Eine Welt
Für die Kastenlosen und Unberührbaren, die "Dalits", hat die Bonner Hilfsorganisation Andheri Hilfe mit Spendengeldern der Fernsehzuschauer ein ganzes Dorf mit 76 festen Häusern gebaut!
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Franz Alt für REPORT Mainz in Indien
Was mit Ihren Spenden im Tsunami-Gebiet erreicht wurde. Den REPORT-Film und den Text finden Sie hier.
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Artikel 212 von 369
:: "Wir danken den Deutschen unser Leben lang"
Franz Alt bei den Tsunami-Opfern in Südindien.
Zweiter Weihnachtsfeiertag 2004: Im südindischen Tamil Nadu erlebte ich mit meinem Fernsehteam die Auswirkungen des Tsunami: Nie zuvor wurde über eine Naturkatastrophe in Entwicklungsländern weltweit so lange und so ausführlich berichtet. Endlich einmal ziehen die Fernsehteams der reichen Länder mit ihren Sensationsbilder nicht schon nach wenigen Tagen wieder ab. Sollte die Tsunami-Katastrophe vielleicht ein Wendepunkt in der Sensibilität der Reichen gegenüber den Armen dieser Welt bedeuten? fragte ich damals in drei ARD-Reportagen.
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Zweiter Weihnachtsfeiertag 2006: Mit demselben indischen Kamerateam sind wir wieder bei den Menschen, über deren Schicksal wir 2004 berichtet hatten. Die 30.000 Einwohner-Stadt Tharangampady hatte 279 Todesopfer durch den Tsunami zu beklagen, darunter 140 Kinder. Jetzt wird zur Todesminute um 9:10 Uhr morgens in der gesamten Stadt geschwiegen und danach ein eindrucksvolles Denkmal mit den inzwischen bekannten Namen aller Toten eingeweiht.
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Erst ein Drittel der Überlebenden in Südindien, die vor zwei Jahren obdachlos geworden waren, leben inzwischen in festen Häusern. Die indische Regierung wollte die Häuser nicht mehr direkt am Meer errichten, sondern etwa 1,5 Kilometer im Landesinnern. Die Klärung der Grundstücksrechte hatte lange gedauert. Wir erfahren, dass die höhere Kaste der Fischer, die besonders viele Tote und zerstörte Häuser zu beklagen hatte, bevorzugt behandelt wurde und die Kastenlosen wieder einmal benachteiligt sind.
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Besonders für diese Kastenlosen und Unberührbaren, die "Dalits", hat sich die Bonner Hilfsorganisation Andheri Hilfe engagiert und mit Spendengeldern der Fernsehzuschauer ein ganzes Dorf mit 76 festen Häusern gebaut, auf einem über einem Meter hohen Fundament und einem ausgebauten Dach, das über eine Steintreppe als sichere Fluchtmöglichkeit leicht zu erreichen ist. Wir feiern mit den "Unberührbaren" den Einzug in die ersten Häuser.
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Sie können ihr Glück kaum fassen. Vorher lebten sie in nur mit Palmenblättern gedeckten Hütten, seit zwei Jahren in menschenunwürdigen, von Holzfeuern verrauchten und ungesunden Massenunterkünften und nun erstmals in ihrem Leben in festen Steinhäusern. "Wir fühlen uns wie neu geboren. So glücklich sind wir", sagt mir der 45-jährige Rachu. Er wohnt jetzt mit seiner Frau Zandra und seinen vier Kindern in einem Zwei-Zimmer-Haus mit Küche, das ihm beinahe wie ein Palast vorkommt. Erstmals hat die Familie eine eigene Toilette.
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Rachus Familie gedenkt durch das Pflanzen eines Kokosnussbaums an diesem 26. Dezember ihrer Tochter Sudha, die als neunjährige vor zwei Jahren durch den Tsunami ihr Leben verlor. Das Mädchen war vor der Hütte beim Spielen von der Tsunami-Killerwelle in den Tod gerissen worden. "Die letzten zwei Jahre waren ein Albtraum für uns", sagen die Eltern. "Wir denken jeden Tag an unsere tote Tochter. Aber jetzt haben wir wieder Hoffnung." Die Tochter ging in die vierte Klasse und wollte einmal Lehrerin werden. Sie war die große Zukunftshoffnung der Familie, die vom Tagelöhnergehalt des Vaters, etwa einem halben Euro pro Tag, leben muss. "Sagen Sie den Deutschen, dass wir für die Hilfe ein Leben lang dankbar sind", bitten sie uns mit Tränen in den Augen. Die Andheri Hilfe musste für jedes der neuen Häuser etwa 3.000 Euro an Spendengeldern einsetzen. Selten dürfte deutsche Hilfe Menschen so glücklich gemacht haben. Einige „Unberührbare“ sagen uns beim Abschied: „Ihr habt uns unsere Würde wiedergegeben.“
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Der indische Professor Immanuel Prabakar, Tsunami-Beauftragter der indischen Regierung, spricht ebenso wie die 80-jährige Gründerin der Andheri Hilfe Bonn, Rosi Gollmann, "von einem Tag der Trauer und der Hoffnung". "Damals standen wir vor dem schieren Nichts - jetzt haben unsere Menschen wieder Hoffnung auf Zukunft", sagte der Professor voller Stolz und Freude.
