Eine Welt
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Artikel 159 von 364
:: Von der Freiheit zu handeln
Wir sind eine Wissensgesellschaft, und es mangelt uns nicht an den notwendigen Untersuchungsmethoden und den entsprechenden Medien, um uns Jahr für Jahr mit den Klimaveränderungen, den Naturkatastrophen, dem Artensterben, der globalen Erwärmung, der weltweiten Zunahme der Arbeitslosigkeit vertraut zu machen.
Vielleicht haben wir uns an die Meldungen einfach gewöhnt und warten auf den technischen Urknall, der alle Probleme auf einmal lösen wird, oder wir verlassen uns auf die Nachbardisziplin, die sicherlich bald neue Erkenntnisse erarbeitet hat, um ein sozialverträgliches, ökologisch ausgewogenes, friedliches Leben wieder zu ermöglichen.
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Inzwischen geht unser Leben weiter, und wir sind mit all unseren festgefahrenen Handlungsmustern dabei, eifrig weiter zu forschen, zu reden und zu schreiben. Wir sprechen über Nachhaltigkeit, ein neues politisches Konzept, ein gesellschaftspolitisches Konzept. Die Nachhaltigkeitsdebatte ist u. a. geprägt von der Sehnsucht nach einem besseren Leben, das nicht gekennzeichnet ist von der hohen Arbeitslosigkeit, sondern das den Begriff der Arbeit, des Berufs neu definiert und Wege des gerechten und verantwortungsvollen Handels für die nächsten Generationen aufzeigt.
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Die Einflussmöglichkeiten des Einzelnen bei der Diskussion über Politik und wirtschaftlichen Machtverhältnisse werden von den Bürgerinnen und Bürgern als viel zu gering eingeschätzt. Schauen wir uns die Rolle der Konsumenten an, so sehen wir ein riesiges Angebotsfeld, das uns durchaus die Möglichkeit gibt, durch die bewusste Kaufentscheidung unser Geld dem zu geben, der sozialverträglich, ethisch, ökologisch produziert und mit dieser Vorgabe auch seinen Handel betreibt.
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Eine nachhaltige Lebensweise muss zunächst den kritischen Blick auf unseren der-zeitigen Lebensstil richten. Es sind nicht die bösen Absichten, die bewussten Entscheidungen, die unser Leben durch Hektik, Vereinzelung, Unzufriedenheit, Oberflächlichkeit, fehlende Nachbarschaft, füllt. Es ist der Alltag, das Gewohnte, das unreflektierte Handeln, das uns bedenkenlos Ressourcen verbrauchen lässt. Hinzu kommt, dass das Prinzip der Nachhaltigkeit, das die Verantwortung für die kommenden Generationen an erste Stelle stellt, unserem Denken und Handeln in der Industriegesellschaft eigentlich wesensfremd ist. Unter dem Druck der zunehmenden Kapitalisierung bewegen wir uns in einer Warengesellschaft, in der die konsumierenden Individuen ohne Zusammenhang stehen. Das ist nicht förderlich für die Sicht und das Denken in großen Zusammenhängen. Eine Ethik des Rücksichtnehmens und gar die Rücksichtnahme für die kommenden Generationen werden in den Hintergrund gedrängt.
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Wo bitte, geht’s zum Guten Leben? Diese Frage kann zunächst nur jeder für sich selbst stellen.
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Lassen Sie uns durch Ihren Haushalt, sei es ein Single-Haushalt, der Haushalt einer so genannten Kleinfamilie, das Institut, die Bildungseinrichtung oder das Hotel gehen. Hier gibt es eine Fülle von Veränderungsmöglichkeiten, die den Kunden zum König werden lässt.
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Hier ist jeder an seinem Platz Herr im Hause, Entscheidungsträger, der sich seiner Verantwortung für sich selbst, für die Gemeinschaft, die Kommune und unserer Nachkommen bewusst ist.
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Es gibt viele Wege, die nach Hause führen
Carsharing – viele Menschen teilen sich ein Auto, das nun immer in Bewegung ist und seine Stand-Haftigkeit – das Privatauto steht mehr als dass es fährt – zu Gunsten einer echten Mobilität aufgibt. Der Vorteil: der Benutzer braucht sich nicht um Reparatur, Reinigung, Neukauf und Versicherung kümmern. Inzwischen steht in einer größeren Stadt wie z. B. Freiburg per E-Mail oder "Taxi-Ruf" ein Fuhrpark von mehr als 90 Autos zur Verfügung. Je nach Anlass finde ich das richtige Auto für den Transport, Möbel- oder Bildertransport, für den Großfamilienausflug bis zur Spritztour im Zweisitzer. Warum nicht einmal wie früher mit den Autos spielen?
