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:: Wir brauchen in Europa den Prinzen Hassan

Zu zwei produktiven Ereignissen in Berlin Anfang März, die beide nicht Tagesschau- und Talkshow-fähig waren. Von Rupert Neudeck
Es war eine gewaltig gute Rede, die der Prinz Hassan bin Talal in Berlin gehalten hat. Nein, es waren an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zwei große Auftritte und Reden, in denen er die deutsche Politik und Gesellschaft eindringlich auf die Zukunftsaufgaben der Menschheit verpflichtete.
 
Er tat es am Abend des 4. März in Berlin aus Anlass der Ehrung durch den Abraham Geiger- Preis, den die Abraham Geiger-Akademie in Potsdam an Personen vergibt, die sich durch Verständnis- und Versöhnungsarbeit  in ihrem Lebenswerk auszeichnen.
 
Die zweite Rede hielt Prinz El Hassan am Vormittag bei dem ersten großen Tag, zu dem er als Förderer der Global Marshall Plan Initiative alle Organisationen und Mitträger aufgerufen hatte, nach Berlin zu kommen, zu einem ganzen Tag Beratung. „Save the World Now“ hieß das Thema dieser einzigartigen Veranstaltung.
 
Wolfgang Schäuble hatte den großen Brückenbauer Prinz El Hassan bin Talal gewürdigt, ohne den ein Blick auf die politischen Abgründe, die den Nahen Osten trennen, den Zeitzeugen nur noch trübsinnig machen kann.
 
An ein Wunder grenzte die Verbindung des großen Historikers und jüdischen Intellektuellen Abraham Geiger mit Prinz El Hassan, denn beide haben sich den drei grundlegenden Prinzipien gewidmet: Die Glaubensfreiheit; die akademische und die Politische Freiheit.

Prinz Hassan würdigte – parallel zu einem Völkermord in Darfur, der schleichend die Weltbeziehungen der Staaten Afrikas vergiftet und zu genozidalen Versuchen führt, ganze Bevölkerungen einzusperren und zu bestrafen – die Völkermordkonvention von 1948 als das einschneidende Fortschrittsereignis der Menschheit. Er sei 2000 in Auschwitz gewesen. Er wurde gefragt, warum er als Araber dorthin gehe: Ein „tiefes Gefühl der Mitmenschlichkeit“ habe ihn an diesen schrecklichen Ort gezogen. Er erinnerte daran, dass seine Schwiegermutter die Begum Ikramullah als Mitglied der pakistanischen Delegation bei der UNO 1948 die Arbeit von Professor Raphael Lemkins stark unterstützt hat, der diese Konvention erarbeitet hat. Lemkins hatte – daran erinnerte Prinz Hassan  - 24 Familienmitglieder im Holocaust verloren.
 
Zwei mal verwies Prinz Hassan auf den Grand Mufti von Sarajevo Mustafa Ceric, der auch eine tragende Säule im Kuratorium der Grünhelme ist. Mustafa Ceric ist für die bosnischen Muslime, die schon immer den europäischen Islam kreiert haben, mit der Erklärung der europäischen Muslime herausgekommen, die nach dem 11. 9.2001 und den nachfolgenden Schrecken immer notwendiger geworden ist. Die Welt sei für die Muslime nach diesem 11.09.2001 ein sehr viel weniger einladender Platz geworden. Mustafa Ceric habe den Muslimen aufgetragen, „der ganzen Welt den nicht gewalttätigen Charakter ihres Glaubens vor Augen zu führen“.

Die Abraham Geiger-Akademie ist der große lebendige Hort des liberalen Reformjudentums, das die Welt, aber besonders Israel, Palästina und alle arabischen Länder so bitter nötig haben. Prof. Walter Homolka ist der Direktor der Akademie und des Preises. Zu Recht hat man bei dieser Festveranstaltung ihn für diese Anstrengungen mehrmals lobend ausgezeichnet. Er ist ein wichtiges Mitglied im Kuratorium der Grünhelme e.V..
 
Einen Tag später, nicht am gleichen Ort, sondern in dem vornehmsten Hotel von Berlin, dem Hotel Adlon: Eine Koalition für ein „Weltbürger-Parlament“, hervorgegangen aus der in Österreich und Deutschland begründeten Globalen Marshall-Plan Initiative. Für diejenigen unter den Anwesenden, die ihre besten Stunden bisher nicht in solchen vornehmen Hotels verbracht haben, gab es eine einleuchtende Erklärung. Der Direktor von Hotel Adlon hatte die Räumlichkeiten für die Global Marshall Plan - Sitzung kostenlos zur Verfügung gestellt.

Auf dieser Konferenz rief der Prinz El Hassan von Jordanien zu einer praktischen Debatte über die gerechte Verteilung der „globalen Gemeingüter“ auf. Damit meinte er die großen Herausforderungen: Saubere Luft, sauberes Wasser, Migration oder Ressourcenverteilung. „Civis Romanus sum“, zitierte der polyglotte, in Cambridge ausgebildete Prinz Hassan: Das müsste noch weiter variiert werden als es John F. Kennedy tat bei seiner legendären Rede am Schöneberger Rathaus: „Ich bin ein Berliner“. „Civis Mundanus sum“, muss es heute heißen: Ich bin ein freier Weltbürger.
 
Unter den Teilnehmern der Veranstaltung auch der Chef des UN-Umweltprogramms Klaus Töpfer, der österreichische Vizekanzler a.D. Joseph Riegler, der französische Ex Präsident Olivier Giscard d’Estaing. Es wurde mit den besten technologischen Kommunikationsinstrumenten gearbeitet, die in ein interaktives Online Portal münden sollen. 
 
Die Initiative "Coalition for the Global Commons" sollte man sehr ernst nehmen, es ist der Versuch aller verantwortungsbewussten alternativen Politiker, Wissenschaftler, Journalisten, aber auch aller Bürgerinnen und Bürger, sich nicht mit der real existierenden UNO und Ihren viel zu abgehobenen Megainstitutionen und Trägheiten zu begnügen. Es ist jetzt an der Zeit, sagte Prinz Hassan, „einen Dialog zu beginnen und alle Bewohner unseres Planeten aufzurufen, über verantwortungsvolle Maßnahmen zu entscheiden.“
 
Wolfgang Schäuble sagte zu Ende seiner schönen Laudatio: Persönlichkeiten wie Abraham Geiger und Prinz Hassan machen uns klar, wie ein fruchtbarer Dialog zwischen Islam, Judentum und Christentum geführt werden kann. „Um den Boden für die gewaltigen Aufgaben der Zukunft zu bereiten, brauchen wir Persönlichkeiten wie den Prinzen Hassan.“
Quelle:
Rupert Neudeck 2008
Grünhelme 2008
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