|
:: Stromversorgung in Afrika – kreative Investoren gefragt
Der Bedarf an flächendeckender Stromversorgung ist vor allem im ländlichen Afrika enorm. Der Ruf nach erneuerbaren Energien wird laut. Diese finden aber trotz moderner Technik und vielversprechendem Potenzial nur zögerlich den Weg nach Afrika. Liegt es am Geld?
Wir sagen nein: das Geld ist da. Was fehlt, sind mutige Unternehmer und kreative Investoren. Ein Plädoyer für die Verbindung von ethisch-ökologischen Prinzipien mit Private Equity Investments.
Auf einen Konsens können sich alle einigen: Die erneuerbaren Energien sind auf dem neuesten Stand der Technik. Längst den Kinderschuhen entwachsen, hat sich die Solarbranche zu den wachstumsstärksten Zweigen der deutschen Wirtschaft entwickelt. Der Export spielt dabei eine wesentliche Rolle: nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft e.V. hatte die Exportsumme bereits 2007 die Milliardengrenze überschritten und damit in nur drei Jahren ihren Anteil verfünffacht. Tendenz weiter steigend.
Dieses ungebremste Wachstum stützt sich nahezu ausschließlich auf Investitionen in netzgekoppelte Einspeiseanlagen, wie wir sie dank des deutschen Energieeinspeisegesetzes (EEG) auf vielen privaten wie gewerblichen Dächern sehen können. Größere und leistungsfähigere Anlagen entstehen inzwischen auch auf Freiflächen.
So weit die guten Nachrichten. Sieht man sich nun die Regionen an, in die die Technik exportiert wird, steht Europa (ca. 60%) vor Asien (ca. 20%) und den USA (ca. 13%). Sie vermissen Afrika? Wir auch.
Punktuelle Projekte - aufwändige Einzellösungen
Es gibt zwar einige Solaranlagen, die Exporte nach Afrika sind jedoch punktuell und verteilen sich im wesentlichen auf zwei Gruppen: Von Firmen und Institutionen wird hier und da ein Leuchtturmprojekt initiiert, das häufig nicht unerheblich bezuschusst wird und das durch die Medien beachtliche Aufmerksamkeit erlangt. Die meisten dieser Leuchtturmprojekte sind jedoch Einzelaktionen und nicht darauf ausgelegt, zu einer flächendeckenden, modernen Stromversorgung ausgebaut zu werden. Für den Effekt, der erzielt wird, ist der Aufwand beträchtlich.
Diesen wenigen, aufwändigen Projekten stehen zahllose Initiativen von Vereinen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) gegenüber, die aber jede für sich ebenfalls nur punktuell wirken. Mit technisch relativ einfachen Lösungen und dem Ansatz der „Hilfe zur Selbsthilfe“ versuchen diese Gruppen, zumindest „ihren“ Dörfern oder Regionen zu etwas mehr Lebensqualität durch Solarlampen oder Solar Home Systemen zu verhelfen. Wer je in Vereinen versucht hat, Spenden zu akquirieren, weiß, dass für die relativ kleinen Beträge ein erheblicher Aufwand betrieben werden muss. Für eine flächendeckende Versorgung reichen die Ressourcen auch hier nicht.
Energie einspeisen – exportfähige Flächenlösung?
Vielfach steht die Behauptung im Raum, eine Einspeiseregelung wie wir sie in Deutschland haben, würde eine flächendeckende Stromversorgung fördern. Dafür spricht, dass das deutsche EEG die privatwirtschaftliche Energieerzeugung enorm gefördert hat und das dahinter liegende Umlageverfahren bereits von anderen Staaten in ähnlicher Form übernommen wurde. Das Prinzip funktioniert, weil auch in anderen Ländern erhebliche Zuschüsse für den solar erzeugten Strom bezahlt werden und das aufnehmende Netz stabil läuft. Was passiert, wenn diese Subventionen gekürzt werden, können wir aktuell in der Presse verfolgen: Ein Aufschrei der Solarbranche. Also doch nicht alles Gold, was glänzt?
Dagegen spricht, dass in vielen Ländern Afrikas das bestehende Netz heute schon nicht ausreichend gespeist werden kann und regelmäßig und ohne Vorwarnung abgeschaltet wird. Der Grund: fehlendes Geld für Öl & Co. in den Kraftwerken. Hinzu kommt, dass der Netzausbau in die Dörfer zu teuer ist. Somit stehen die afrikanischen Länder vor zwei Problemen: die Kapazitäten für die Stromproduktion UND für den Netzausbau müssten erhöht werden.
Ethisches Investment in ländliche Stromversorgung
Als Alternative für den ländlichen Raum bieten sich Inselversorgungen an, die netzunabhängig funktionieren: großflächig organisierte Verleihsysteme; Nutzung lokal vorhandener Energiequellen, wie Biomasse, die nicht über weite Entfernungen transportiert werden müssen.
Die Autorin:
Heidi Schiller ist Geschäftsführerin der KAÏTO Projekt GmbH und Expertin für Projektentwicklung und Social Investments in Afrika. Als Fachautorin und Referentin berichtet sie über eigene Erfahrungen bei der Realisierung nachhaltiger Investitionsprojekte in Westafrika. KAÏTO betreibt selbst eine Kette von Energie-Kiosken, die per Solarenergie Dörfer mit Licht und Ladestrom für Handys und Akkus versorgen. Für die Energie-Kioske erhielt KAÏTO 2009 als erstes Wirtschaftsunternehmen den Deutschen Solarpreis von EUROSOLAR in der Kategorie „Eine Welt Zusammenarbeit“.
|
