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Die Zugfahrt ist inzwischen zu einer Chance geworden, nicht immer für alle erreich-bar zu sein. Das Buch, das ich immer schon lesen wollte, gibt mir bei fünf Stunden Zugfahrt die Gelegenheit, mich in die Geschichte, in die Sprache eintauchen zu lassen. Ich brauche mich auf der Straße nicht dem Wettkampf, wer ist schneller, spritziger, und wer überholt wen, auszusetzen. Ja, ich kann ein Gespräch im Restaurant führen, meine Glieder bewegen und ein halbes Stündchen schlummern. Mein Gepäck ist überschaubar und verführt mich nicht am Abend vor der Abreise dem großen Kofferraum nachzugeben und mehr mitzunehmen, als ich brauche. Das erspart das Einpacken, wie das Auspacken.
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Wenden wir uns dem Fahrrad zu. Das Fahrrad lässt mich direkt vor der Tür parken und erspart das unnötige Suchen nach dem geeigneten Parkplatz. Frische Luft; Bewegung, eingebaut in den Ablauf meines Alltags, erspart mir das Fitness-Center. Die Transportmöglichkeiten mit dem Fahrrad sind beschränkt, also werden die Lebensmittel gekauft, die ich tatsächlich nach Hause transportieren kann, und die ich unmittelbar brauche. Die kleinen Geschäfte, die letztlich die Infrastruktur einer sich vor allem verändernden demographischen Gesellschaft sichern, werden eher angesteuert als die großen Supermärkte. Die Verführung, das Schnäppchen zu kaufen, weil man sonst der Dumme ist, entfällt.
Der Blick auf die Verpackung lässt mich entscheiden, dass ich auch diese mit nach Hause tragen muss, um dann den Restmüll wieder zu entsorgen. Einkaufen um die Ecke gibt mir die Chance, auch einmal einen Sonderwunsch erfüllt zu bekommen, einen Tipp zu erhalten oder eine Dienstleistung. Die Nachbarschaft sichert den Ort, der einem dazu gehören lässt.
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Wir leben in einer Gesellschaft der Gleichzeitigkeit, der Erreichbarkeit, die Zeit und Saison verwischt. Der direkte regionale Einkauf, Gemüse, Obst, entsprechend der Jahreszeit, lässt uns den Saisonkalender wieder neu entdecken. Die Freude auf den ersten Spargel, auf die ersten Erdbeeren, erhellen den Alltag.
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Das "ALLES-ISTJEDERZEITVERFÜGBAR" Prinzip entfällt. Der Einkauf beim Metzger um die Ecke, sofern es ihn noch gibt, sichert Arbeitsplätze in der Region, lässt ein Handwerk mit Tradition weiter leben. Ja, ich kann nachfragen, was ein Rippenstück von einer Schulter unterscheidet. Es sei denn, es ist einem ohnehin alles wurscht.
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In Anbetracht der vielen Fleischskandale von BSE bis zum Gammelfleisch, verbunden mit kriminellen Handlungen wie der Umdatierung der Ware, sollten wir wieder zum geschätzten Metzgerhandwerk zurückkehren. Damit verbunden sind die Bauern der Region, sie sind nicht nur unsere Getreide-, Obst-, Gemüse- und Fleischlieferanten, sie sind unverzichtbar für die Flurbereinigung, für den Landschafts- und Naturschutz. Sie lassen uns in der Region heimisch werden und tragen dazu bei, dass wir uns wieder mit unserer Region identifizieren und der Urlaub zu Hause wie-der denkbar wird.
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Lassen Sie uns wieder heimkehren mit einem Blumenstrauß, der immer Freude bringt. Diese Freude wird allerdings getrübt, wenn man die von Pestiziden ange-griffenen Frauenhände der Pflückerinnen in Südamerika sieht. Denn es gibt sie noch, die engagierten Dokumentarfilmer, die diese Skandale der Ausbeutung in den Billiglohnländern, die uns so preiswerten Blumen in die Discounter schwemmen, in die Medien bringen. Dort werden diese Filme zunehmend auf die späten Sendeplätze verdrängt. Lassen Sie uns in die Blumenläden gehen, in die Gärtnereien, die uns durch heimische Anpflanzung die herbei geflogenen Blumen ersetzen.
