Erneuerbare Energien
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:: Die richtige Mischung
Deutschland fördert die erneuerbaren Energien so erfolgreich wie niemand sonst und diskutiert ernsthaft, ob das sinnvoll ist. Von Eicke R. Weber
Man stelle sich ein Autorennen vor, in dem Teams verschiedener Länder um den „Großen Preis der Nationen" konkurrieren. Einsam an der Spitze liegt das deutsche Team. Der Grund: Durch einen speziellen TreibÂstoff ist sein Fahrzeug das Schnellste. Trotzdem beginnt das Team zu diskutieÂren, ob die Kosten für den Treibstoff zu hoch sind. Eventuell solle man doch zum Sprit der anderen wechseln.
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Genau so stellt sich derzeit die Situation bei den alÂternativen Energien dar: Der „Große Preis", das ist die Entwicklung erneuerÂbarer Energien auf ein Niveau, das sie universell einsatzfähig macht und damit die Abhängigkeit der Menschheit von fossilen Brennstoffen beendet. Die Autos, das sind in diesem Gleichnis die Fortschritte, die die einzelnen Länder auf dem Weg zu diesem Ziel erreichen. Der spezielle Treibstoff, mit dem das deutÂsche Auto fährt, ist das „Erneuerbare- Energien Gesetz" (EEG), das es seit dem Jahr 2000 gibt.
Dieses Gesetz steht seit einiger Zeit imÂmer häufiger in der Kritik. Die erneuerÂbaren Energien (aus Sonne, Wind, WasÂser, Biomasse, Erdwärme sowie DepoÂnie-, Klär- und Grubengas) seien „überfördert". Die beteiligten Unternehmen würden ungerechtfertigt hohe Gewinne erwirtschaften. Ineffiziente TechnoloÂgien würden unterstützt, insbesondere Solarstrom könnte in unseren Breiten nicht effizient eingesetzt werden. Demgegenüber verfolgt die Bundesregierung das Ziel, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung in Deutschland weiter zu erhöhen. Seit das Gesetz vor acht Jahren in Kraft trat, hat sich der Anteil der erneuerbaren EnerÂgien an der Stromerzeugung bereits mehr als verdoppelt - von 6,3 Prozent auf etwa 14 Prozent. Das Etappenziel des GeÂsetzes wurde damit übertroffen: Geplant war, bis zum Jahr 2010 einen Anteil von mindestens 12,5 Prozent zu schaffen. Bis zum Jahr 2020 will die Regierung diesen Anteil auf 25 bis 30 Prozent erhöhen. EiÂne Expertenanhörung am vergangenen, Montag hat sie in diesem Ziel bestätigt.
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Das Gesetz funktioniert simpel: NetzÂbetreiber werden verpflichtet, Strom aus erneuerbaren Energien zum gesetzlich festgelegten Preis abzunehmen, der sich an den jeweiligen Kosten der Erzeugung orientiert. Sie haben dadurch zusätzliÂche Kosten, wälzen diese jedoch auf die Verbraucher ab.
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Die Vorteile dieses SysÂtems liegen auf der Hand: Die erneuerbaÂren Energien werden nicht über Steuern finanziert, sondern durch einen AufÂschlag auf den Strompreis. Dieser ist moÂderat - für einen durchschnittlichen Haushalt beträgt er rund zwei Euro pro Monat. Ein weiterer Vorteil des EEG ist die Planungssicherheit für die Erzeuger der erneuerbaren Energien. Sie wissen, dass sie ihre Produktion langfristig verÂkaufen können, und auch, zu welchem Preis. Die Planungssicherheit erleichtert es den Unternehmen, Anlagen zu errichÂten, Produktionskapazitäten zu schafÂfen, Mitarbeiter einzustellen und auszuÂbilden sowie in Forschung und EntwickÂlung zu investieren. Im Jahr 2006 gab die Branche bereits 236.000 Menschen ArÂbeit. Sie erwirtschafteten einen Umsatz von 23 Milliarden Euro. 134.000 ArbeitsÂplätze beziehungsweise 14,2 Milliarden Euro davon waren direkt dem Gesetz zuÂzuordnen.