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Die Andheri Hilfe hat das erste Tsunami-Dorf in ganz Südindien für die Ärmsten der Armen aufgebaut. Sie ist auch die einzige ausländische Hilfsorganisation, die den Tsunami-Opfern Arbeitsplätze organisiert hat, damit sie zum ersten Mal in ihrem Leben ein festes Einkommen haben. 32 Arbeitsplätze entstanden durch eine Backstein-Fabrik, in der die „Unberührbaren“ die Steine für ihre Häuser selbst fertigten und damit erstmals in ihrem Leben einen festen Job hatten. Jetzt verkaufen sie die Backsteine und später einmal soll ihnen die Fabrik selbst gehören. Die deutsche Andheri Hilfe hat aus „Unberührbaren“ Fabrikbesitzer gemacht. Aber auch Landbesitzer.
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Denn gegen Abend dieses denkwürdigen zweiten Weihnachtstages 2006 filmen wir ein in ganz Indien einmaliges Entwicklungsprojekt. Die "Unberührbaren" entwickelten mit Hilfe westlicher Entsalzungsexperten ein Verfahren, um die vom Meerwasser des Tsunami versalzten Böden an der Küste wieder zu entsalzen: Sie bauten Drainagen im Abstand von je 8 Metern und pflanzten kleine Bäumchen - in Indien Sesbania grandiflora genannt, die dem Boden wieder das Salz entziehen. Während die Küstengebiete Südindiens beinahe 2.000 Kilometer lang fast noch total versalzen und kahl sind, wachsen auf diesem Entwicklungsprojekt schon wieder der erste Reis, Bananenstauden und Gemüse.
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Noch ist die erste Ernte bescheiden. Aber Experten rechnen schon in zwei bis drei Jahren wieder mit "ganz normalen Ernteergebnissen". Als die Andheri Hilfe Bonn diese Entsalzungsversuche mit den "Dalits" startete, reagierte die indische Regierung zurückhaltend bis ablehnend. Doch jetzt kommen Fachleute aus ganz Indien, um dieses "Entsalzungswunder" zu bestaunen.
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Das wieder fruchtbar gewordene Land soll sogar den "Unberührbaren" als Eigentum übertragen werden. In der starren indischen Kastengesellschaft ein beinahe unglaublicher sozialer Fortschritt. Auch die indischen Medien sprechen am zweiten Jahrestag der Tsunami-Killerwelle erstmals wieder von der Chance, die auch diese Katastrophe beinhaltet.
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Franz Alts TV-Reportagen über die Tsunami-Opfer laufen am
ARD | 08.01.2007 | 21:45 Uhr "Report Mainz" (mehr)Â
HR3 | 13.01.2007 | 16:30 Uhr
HR3 | 14.01.2007Â | 11:00 UhrÂ
SWR Fernsehen | 24.01.2007 | 22.30 Uhr
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Zweiter Weihnachtsfeiertag 2006: Mit demselben indischen Kamerateam sind wir wieder bei den Menschen, über deren Schicksal wir 2004 berichtet hatten. Die 30.000 Einwohner-Stadt Tharangampady hatte 279 Todesopfer durch den Tsunami zu beklagen, darunter 140 Kinder. Jetzt wird zur Todesminute um 9:10 Uhr morgens in der gesamten Stadt geschwiegen und danach ein eindrucksvolles Denkmal mit den inzwischen bekannten Namen aller Toten eingeweiht.
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Erst ein Drittel der Überlebenden in Südindien, die vor zwei Jahren obdachlos geworden waren, leben inzwischen in festen Häusern. Die indische Regierung wollte die Häuser nicht mehr direkt am Meer errichten, sondern etwa 1,5 Kilometer im Landesinnern. Die Klärung der Grundstücksrechte hatte lange gedauert. Wir erfahren, dass die höhere Kaste der Fischer, die besonders viele Tote und zerstörte Häuser zu beklagen hatte, bevorzugt behandelt wurde und die Kastenlosen wieder einmal benachteiligt sind.
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Besonders für diese Kastenlosen und Unberührbaren, die "Dalits", hat sich die Bonner Hilfsorganisation Andheri Hilfe engagiert und mit Spendengeldern der Fernsehzuschauer ein ganzes Dorf mit 76 festen Häusern gebaut, auf einem über einem Meter hohen Fundament und einem ausgebauten Dach, das über eine Steintreppe als sichere Fluchtmöglichkeit leicht zu erreichen ist. Wir feiern mit den "Unberührbaren" den Einzug in die ersten Häuser.