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Nach Hause kommen heißt, sich wohl fühlen. Gedämmte Wände, gesundes Raumklima, helle lichtdurchflutete Räume. Die passive Nutzung der Sonne, die auf jedes Haus scheint, ist eine der demokratischsten Naturgeschehnisse, die sich täglich abspielen.
Der Strom kommt aus der Steckdose, doch auch hier ist der Kunde König. Nach der Liberalisierung des Strommarktes hat jeder Konsument, jeder Haushalt, jede Institution, jede Klinik, die Freiheit zu entscheiden, welcher Strom eingekauft werden soll. Möchte ich weiter den Atomstrom abnehmen, die Kohle und den Bergbau weiter subventionieren, oder ist mir daran gelegen, meinen Beitrag für den Ausbau de Erneuerbaren Energie, Wind, Wasser, Biomasse, Sonne zu leisten. Viele Einzelne könnten das solare Zeitalter einläuten. Den Strom zu wechseln ist nicht aufwendiger als ein Kind bei der Stadtbibliothek anzumelden.
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Ob "Lichtblick" oder "EWS Schönau", das sind Beispiele von Stromlieferanten, die keinen Atomstrom einkaufen. Selbst das Stromsparen, die Erhöhung der Energieeffizienz ist kein Hexenwerk mehr. Hier hat das Ökoinstitut Freiburg eine ecotopten-Kampagne ins Leben gerufen, die für den Verbraucher die nötigen Daten für den Kauf von Elektrogeräten, Autos, Kleidung, Strom liefert, um den so genannten ökologischen Rucksack der jeweiligen Produkte im Auge zu behalten. Solch ein Alltag sieht ziemlich banal aus. Geprägt ist er allerdings von vielen Entscheidungen – bewussten und unbewussten.
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Die Grundfrage aber bleibt, wem gebe ich mein Geld, das wahrhaftig kein neutrales Medium ist, wie es immer scheint.
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Eine Spendenquittung zur Rehabilitation von Minenopfern bei einer Bank, die gleich-zeitig Kredite zur Herstellung von Minen bereit stellt, zeigt uns die Absurdität von solchen Transferleistungen. Aber es gibt sie, und zwar immer mehr, die nachhaltigen Geldanlagen, die ethischen, ökologischen, sozialen Fonds. Ja selbst einige Banken so z. B. die GLS Gemeinschaftsbank eG, Bochum - haben sich einem strengen Kriterienkatalog unterworfen, für ihre Geldanlagenpolitik und für die Vergabe von Krediten.
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Wenn man es schafft, diese vielen kleinen Veränderungen im Alltag mit Neugierde, einer gewissen spielerischen Leichtigkeit und einem verschmitzten Lächeln vorzunehmen, dann wird einem das Gefühl "ich kann ja doch nichts bewegen" schnell verlassen.
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Inzwischen gibt es dank der medialen Vernetzung interessante Bewegungen wie "We are what we do" oder die Social Enterpreneurs, die uns zeigen, dass man in der Gemeinschaft mit pfiffigen Ideen, kreativen Aktionen, bis hin zu großen Events, sehr viel verändern kann.
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Viele der genannten Maßnahmen konnten in der Katholischen Akademie der Erzdiözese Freiburg umgesetzt werden, die als erste kirchliche Bildungseinrichtung in Deutschland 1999 nach dem EU-Öko-Audit-System begutachtet wurde und inzwischen zum dritten Mal revalidiert wurde. Dies zeigt, dass auch in einer Bildungseinrichtung mit einem regen Tagungsbetrieb, Verpflegungs- und Hotelbetrieb nachhaltiges Wirtschaften durchaus möglich ist, ohne auf eine Qualitätssicherung zu verzichten. Im Gegenteil - der Gedanke der Schöpfungsbewahrung wird konkret vor Ort glaubhaft umgesetzt.
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Ein Nachhaltigkeitskonzept sollte sich nicht auf die Vermeidung ökologischer Bedrohungsszenarien konzentrieren, sondern sich auf ein komplexes Entwicklungskonzept konzentrieren, das die zentralen Bereiche Ökonomie, Wissenschaft, Technik, Politik, Kirche und vor allem das kulturelle Selbstverständnis umfasst.
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Es ist kein gesellschaftlicher Utopieentwurf einer ökologisch orientieren Minderheit mit moralischem Anspruch, sondern es geht um eine neue Kultur des Umdenkens, den sich Bescheidens, des Ballastabwerfens – es geht um einen neuen Lebensstil.
