die Massenvernichtungswaffen unserer Zeit. Jedes dritte bis vierte Opfer einer Minenexplosion ist ein Kind. Hauptsächlich seit dem Vietnam-Krieg werden Landminen in vielen Kriegen massenhaft eingesetzt - in Kambodscha, in Afghanistan, in Mozambique, in Angola in den achtziger Jahren und später in den Bürgerkriegen in Somalia und im ehemaligen Jugoslawien. Seit 2003 sind im Irak-Krieg über 1000 Dörfer vermint worden. Bis heute sind noch zirka 70 Millionen Landminen in ungefähr 90 Ländern vergraben - schätzt die UNO. 95 Prozent der Minenopfer sind Zivilisten.
Minen sind eine Waffe für den Krieg nach dem Krieg - deshalb sind Minen für Zivilisten eine weit größere Gefahr als für Soldaten. Wer Minen produziert - dabei sind auch deutsche Firmen - und wer Minen einsetzt, handelt besonders unfair, besonders feige und besonders verbrecherisch.
Ich habe in meinem Fernsehsendungen Ende der siebziger Jahre über Spielzeug-Minen in Afghanistan und in den neunziger über Minen im somalischen Bürgerkrieg berichtet. Die Sowjetunion hatte in Afghanistan hunderttausende Minen abgeworfen, die aussahen wie Spielzeuge. Durch diese besonders heimtückische Täuschung haben tausende Kinder, die mit den Minen spielen wollten, Arme und Beine verloren, erlitten lebenslange Verletzungen und Verstümmelungen oder wurden getötet. Was würden wir empfinden, was würden wir tun, wenn unser Kind von einer Mine zerfetzt worden wäre?
Im somalischen Bürgerkrieg habe ich Minen-Opfer im Krankenhaus der Stadt Hargeisa gefilmt. Mir fiel auf, das überwiegend Jugendliche und Erwachsene betroffen waren. Ich fragte den Chefarzt, ob keine Kinder betroffen sein. "Doch", sagte er, "aber Kinder müssen wir nicht mehr ins Krankenhaus bringen. Sie sind meist sofort tot."
In einem großen Raum im Krankenhaus in Hargeisa lagen etwa 30 Minenopfern - total entstellt, mit abgerissenen Beinen, aufgeschlitzten Bäuchen und zerfetzten Gesichtern. Vor dem Krankenhaus warteten zwei Männer, denen ein Bein abgerissen war und die mit Krücken gehen mussten. Sie fragten mich, ob sie am nächsten Tag noch einige weitere Betroffene für Interviews und Filmaufnahmen mitbringen sollten. Ich bat darum.
Das Bild am nächsten Tag werde ich nie vergessen: 164 Männer und Frauen jeden Alters standen stumm in einem Kreis und erzählten uns ihre Leidensgeschichte nach ihrem Minenunfall. Die meisten von ihnen wurden bei der Feldarbeit von einer Mine erwischt. Wenn wir ein starkes Fernsehbild brauchten, sagten sie, können sie am Tag später auch mit 1000 Opfern vor der ARD-Kamera auftreten. Da hatte ich begriffen, dass Minen Massenvernichtungswaffen sind. Landminen werden still und feige in der Erde versteckt und warten darauf, dass jemand auf sie tritt - sie haben kein Verfallsdatum und sie bleiben noch viele Jahre nach einem Krieg gefährlich.
Der Mine Ban Vertrag wurde 1999 zum bindenden internationalen Gesetz. 145 Länder haben den Mine Ban Vertrag unterschrieben. 1400 Nichtregierungsorganisationen hatten sich zur "International Campaign to Ban Landmines" zusammengeschlossen und 10 Jahre lang Lobbyarbeit bei ihren Regierungen und bei der UNO betrieben.
