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:: Die Priorität der Stromnetzinvestitionen muss bei intelligenten Regional- und Lokalanbietern liegen
Hermann Scheer, Präsident von EUROSOLAR, schreibt zu dem Vorschlag des 30-Mrd-Hochspannungsnetzes unter der Nordsee.
Immer wenn es um Grossprojekte geht, das mehrstellige Milliardensummen erfordert, ist die öffentliche Aufmerksamkeit gesichert. So aktuell auch wieder bei dem mit einem Investitionsvolumen von 30 Mrd. EUR veranschlagtem Projekt von Nordsee-Hochspannungskabeln, die der Lieferung von Windstrom aus „Offshore“- Windparks und norwegischen Wasserstauseen dienen sollen.
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Prinzipiell gilt für alle Investitionen, dass deren Auslegung von den tatsächlichen Stromnetz- und Stromerzeugungsstandorten ausgehen muss. Problematisch wird es, wenn dagegen neue Netzinvestitionen der Anlageninvestitionen vorgeschaltet werden und damit nicht nur Erzeugungsstandorte vorbestimmen, sondern auch Stromerzeugungsstrukturen. Dieses Problem stellt sich vor allem für den generellen Strukturwandel zur Stromproduktion aus erneuerbaren Energien, der in allererster Linie zu dezentraler Stromerzeugung führen muss – also zu einer Erzeugung an vielen Standorten in breiter regionaler Streuung.
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Das bedeutet konkret:
Der Ausbau der einzelnen Versorgungsleitungen von bestehenden norwegischen Wasserkraftwerken nach Zentraleuropa ist vernünftig, um auf diesem Wege schneller zu einem notwendigen und vollständigem Strommix mit erneuerbaren Energien – insbesondere zu einer Reserveleistung für die Windkraft in windarmen Sommermonaten – zu kommen.
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Jede Investition für Untersee-Hochspannungskabel von off-shore-Windparks in der Nordsee muss davon abhängig bleiben, dass derartige Produktionsstätten tatsächlich sichergestellt sind. Wieviel Kapazitäten es sein werden, steht jedoch in den Sternen. Es bleibt mehr als fraglich ob tatsächlich eine „off-shore“-Kapazität von 100 Gigawatt in der Nordsee (entsprechend 100 Kohlekraftwerken von je 1000 Megawatt) entsteht, wie ihn europäische Stromkonzerne planen.
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Denn zweifelsfrei steht fest, dass Windkraftanlagen auf dem Festland („onshore“) oder an Flachküsten („nearshore“) zu deutlich niedrigeren Kosten produzieren können. Dabei wird es auch bleiben. Nicht zufällig muss Windstrom aus „Offshore“-Anlagen nach dem deutschen EEG eine um 40% höhere Einspeisungsvergütung pro Kilowattstunde erhalten als Windstrom vom Festland. Ein einseitiges Setzen auf „Offshore“-Anlagen ist deshalb falsch, weil es dem Wechsel zu erneuerbaren Energien verteuert und zeitlich verzögert. Dass die Stromkonzerne dennoch prioritär darauf setzen, ergibt sich allein aus ihrem Ziel, ihr Oligopol als Stromproduzent erhalten zu wollen, das sie mit ihren Atom- und Kohlekraftwerken errungen haben.
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Die Priorität bei Netzinvestitionen muss deshalb bei intelligenten Netzen auf kommunaler und regionaler Ebene liegen, die den Investitionsrahmen für den Ausbau dezentraler Kapazitäten in den Kommunen und Regionen öffnen.Deshalb rate ich von einer aller voreiligen pauschalen Unterstützung der „North Seas Countries‘ Offshore Grid Initiative“ ab, wie sie etwa von Greenpeace vorgenommen wurde. Hinter dieser Initiative steht unverkennbar die Absicht, für den Ausbau der Windkraft eine zentrale Erzeugungsstruktur in den Händen der Stromkonzerne in „Offshore“-Windparks vorzuprogrammieren und indirekt einem Ausbau der dezentralen Erzeugung in vielen Händen – Stadtwerken wie privaten Betreibern – die Netzwege zu verstellen.
Hermann Scheer 2010
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