Wir sind auf einem Abenteuerspielplatz, der entrümpelt wird und wo neue Spielregeln erstellt werden mit viel schnelleren Rutschbahnen und einem Karussell, das wir selbst drehen in eine neue Richtung.
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Inzwischen geht unser Leben weiter, und wir sind mit all unseren festgefahrenen Handlungsmustern dabei, eifrig weiter zu forschen, zu reden und zu schreiben. Wir sprechen über Nachhaltigkeit, ein neues politisches Konzept, ein gesellschaftspolitisches Konzept. Die Nachhaltigkeitsdebatte ist u. a. geprägt von der Sehnsucht nach einem besseren Leben, das nicht gekennzeichnet ist von der hohen Arbeitslosigkeit, sondern das den Begriff der Arbeit, des Berufs neu definiert und Wege des gerechten und verantwortungsvollen Handels für die nächsten Generationen aufzeigt.
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Die Einflussmöglichkeiten des Einzelnen bei der Diskussion über Politik und wirtschaftlichen Machtverhältnisse werden von den Bürgerinnen und Bürgern als viel zu gering eingeschätzt. Schauen wir uns die Rolle der Konsumenten an, so sehen wir ein riesiges Angebotsfeld, das uns durchaus die Möglichkeit gibt, durch die bewusste Kaufentscheidung unser Geld dem zu geben, der sozialverträglich, ethisch, ökologisch produziert und mit dieser Vorgabe auch seinen Handel betreibt.
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Eine nachhaltige Lebensweise muss zunächst den kritischen Blick auf unseren der-zeitigen Lebensstil richten. Es sind nicht die bösen Absichten, die bewussten Entscheidungen, die unser Leben durch Hektik, Vereinzelung, Unzufriedenheit, Oberflächlichkeit, fehlende Nachbarschaft, füllt. Es ist der Alltag, das Gewohnte, das unreflektierte Handeln, das uns bedenkenlos Ressourcen verbrauchen lässt. Hinzu kommt, dass das Prinzip der Nachhaltigkeit, das die Verantwortung für die kommenden Generationen an erste Stelle stellt, unserem Denken und Handeln in der Industriegesellschaft eigentlich wesensfremd ist. Unter dem Druck der zunehmenden Kapitalisierung bewegen wir uns in einer Warengesellschaft, in der die konsumierenden Individuen ohne Zusammenhang stehen. Das ist nicht förderlich für die Sicht und das Denken in großen Zusammenhängen. Eine Ethik des Rücksichtnehmens und gar die Rücksichtnahme für die kommenden Generationen werden in den Hintergrund gedrängt.
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Wo bitte, geht’s zum Guten Leben? Diese Frage kann zunächst nur jeder für sich selbst stellen.
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Lassen Sie uns durch Ihren Haushalt, sei es ein Single-Haushalt, der Haushalt einer so genannten Kleinfamilie, das Institut, die Bildungseinrichtung oder das Hotel gehen. Hier gibt es eine Fülle von Veränderungsmöglichkeiten, die den Kunden zum König werden lässt.
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Hier ist jeder an seinem Platz Herr im Hause, Entscheidungsträger, der sich seiner Verantwortung für sich selbst, für die Gemeinschaft, die Kommune und unserer Nachkommen bewusst ist.
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Es gibt viele Wege, die nach Hause führen
Carsharing – viele Menschen teilen sich ein Auto, das nun immer in Bewegung ist und seine Stand-Haftigkeit – das Privatauto steht mehr als dass es fährt – zu Gunsten einer echten Mobilität aufgibt. Der Vorteil: der Benutzer braucht sich nicht um Reparatur, Reinigung, Neukauf und Versicherung kümmern. Inzwischen steht in einer größeren Stadt wie z. B. Freiburg per E-Mail oder "Taxi-Ruf" ein Fuhrpark von mehr als 90 Autos zur Verfügung. Je nach Anlass finde ich das richtige Auto für den Transport, Möbel- oder Bildertransport, für den Großfamilienausflug bis zur Spritztour im Zweisitzer. Warum nicht einmal wie früher mit den Autos spielen?