Doch der sogenannte Ottawa I- Vertrag hat vier große Schwächen:
Minen-Neulegungen sind durch den Ottawa I- Vertrag tatsächlich seltener geworden, aber 70 Millionen noch vergrabene Minen sind 70 Millionen totbringende Gefahrenherde. Und die heutigen afrikanischen Bürgerkriege werden mit immer neuen Minen geführt. Millionen Menschen trauen sich noch immer nicht auf ihre Felder und oft auch nicht in ihre Dörfer zurück. Sie müssen in städtischen Slums leben, weil ihre bäuerliche Existenz in ihren Dörfern davon abhängt, dass sie ihre Felder bewirtschaften können.
Der frühere Außenminister Klaus Kinkel hat sich politisch und emotional sehr stark für den Ottawa I- Vertrag engagiert. Die rot-grüne Bundesregierung hat sich für die Weiterentwicklung von Ottawa II und Ottawa III leider nicht entsprechend eingesetzt. Das ist kein Ruhmesblatt für die deutsche Außenpolitik der letzten Jahre.
Der Ottawa I- Vertrag ist der Anfang vom Ende der furchtbaren Minen-Kriegs-Politik, aber Ottawa I ist leider noch nicht das Ende dieser modernen Vernichtungswaffen. Ohne öffentliche Aufmerksamkeit wie zum Beispiel das Engagement von Prinzessin Diana im Januar 1997 werden wir die Schande der Minen-Politik nicht tilgen können. Wenn wir endlich in einer minenfreien Welt leben wollen, muss eine Armee der Welt anfangen, ihre Minen und zwar alle Minen zu zerstören. Es gibt keine guten und keine schlechten Minen, sondern nur tödliche.
Unser Vorschlag ist, dass die Bundeswehr ihren Friedenswillen und ihren grundsätzlichen Friedensauftrag dadurch deutlich macht, dass sie als erste Armee der Welt alle Landminen ohne Wenn und Aber zerstört und sich verpflichtet, niemals mehr neue Minen produzieren zu lassen.
Die Erfahrung lehrt: Minen werden eingesetzt solange sie produziert werden. Wir brauchen ein totales Verbot für Produktion und Einsatz aller Minen. In England startete die Aktion "Adopt-A-Minefield" schon 1999. Über 6. Millionen Pfund wurden bereits gesammelt - das ist mehr als viele Regierungen investiert haben. Damit konnten 16 Millionen Quadratmeter Land minenfrei gemacht und über 2300 Minenopfer geholfen werden.
Jetzt starten wir auch in Deutschland die Aktion "Adopt-A-Minefield". Paul und Heather McCartney haben die Schirmherrschaft übernommen. Eine Auszeichnung vergab Heather Mills McCartney an die einzige deutsche Minenräumerin Vera Bohle. "Diese Frau hat im Alter von 29 Jahren eine sehr erfolgreiche Karriere in Fernsehen und Medien aufgegeben", sagte Mills McCartney über die frühere Fernsehredakteurin. Bohle sagte, sie nehme den Preis stellvertretend für die tausenden Minenräumer an, die ständig ihr Leben riskierten. Sie betonte die Wichtigkeit von Hilfsaktionen: "Minen räumen ist nun einmal sehr viel teurer, als Minen verlegen."
Weitere Informationen:
www.aam-gala.com
"Adopt-A-Minefield"
20.000 Tote und Verstümmelte jedes Jahr durch Minen
Aktionsbündnis Landmine
Internationale Kampagne für das Verbot von Landminen
Landminen - Eine tödliche Gefahr
Sonderseite zum Thema bei UNICEF
Geissel der Menschheit: Anzahl verlegter Minen
Die Minenopfer: Bilanz des Schreckens
Neue Studie: Tödliche Alternativen
Zusammenfassung (PDF)
Zur Eröffnung der neuen Anti-Minen-Kampagne hielt Franz Alt diesen Vortrag: In den letzten 30 Jahren sind etwa eine Million Menschen durch Minen getötet oder verletzt worden. Minen sind die Massenvernichtungswaffen unserer Zeit. Jedes dritte bis vierte Opfer einer Minenexplosion ist ein Kind. Hauptsächlich seit dem Vietnam-Krieg werden Landminen in vielen Kriegen massenhaft eingesetzt - in Kambodscha, in Afghanistan, in Mozambique, in Angola in den achtziger Jahren und später in den Bürgerkriegen in Somalia und im ehemaligen Jugoslawien. Seit 2003 sind im Irak-Krieg über 1000 Dörfer vermint worden. Bis heute sind noch zirka 70 Millionen Landminen in ungefähr 90 Ländern vergraben - schätzt die UNO. 95 Prozent der Minenopfer sind Zivilisten.