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Bei drei der jüngsten Megatechnologien musste Deutschland die Spitzenposition anderen Ländern überlassen, bei der MiÂkro- und der Nano-Elektronik sowie bei der Biotechnologie. Bei den erneuerbaÂren Energien aber liegen wir ganz vorne. Die Chancen stehen gut, dass dieser Markt einmal ein zentraler Markt für unÂsere Volkswirtschaft sein wird, einer, der dann die Bedeutung haben wird, die heuÂte noch die Automobilindustrie hat. Bei den erneuerbaren Energien werden bis zu 80 Prozent der hergestellten ProduktiÂonsanlagen exportiert. Voraussetzung für Exporte aber ist, dass der HeimatÂmarkt funktioniert: Man muss potentielÂlen Kunden schließlich eine überzeugenÂde Demonstration der Anlagentechnik bieten können. (Zudem verringert diese Art der Erzeugung von Energie die AbÂhängigkeit von Brennstoff-Importen aus politisch instabilen Weltregionen.)
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Wie sollte dieser Heimatmarkt beÂschaffen sein?
Auf den Mix kommt es an. Betrachtet man die Möglichkeiten der verschiedenen Formen erneuerbarer Energien, so wird klar: Die meisten stoÂßen schnell an Grenzen. Biomasse, Geothermie und Wasserkraft eignen sich, um den Grundbedarf mit abzudecken. Wind kann vor allem nah der Küste zur StromÂerzeugung eingesetzt werden, mal gibt es ihn jedoch mehr, mal weniger. Das höchsÂte Potential verspricht die Sonne: In nur einer Stunde strahlt sie die EnergiemenÂge auf die Erde, die die gesamte MenschÂheit pro Jahr verbraucht. Zudem hat SonÂnenenergie den Vorteil, dass sie vor allem dann anfällt, wenn der Energiebedarf am höchsten ist, nämlich mittags. Sie eigÂnet sich daher ideal zur Deckung der tägÂlichen Bedarfsspitzen.
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Zwar ist aus Sonnenlicht erzeugter Strom heute noch teurer als der aus Wind, Wasser und Biomasse. Dies wird sich jedoch ändern, denn die Kosten für Solarstrom sinken durch kontinuierliche Fortschritte bei der ProduktionstechnoÂlogie. Es ist kein Zufall, dass sich in dieÂsem Markt viele Unternehmen aus der Halbleiterbranche tummeln, denn die Produktionsverfahren ähneln sich. In den sechziger Jahren prophezeite der Physiker (und spätere Mitbegründer von Intel) Gordon Moore, dass sich die ReÂchenleistung von Computerchips alle 18 bis 24 Monate verdoppelt. Moores Gesetz lässt sich auf die Herstellung von SolarÂzellen übertragen. Dem trägt das EEG Rechnung. Die Fördersätze für die einzelÂnen Energieformen sinken Jahr für Jahr. Dies ist ein sehr charmanter Vorzug des Gesetzes: Im Gegensatz zu den meisten Steuern werden diese Subventionen eiÂnes Tages von selbst verschwinden.
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Alle Experten waren sich am vergangeÂnen Montag im Bundestag einig, dass ein möglichst schneller Ausbau der SolarÂenergie nur erreicht werden kann, wenn die Fördersätze nicht allzu stark und schnell sinken (wie es einige Kritiker des Gesetzes verlangen). Denn darum geht es doch: so viel Solarstrom zu erzeugen, dass der Preis dafür nicht mehr höher ist als für Strom aus konventionellen QuelÂlen.
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Dieses Ziel könnte vielleicht sogar noch vor 2015 erreicht werden. ÖkonomiÂsche Antriebe sind erwiesenermaßen die wirkungsvollsten, um das menschliche Handeln zu steuern. Doch auch die ökoloÂgischen Effekte des EEG sind nicht zu verachten: Durch den Einsatz erneuerbaÂrer Energien wird schon derzeit pro Jahr der Ausstoß von Kohlendioxid in Deutschland um mehr als 100 Millionen Tonnen reduziert.