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Die Zugfahrt ist inzwischen zu einer Chance geworden, nicht immer für alle erreich-bar zu sein. Das Buch, das ich immer schon lesen wollte, gibt mir bei fünf Stunden Zugfahrt die Gelegenheit, mich in die Geschichte, in die Sprache eintauchen zu lassen. Ich brauche mich auf der Straße nicht dem Wettkampf, wer ist schneller, spritziger, und wer überholt wen, auszusetzen. Ja, ich kann ein Gespräch im Restaurant führen, meine Glieder bewegen und ein halbes Stündchen schlummern. Mein Gepäck ist überschaubar und verführt mich nicht am Abend vor der Abreise dem großen Kofferraum nachzugeben und mehr mitzunehmen, als ich brauche. Das erspart das Einpacken, wie das Auspacken.
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Wenden wir uns dem Fahrrad zu. Das Fahrrad lässt mich direkt vor der Tür parken und erspart das unnötige Suchen nach dem geeigneten Parkplatz. Frische Luft; Bewegung, eingebaut in den Ablauf meines Alltags, erspart mir das Fitness-Center. Die Transportmöglichkeiten mit dem Fahrrad sind beschränkt, also werden die Lebensmittel gekauft, die ich tatsächlich nach Hause transportieren kann, und die ich unmittelbar brauche. Die kleinen Geschäfte, die letztlich die Infrastruktur einer sich vor allem verändernden demographischen Gesellschaft sichern, werden eher angesteuert als die großen Supermärkte. Die Verführung, das Schnäppchen zu kaufen, weil man sonst der Dumme ist, entfällt.
Der Blick auf die Verpackung lässt mich entscheiden, dass ich auch diese mit nach Hause tragen muss, um dann den Restmüll wieder zu entsorgen. Einkaufen um die Ecke gibt mir die Chance, auch einmal einen Sonderwunsch erfüllt zu bekommen, einen Tipp zu erhalten oder eine Dienstleistung. Die Nachbarschaft sichert den Ort, der einem dazu gehören lässt.
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Wir leben in einer Gesellschaft der Gleichzeitigkeit, der Erreichbarkeit, die Zeit und Saison verwischt. Der direkte regionale Einkauf, Gemüse, Obst, entsprechend der Jahreszeit, lässt uns den Saisonkalender wieder neu entdecken. Die Freude auf den ersten Spargel, auf die ersten Erdbeeren, erhellen den Alltag.
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Das "ALLES-ISTJEDERZEITVERFÜGBAR" Prinzip entfällt. Der Einkauf beim Metzger um die Ecke, sofern es ihn noch gibt, sichert Arbeitsplätze in der Region, lässt ein Handwerk mit Tradition weiter leben. Ja, ich kann nachfragen, was ein Rippenstück von einer Schulter unterscheidet. Es sei denn, es ist einem ohnehin alles wurscht.
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In Anbetracht der vielen Fleischskandale von BSE bis zum Gammelfleisch, verbunden mit kriminellen Handlungen wie der Umdatierung der Ware, sollten wir wieder zum geschätzten Metzgerhandwerk zurückkehren. Damit verbunden sind die Bauern der Region, sie sind nicht nur unsere Getreide-, Obst-, Gemüse- und Fleischlieferanten, sie sind unverzichtbar für die Flurbereinigung, für den Landschafts- und Naturschutz. Sie lassen uns in der Region heimisch werden und tragen dazu bei, dass wir uns wieder mit unserer Region identifizieren und der Urlaub zu Hause wie-der denkbar wird.
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Lassen Sie uns wieder heimkehren mit einem Blumenstrauß, der immer Freude bringt. Diese Freude wird allerdings getrübt, wenn man die von Pestiziden ange-griffenen Frauenhände der Pflückerinnen in Südamerika sieht. Denn es gibt sie noch, die engagierten Dokumentarfilmer, die diese Skandale der Ausbeutung in den Billiglohnländern, die uns so preiswerten Blumen in die Discounter schwemmen, in die Medien bringen. Dort werden diese Filme zunehmend auf die späten Sendeplätze verdrängt. Lassen Sie uns in die Blumenläden gehen, in die Gärtnereien, die uns durch heimische Anpflanzung die herbei geflogenen Blumen ersetzen.
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Nach Hause kommen heißt, sich wohl fühlen. Gedämmte Wände, gesundes Raumklima, helle lichtdurchflutete Räume. Die passive Nutzung der Sonne, die auf jedes Haus scheint, ist eine der demokratischsten Naturgeschehnisse, die sich täglich abspielen.