Minen sind eine Waffe für den Krieg nach dem Krieg - deshalb sind Minen für Zivilisten eine weit größere Gefahr als für Soldaten. Wer Minen produziert - dabei sind auch deutsche Firmen - und wer Minen einsetzt, handelt besonders unfair, besonders feige und besonders verbrecherisch.
Ich habe in meinem Fernsehsendungen Ende der siebziger Jahre über Spielzeug-Minen in Afghanistan und in den neunziger über Minen im somalischen Bürgerkrieg berichtet. Die Sowjetunion hatte in Afghanistan hunderttausende Minen abgeworfen, die aussahen wie Spielzeuge. Durch diese besonders heimtückische Täuschung haben tausende Kinder, die mit den Minen spielen wollten, Arme und Beine verloren, erlitten lebenslange Verletzungen und Verstümmelungen oder wurden getötet. Was würden wir empfinden, was würden wir tun, wenn unser Kind von einer Mine zerfetzt worden wäre?
Im somalischen Bürgerkrieg habe ich Minen-Opfer im Krankenhaus der Stadt Hargeisa gefilmt. Mir fiel auf, das überwiegend Jugendliche und Erwachsene betroffen waren. Ich fragte den Chefarzt, ob keine Kinder betroffen sein. "Doch", sagte er, "aber Kinder müssen wir nicht mehr ins Krankenhaus bringen. Sie sind meist sofort tot."
In einem großen Raum im Krankenhaus in Hargeisa lagen etwa 30 Minenopfern - total entstellt, mit abgerissenen Beinen, aufgeschlitzten Bäuchen und zerfetzten Gesichtern. Vor dem Krankenhaus warteten zwei Männer, denen ein Bein abgerissen war und die mit Krücken gehen mussten. Sie fragten mich, ob sie am nächsten Tag noch einige weitere Betroffene für Interviews und Filmaufnahmen mitbringen sollten. Ich bat darum.
Das Bild am nächsten Tag werde ich nie vergessen: 164 Männer und Frauen jeden Alters standen stumm in einem Kreis und erzählten uns ihre Leidensgeschichte nach ihrem Minenunfall. Die meisten von ihnen wurden bei der Feldarbeit von einer Mine erwischt. Wenn wir ein starkes Fernsehbild brauchten, sagten sie, können sie am Tag später auch mit 1000 Opfern vor der ARD-Kamera auftreten. Da hatte ich begriffen, dass Minen Massenvernichtungswaffen sind. Landminen werden still und feige in der Erde versteckt und warten darauf, dass jemand auf sie tritt - sie haben kein Verfallsdatum und sie bleiben noch viele Jahre nach einem Krieg gefährlich.
Der Mine Ban Vertrag wurde 1999 zum bindenden internationalen Gesetz. 145 Länder haben den Mine Ban Vertrag unterschrieben. 1400 Nichtregierungsorganisationen hatten sich zur "International Campaign to Ban Landmines" zusammengeschlossen und 10 Jahre lang Lobbyarbeit bei ihren Regierungen und bei der UNO betrieben.
Doch der sogenannte Ottawa I- Vertrag hat vier große Schwächen:
- 1). Die USA, Russland und China haben nicht unterschrieben.
- 2). Verbannt sind nur sogenannte Anti-Personen-Minen.
- 3). Anti-Panzer-Minen sind ausgeklammert. Aber wenn, wie zum Beispiel in Angola ein Bus mit Schulkindern auf eine Anti-Panzer-Mine fährt, hat die Katastrophe dasselbe Ausmaß als wären viele Kinder auf viele Anti-Personen-Minen getreten.