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Genau so stellt sich derzeit die Situation bei den alÂternativen Energien dar: Der „Große Preis", das ist die Entwicklung erneuerÂbarer Energien auf ein Niveau, das sie universell einsatzfähig macht und damit die Abhängigkeit der Menschheit von fossilen Brennstoffen beendet. Die Autos, das sind in diesem Gleichnis die Fortschritte, die die einzelnen Länder auf dem Weg zu diesem Ziel erreichen. Der spezielle Treibstoff, mit dem das deutÂsche Auto fährt, ist das „Erneuerbare- Energien Gesetz" (EEG), das es seit dem Jahr 2000 gibt.
Dieses Gesetz steht seit einiger Zeit imÂmer häufiger in der Kritik. Die erneuerÂbaren Energien (aus Sonne, Wind, WasÂser, Biomasse, Erdwärme sowie DepoÂnie-, Klär- und Grubengas) seien „überfördert". Die beteiligten Unternehmen würden ungerechtfertigt hohe Gewinne erwirtschaften. Ineffiziente TechnoloÂgien würden unterstützt, insbesondere Solarstrom könnte in unseren Breiten nicht effizient eingesetzt werden. Demgegenüber verfolgt die Bundesregierung das Ziel, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung in Deutschland weiter zu erhöhen. Seit das Gesetz vor acht Jahren in Kraft trat, hat sich der Anteil der erneuerbaren EnerÂgien an der Stromerzeugung bereits mehr als verdoppelt - von 6,3 Prozent auf etwa 14 Prozent. Das Etappenziel des GeÂsetzes wurde damit übertroffen: Geplant war, bis zum Jahr 2010 einen Anteil von mindestens 12,5 Prozent zu schaffen. Bis zum Jahr 2020 will die Regierung diesen Anteil auf 25 bis 30 Prozent erhöhen. EiÂne Expertenanhörung am vergangenen, Montag hat sie in diesem Ziel bestätigt.
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Das Gesetz funktioniert simpel: NetzÂbetreiber werden verpflichtet, Strom aus erneuerbaren Energien zum gesetzlich festgelegten Preis abzunehmen, der sich an den jeweiligen Kosten der Erzeugung orientiert. Sie haben dadurch zusätzliÂche Kosten, wälzen diese jedoch auf die Verbraucher ab.
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Die Vorteile dieses SysÂtems liegen auf der Hand: Die erneuerbaÂren Energien werden nicht über Steuern finanziert, sondern durch einen AufÂschlag auf den Strompreis. Dieser ist moÂderat - für einen durchschnittlichen Haushalt beträgt er rund zwei Euro pro Monat. Ein weiterer Vorteil des EEG ist die Planungssicherheit für die Erzeuger der erneuerbaren Energien. Sie wissen, dass sie ihre Produktion langfristig verÂkaufen können, und auch, zu welchem Preis. Die Planungssicherheit erleichtert es den Unternehmen, Anlagen zu errichÂten, Produktionskapazitäten zu schafÂfen, Mitarbeiter einzustellen und auszuÂbilden sowie in Forschung und EntwickÂlung zu investieren. Im Jahr 2006 gab die Branche bereits 236.000 Menschen ArÂbeit. Sie erwirtschafteten einen Umsatz von 23 Milliarden Euro. 134.000 ArbeitsÂplätze beziehungsweise 14,2 Milliarden Euro davon waren direkt dem Gesetz zuÂzuordnen.