Der Strom kommt aus der Steckdose, doch auch hier ist der Kunde König. Nach der Liberalisierung des Strommarktes hat jeder Konsument, jeder Haushalt, jede Institution, jede Klinik, die Freiheit zu entscheiden, welcher Strom eingekauft werden soll. Möchte ich weiter den Atomstrom abnehmen, die Kohle und den Bergbau weiter subventionieren, oder ist mir daran gelegen, meinen Beitrag für den Ausbau de Erneuerbaren Energie, Wind, Wasser, Biomasse, Sonne zu leisten. Viele Einzelne könnten das solare Zeitalter einläuten. Den Strom zu wechseln ist nicht aufwendiger als ein Kind bei der Stadtbibliothek anzumelden.
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Ob "Lichtblick" oder "EWS Schönau", das sind Beispiele von Stromlieferanten, die keinen Atomstrom einkaufen. Selbst das Stromsparen, die Erhöhung der Energieeffizienz ist kein Hexenwerk mehr. Hier hat das Ökoinstitut Freiburg eine ecotopten-Kampagne ins Leben gerufen, die für den Verbraucher die nötigen Daten für den Kauf von Elektrogeräten, Autos, Kleidung, Strom liefert, um den so genannten ökologischen Rucksack der jeweiligen Produkte im Auge zu behalten. Solch ein Alltag sieht ziemlich banal aus. Geprägt ist er allerdings von vielen Entscheidungen – bewussten und unbewussten.
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Die Grundfrage aber bleibt, wem gebe ich mein Geld, das wahrhaftig kein neutrales Medium ist, wie es immer scheint.
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Eine Spendenquittung zur Rehabilitation von Minenopfern bei einer Bank, die gleich-zeitig Kredite zur Herstellung von Minen bereit stellt, zeigt uns die Absurdität von solchen Transferleistungen. Aber es gibt sie, und zwar immer mehr, die nachhaltigen Geldanlagen, die ethischen, ökologischen, sozialen Fonds. Ja selbst einige Banken so z. B. die GLS Gemeinschaftsbank eG, Bochum - haben sich einem strengen Kriterienkatalog unterworfen, für ihre Geldanlagenpolitik und für die Vergabe von Krediten.
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Wenn man es schafft, diese vielen kleinen Veränderungen im Alltag mit Neugierde, einer gewissen spielerischen Leichtigkeit und einem verschmitzten Lächeln vorzunehmen, dann wird einem das Gefühl "ich kann ja doch nichts bewegen" schnell verlassen.
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Inzwischen gibt es dank der medialen Vernetzung interessante Bewegungen wie "We are what we do" oder die Social Enterpreneurs, die uns zeigen, dass man in der Gemeinschaft mit pfiffigen Ideen, kreativen Aktionen, bis hin zu großen Events, sehr viel verändern kann.
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Viele der genannten Maßnahmen konnten in der Katholischen Akademie der Erzdiözese Freiburg umgesetzt werden, die als erste kirchliche Bildungseinrichtung in Deutschland 1999 nach dem EU-Öko-Audit-System begutachtet wurde und inzwischen zum dritten Mal revalidiert wurde. Dies zeigt, dass auch in einer Bildungseinrichtung mit einem regen Tagungsbetrieb, Verpflegungs- und Hotelbetrieb nachhaltiges Wirtschaften durchaus möglich ist, ohne auf eine Qualitätssicherung zu verzichten. Im Gegenteil - der Gedanke der Schöpfungsbewahrung wird konkret vor Ort glaubhaft umgesetzt.
Â
Ein Nachhaltigkeitskonzept sollte sich nicht auf die Vermeidung ökologischer Bedrohungsszenarien konzentrieren, sondern sich auf ein komplexes Entwicklungskonzept konzentrieren, das die zentralen Bereiche Ökonomie, Wissenschaft, Technik, Politik, Kirche und vor allem das kulturelle Selbstverständnis umfasst.
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Es ist kein gesellschaftlicher Utopieentwurf einer ökologisch orientieren Minderheit mit moralischem Anspruch, sondern es geht um eine neue Kultur des Umdenkens, den sich Bescheidens, des Ballastabwerfens – es geht um einen neuen Lebensstil.
Wir sind auf einem Abenteuerspielplatz, der entrümpelt wird und wo neue Spielregeln erstellt werden mit viel schnelleren Rutschbahnen und einem Karussell, das wir selbst drehen in eine neue Richtung.
Quelle:
Hanna Lehmann 2007
Studienleiterin/Umweltbeauftragte der
Katholischen Akademie Freiburg
Hanna Lehmann 2007
Studienleiterin/Umweltbeauftragte der
Katholischen Akademie Freiburg
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