- 4). Auch nach dem Ottawa I- Vertrag wurden noch Millionen Minen produziert, abgeworfen und vergraben.
Minen-Neulegungen sind durch den Ottawa I- Vertrag tatsächlich seltener geworden, aber 70 Millionen noch vergrabene Minen sind 70 Millionen totbringende Gefahrenherde. Und die heutigen afrikanischen Bürgerkriege werden mit immer neuen Minen geführt. Millionen Menschen trauen sich noch immer nicht auf ihre Felder und oft auch nicht in ihre Dörfer zurück. Sie müssen in städtischen Slums leben, weil ihre bäuerliche Existenz in ihren Dörfern davon abhängt, dass sie ihre Felder bewirtschaften können.
Der frühere Außenminister Klaus Kinkel hat sich politisch und emotional sehr stark für den Ottawa I- Vertrag engagiert. Die rot-grüne Bundesregierung hat sich für die Weiterentwicklung von Ottawa II und Ottawa III leider nicht entsprechend eingesetzt. Das ist kein Ruhmesblatt für die deutsche Außenpolitik der letzten Jahre.
Der Ottawa I- Vertrag ist der Anfang vom Ende der furchtbaren Minen-Kriegs-Politik, aber Ottawa I ist leider noch nicht das Ende dieser modernen Vernichtungswaffen. Ohne öffentliche Aufmerksamkeit wie zum Beispiel das Engagement von Prinzessin Diana im Januar 1997 werden wir die Schande der Minen-Politik nicht tilgen können. Wenn wir endlich in einer minenfreien Welt leben wollen, muss eine Armee der Welt anfangen, ihre Minen und zwar alle Minen zu zerstören. Es gibt keine guten und keine schlechten Minen, sondern nur tödliche.
Unser Vorschlag ist, dass die Bundeswehr ihren Friedenswillen und ihren grundsätzlichen Friedensauftrag dadurch deutlich macht, dass sie als erste Armee der Welt alle Landminen ohne Wenn und Aber zerstört und sich verpflichtet, niemals mehr neue Minen produzieren zu lassen.
Die Erfahrung lehrt: Minen werden eingesetzt solange sie produziert werden. Wir brauchen ein totales Verbot für Produktion und Einsatz aller Minen. In England startete die Aktion "Adopt-A-Minefield" schon 1999. Über 6. Millionen Pfund wurden bereits gesammelt - das ist mehr als viele Regierungen investiert haben. Damit konnten 16 Millionen Quadratmeter Land minenfrei gemacht und über 2300 Minenopfer geholfen werden.
Jetzt starten wir auch in Deutschland die Aktion "Adopt-A-Minefield". Paul und Heather McCartney haben die Schirmherrschaft übernommen. Eine Auszeichnung vergab Heather Mills McCartney an die einzige deutsche Minenräumerin Vera Bohle. "Diese Frau hat im Alter von 29 Jahren eine sehr erfolgreiche Karriere in Fernsehen und Medien aufgegeben", sagte Mills McCartney über die frühere Fernsehredakteurin. Bohle sagte, sie nehme den Preis stellvertretend für die tausenden Minenräumer an, die ständig ihr Leben riskierten. Sie betonte die Wichtigkeit von Hilfsaktionen: "Minen räumen ist nun einmal sehr viel teurer, als Minen verlegen."
Weitere Informationen:
www.aam-gala.com
"Adopt-A-Minefield"
20.000 Tote und Verstümmelte jedes Jahr durch Minen
Aktionsbündnis Landmine
Internationale Kampagne für das Verbot von Landminen
Landminen - Eine tödliche Gefahr
Sonderseite zum Thema bei UNICEF
Geissel der Menschheit: Anzahl verlegter Minen
Die Minenopfer: Bilanz des Schreckens
Neue Studie: Tödliche Alternativen
Zusammenfassung (PDF)
Quelle:
Franz Alt 2005
Franz Alt 2005
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