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Bei drei der jüngsten Megatechnologien musste Deutschland die Spitzenposition anderen Ländern überlassen, bei der MiÂkro- und der Nano-Elektronik sowie bei der Biotechnologie. Bei den erneuerbaÂren Energien aber liegen wir ganz vorne. Die Chancen stehen gut, dass dieser Markt einmal ein zentraler Markt für unÂsere Volkswirtschaft sein wird, einer, der dann die Bedeutung haben wird, die heuÂte noch die Automobilindustrie hat. Bei den erneuerbaren Energien werden bis zu 80 Prozent der hergestellten ProduktiÂonsanlagen exportiert. Voraussetzung für Exporte aber ist, dass der HeimatÂmarkt funktioniert: Man muss potentielÂlen Kunden schließlich eine überzeugenÂde Demonstration der Anlagentechnik bieten können. (Zudem verringert diese Art der Erzeugung von Energie die AbÂhängigkeit von Brennstoff-Importen aus politisch instabilen Weltregionen.)
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Wie sollte dieser Heimatmarkt beÂschaffen sein?
Auf den Mix kommt es an. Betrachtet man die Möglichkeiten der verschiedenen Formen erneuerbarer Energien, so wird klar: Die meisten stoÂßen schnell an Grenzen. Biomasse, Geothermie und Wasserkraft eignen sich, um den Grundbedarf mit abzudecken. Wind kann vor allem nah der Küste zur StromÂerzeugung eingesetzt werden, mal gibt es ihn jedoch mehr, mal weniger. Das höchsÂte Potential verspricht die Sonne: In nur einer Stunde strahlt sie die EnergiemenÂge auf die Erde, die die gesamte MenschÂheit pro Jahr verbraucht. Zudem hat SonÂnenenergie den Vorteil, dass sie vor allem dann anfällt, wenn der Energiebedarf am höchsten ist, nämlich mittags. Sie eigÂnet sich daher ideal zur Deckung der tägÂlichen Bedarfsspitzen.
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Zwar ist aus Sonnenlicht erzeugter Strom heute noch teurer als der aus Wind, Wasser und Biomasse. Dies wird sich jedoch ändern, denn die Kosten für Solarstrom sinken durch kontinuierliche Fortschritte bei der ProduktionstechnoÂlogie. Es ist kein Zufall, dass sich in dieÂsem Markt viele Unternehmen aus der Halbleiterbranche tummeln, denn die Produktionsverfahren ähneln sich. In den sechziger Jahren prophezeite der Physiker (und spätere Mitbegründer von Intel) Gordon Moore, dass sich die ReÂchenleistung von Computerchips alle 18 bis 24 Monate verdoppelt. Moores Gesetz lässt sich auf die Herstellung von SolarÂzellen übertragen. Dem trägt das EEG Rechnung. Die Fördersätze für die einzelÂnen Energieformen sinken Jahr für Jahr. Dies ist ein sehr charmanter Vorzug des Gesetzes: Im Gegensatz zu den meisten Steuern werden diese Subventionen eiÂnes Tages von selbst verschwinden.
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Alle Experten waren sich am vergangeÂnen Montag im Bundestag einig, dass ein möglichst schneller Ausbau der SolarÂenergie nur erreicht werden kann, wenn die Fördersätze nicht allzu stark und schnell sinken (wie es einige Kritiker des Gesetzes verlangen). Denn darum geht es doch: so viel Solarstrom zu erzeugen, dass der Preis dafür nicht mehr höher ist als für Strom aus konventionellen QuelÂlen.
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Dieses Ziel könnte vielleicht sogar noch vor 2015 erreicht werden. ÖkonomiÂsche Antriebe sind erwiesenermaßen die wirkungsvollsten, um das menschliche Handeln zu steuern. Doch auch die ökoloÂgischen Effekte des EEG sind nicht zu verachten: Durch den Einsatz erneuerbaÂrer Energien wird schon derzeit pro Jahr der Ausstoß von Kohlendioxid in Deutschland um mehr als 100 Millionen Tonnen reduziert.
Quelle:
Eicke R. Weber 2008
Fraunhofer ISE 2008
Erstveröffentlichung:
Süddeutsche Zeitung, 07.05.2008
Eicke R. Weber 2008
Fraunhofer ISE 2008
Erstveröffentlichung:
Süddeutsche Zeitung, 07.05.2008
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