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Sie können ihr Glück kaum fassen. Vorher lebten sie in nur mit Palmenblättern gedeckten Hütten, seit zwei Jahren in menschenunwürdigen, von Holzfeuern verrauchten und ungesunden Massenunterkünften und nun erstmals in ihrem Leben in festen Steinhäusern. "Wir fühlen uns wie neu geboren. So glücklich sind wir", sagt mir der 45-jährige Rachu. Er wohnt jetzt mit seiner Frau Zandra und seinen vier Kindern in einem Zwei-Zimmer-Haus mit Küche, das ihm beinahe wie ein Palast vorkommt. Erstmals hat die Familie eine eigene Toilette.
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Rachus Familie gedenkt durch das Pflanzen eines Kokosnussbaums an diesem 26. Dezember ihrer Tochter Sudha, die als neunjährige vor zwei Jahren durch den Tsunami ihr Leben verlor. Das Mädchen war vor der Hütte beim Spielen von der Tsunami-Killerwelle in den Tod gerissen worden. "Die letzten zwei Jahre waren ein Albtraum für uns", sagen die Eltern. "Wir denken jeden Tag an unsere tote Tochter. Aber jetzt haben wir wieder Hoffnung." Die Tochter ging in die vierte Klasse und wollte einmal Lehrerin werden. Sie war die große Zukunftshoffnung der Familie, die vom Tagelöhnergehalt des Vaters, etwa einem halben Euro pro Tag, leben muss. "Sagen Sie den Deutschen, dass wir für die Hilfe ein Leben lang dankbar sind", bitten sie uns mit Tränen in den Augen. Die Andheri Hilfe musste für jedes der neuen Häuser etwa 3.000 Euro an Spendengeldern einsetzen. Selten dürfte deutsche Hilfe Menschen so glücklich gemacht haben. Einige „Unberührbare“ sagen uns beim Abschied: „Ihr habt uns unsere Würde wiedergegeben.“
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Der indische Professor Immanuel Prabakar, Tsunami-Beauftragter der indischen Regierung, spricht ebenso wie die 80-jährige Gründerin der Andheri Hilfe Bonn, Rosi Gollmann, "von einem Tag der Trauer und der Hoffnung". "Damals standen wir vor dem schieren Nichts - jetzt haben unsere Menschen wieder Hoffnung auf Zukunft", sagte der Professor voller Stolz und Freude.
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Die Andheri Hilfe hat das erste Tsunami-Dorf in ganz Südindien für die Ärmsten der Armen aufgebaut. Sie ist auch die einzige ausländische Hilfsorganisation, die den Tsunami-Opfern Arbeitsplätze organisiert hat, damit sie zum ersten Mal in ihrem Leben ein festes Einkommen haben. 32 Arbeitsplätze entstanden durch eine Backstein-Fabrik, in der die „Unberührbaren“ die Steine für ihre Häuser selbst fertigten und damit erstmals in ihrem Leben einen festen Job hatten. Jetzt verkaufen sie die Backsteine und später einmal soll ihnen die Fabrik selbst gehören. Die deutsche Andheri Hilfe hat aus „Unberührbaren“ Fabrikbesitzer gemacht. Aber auch Landbesitzer.
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Denn gegen Abend dieses denkwürdigen zweiten Weihnachtstages 2006 filmen wir ein in ganz Indien einmaliges Entwicklungsprojekt. Die "Unberührbaren" entwickelten mit Hilfe westlicher Entsalzungsexperten ein Verfahren, um die vom Meerwasser des Tsunami versalzten Böden an der Küste wieder zu entsalzen: Sie bauten Drainagen im Abstand von je 8 Metern und pflanzten kleine Bäumchen - in Indien Sesbania grandiflora genannt, die dem Boden wieder das Salz entziehen. Während die Küstengebiete Südindiens beinahe 2.000 Kilometer lang fast noch total versalzen und kahl sind, wachsen auf diesem Entwicklungsprojekt schon wieder der erste Reis, Bananenstauden und Gemüse.
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Noch ist die erste Ernte bescheiden. Aber Experten rechnen schon in zwei bis drei Jahren wieder mit "ganz normalen Ernteergebnissen". Als die Andheri Hilfe Bonn diese Entsalzungsversuche mit den "Dalits" startete, reagierte die indische Regierung zurückhaltend bis ablehnend. Doch jetzt kommen Fachleute aus ganz Indien, um dieses "Entsalzungswunder" zu bestaunen.
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Das wieder fruchtbar gewordene Land soll sogar den "Unberührbaren" als Eigentum übertragen werden. In der starren indischen Kastengesellschaft ein beinahe unglaublicher sozialer Fortschritt. Auch die indischen Medien sprechen am zweiten Jahrestag der Tsunami-Killerwelle erstmals wieder von der Chance, die auch diese Katastrophe beinhaltet.
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Franz Alts TV-Reportagen über die Tsunami-Opfer laufen am
ARD | 08.01.2007 | 21:45 Uhr "Report Mainz" (mehr)Â
HR3 | 13.01.2007 | 16:30 Uhr
HR3 | 14.01.2007Â | 11:00 UhrÂ
SWR Fernsehen | 24.01.2007 | 22.30 Uhr
Quelle:
Franz Alt 2007
Franz Alt 2007
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