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:: Wieder Hoffnung für Brasiliens Regenwald!

Der Regenwald Brasiliens ist noch immer so groß wie die Europäische Union heute. Immerhin stehen da noch 83 Prozent der ursprünglichen Größe.
Und - so schreibt "Die Zeit" in der Nr. 51/2006 - diesem Rest-Regenwald gehe es nicht nur gut - er hat sogar eine gute Zukunft. Denn allmählich setze sich auch in Brasilien die Erkenntnis durch, dass schonende Nutzung profitabler ist als Kahlschlag. Hoffnung also für den Regenwald?
 
40 Jahre lang wurde Brasiliens Regenwald rücksichtslos abgeholzt - insgesamt schon eine Fläche größer als Frankreich. Erst waren ist gigantische Straßenbauprojekte der brasilianischen Militärdiktatur. Später kamen illegale Tropenholzräuber. Und danach starben tausende Quadratkilometer Regenwald durch die Sägen der Sojabauern und Rinderfarmer. Doch inzwischen verlangsamt sich das Tempo des Abholzens wenigstens.
 
Bei Diskussionen über Biomassenutzung auf der Rio6-Konferenz Anfang November 2006 fiel mir auf, wie sensibel sowohl brasilianische Politiker wie auch Wissenschaftler und Unternehmer inzwischen auf Nachhaltigkeit achten. Es dürfe nur so viel genutzt werden wie wieder nachwächst. "Wir stoppen den Kahlschlag. Es gibt Alternativen," so war zu hören. Und das in einem Land, in dem bereits jedes zweite Auto mit Biosprit fährt und schon die ersten Flugzeuge mit Bio-Ethanol betankt werden!
 
In Brasilien ist das Wissen über biologische und ökologische Zusammenhänge in den letzten Jahrzehnten stark gewachsen. Ökologen wie Brasiliens früherer Umweltminister José Lutzenberger haben dazu wesentlich beigetragen.
 
Einer der wichtigsten Klimaforscher der Welt, der brasilianische Wissenschaftler am Amazonas-Forschungsinstitut in Manaus, Philip Fearnside hat ausgerechnet, dass noch im Jahr 2004 über 27.000 Quadratkilometer Urwald am Amazonas gerodet wurden. Dadurch wurden 500 Millionen Tonnen Kohlenstoff freigesetzt, die vorher im Urwald gebunden waren. Das war viermal so viel wie Brasilien im selben Jahr insgesamt durch das Verbrennen von Kohle, Gas und Öl emittiert hat.
 
Diese Zahl macht erstmals den ökonomischen Wert des Waldes als Kohlenstoffspeicher deutlich. So bietet sich neuerdings durch den CO2-Handel die Chance, dass Länder wie Brasilien Entwicklungsgelder kassieren, wenn sie den Kahlschlag stoppen. Natur-Kapital wird eine ökonomische Größe. Auch hier gilt Bill Clinton's Erkenntnis: "It's the economy stupid." Ein ökonomischer Anreiz ist sicher der beste Schutz für den Regenwald. Tatsächlich: Seit der Weltmarktpreis für Sojabohnen sinkt, nimmt der Wald-Kahlschlag ab.


Die Vorteile für den Erhalt des Regenwaldes sind seit langem offensichtlich:
  • Artenschutz im artenreichsten Biotop des gesamten Planeten.
  • Klimaschutz für den gesamten Planeten, denn in der Biomasse des Amazonaswaldes steckt so viel Kohlenstoff wie die gesamte Menschheit in 10 Jahren verbrennt.
  • Wasserschutz, denn im Amazonas fließt mehr Süßwasser als in den sechs nächstgrößten Flüssen der Welt zusammen. 
     
Vor allem im Süden und im Westen wurde der Amazonas-Regenwald stark kahlgeschlagen. Dort droht durch die Zerstückelung des Urwaldes die Gefahr, dass er sich nicht mehr regeneriert.
 
Der Bundesstadt Amazonas besteht noch zu 90 Prozent aus Wald. Er ist viermal so groß wie Deutschland. Hier ist der Regenwald noch intakt. Allein Deutschland hat - dank des Engagements von Helmut Kohl in den neunziger Jahren - 300 Millionen Euro für das Pilotprogramm zur Bewahrung der Regenwälder Brasiliens investiert. Dadurch wurde ein Gebiet so groß wie Frankreich komplett unter Schutz gestellt - mit Hilfe der indianischen Urbevölkerung.
 
Dieser Schutz ist heute eine Art Lebensversicherung für den Urwald. Die Indianer sind besonders daran interessiert und engagiert, illegale Entwaldung zu stoppen ist geht um ihre Heimat. Es besteht tatsächlich noch Hoffnung für den Regenwald.

Quelle:
Franz Alt 2006
"Die Zeit" Nr. 51/2006
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